Ich würde gern zwei Punkte zum Abschnitt über den Gaza-Streifen hinzufügen, da ich finde, dass diese im Podcast missverständlich ausgedrückt wurden.
- Israel will nicht - wie im Podcast gesagt - den Gaza-Streifen erneut besetzen, sondern seine Besatzung massiv ausweiten und das Gebiet wieder besiedeln. Besetzt ist das Gebiet allerdings durchgängig seit 1967, auch wenn Israel seine Siedlungen im Gaza-Streifen 2005 aufgegeben und zerstört hat. Sehen kann man das unter anderem daran, dass Israel das Bevölkerungsverzeichnis führt (https://www.gov.il/en/departments/units/population_registrar_unit).
- Außerdem blockiert Israel nicht erst seit 2 Monaten den Gaza-Streifen, wenn auch seit 2 Monaten eine so radikale Blockade wie noch nie durchgesetzt wird. Blockiert wird der Gaza-Streifen insgesamt schon seit 2007 (https://www.unicef.org/mena/documents/gaza-strip-humanitarian-impact-15-years-blockade-june-2022; Timeline: the humanitarian impact of the Gaza blockade | Oxfam International).
Außerdem möchte ich anmerken, dass ich die Interviewführung mit Ofer Waldman in Teilen problematisch und unnötig provokativ finde. Besonders die folgende Fragestellung fand ich wirklich nicht in Ordnung: „Rechtfertigt denn dieses Massaker vom 7. Oktober 2023 […] nicht das Vorgehen der Regierung Netanyahu? Muss da nicht einmal eisern durchgekehrt werden?“ (Bei etwa 51:50 Ulf Buermeyer.) Diese Frage und Formulierung finde ich angesichts der systematischen Kriegsverbrechen, die Israel und die israelische Armee seit anderthalb Jahren begehen, angesichts der menschengemachten Hungersnot, absolut unangemessen.
Gerade bei diesem Thema, zu dem in Deutschland ein sehr polarisierter, emotionaler und oft faktenfremder Diskurs geführt wird, sollte die Lage nicht noch weiter zu Polemisierung beitragen. Frühere Beiträge in der Lage zu dem Thema fand ich sehr gut, analytisch klar und nah an den Fakten. Das würde ich mir weiter wünschen.