LdN 409 - Interview mit Ines Schwerdtner- Ukraine

Gut zusammengefasst.

Aber auch im Hinblick auf die Aussagen von Frau Schwerdtner bezogen:

Was bedeutet Frieden (auch hier wird es unterschiedliche Auffassungen geben)?

  • ein Waffenstillstand mit Einfrieren der Grenzen? Ist das schon Frieden? Wie lange hält der?
  • ein Status Quo wie in Nord- und Südkorea? Wollen wir das die nächsten Jahrzehnte in Europa?
  • ein Nachgeben gegenüber Russland, als Entgegenkommen/Kompromiss deklariert? Sichert das den Frieden oder macht es Lust auf mehr Krieg?
  • eine „Niederlage“ Russland mit allen Konsequenzen und Instabilitäten? Sichert das Frieden?

Ich finde allein der Begriff Frieden ist ja bekanntermaßen mehr als die Abwesenheit von Krieg…

Ich muss, auch wenn es lang ist und auf Englisch, wirklich an dieser Stelle mit Nachdruck jedem empfehlen, sich diesen Auftritt von Professor Sachs anzuschauen. Es sind 80 Minuten, aber sie extrem faktenreich und lehrreich.

Er spricht als Ökonom, der als Berater für die USA tätig war, speziell für Entwicklungshilfe in Osteuropa. Er war er bei vielen wichtigen Punkten des Konflikts dabei … also, dabei dabei. Er kennt viele Beteiligte persönlich. Er war auch bei den Verhandlungen in Ankara dabei, die hier neulich im Spiegel debattiert wurden. Und er hat Einblick in bisherige Verhandlungen, und es wird an jeder Stelle sehr deutlich, dass der Westen extrem kompromisslos und arrogant auftritt.

Und er kennt extrem viele Details zum Konflikt, die in ihrer Gänze eine deutliche Sprache sprechen, und es ist eine, die dem Westen absolut nicht gefällt. Aber so ist das eben, die first casuality of war is the truth. So war es vor 1.000 Jahren, so ist es heute noch. Sachs liefert den Beleg dafür, in dem er sich darüber beschwert, dass die New York Times, die ihn in der Vergangenheit immer veröffnetlich hatte, sich absolut weigerte, seine Perspektive zum Krieg zu veröffentlichen.

Was wir allerdings runterschlucken müssen ist eben, dass wir den militärischen Weg eingeschlagen haben, und das bedeutet, dass unsere Verhandlungsposition keine gute ist, weil die militärische Lage in der Ukreine keine gute ist. Krieg entscheidet einfach nicht, wer recht hat, sondern nur, wer das bessere Militär hat. Und damit haben wir wenig Wahl als seine Forderungen mindestens im Teil zu akzeptieren. Wenn wir das nicht tun, dann sterben ab nun Ukrainer völlig umsonst bis sie selbst aufgeben werden.

Mein persönlicher Schockmoment im Video war übrigens, dass er die Agentur benennen konnte, die PR für den Irakkrieg mit focus groups ermittelt hat. Das ist extrem zynisch.

1 „Gefällt mir“

Hab ich da was verpasst? Oder gehört es auch zu den Weisheiten des Professor Sachs, dass es gar nicht Russland war, das die Ukraine überfallen hat?

Wenn die Ukraine nicht ausreichend unterstützt wird, hat sie wenig Möglichkeiten, sich gegen die russische Gewalt zur Wehr zu setzen, der Teil stimmt. Dass der Westen nicht in der Lage gewesen wäre, die Ukraine militärisch und politisch in eine bessere Lage zu versetzen, ist allerdings schlicht falsch.

Mir ist leider nicht klar geworden, was genau dieser Herr angeblich so Erhellendes zu sagen hat, wofür es sich lohnen soll, sich ein 80-minütiges Video anzuschauen. Der Post klingt eher so, als würde er genau dasselbe sagen, was aus ähnlichen Kanälen seit Jahren bekannt ist: Eigentlich ist der Westen Schuld, die USA sind arrogant und kriegsgeil, die Ukraine hat eh keine Chance, es gibt keine andere Möglichkeit als auf Putin zuzugehen etc. pp.

9 „Gefällt mir“

Zu Jeffrey Sachs’ Rolle bei er „Entwicklungshilfe in Osteuropa“ nennt Wikipedia übrigens vor allem seine Politik der „Schocktherapie“ etwa in Jugoslawien, die dort zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft führte. Die Seite sollte man sich eh mal anschauen, um zu wissen, wer da in dem Video spricht.

Sachs übernimmt übrigens gerne mal Kreml-Narrative (etwa nennt er die Maidan-Revolution in der Ukraine 2013/14 einen „Putsch“ der USA), trifft Victor Orban oder tritt im Podcast von Robert F. Kennedy auf.

6 „Gefällt mir“

Mit chatgbt und deepl kommt folgendes raus. Spart vlt Zeit

Professor Jeffrey Sachs nahm kürzlich an einer Fragerunde in der Cambridge Union teil und sprach über Themen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg. Hier sind die 10 wichtigsten Punkte, die er auf der Grundlage öffentlich zugänglicher Zusammenfassungen und Analysen darlegte:

  1. Historischer Kontext: Sachs betonte die langfristigen Spannungen zwischen der NATO und Russland und argumentierte, dass die Osterweiterung der NATO nach dem Kalten Krieg ein Schlüsselfaktor war, der zum aktuellen Konflikt führte.

  2. US-Außenpolitik: Er kritisierte das Streben der USA nach globaler Vorherrschaft, da es die Sicherheitsbedenken anderer Staaten, insbesondere Russlands, außer Acht lasse.

  3. Die Rolle der NATO: Sachs behauptete, das Vorgehen der NATO sei eine Provokation und habe zur Eskalation der Ukraine-Krise beigetragen.

  4. Verpasste Chancen für den Frieden: Er erörterte verpasste diplomatische Gelegenheiten zur Vermeidung eines Krieges, einschließlich möglicher Verhandlungen über die Neutralität der Ukraine.

  5. Medienberichterstattung: Sachs äußerte sich besorgt über die Darstellung des Konflikts in den westlichen Medien, die seiner Meinung nach die komplexe geopolitische Dynamik zu stark vereinfacht.

  6. Wirtschaftliche Folgen: Er warnte vor den weitreichenden wirtschaftlichen Folgen des Krieges, einschließlich Energiekrisen und Ernährungsunsicherheit.

  7. Die Perspektive des globalen Südens: Sachs wies darauf hin, dass die Länder des globalen Südens den Konflikt als Teil eines umfassenderen Musters westlicher Dominanz wahrnehmen.

  8. Bedarf an multilateralen Lösungen: Er forderte integrative Global-Governance-Mechanismen, um solche Konflikte zu lösen und internationale Spannungen abzubauen.

  9. Kritik an militärischen Lösungen: Sachs vertrat die Ansicht, dass militärische Strategien zur Lösung geopolitischer Streitigkeiten unangemessen und kontraproduktiv sind.

  10. Zukunftsaussichten: Er warnte davor, dass der Konflikt ohne signifikante Änderungen in der Herangehensweise zu mehr Instabilität führen und möglicherweise zu einem größeren Krieg eskalieren könnte.

2 „Gefällt mir“

Merci, aber ich sehe nicht wirklich einen Punkt, der in meiner Zusammenfassung nicht vorkam :wink:

Ich vermute mal stellvertretend für diesen Punkt, dass Sachs’ Kritik sich nur gegen den Westen bzw. gegen die USA richtet, aber nicht gegen den Kreml - oder wie passt es sonst damit zusammen, dass er auf Einladung Russlands vor dem UN-Sicherheitsrat sprach?

5 „Gefällt mir“

Ich habe versucht, das Transskript der wichtigen Stellen zusammenzuschreiben, aber die von Youtube generierten Untertitel waren so verkorkst und falsch formatiert, dass es einfach nicht darstellbar war - das tut mir Leid.

Es liegt im Ermessen jedes Einzelnen, welche Medien er konsumiert. Ich bin aber überzeugt, dass es ein Video ist, von dem wir viel lernen können, deswegen habe ich es gepostet.

Die allerallerallerallerallerwichtigste Aussage zu Thema Krieg, und das sage ich als jemand mit ein paar theoretischen Jahrzehnten zu leben, ist die: Die militärindustrielle Komplex der USA hat einen jährlichen CO²-Ausstoß wie ganze Staaten. Jeder Krieg, neben der humanitären Katastrophe die er ist, bringt den Planeten näher an die Kipppunkte. Krieg ist ein veraltetes Konzept, wenn man möchte, dass die Menschheit weiter existiert. Es ist so offenkundig wie furchterregend.

Und genau deshalb darf ein Land, welches einen Angriffskrieg startet, auf gar keinen Fall mit Territorialgewinnen belohnt werden. Genau deshalb ist es wichtig, dass Russland diesen Krieg verliert, und zwar ohne Wenn und Aber.

9 „Gefällt mir“

Und wie verhält es sich so mit dem militärindustriellen Komplex in Russland? Soweit ich weiß ist es die russländische Armee, nicht die US-amerikanische, die gerade ihr Nachbarland mit einem Krieg überzieht. Und wenn das schon so ein Thema ist: Ist von Russlands Wirtschaft eigentlich noch irgendwas übrig, wenn man die Verbrennung und den Verkauf fossiler Rohstoffe abzieht?

9 „Gefällt mir“

Ich finde das auch Gewalt in Form von Kriminalität ein veraltetes Konzept ist, welches nachteilig für die Menscheit ist.
Existiert aber trotzdem unverändert.

Wie gehen wir damit um? :wink:

8 „Gefällt mir“

Protestieren.

Vielleicht sollte man das tatsächlich tun.

Vor dem Kreml und dem Weißen Haus gleichzeitig für Frieden demonstrieren und einen sofortigen Waffenstillstand.

Weiß allerdings nicht welche der beiden Gruppen erfolgreicher wäre….

Ist ja nicht so, dass noch niemand auf die Idee gekommen wäre. Die Menschen, die versucht haben in Moskau zu demonstrieren, sind entweder im Knast, haben das Land verlassen oder sind so eingeschüchtert, dass sie es nicht mehr versuchen. Und bei den hiesigen Demonstrationen wird ja mittlerweile nicht mal mehr erwähnt, dass es sich um einen russischen Angriff gegen die Ukraine handelt. Und wenn das ein Redner tut, wird er ausgebuht.

8 „Gefällt mir“

Aber wir wissen, welche Gruppe eine realistische Chance hätte, gesund wieder nachhause zu kommen.

5 „Gefällt mir“

Ich finde, hier hätte ne genauere Zeitangabe schon mal viel Zeit gespart. Um das Thema hier im Forum geht es eigentlich erst ab Minute 30. Dann kommt auch gleich so ein Satz „Warum reden die Präsidenten nicht einfach mal miteinander“, weil das bei Experimenten zum Gefangenendilemma bessere Ergebnisse erzielt und man halt Putins Sicht mal verstehen müsse. Ich sehe gleich vor mir, wie in allen Außenministerien Leute von der Brillianz dieser Idee ganz erschüttert innehalten und sich fragen, warum sie nicht daruf gekommen sind, was diesem Wirtschaftsprofessor als fachfremdem Experten so leicht eingefallen ist… Da fällt mir wenig zu ein, weil das wirklich Blödsinn ist. 1. hat es reichlich Gespräche und schriftliche Verträge und Vereinbarungen gegeben, die samt und sonders von Russland gebrochen wurden. 2. Es gab auch unmittelbar vor und nach dem Überfall mehrere Versuche von Verhandlungen. Die sind durchgängig an Russland gescheitert. An den Forderungen und dem Vorgehen in den besetzten Gebieten. 3. An seiner Sicht auf die Dinge hat Putin auch nichts unklar gelassen, er hat sich zu dem Konflikt ja nun wirklich mehrfach geäußert und diese Äußerungen und seine Handlungen sind eigentlich nicht so schwer zu verstehen. Aber Sachs erscheint Kooperation ganz einfach zu sein. Immer. Egal, wie die konkreten Tatsachen aussehen.
Minute 32: Die Kuba-Krise (ich könnte allmählich meine Bullshit-Bingo-Karte Ukraine herausholen, ich habe ein gutes Gefühl, dass ich die anderen Felder auch schon kreuzen kann…), an der von ihren Ursachen, über die Interesssenlagen der Akteure, die tatsächliche Sachlage, bis zum Ergebnis alles anders war, als im Fall der Ukraine heute. Warum immer wieder jemand mit dieser komplett sinnlosen Analogie um die Ecke kommt, und dann auch noch ein akademisch gebildeter Mensch, bleibt mir ein Rätsel. Immerhin hat Sachs dann noch die Theorie zu bieten, Kennedy sei wegen seines Friedenskurses ermordet worden (weil Teile der US-Administration diesen Kurs für falsch hielten). Ausdrücklich äußert er die Unterstellung, dies sei ein „inside job“ gewesen, wofür er zwar keinerlei Belege präsentiert, aber erklärt, dass die Beweise für seine Verschwörungserzählung stetig zunähmen. Reinster Verschwörungsquatsch.
Minute 35: Es wird noch unterirdischer. Es gebe keine Chance auf eine friedliche Lösung, weil Biden nichts anderes getan habe, als Putin zu beleidigen. Klar. das ist der Grund. Putin konnte dann einfach nicht anders, als in die Ukraine einmarschieren, weil Biden aussprach, was alle wussten. Dass Putin ein Mörder ist. Deswegen musste Putin wahrscheinlich auch schon Jahre vorher das erste Mal die Ukraine überfallen. Weil irgendjemand, irgendwo auf der Welt ein böses Wort über den armen Mann verloren hat. Wir sollten einfach netter zu ihm sein, dann wäre er sicher auch netter zu uns, ach nein, netter zu den Ukrainern?!
Ohne Übergang oder inneren Zusammenhang ist er dann ab Minute 36 auch schon bei China, das habe ja noch nie in seiner Geschichte Länder in Übersee überfallen, deswegen gebe es keinen Grund für eine Konfrontation mit den USA. Klar. Wenn man Taiwan und andere sich selbst überlässt, deren Bürger zum Leben unter einer chinesischen Diktatur verdammt, wie in Tibet oder Hongkong, gibt es keinen Grund, sich zu streiten… Wenn du meinst, dass er irgendwas konkret neues beitragen würde, das hier im Forum in den vielen, vielen, vielen Beiträgen zu dem Thema noch nicht ausführlichst diskutiert wurde, wäre es nett, das mit einer Zeitangabe kurz zusammen zu fassen. Bisher klingt das alles nach unbelegten, sehr alten und sehr offensichtlich falschen Thesen, die auch mehrfach widerlegt wurden.

9 „Gefällt mir“

Das Problem mit jeglichen Experten ist ja nun, das sie (zum Glück) Menschen sind und damit auch eine eigene Meinung haben, die sich nicht völlig ausblenden lässt.
Ob man dann aus Sicht der Friedensforderer oder Militärunterstützer bei gleicher Faktenlage argumentiert, macht schon einen hörbaren Unterschied.

BTW….ein Aspekt fiel auch im Interview etwas unter den Tisch:

Wie lange kann Russland dieses von Putin forcierte Tempo noch mitgehen? Hinsichtlich Personal (1000-2000 russische Verluste pro Tag), Material (kann Russland so schnell produzieren wie es Material verliert?) und Wirtschaft (der Rubel wertet sich ab, 40% der Staatsausgaben künftig für Rüstung?) …

Droht da vielleicht auch ein Kollaps, auf dem der Westen setzt oder hofft?

Hier wäre ja zu sagen, dass es Anschlagspläne auf Selensky gab. Und Putin immer wieder sagt er müsse ausgetauscht werden. Und sei sowieso kein legitimer Verhandlungspartner. Da würde ich mich auch erst mit den Russen in einen Raum setzen, wenn es eine halbwegs vernünftige Fassung eines Friedensvertrages gäbe.
Wenn mit den Präsidenten Biden gemeint war, dann wäre zu sagen, dass die Ukraine der Staat ist, mit dem zu verhandeln ist.

2 „Gefällt mir“

Aktuell sieht’s sehr schlecht für die Ukraine aus. Je nach Quelle reicht das Material in Russland noch 2 Jahre. Die Manpower kommt notfalls aus Nordkorea. Genauso Material. Die Unterstützer Russlands sind deutlich gewillter.
Russland verkauft weiter Öl und Gas und hat sein Handelsnetz weit genug ausgebaut um Sanktionen zu umgehen.
Im Land selbst kann’s sein Geld selbst drucken. Die Frage ist ob sich die Leute irgendwann trauen in Massen auf die Straßen zu gehen, weil sie sich nix mehr leisten können wegen höher Inflation.
Bleibt am Ende Spekulation. Die Unzufriedenheit würde deutlich stärker steigen wenn gleichzeitig der Krieg sehr schlecht laufen würde. Aktuell sterben sie als Helden, nicht als sinnlose Verlierer.
Mit einer Freigabe Weitreichender Waffen und genug Munition würde dies sehr kostengünstig, mit weniger Menschenleben und schnell erreichbar sein. 5 Himars etc Angriffe pro Tag auf die Logistik, Depots, Flughäfen, Zugverbindungen und das für 4 Wochen und die militärische Situation wäre eine andere. Auch was Verhandlungen anbelangt.

2 „Gefällt mir“

Immerhin haben mit Sicherheit -wenn dann- China und Brasilien etc Einfluss auf Russland. Dann: Der Vorschlag ist nicht neu, dass in den besetzten Gebieten eine Abstimmung stattfinden soll, wohin diese gehören wollen. Wie das glaubwürdig ausgehandelt bzw umgesetzt werden kann, ist eine Frage des Verhandlungsgeschicks bzw -erfolgs. Im Übrigen: Frau Schwerdtner hat eine sehr gute Figur gemacht, das Interview war sehr korrekt von Philipp und Ulf und ich hoffe sehr, dass die Linke wieder in den Bundestag kommt. Wir brauchen sie dringend als Korrektiv Sie muss aber dringend Zukunftsvisionen entwickeln, nicht nur die Reste des Sozialstaats verteidigen.

@ Daniel_K: …
Wunschdenken ist nicht mehr!

1 „Gefällt mir“