Und da schließt sich der Kreis zur Debatte über Arbeitszeiterfassungen, da Lehrer einer der wenigen Beamten-Berufe (neben z.B. Richtern) sind, die eine extrem hohe Unabhängigkeit in ihrer Zeitplanung genießen. Dadurch gibt es keine Arbeitszeiterfassung, auf welche man sich mit der Behauptung berufen könnte, dass man „zu viel arbeiten“ müsse.
Bei Lehrern und Richtern wird die Arbeitszeit eben in Fallvolumina gemessen, daher: Es wird erwartet, dass die Beamten ein gewisses Pensum an Arbeit (Fälle bei Richtern, Schulstunden samt Vor- und Nachbereitung bei Lehrern) ableisten. Das Problem dabei ist: Wer legt fest, wie viel Zeit für eine Schulstunde angemessen ist?
Im normalen 9-to-5-Job leistet der langsame Mitarbeiter schlicht weniger Arbeit als der schnelle Mitarbeiter, wird aber gleich bezahlt (dafür bei Beförderungen vermutlich benachteiligt…). Im Lehrerberuf hat der „langsame“ (oder besonders sorgfältige, engagierte) Lehrer das Problem, dass er deutlich mehr Zeit braucht, als man ihm statistisch zusteht, sodass er bei einer 50-Stunden-Woche landet, während ein besonders „effektiv und schnell“ arbeitender Lehrer das Pensum vielleicht deutlich schneller schafft und effektiv nur 30 Stunden die Woche arbeitet (jeweils als Durchschnitt über das gesamte Jahr inklusive Ferien exklusive Urlaub).
Das sind letztlich die Vor- und Nachteile der großen Flexibilität. Man kann allenfalls überprüfen, ob die statistischen Werte für die Vor- und Nachbereitung im Durchschnitt realistisch sind, aber es wird dann immer Lehrer geben, die länger oder weniger lang brauchen und effektiv damit ihre Wochenarbeitszeit deutlich über- oder unterschreiten. Ich kann beim besten Willen nicht sagen, wie man das lösen soll. Eine konsequente Arbeitszeiterfassung mit Bezahlung aller „Überstunden“ der statistisch langsamen (z.B. besonders sorgfältigen) Lehrer ist natürlich extrem betrugsanfällig, weil niemand kontrollieren kann, wie lange die Vor- und Nachbereitung oder die Kontrolle der Klausuren wirklich gebraucht hat.
Und Studien zu diesem Thema sind mit Vorsicht zu genießen, da der Ausgang der Studien einen relevanten Einfluss auf die zukünftigen Arbeitsbedingungen der Berufsgruppe hat, weshalb eine gigantische Motivation besteht, die Dinge vielleicht etwas schlimmer darzustellen, als sie sind… hier gerät die empirische Sozialforschung jedenfalls an ihre Grenzen, da der tatsächliche Zeitaufwand in der höchstpersönlichen Schutzsphäre der Heimarbeit stattfindet und sich somit objektiven Messungen entzieht, sodass nur die Aussagen der Betroffenen bleiben.