Es gibt zwar schon einen Beitrag Bundeswehr, da geht es aber nur um die Gleichstellungsdebatte. Ich hab ein anderes Thema, daher ein neuer thread.
Ich muss leider zum wiederholten Male feststellen, dass der Beitrag in der aktuellen Lage, ziemlich ungenau zwischen einem Wehrdienst, einer Wehrpflicht und dem freiwilligen Wehrdienst differenziert. Und das ist kein persönlicher Vorwurf, leider wird das insgesamt in der ganzen medialen / politischen Debatte nur sehr ungenau behandelt.
Ihr sagt sinngemäß in der Folge, dass die Bundeswehr auf 260000 aktive Soldaten aufwachsen soll und 200000 Reservisten benötigt werden. Alle jungen Männer sollen verpflichtend gemustert werden. Falls man dann aus diesem Pool, diese Zahlen mit freiwilligen nicht erreichen kann soll es eine Wehrpflicht geben.
Faktencheck:
Was ist eigentlich der (Grund) Wehrdienst und was ist der freiwillige Wehrdienst?
Der Grundwehrdienst ist das worüber wir aktuell diskutieren. Hier geht es um die sechs Monate (ganz früher 15, zum schluß nur neun) Grundwehrdienst. Alles über diese sechs Monate hinaus, ist freiwillig.
Was würde eine Pflicht daran ändern?
Nichts. Es geht auch bei der Wehrpflicht nur um diese sechs Monate. Alles darüber hinaus ist freiwillig. Das einzige was anwachsen würde, ist die Zahl der dann wehrpflichtigen Männer. Wir haben dadurch nicht mehr aktive berufs oder zeit Soldaten.
Was ist der freiwillige Wehrdienst?
Der freiwillige Wehrdienst war früher die Verlängerung des neun monatigen Wehrdienstes auf 23 Monate. Das wäre auch nach einer Wehrpflicht nur freiwillig.
Was sind aktive Berufs oder Zeitsoldaten?
Berufssoldaten sagt ja der Name. Zeit Soldaten verpflichten sich für x Jahre. 4, 8 oder 12. Das wäre auch nach einer Wehrpflicht freiwillig.
Was ist die aktive Reserve?
Das sind ehemalige Soldaten, die weiterhin jährlich auf Lehrgänge oder Übungen gehen. Ihren Rang aus ihrer Dienstzeit behalten und auch noch eine Uniform im Schrank haben. In die aktive Reserve einzutreten ist auch freiwillig.
Was ist die allgemeine Reserve?
Das sind ehemalige Soldaten und/oder Wehrdienstleistende, die zwar keinen Bezug mehr zur Bundeswehr haben, die im Verteidigungsfall aber wieder eingezogen werden können. Also theoretisch ständen hierfür alle Männer zwischen 18-69 Jahre zur Verfügung. Das deckt wiederum die Wehrpflicht ab.
Wieso dann nicht die Leute in die Reserve mit einrechnen die schon mal Wehrdienst geleistet haben?
Die Daten wurden nach Aussetzung der Wehrpflicht 2011 gelöscht. Man weiß es nicht.
Fazit:
Wie ihr vielleicht gelesen habt, steht in dem Text sehr oft das Wort freiwillig, Wehrpflicht hin oder her. Die ganze Debatte um die Wehrpflicht, im Sinne von, wir führen sie wieder ein, denn wir erreichen unsere Zahlen nicht (bezogen auf aktive Soldaten und Reserve) ist daher einfach nur Quatsch. Niemand weiß, wie viele sich nach dem Grundwehrdienst tatsächlich freiwillig verpflichten. Die Wehrpflicht würde nur den Pool an potenziellen Männern im Grundwehrdienst anwachsen lassen. Die meisten davon wären aber mutmaßlich einfach nur froh die sechs Monate zu beenden, weil sonst hätten sie sich von vorher mutmaßlich freiwillig gemeldet.
Zu dem Thema empfehle ich wirklich diesen Stern Podcast mit christian mölliing Bundeswehr: Kann nur die Wehrpflicht die Truppe retten? — Die Lage international mit Christian Mölling — Overcast er geht genau auf diese Diskrepanz ein und macht auch Vorschläge was die Bundeswehr/Politik und Gesellschaft machen müssen um den freiwilligen Dienst wieder attraktiv zu machen.
Was mich auch stört ist die Debatte um das Losverfahren und den aktuellen Gesetzesentwurf. In der ersten Fassung gab es einen riesigen Aufschrei wegen des Losverfahrens Vorschlags seitens der Union. Nur ohne zu erwähnen, dass das Losverfahren sich in dem ersten Vorschlag nur die Pflicht zu Musterung bezog, weil die im ersten Entwurf nur freiwilligkeit vorgesehen hat. Nur ist die Musterung verpflichtend und das Losverfahren entscheidet im Fall der Fälle darüber ob man seinen Wehrdienst leisten muss. Das ist eine deutliche Verschärfung und wird einfach so weg moderiert.