LdN 367: NYT - Ist Israel in eine Falle der Hamas getappt?

Liebes LdN-Team,

herzlichen Dank für die tolle Sendung!

Hier nur eine kleine Anmerkung zur Aussprache: die Huthi, in Umschrift des Arabischen al-Ḥūṯiyyūn (الحوثيون), werden mit dem arabischen Buchstaben ث geschrieben, der wie das englische „th“ ausgesprochen wird. Es wird demnach nicht wie der Diminutiv der Kopfbedeckung ausgesprochen.

Herzliche Grüße

Elena

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Die Motivation Ägyptens ist aber eine andere. Hisbollah und Iran sind mit der Hamas verbündet, Ägypten nicht. Die wollen weder die Hamas noch die Palästinenser im eigenen Land, befürchten aber, dass die Intensität der Kampfhandlungen die Palästinenser über die Grenze treibt. Diesen Grenzdurchbruch will Ägypten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern. Dazu gehören jetzt auch militärische Drohungen gegen den Staat, von dessen Gebiet diese (neumodisch gesprochen) illegale Migration ausgehen würde.

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Lieber Philip, Lieber Ulf,
Eure jüngste Berichterstattung zeigt eine alarmierende Vernachlässigung wichtiger Fakten:

  1. Seit dem 7. Oktober hat die Hamas nicht aufgehört, Raketen auf zivile Gebiete Israels zu schießen.
  2. Ihr Anführer hat öffentlich geschworen, den 7. Oktober so oft wie möglich zu wiederholen.
  3. Ihre Gründungsdokumente predigen Judenmord.
  4. Mehr als 80% der palästinensischen Bevölkerung unterstützen den 7. Oktober.

Diese Fakten sind entscheidend für ein umfassendes Verständnis der Lage.

Hier nun meine Kommentare:

  1. Israels Reaktion:
    Wie kann von Israel erwartet werden, nicht gewaltsam zu reagieren und die Hamas zu zerstören, wenn diese mehr als 1500 Zivilisten ermordet hat und schwört dies wieder zu tun? Pazifismus funktioniert nur gegen einen moralisch vernünftigen Gegner - wie die Briten in Indien. Andersrum aber konnte Pazifismus gegen Nazideutschalnd nicht funktionieren. Wenn die Briten entschieden hätten, dass Krieg einfach zu schrecklich ist und sie keine deutschen Kinder mehr töten könnten, würden wir alle im Tausendjährigen Reich leben. Würden Israel Pazifismus praktizieren, würden Hamas zusammen mit einem fairen Anteil der Palästinensischen Bevölkerung sie einfach ermorden. Das ist keine Meinung, das ist, was diese Gruppen seit Jahrzehnten offen propagiert.

  2. Israelkritik
    Zu Recht wird diese mit und Antisemitismus vermischt. Von 200 Mitgliedern der UN. Israel wurde öfter angeklagt als alle Länder der Welt zusammen. Liegt das daran, dass sich Israel disproportional schlimmer verhält als andere Länder? Nein, es liegt (auch) an Antisemitismus. Länder wie Nordkorea haben ihre gesamte Gesellschaft in ein Gefangenenlager verwandelt. Sudan verübt tatsächliche Völkermorde. In Somalia werden praktisch alle Mädchen Genitalverstümmelungen unterzogen. Syrien im eigenen Land und Saudi Arabien in Jemen haben in letzten Jahren bei weitem mehr Muslimische Zivilisten getötet als Israel. Und doch urteilt die UN ständig über die einzige Demokratie im Nahen Osten, die sich in einem existenziellen Kampf für ihr Überleben befindet. Israel steht einem Todeskult gegenüber, der Gräueltaten verherrlicht und „Märtyrertod“ seiner Zivilisten feiert. In Deutschland gab es meines wissens bisher keine Massendemonstrationen gegen China, das die uigurische Kultur zerstört und Millionen von Muslimen in tatsächliche Konzentrationslager eingesperrt hat. Genau diese Disproportion der Empörung gegen Israel ist der Grund, warum viele dies im Kontext von Antisemitismus sehen.

Israel kämpft für sein Recht zu existieren gegen einen mörderischen Todestkult. Ich hoffe wirklich, dass dieser Krieg so bald wie möglich beendet werden kann, aber ich bin überzeugt, dass er erst enden kann, wenn die Hamas ihre Waffen niedergelegt hat. Dann beginnt die eigentliche Aufgabe der Deradikalisierung eines großen Teils der palästinensischen Gesellschaft.

Ich höre euren Podcast seit Jahren und bin begeistert von eurer Arbeit. Hier seid ihr einseitig.

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Niemand bestreitet das Selbstverteidigungsrecht Israels, aber auch bei der legitimen Ausübung eines Selbstverteidigungsrechts sind die Grundregeln der Verhältnismäßigkeit im Hinblick auf „militärischen Zweck“ und „Kollateralschäden“ zu berücksichtigen.

Je größer das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung wird, desto mehr müssen von Israel Kampfpausen, humanitäre Hilfe und generelle Zurückhaltung gefordert werden. Niemand fordert von Israel hier Pazifismus, aber es gibt eine riesige Grauzone zwischen „Pazifismus“ und „den gesamten Gaza-Streifen vollständig dem Erdboden gleich machen“.

Auch muss bei einer fairen Betrachtung Berücksichtigung finden, dass es eben leider in der israelischen Regierung einflussreiche Stimmen gibt, die in der Tat eine großangelegte Vertreibung der Palästinenser und Besiedlung des Gaza-Streifens durch Israel fordern. Das darf man genau so wenig unter den Teppich kehren wie den menschenverachtenden Antisemitismus der Hamas.

Zu guter Letzt: Dass gegen Israel mehr UN-Resolutionen wie gegen jedes andere Land erfolgen liegt daran, dass Israel selbst in den Augen seiner engsten Verbündeten (zu denen neben den USA auch Deutschland gehören) seit Jahrzehnten permanent mit seinem Siedlungsbau gegen das Völkerrecht verstößt. Auch das darf man, wenn man die UN-Resolutionen als Beleg für einen Antisemitismus der UN anführt, nicht unter den Tisch fallen lassen.

Ich persönlich empfinde die Berichterstattung der Lage daher als ziemlich gut in der Mitte, also gerade nicht einseitig. Einseitig ist sowohl deine Sichtweise, die gerne alle israelischen Problematiken ausblendet, als auch die Sichtweise von krassen pro-palästinensischen Gruppen, die es nicht schaffen, die Taten der Hamas als das zu verurteilen, was sie sind: Unmenschliche Terrorakte, die durch nichts zu rechtfertigen sind. Das sind die einseitigen Sichtweisen - und die Lage ist eindeutig in keinem dieser beiden Extremlager.

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Lieber Daniel,

Auch die von dir genannten Argumente sind eben ohne die von mir zunächst dargelegten Fakten nicht einzuordnen. Genau das beklage ich an dem Podcast Beitrag.

Da die Hamas gegen das Völkerrecht verstösst, indem sie sich hinter zivilen Einrichtungen versteckt, während sie Raketen auf Israel schiesst, ist eine weitgehende Zerstörung ziviler Einrichtungen im Gaza-Streifen kaum zu verhindern.

Die Anzahl der UN-Resolutionen stehen wie von mir dargelegt in keinem Verhältnis zu den disproportionalen Menschenrechtverletzungen anderer Staaten - daher schwinkt beim diesem extremen Fokus auf Israel eben Antisemitismus mit. Gar zu behaupten, dass Israel in Gaza einen Völkermord begangen hat oder irgendwo einen Völkermord versucht hat, ist schlichtweg falsch. Wie bereits im Podcast dargestellt, hat Völkermord eine klare Bedeutung: „Handlungen, die mit der Absicht begangen werden, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe ganz oder teilweise zu zerstören“. 1948 gab es rund 250.000 Menschen in Gaza, heute sind es mehr als 2 Millionen. Wenn Israel versucht, einen Völkermord zu begehen, ist es der unfähigste Völkermord der Geschichte. Natürlich ist es wahr, dass die israelischen Verteidigungskräfte viele unschuldige Menschen in Gaza getötet haben. Es ist auch wahr, dass, wenn Israel tatsächlich Völkermord begehen wollte, sie dies morgen tun könnten. Aber natürlich wollen sie das nicht, denn im Gegensatz zu Hamas (und leider einem großen Teil der palästinensischen Zivilgesellschaft) sind sie keine mörderischen Fanatiker. Auf der anderen Seite hat die Hamas explizit den Wunsch geäußert, einen tatsächlichen Völkermord zu begehen. Wenn überhaupt, könnte der 7. Oktober selbst nach der Definition der UN als Völkermord angesehen werden.

Ich unterstütze jede Kritik an rechtem Gedankengut in der israelischen Regierung. Diese jedoch mit ihrem Gegner in diesem Konflikt gleichzusetzen, ist unwürdig. Wir müssen uns mit der Tatsache auseinandersetzen, dass sich die beiden Seiten in diesem Konflikt grundsätzlich unterscheiden. Organisationen wie die Hamas und die breitere Gesellschaft, die sie unterstützen, schätzen das menschliche Leben nicht so wie wir in Deutschland. Es gibt einen Unterschied zwischen religiösen Fanatikern, die Frauen mit Schlägen bestrafen, weil sie ihr Haar in der Öffentlichkeit zeigen, oder die Ehrenmorde an ihnen begehen, weil sie vergewaltigt wurden. Es gibt Unterschiede zwischen einer Gesellschaft in Gaza, die Homosexuelle ermordet, indem sie sie kopfüber von Dächern wirft – und einer wie Israel, die sie vollständig akzeptiert. Die Tatsache bleibt, dass Palästinenser und leider viele muslimische Gesellschaften im Allgemeinen Werte vertreten, die weit rechts von allem liegen, was AFD oder sogar NPD zu träumen wagen, wenn es um Juden, Frauen, Homosexuelle und Bürgerrechte im Allgemeinen geht. Israels Regierung (in Teilen) hiermit gleichzusetzen ist unsäglich.

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Da sind wir durchaus einer Meinung, siehe meinen Beitrag hier:

Das macht höhere Kollateralschäden ein Stück weit verständlich, aber trotz allem muss eben eine Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben.

Wo wurde das behauptet?

Nein, das ist nicht unwürdig. Ebenso wie die Zionisten vor der Gründung Israels Terror als Werkzeug für ihre Ziele genutzt haben, tun es nun die Palästinenser. Der Grund, warum die Extremisten auf der Seite Israels keinen offenen Terror anwenden, ist schlicht, Israel militärisch massiv überlegen ist und deshalb nicht auf die Mittel des Terrors zurückgreifen müssen. Es wird immer die militärisch schwächere Seite in einem Konflikt sein, die zu asymmetrischer Kriegsführung oder blatantem Terror greifen. Eine moralische Überlegenheit des dahinter stehenden Gedankengutes daraus abzuleiten halte ich für falsch. Jemand, der jetzt fordert, den Gaza-Streifen zu räumen und zu besiedeln, ist kein Stück besser, als ein Palästinenser-Extremist, der fordert, alle Juden aus Palästina zu vertreiben.

Grundsätzlich lehne ich es ab, diesen Konflikt als religiösen Konflikt („die bösen Moslems gegen die guten Juden“) zu betrachten. Religion ist - wie immer - ein prima Werkzeug, um Menschen zu mobilisieren und Hass gegen Andersgläubige zu schüren - und das klappt umso besser, desto schlechter die Lebensumstände und vor allem die Bildung der Menschen ist.

Das ist ein Whataboutism.
Du schaust nur auf die Resolutionen, warum schaust du nicht mal auf die Sanktionen?
Klar, gegen den Iran oder Nordkorea gibt es weniger Resolutionen als gegen Israel - aber dafür massive, massive Sanktionen. Der Unterschied ist eben: Israel wird mit Recht als Land betrachtet, welches man mit Aufrufen und verbalen Warnungen noch erreichen kann. Deswegen appelliert man immer und immer wieder daran, die völkerrechtswidrigen Praktiken abzulegen. Beim Iran oder Nordkorea hat man diese Hoffnung aufgegeben, dort wird mit Sanktionen reagiert.

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Quellen zu den Fakten:

https://www.terrorism-info.org.il/en/operation-iron-swords-updated-to-1-p-m-january-1-2024/

https://embassies.gov.il/holysee/AboutIsrael/the-middle-east/Pages/The%20Hamas-Covenant.aspx

https://www.reuters.com/world/middle-east/poll-shows-palestinians-back-oct-7-attack-israel-support-hamas-rises-2023-12-14/#:~:text=JERUSALEM%2C%20Dec%2013%20(Reuters),respected%20Palestinian%20polling%20institute%20found.

Grundsätzlich hast du damit natürlich Recht. Aber es gibt einen bedeutenden Unterschied zwischen dem Vorgehen der Alliierten im zweiten Weltkrieg und Israel heute.

Besonders das Vorrücken der westlichen Alliierten zeichnete sich durch eine Strategie der Befreiung aus. Das heißt, man nahm die Nazis gefangen oder vetrieb sie, aber die Bevölkerung konnte kurz nach den Kampfhandlungen in ihre Gebiete wieder zurück. Dort konnten sie dann einigermaßen sicher weiterleben.

In Gaza passiert hingegen etwas anderes. Israel schafft nämlich keine sicheren Korridore in gesäubertem Gebiet, in denen die Menschen zurückkehren können. Es wäre machbar große Zeltlager aufzubauen und dort vertriebene Zivilisten zu versorgen.

Stattdessen schickt Israel Zivilisten von A nach B, um sie dann nach C und später D zu vertreiben usw. usf… Mehr noch, dringend benötigte Hilfslieferungen (Medikamente, Nahrungsmittel) werden sogar blockiert weil man Angst hat, die Hamas könnte sie sonst in die Hände bekommen.

Bitte vergiss nicht, 85% der Bevölkerung im Gazastreifen sind aktuell auf der Flucht, zusammengetrieben in bestimmten Zonen. Da zudem auch Hilfslieferungen und humanitäre Hilfe teils blockiert werden, kann man wohl kaum von der Schonung der Zivilbevölkerung sprechen.

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Exakt das ist der Punkt.
Es wird jemals nur unter einer von zwei Voraussetzungen Frieden in Nahost geben:

  1. Das optimistische Szenario: Die beiden Konfliktparteien vertragen sind
  2. Das pessimistische Szenario: Eine Partei löscht die andere aus.

Israel muss tatsächlich genau das tun, was die Alliierten am Ende des zweiten Weltkriegs und vor allem nach dem zweiten Weltkrieg geschafft haben: Sie müssen einen Feind zum Freund machen. Und das aktuelle Vorgehen Israels und die Tatsache, dass es aktuell noch keinen wirklichen Plan für die Zeit nach der Militäroperation gibt, führen beide zu Szenario 2, und das sollte kritisiert werden.

Ja, es muss eine „Ent-Islamisierung“ der palästinensischen Bevölkerung stattfinden, ja, der tief sitzende Antisemitismus, der die letzten 60 Jahre definitiv nicht besser geworden ist, muss bekämpft werden. Aber das ist ein Kampf um die Köpfe der Menschen und den gewinnt man nicht dadurch, dass man möglichst hart reagiert.

Die Tatsache, dass die Bevölkerung des Gaza-Streifens eine der jüngsten der Welt ist, macht da Hoffnung, denn dort kann man den Kampf um die Köpfe in wenigen Jahren gewinnen, wenn man es wirklich darauf anlegt.

Was der Gaza-Streifen nun braucht, ist das, was Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg bekam: Eine Besatzung, die eine Ent-Extremisierung vornimmt und dafür sorgt, dass Extremisten nicht wieder an die Macht kommen - und einen Marschallplan mit massivem Aufbau samt Wirtschaftswunder. Ich bin davon überzeugt, dass es nur so zu einer friedlichen Lösung des Konfliktes kommen kann.

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Volle Zustimmung, aber man muss deutlich sagen, dass nicht Israel dieser Besatzer sein kann, der Gaza von Extremisten reinigt. Das sehr harte Vorgehen der israelischen Kräfte - auch gegen die Zivilibevölkerung - dürfte von Zivilisten zunehmend ähnlich wahrgenommen werden wie Ukrainer in Ostgebieten ihre Besatzer wahrnehmen, nämlich als Aggressor.

Es benötigt eine Allianz Israel friedlich eingestellter muslimischer Staaten. Ich bin mir sicher, würde Israel Ägypten, Jordanien und vielleicht Saudi-Arabien darum bitten und im Gegenzug zur Zweistaatenlösung zurückkehren, würden diese Staaten eine solche Stabilisierungsmission unterstützen.

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Absolut, ich bin auch der Meinung, dass man Israel nicht mit der Verantwortung für den Gaza-Streifen im Stich lassen darf, denn letztlich tragen alle Industrienationen eine Verantwortung für die Nahost-Problematik. Ich verweise immer wieder darauf, dass wir diesen ganzen Mist wohl nicht hätten, wenn Deutschland damals nicht die Schoah verursacht hätte, denn dadurch wurde ein jüdischer Nationalstaat ja überhaupt erst notwendig.

Andererseits können wir die Verantwortung jetzt auch nicht auf die arabischen / muslimischen Staaten übertragen, da in diesen Staaten Antisemitismus leider auch noch zu verbreitet ist. Ich sehe da einfach ein zu großes Potenzial für einen Fehlschlag. Es sollte im Idealfall eine gemischte Koalition aus westlichen und arabischen Kräften sein, kurzum: eine breite UN-geführte Koalition. Aber das hat Israel mWn in der Vergangenheit auch immer abgelehnt.

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Sowas kann man hier anscheinend fordern, aber Kritik an Israel wird sofort als antisemitisch interpretiert. Man stelle sich mal vor, jemand würde hier die „Ent-Judaisierung“ der israelischen Bevölkerung fordern…

Hier wiederholt sich die - z.T. emotionale und vehemente - Diskussion von zig anderen Threads zum Thema „Israel/Palästina nach dem 7. Oktober“. Ganz ehrlich: Ich finde diese endlosen Wiederholungen der immer gleichen Argumente langsam schwierig. Ich finde hier kaum ein Argument, dass nicht schon längst zig mal gefallen ist.

Warum ist eigentlich die folgende Position so schwer ein- oder anzunehmen?!?

„Die Terrorattacke am 7. Oktober, der Missbrauch der palästinensischen Zivilbevölkerung als Schutzschilde, die andauernden Raketenangriffe der Hamas sind moralisch völlig inakzeptabel und berechtigt Israel ohne Frage, sich dagegen zur Wehr zusetzen. UND Das Ausmaß der Kollateralschaden an der palästinensischen Zivilbevölkerung infolge der Luftangriffe und Bodenoffensive Israels entpuppt sich mehr und mehr als derart unverhältnismäßig, dass auch Israel sich schuldig macht und eine Lösung des uralten Konflikts in den nächsten Jahren unmöglich macht.“

Beides ist richtig. Wer deshalb nicht (mehr) mehr kritiklos hinter Israel stehen mag, verteidigt damit keineswegs die Hamas (es sei denn, er/sie sagt das explizit, was ich hier nicht gelesen haben). Und er/sie ist mit dieser Position auch kein Antisemit!!!

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Doch. Jeder, der von Israel pauschal eine wie auch immer geartete Beschränkung des Militäreinsatzes fordert, ohne konkrete Vorschläge zu machen wie die Bedrohung denn sonst eliminiert werden könnte, bestreitet im Grunde das Selbstverteidigungsrecht Israels oder beschränkt es zumindest. Dahinter steckt dieselbe Logik, wie wenn Leute fordern, die Ukraine solle doch endlich zu Verhandlungen mit Russland gezwungen werden.

Mir ist zumindest nicht bekannt, dass sich irgendein anderes Land z.B. bereiterklären würde, selber nach Gaza zu gehen, die Geiseln zu befreien, die Hamas zu entwaffnen, deren Köpfe an Israel auszuliefern und das Ganze ohne der Zivilbevölkerung ein Haar zu krümmen.

Genau das war doch die Behauptung des Terrorunterstützerstaats Südafrika vor dem IGH.

Die Art der Kriegsführung unterschied sich aber auch deutich. Das Gebiet war viel größer, es trafen reguläre Streitkräfte aufeinander und es gab eine Frontlinie. Hinter der Front wurden dann die Städte in der Regel geordnet übergeben. Gaza ist aber so klein, dass es da kein „hinter der Front“ gibt, und seine Bewohner führen einen asymmetrischen Krieg, in dem jeder „Zivilist“ potentiell wieder zum Kämpfer wird, wenn man ihn in bereits kontrollierte Gebiete lässt.

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Das wäre aber erst der nächste Schritt. Auch in Deutschland war das erst möglich, nachdem das Land zur bedingungslosen Kapitulation gezwungen worden war. Und wie hat die Zivilbevölkerung unter dem Krieg gelitten. So viele Zivilisten wie nach offiziellen Hamas-Angaben in Gaza bisher zu Tode gekommen sind, sind damals den Bombardierungen in Städten wie Hamburg teilweise binnen einer Woche zum Opfer gefallen. Außer rigendwelchen Neonazis bezeichnet das aber niemand als „Völkermord“ o.ä.

Und genau so herum muss das auch in Gaza jetzt passieren. Irgendwelche Waffenruhen u.ä. verlängern das Elend nur und spielen der Hamas in die Hände, die eben damit rechnet, dass ihre willigen internationalen Handlanger irgendwann genug Druck ausüben, dass Israel die Aktion letztendlich abbrechen muss und wieder für den nächsten 7. Oktober aufgerüstet werden kann.

Warum wohl? Die UNRWA ist doch ein Erfolgskonzept.

Äh, weil Leute vielleicht anderer Meinung sind als du?

Als ob es so eine Option ansonsten gäbe, solange Organisationen wie Hamas, Islamischer Dschihad usw. auf der anderen Seite das Sagen haben.

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Es geht nicht darum, dass Menschen anderer Meinung sind. Es geht darum, dass ständig anderen eine Meinung / Haltung untergeschoben wird, die sie gar nicht (geäußert) haben.

Man findet die Kollateralschäden auf Seiten der Palästinenser unverhältnismäßig hoch? Prompt wird einem unterstellt, man solidarisiere sich mit der Hamas oder wage sich auf antisemitisches Terrain.

Man findet, Israel müsse sich gegen die Terrorattacke und ständigen Raketenangriffe der der Hamas verteidigen dürfen? Prompt wird einem unterstellt, man sei blind für das Leiden der Palästinenser. Und wenn man die Frage aufwirft, ob das nicht langsam Genozid wird (wie die Richter des intern. Strafgerichtshof es durchaus für möglich halten), wird man gleich in die „Neonazi-Ecke“ stellt (@otzenpunk).

Das ist in den meisten Fällen falsch und ein Unsinn. Man kann eben beide Positionen einnehmen (und unter der Unvereinbarkeit leiden).

Es gibt hier leider nicht die Guten und die Bösen, wie im Märchen. Alle haben sich schuldig gemacht!

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Ich bin überzeugt @Daniel_K meinte damit nicht eine generelle Abschaffung des Islams, sondern eine Entfernung des radikalen politischen Islams aus der palästinensischen Gesellschaft. Und ich bin sicher das würde er, ebenso wie auch viele (hoffentlich die meisten) andere aufgeklärte Menschen, für das radikale rechte Judentum in Israel ebenso erklären.

Volle Zustimmung, aber ist denn die westliche Unterstützung von den Palästinensern gewünscht? Unsere Kritiklosigkeit gegenüber radikalen israelischen Regierungen und unsere Kriege gegen diverse arabische Staaten, haben uns in der Region nicht gerade zu Everybodys Darling gemacht.

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Ich weiß nicht, wo das hier passiert sein soll. Ich bin eben der Meinung, wer politische Forderungen stellt, wie nach einer Waffenruhe, oder dass Chan Junis nicht angegriffen wird, oder Rafah, kommt nicht um eine Folgenabschätzung herum, was denn die Konsequenzen wären, wenn diese Forderungen umgesetzt werden. Am Beispiel Ukraine ist das den meisten eben auch klar. Wenn der Westen die Waffenlieferungen einstellt, bedeutet das, dass Russland sich die Ukraine einverleiben wird, also fordert man das implizit mit, völlig unabhängig davon, ob man Putinist ist oder als radikaler Pazifist prinzipiell gegen alle Waffenlieferungen.

Und wer Forderungen an Israel stellt, das Schicksal der Palästinenser höher zu priorisieren im Vergleich zum Schutz der eigenen Leute, der sagt als Konsequenz halt u.a. zu diesen beiden Menschen, „ich freue mich ja für euch, aber eigentlich hättet ihr meiner Meinung nach nicht befreit werden dürfen“.

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Das ist … falsch. Wie auch immer man zu der Aussage steht, Israel betreibe (oder wolle) einen Genozid: Niemand in diesem Thread wurde dafür als Nazi bezeichnet. Otzenpunks Aussage über Neonazis bezog sich eindeutig auf die alliierten Bombardierungen deutscher Städte im Zweiten Weltkrieg.

Vielleicht wäre es schön wenn du erklärst warum es Israel nicht zumutbar sein soll auf bereits „gereinigtem“ Gebiet Flüchtlingslager aufzubauen und entsprechende Versorgung zuzulassen. Tatsächlich verteidigst du ja sogar wenn Israel die Lieferung von Hilfsgütern blockiert und kritisierst Hilfsorganisationen dafür möglicherweise eine zu große Nähe zur Hamas zu haben.

Mal ganz im Ernst, wenn Menschen verhungern oder frieren ist mir Sch***egal wer ihnen hilft, Hauptsache sie verhungern oder erfrieren nicht. Da ist für mich auch völlig unerheblich, warum die dort zuständige Regierung ihren Job zur Versorgung nicht macht oder machen kann. Diesen Menschen habe ich in ihrer Not zu helfen und nicht zu sagen, „Pech, ihr hättet die Hamas ja nicht wählen müssen.“. Das gebietet einen Mindestmaß an Menschlichkeit.

Und ich weiß nicht ob du es gestern gesehen hast. Im Heute Journal gestern gab es ein Interview mit einem deutschen Helfer im Süden Gazas beim roten Halbmond (das arabische Äquivalent zum roten Kreuz). Der sprach davon, dass diese Lage beispiellos sei. Er habe noch nie eine solche Gleichgültigkeit bei der Einhaltung der gängigen Regeln im Krieg erlebt - auf beiden Seiten.

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