Vielen Dank an das Lage-Team für eine weitere interessante Podcast-Folge.
Eine Aussage bitte ich Möglichst in der kommenden Folge zu korrigieren:
Der berüchtigte „Griff in die Eier“ bei jungen Männern im Rahmen der Musterung hat natürlich nichts damit zu tun, ob jemand „genug Eier“ für den Dienst in der Bundeswehr hat, sondern stellt eine medizinische Notwendigkeit im Rahmen der Einstellungsuntersuchung dar. Hierbei wird auf Anzeichen für Hodenkrebs (Risikogruppen sind hier Männer Anfang 20 und ab 65 Jahren) sowie auf Anzeichen für eine Neigung zum Leistenbruch (beispielsweise durch schweres Heben im Rahmen des Wehrdienstes) untersucht. Beides sind notwendige medizinische Untersuchungen, die auch heute noch durchgeführt werden und keine Schikane oder Ähnliches darstellen.
Als Mediziner bei der Bundeswehr ist mir daran gelegen, dass hier kein falsches Bild entsteht und angehenden Wehrdienstleistenden keine Angst vor dieser sicherlich nachvollziehbar manchmal als unangenehm empfundenen Untersuchung gemacht wird.
Vielen Dank und bis zur nächsten Folge!
Das hat einem bei der Musterung (zumindest mir) übrigens keiner gesagt, das hieß nur „Hose runter und husten Sie mal“. Hoffentlich hat man da für die Zukunft was gelernt, der Umgangston damals, also vor 20 Jahren, war unter aller Sau.
…, die Untersuchung kann auch der Hausarzt deines Vertrauens machen.
Ich wurde noch gemustert und diese Untersuchung dient nur der Demütigung und Machtdemonstration seitens des Staates: „Schau her, wir können dir sogar an die Eier greifen!“
Wenn sie wirklich Mediziner bei der Bundeswehr sind, dann sollten Sie sich dafür einsetzen den Quatsch in Zukunft sein zu lassen. Die Art und Weise wie ich gemustert wurde hat maßgeblich (!) dazu beigetragen, dass ich den Dienst an der Waffe verweigert habe.
Ich darf Sie beruhigen, der Ton bei der Bundeswehr ist lange nicht mehr so rau wie vor 20 Jahren.
Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich Ihnen nur berichten, dass auch Einstellungsuntersuchungen („Musterungen“) nach den Regeln der medizinischen Kunst durchgeführt werden und eine Machtdemonstration durch unnötig ruppige Untersuchungspraxis absolut inakzeptabel ist (und es höchstwahrscheinlich auch vor 20 Jahren schon waren).
Dass Sie, wie viele andere offenbar auch, negative Erfahrungen gemacht haben, ist an dieser Stelle selbstverständlich anzuerkennen und muss dazu anspornen, zukünftig besser mit angehenden Rekruten umzugehen.
Derzeit ist eine Musterung durch den jeweiligen Hausarzt (noch) nicht vorgesehen. Da es sich bei der Einstellungsuntersuchung um eine Begutachtung handelt, ist diese gem. derzeitiger Vorschriftenlage nur nach entsprechender Schulung durch einen Militärarzt/Militärärztin durchzuführen.
Und das bringt mich zu meiner ursprünglichen Einlassung zurück: Unabhängig davon, dass es sicherlich unangenehme Musterungsuntersuchungen gegeben haben mag, hat diese Untersuchung nach wie vor einen medizinischen Sinn und Zweck (Früherkennung von Hodentumoren des angehenden Rekruten/Wehrdienstleistenden und Prävention eines Leistenbruchs) und ist keinesfalls ein Instrument zur Demütigung des Patienten.
Klar, Hausärzte, die sowieso schon vor lauter Langeweile nicht wissen was sie tun sollen haben sicherlich richtig viel Interesse daran demnächst noch Musterungen durchzuführen und aus den Begutachtungsergebnissen die jeweiligen Gesundheitsziffern zu vergeben, die notwendig sind, um etwaige Verwendungsausschlüsse abzuleiten.
Naja, das würde ich jetzt so nicht sagen. Ich hab zum Beispiel mal von meinem Urologen gehört, dass zu Musterungszeiten noch viel früher erkannt wurde, wenn die Männer Krampfadern am Hoden hatten (wohl gar nicht so selten) und nicht erst wenn die irgendwann im Alter das erste Mal zur Vorsorge auftauchen. Was zwar an sich auch nichts schlimmes ist, aber solche Krampfadern sollte man im Blick behalten, weil die auf der einen Seite später problematisch werden könnten, und auf der anderen Seite auch negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben könnten.
Ich habe meine Musterung damals auch als sehr entwürdigend empfunden. Was da Abhilfe schaffen könnte, wäre neben einer angemesseneren Atmosphäre (Stichwort rauer Umgangston) auch bessere Kommunikation.
So wie ich es damals empfand, lag der Hauptfokus nicht auf meiner medizinischen Gesundheit und damit auch in meinem eigenen Interesse (beispielsweise durch Früherkennung). Der Hauptfokus schien mir einzig und allein auf die Bewertung meiner Tauglichkeit für den verpflichtenden Dienst an der Waffe zu gehen.
Die Kombi daraus, dass ich in sehr rauem Umgangston für die Tauglichkeit zum verpflichtenden Wehrdienst auf durchaus ruppige und sehr intime Weise untersucht wurde, hat bei mir eine sehr ablehnende Haltung erzeugt.
Wäre die Kommunikation und die Untersuchung damals etwas anders gelaufen, würde ich heute vielleicht anders darüber denken.
Warum eine Früherkennung nur bei Hodentumoren? Wenn ein Ziel bei Musterung wirklich eine gesundheitliche Vorsorgeuntersuchung wäre, dann müsste sie umfassender sein.
Woran ich mich erinnere sind ein Sehtest, ein Hörtest, zehn Kniebeugen mit anschließendem Blutdruckmessen und der Griff an die Hoden. Drei Untersuchungen die prüfen ob ich ein Gewehr tragen kann, zielen kann, hören kann und eine Untersuchung die prüft ob ich gehorsam bin.
Wenn ich damals schon die Eier gehabt hätte, die ich jetzt habe, dann hätte ich dem Arzt gesagt, dass ich mit der Untersuchung nicht einverstanden bin und er sie gegen meinen Willen notfalls mit Gewalt durchführen muss.
Die Musterung ist keinesfalls eine reine Vorsorgeuntersuchung, sondern, wie Sie richtig bemerkt haben, eine Begutachtung, welche in erster Linie die Tauglichkeit für den Dienst in den Streitkräften feststellen soll. Die Früherkennung von Hodentumoren ist somit nur EIN Element dieser Begutachtung, da, wie oben beschrieben, junge Männer mit Anfang 20 hierfür zur Risikogruppe gehören und eine aktive Krebserkrankung einen Ausschluss für den Wehrdienst darstellt.
Übrigens an der Stelle ein vielleicht interessanter Nebenaspekt der Musterung:
Ich bin selbst in der Produktentwicklung tätig und die Ergonomiedaten, auf die wir uns noch heute beziehen, sind vielfach noch immer jene, die auf den Daten der Musterungen basieren.
Das ist heute insofern schon ein Problem, weil man weiß, dass diese Daten eigentlich nicht mehr zutreffend sind, denn die Entwicklung von Menschen verändert sich relativ schnell, wie man hier auf Wikipedia z.B. sieht:
Insofern war die Musterung auch eine wirklich wertvolle antropometrische Datensammlung und ist auch mit ein Grund für einen Gender Data Gap bei Ergonomiedaten, weil eben nur Männer gemustert wurden.
Ist jetzt sicher nicht der entscheidende Grund, warum man Musterungen wieder machen sollte, aber quasi ein wertvoller Nebeneffekt, dass man gute Daten quasi über eine komplette Bevölkerung in einer Altergruppe hat.
Ich möchte Ihnen, HB97, ausdrücklich widersprechen und dies wie folgt begründen!
- Die anerkannte und aktuell gültige S3-Leitlinie “Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumore des Hodens” spricht sich explizit gegen ein allgemeines Screening, d.h. gegen eine organisierte Reihenuntersuchung (wie bei der Musterung) auf das Vorliegen von Hodenkrebs, aus (nachzulesen auf S. 26, Punkt 4.5. “Ein allgemeines Screening auf das Vorliegen eines KZT soll nicht durchgeführt werden.” unter: https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Hodentumoren/LL_Hodentumoren_Langversion_1.0_.pdf)
- Im HTA-Bericht (2019) wird darauf verwiesen, dass es sich beim Hodenkrebs um eine äußerst seltene Erkrankung handelt (1,6% aller Krebserkrankungen beim Mann). “In den meisten Fällen kommen junge Männer von sich aus zum Arzt, weil sie bei der Selbstuntersuchung eine Schwellung am Hoden entdeckt haben: Dies trifft bei 85 % der Neuerkrankungen zu.” (nachzulesen unter: Hodenkrebs: Ist ein Screening sinnvoll? | DKFZ - Krebsinformationsdienst oder ausführlich: https://www.iqwig.de/download/ht18-01_hodenkrebs_frueherkennungsuntersuchung_ab_16_vorl_hta-bericht.pdf)
- Viele Berufe zeichnen sich durch eine hohe körperliche Belastung aus, die auch eine starke Beanspruchung der Leistengegend miteinschließen. Hier eine verpflichtende Untersuchung der Leisten- und Genitaluntersuchung zu fordern, würde wohl wenig Gegenliebe erfahren.
- Der Auftrag der Bundeswehr besteht in der Feststellung der Wehrtauglichkeit, nicht darin, staatlich angeordnete Vorsorgeuntersuchungen zum Wohl der jungen Männer umzusetzen. Die Inanspruchnahme muss - wie bei allen anderen Vorsorgeuntersuchungen üblich - dem Einzelnen selbst überlassen werden. Gründe für ein staatlich legitimiertes „Überstülpen“ können nicht abgeleitet werden.
Ich denke, es herrscht Einigkeit darüber, dass die verpflichtende Genitaluntersuchung vielfach als besonders unangenehm empfunden wird, insbesondere durch folgende Umstände:
- keine freie Arztwahl
- Verpflichtende Untersuchung, die als Zwang wahrgenommen werden kann
- 6-Augen-Prinzip mit Pflicht zur Anwesenheit einer weiteren medizinischen Assistenzkraft
- hoher Frauenanteil im Untersuchungspersonal
Die zugrundeliegende Dienstvorschrift “ZDv 46/1” geht übrigens auf eine Zeit zurück, in der weibliche Personen von der Durchführung der Musterung explizit ausgeschlossen waren! (vgl. ZDv 46/1, Ausgabe 1957– Nachdruck 1963, war in Nr. 2 Kapitel A ausgeführt: „Weibliche Personen dürfen bei der ärztlichen Untersuchung nicht mitwirken“). Diese Regelung wurde im Hinblick auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau bereits Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufgehoben. Die Pflicht zur Genitaluntersuchung hält aber bis heute Bestand.
Fazit: Man erkennt hier ein bisschen das allgemeine Problem der Bundeswehr: Die Frage, wie kann ich den Dienst bei der Bundeswehr attraktiver machen und dabei die Bedürfnisse der potenziellen Interessenten (hier: Wahrung der Intimsphäre bei der Musterung) berücksichtigen. Es wäre ein leichtes auf die verpflichtende Genitaluntersuchung einfach zu verzichten, gerade, weil sich die medizinisch anerkannte Leitlinie explizit gegen die Durchführung ausspricht.
Wenn der (verpflichtende) Erstkontakt zur Bundeswehr in einer unangenehmen Untersuchung besteht, sehe ich die Gefahr, hier bereits die ersten Interesseten zu verlieren.
In der aktuellen politischen Diskussion zeichnet sich eine Rückkehr zur verpflichtenden Musterung junger Männer ab. Strittig scheint nur noch der Umfang - ob gelost für einen Teil oder für ganze Jahrgänge.
Sie stellten in Folge 444 bereits offen die Frage, ob die bei der Musterung durchgeführte und vielfach als demütigend oder schamverletzend empfundene Genitaluntersuchung (Abtasten der Hoden, Zurückziehen der Vorhaut, Inspektion der Analregion) heute noch tragbar wäre.
Die Genitaluntersuchung ist in der heute gültigen Dienstvorschrift weiterhin fester Bestandteil der Wehrtauglichkeitsuntersuchung. Geregelt ist dies in ZDv 46/1, S. 35 Nr. 2037 (https://share.google/Op2erkmOKaJUpY2jh). „Die musterungsärztlichen Untersuchungen entsprechen als Reihenuntersuchungen dem Stand der ärztlichen Wissenschaft. Hierzu wird ein sog. klinischer Ganzkörperstatus erhoben, der auch eine Untersuchung des Genitalbereiches umfasst. […] Die Untersuchung umfasst generell die Inspektion und Palpation (Abtasten) der Leistengegend (z. B. mit der Frage nach vergrößerten Lymphknoten), der sog. Bruchpforten, und der sichtbaren Geschlechtsteile inklusive der Analregion. […]“ (ausführlich unter: Deutscher Bundestag, Drucksache 16/14064 vom 18.09.2009, S. 55, Nr. 48, https://dserver.bundestag.de/btd/16/140/1614064.pdf).
In diesem Zusammenhang halte ich es für dringend geboten und notwendig, die Untersuchungspraxis in die öffentliche Diskussion zu bringen. Es stellt sich die Frage, ob zum Schutz der Intimsphäre zukünftig auf diese Untersuchungspraxis verzichtet werden sollte oder ob bei zwingender Notwendigkeit der Kenntnis der Zustände der Genitalien eine Abfrage zur Selbsteinschätzung von Auffälligkeiten genügen kann, welche Grundlage für eine weitergehende Untersuchung bilden kann.
Die Genitaluntersuchung widerspricht zudem den anerkannten Leitlinien zum Thema Hodenkrebs: „Ein allgemeines Screening auf das Vorliegen eines KZT soll nicht durchgeführt werden.“ (S3-Leitlinie Hodentumore https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Hodentumoren/LL-Hodentumoren_Kurzversion_1.1.pd , S. 12 Nr. 4.5)
Erschwerend kommt hinzu:
- grundsätzlich besteht keine freie Arztwahl, insbesondere nicht hinsichtlich des Geschlechts (vgl. Deutscher Bundestag, Drucksache 16/11134 vom 01.12.2008, S. 7 Nr. 10, aufrufbar über https://dserver.bundestag.de/btd/16/111/1611134.pdf)
- 6-Augen-Prinzip mit verpflichtender Anwesenheit einer medizinischen Assistenzkraft (ZDv 46/1, S. 14, Nr. 1026)
- In einer Altausgabe der ZDv 46/1, Ausgabe 1957– Nachdruck 1963, war in Nr. 2 Kapitel A ausgeführt: „Weibliche Personen dürfen bei der ärztlichen Untersuchung nicht mitwirken.“ Diese Regelung wurde im Hinblick auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau bereits Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufgehoben (vgl. Deutscher Bundestag, Drucksache 16/11134 vom 01.12.2008, S. 6 Nr. 9, aufrufbar über https://dserver.bundestag.de/btd/16/111/1611134.pdf). Die verpflichtende Genitaluntersuchung wurde jedoch beibehalten. Es mag für junge Männer nochmal unangenehmer sein, sich der Genitaluntersuchung in Anwesenheit von zwei Frauen unterziehen zu müssen.
Das Karrierecenter Wilhelmshaven informiert im seinem Merkblatt zur ärztlichen Untersuchung über die Möglichkeit, die verpflichtende Genitaluntersuchung auch bei „einer Urologin/einem Urologen Ihres Vertrauens“ durchführen zu lassen (Satz 3 in: https://www.bundeswehr.de/resource/blob/5941902/39a54b5edf6c1010a12c99fc6ae4ff22/kc-w-merkblatt-aeu-data.pdf). Diese Aufklärung ist jedoch unvollständig. Es unterbleibt der Hinweis, dass dieser Teil der Untersuchung sowie weitere Teile auch einfach verweigert werden könnten und in diesem Fall nach Aktenlage zu entscheiden wäre (vgl. § 17 Abs. 10 WPflG).
Zum Schutz der Intimsphäre der jungen Männer und zur Ausgestaltung einer Musterung, die nicht als schamverletzend und übergriffig wahrgenommen werden kann, halte ich eine öffentliche Diskussion für geboten, die Sie mit Ihrem Podcast anregen könnten. Ich danke Ihnen für die Würdigung meines Beitrags!
Ich bin ja kein Experte, aber was will der Staat machen wenn sich jemand nicht untersuchen lässt?
Will der Staat zwangsweise intim untersuchen? Oder lebenslang einsperren? Bußgelder verhängen gegen 18 jährige die überwiegend noch keine Einkommen haben?
Im Wehrpflichtgesetz §17 Abs 10 steht eindeutig dass wenn sich jemand nicht untersuchen lässt die Tauglichkeit nach Aktenlage festgelegt wird.
Ebenfalls in der zentralen Dienstvorschrift zur Musterung A1-831/0-4000 steht dazu:
Weigert sich ein Wehrpflichtiger, sich der musterungsärztlichen Untersuchung ganz oder teilweise zu unterziehen, haben die die Untersuchung abschließenden Ärztinnen bzw. Ärzte das Verhalten des wehrpflichtigen Probanden in der gesundheitlichen Vorgeschichte zu dokumentieren. Die Beurteilung des Wehrpflichtigen muss aufgrund des Augenscheins (körperliche/geistige Verfassung usw.) und der vorliegenden Akten (persönlicher, schulischer und beruflicher Werdegang) durchgeführt werden. Das Ergebnis wird in die Gesundheitsunterlagen eingetragen.
Wenn man also die erniedrigende Untersuchung nicht möchte (die ich mir zB auch gar nicht schmerzlos vorstellen kann, schreckliche Vorstellung wenn jemand auf meine Hoden drückt) verweigert man diese einfach. Es fehlt diesbezüglich aber die Aufklärung der jungen Männer!! Diese Woche erst Berichtete die Bild-Zeitung vom “verpflichtenden Hose Herunter lassen” und dem Eierkontrollgriff, das ist unerträglich.
Der immerzu vorgeschoben Grund von Hodenkrebs (ebenfalls Bild) lasse ich auch nicht gelten. Weiter oben wurde schon geschrieben was in den Leitlinien dazu steht. Hier möchte ich noch ergänzen: Weder sind die Männer in den letzten 15 Jahren seit Aussetzung der Musterung an Hodenkrebs ausgestorben, noch gibt es für die Altersgruppe 18-29 Jahren kostenlose Vorsorgeuntersuchungen beim Urologen.
Alles deutet darauf hin dass es sich hierbei tatsächlich um reine Schikane handelt.
Nach Lesen dieses Threads würde ich die Sachlage wie folgt zusammenfassen:
Man kann die Untersuchung der Hoden medizinisch rechtfertigen. Ob es eher positiv oder negativ ist, ist umstritten, aber generell sind Vorsorgeuntersuchungen rechtfertigbar. Gleichzeitig wird diese Untersuchung von vielen Männern als „entwürdigend“ empfunden, mache sehen darin sogar eine „Machtdemonstration“ des Staates. Vor diesem Hintergrund wäre doch wirklich zu fragen: Wenn bereits ein allgemeines, freiwilliges Screening von Fachgesellschaften schon kritisiert wird, weil möglicherweise die Nachteile die Vorteile überwiegen, wäre doch spätestens in der Verbindung damit, dass eine zwangsweise Untersuchung dieses sensiblen Bereichs von vielen Menschen sehr negativ empfunden wird, relativ klar, dass hier die Nachteile die Vorteile überwiegen.
Ich muss mich vor diesem Hintergrund schon fragen, warum man unbedingt an dieser Untersuchung festhalten will. Also selbst wenn die Vor- die Nachteile überwiegen, wäre doch fraglich, ob das den weiteren Nachteil der reduzierten Attraktivität der Bundeswehr überwiegen kann. In diesem Sinne bin ich auch dafür, den Zwang für diese Untersuchung aufzuheben. Die Bundeswehr darf es gerne anbieten, aber es sollte ein klares Opt-In sein, kein Opt-Out und schon gar kein „Ich muss mich aktiv verweigern und bekomme einen negativen Eintrag in meine Akte dafür“
Wie siehst du das, @HB97 ?
Also hälst du diese Untersuchung wirklich für so zentral, dass sie bei jedem potenziellen Wehrdienstleistenden erzwungen werden sollte? Ich sehe, dass du die Untersuchung als sinnvoll ansiehst, aber siehst du sie auch als wirklich zwingend notwendig an, oder könntest du dir vorstellen, in Zukunft auf sie zu verzichten bzw. sie nur noch auf freiwilliger Basis anzubieten?
Guten Abend zusammen,
ich hatte seinerzeit große Angst vor meiner Musterung, insbesondere weil man mich als jungen 18-jährigen gezwungen hat, mich vor zwei wildfremden Personen (Frauen, wie sich herausstellte) auszuziehen und meinen kompletten Körper begutachten zu lassen. Der Zwang war also ein wichtiger Faktor.
Ausgelöst - oder sehr verstärkt - wurde diese Angst durch Horrorgeschichten von älteren Männern oder aus Internetforen über erniedrigende Behandlungen durch Musterungsärzte oder die übertriebene Unterstellung angeblich niederer Motive.
Rückblickend betrachtet, war diese Angst überhaupt nicht gerechtfertigt und ich habe mir in gewisser Weise völlig unnötig eine kostenlose Vorsorgeuntersuchung entgehen lassen. Die Musterungsärztin war ausgesprochen freundlich und behutsam, hat mir dann auch meine Angst angesehen und auf meine ängstliche Rückfrage, ob die Genitaluntersuchung denn unbedingt sein müsse, von der Untersuchung der Hoden und der Leisten abgesehen, ohne dass es irgendwelche Probleme gegeben hätte oder Druck auf mich ausgeübt worden wäre.
Wie ich später erfahren habe, wird sowohl bei der Feuerwehr als auch bei der Polizei diese Untersuchung aus den bereits beschriebenen Gründen flächendeckend durchgeführt und ich halte sie aus diesen Gründen auch für notwendig, wenn man die Wehrdiensttauglichkeit beurteilen will. Auch der präventive Effekt solcher Reihenuntersuchungen sollte nicht vernachlässigt werden. Mit dem Selbstbewusstsein von heute hätte ich damit auch kein Problem mehr. Ich denke, das Schamgefühl vieler junger Männer, das in vielen Fällen der fehlenden Gewöhnung an das Nacktsein vor anderen Menschen geschuldet ist, ist objektiv betrachtet übertrieben/unbegründet - und könnte mit einer positiven Erfahrung durch die meisten Männer auch langfristig überwunden werden. Mir hätte es damals geholfen, wenn man auf meine Angst noch etwas mehr eingangen wäre und mir Durchführung, Sinn und Nutzen der Untersuchung ruhig und freundlich erklärt hätte, bevor es heißt “ziehen Sie mal bitte die Unterhose herunter”. Warum zwingend eine Assistenzkraft anwesend sein muss, weiß ich nicht. Und es wäre auch angenehmer gewesen, wenn mich ein männlicher Arzt untersucht hätte, bzw. ich die Wahl gehabt hätte. Schikanieren wollte mich dort aber definitiv niemand. Im Gegenteil, man hat sehr professionell und freundlich geprüft, ob ich gesund bin und ob man mich ohne eine Gefahr für meine Gesundheit einberufen könnte - und genau darum ging es ja.