Da ich wenig Zeit habe, nur eine kurze Antwort.
Z. B. geht @MarkusS weder auf meine Ausführungen, dass Top-down-Vorgaben des Bundes zu Fortschritten geführt haben, noch auf die von mir angeführten weiteren Gründe, eine andere Partei zu wählen (Stichworte: Wahlgewohnheit, kognitionspsychologische Trade-offs (s. verlinkte Quelle), Konformitätsdruck usw., Behauptungen fast aller Parteien, sich für Klimaschutz einzusetzen, in Kombination mit dem Streuen von Desinformation) ein.
Beim mangelnden Verständnis geht es übrigens um die Zeitsskalen. Vielen ist nicht bewusst, dass z. B. die Entfossilisierung des Wärmebereichs ja bei sehr begrenzten Personal- und mithin Materialressourcen ja heute schon energisch angegangen werden und parallel zu anderen Transformationsmaßnahmen erfolgen muss. Ergebnisse wie die, dass viele Menschen „eine stärkere Handlungsverantwortung bei Industrie und Politik“ sehen, aus dem Nachhaltigkeitsbarometer, zeigen, dass viele nicht erkannt haben, dass alles parallel erfolgen muss. Als würde es ausreichen, wenn erst mal die anderen (hier v. a. die Industrie) machten. Die von Ortwin Renn beschriebene kognitive Verzerrung enthält übrigens auch unbewusst das Gefühl, womöglich von Trittbrettfahrenden, die erst mal die anderen machen ließen, übervorteilt zu werden. Usw.
Da bloß aufs Wahlprogramm der Grünen zu verweisen, was ja prinzipiell nicht falsch ist, ist einfach zu wenig. Da kaum jemand Wahlprogramme liest und Vorschläge zu einer gerechten Lastenverteilung im grünen Wahlprogrammen daher wohl wenig bekannt sein dürften.
Die grundsätzliche Bereitschaft ist schon da, wie empirische Daten ausweisen. Und wenn’s zum Schwur kommt, sind viele auch bereit, sich zu beteiligen, was auch die bisher weitgehend voluntaristisch erzielten Fortschritte, die jedoch aufgrund kognitiver Verzerrungen (s. Renn-Zitat) ausgebremst wurden, zeigen. Dass Gerechtigkeitsvorstellungen dabei eine große Rolle spielen (nicht übervorteilt werden wollen, gerechte Lastenverteilung usw.) und diverse Fehlannahmen (von Trade-offs über Unkenntnisse über die benötigten Transformationszeiträume in diversen Bereichen bis zu falschen Versprechungen), habe ich versucht deutlich zu machen.
Und ich konzediere gerne, dass Klimaschutz bei sehr vielen Wählenden nicht hinreichend priorisiert wird. Das ist jedoch etwas völlig anderes als eine grundsätzliche Gegnerschaft oder NIMBY-Einstellung.