Das ist dem Klima allerdings herzlich egal, ob die Leute das sehen oder nicht. Die kurze, oben verlinkte Serie über den „Bronze Age Collapse“ angesehen? Insbesondere die zweite Hälfte von Teil 4 über die „Theory of systems collapse“.
Im Grunde sagt einem doch schon der gesunde Menschenverstand, dass Gesellschaften irgendwann einfach nicht mehr die Ressourcen haben können, um „unendliche Schäden durch Wetterereignisse“ (deine Worte) wieder zu beheben, ganz davon abgesehen, dass die dafür aufgewendeten, steigenden Ressourcen dann auch nicht mehr zur Verfügung stehen, um z.B. alternative Energieerzeugung o.ä. zu befördern. Das führt dann zu Fachkräftemangel, Lieferkettenengpässen usw., die es unmöglich machen, auch nur die aktuelle Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Wenn man das damit vergleicht, was für „Verwerfungen auf den Märkten“ bereits relativ kleine, zeitlich bzw. lokal begrenzte Krisen wie Corona oder der Ukrainekrieg verursacht haben, können wir uns halt nur schwer vorstellen, was da noch auf uns zu kommt.
Und das ist eben das Problem. Menschen sind nicht dafür gemacht sich vorzustellen, dass die Welt, so wie sie ihr Leben lang da war, für sie irgendwann mal nicht mehr existiert. (Deswegen erfinden sie u.a. Religionen, weil die Vorstellung wiedergeboren zu werden oder einfach an einem anderen Ort weiterzuleben viel einfacher zu verkraften ist als einfach davon auszugehen, dass die eigene Existenz dann einfach weg, wie ausradiert ist.)
Und deswegen gehen die Leute davon aus, dass das alles schon nicht so schlimm werden wird. Klar, die ganzen Leute vom Äquator nach Grönland umzusiedeln wird eine logistische Herausforderung, aber wenn das alles nicht funktioniert, wird schon irgendein verrückter Wissenschaftler irgendeine magische Formel berechnen, und dann muss nur noch Bruce Willis exakt im richtigen Moment am richtigen Ort in der Stratosphäre die Atombombe zünden, und am nächsten Morgen wachen alle auf und wir haben wieder das Klima von 1990.
Und deswegen wählen die Leute auch überall auf der Welt (zumindest wo sie dürfen) mehrheitlich Parteien, die sie in diesem magischen Denken belassen, und die bequem vortäuschen, sie hätten irgendeinen Plan, der aber immer ein paar Jahrzehnte in der Zukunft liegt, damit man jetzt erstmal im Großen und Ganzen so weiterleben kann wie bisher. Dummerweise merken bloß langsam ein paar Leute, dass diese Pläne irgendwie nie auch nur annähernd eingehalten, sondern stattdessen einfach neue Absichtserklärungen für die Zukunft unterbreitet werden.
Das mag ja sein. Ich glaub auch nicht, dass diese Art von Protesten auf einmal dazu führt, dass die sogenannte Mitte der Gesellschaft in allen G20-Staaten plötzlich komplett ihre Lebensweise ändert. Umgekehrt glaube ich allerdings auch nicht, dass irgendwer Klimaschutz plötzlich weniger wichtig findet, bloß weil irgendjemand irgendwo ein Bild beschädigt hat.
Der große Philosoph Rolf Rüssmann hat einmal gesagt: Wenn wir hier nicht gewinnen, treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.
Und ich denke, das ist in etwa das Mindset, dass diese Aktivisten mittlerweile erreicht haben.
Denn machen wir uns nichts vor: Es wird sich in naher Zukunft nichts ändern, (außer dem Klima.) Und das liegt nicht bloß an irgendwelchen Politikern und Lobbyisten, sondern auch an der Bevölkerungsmehrheit auch in allen demokratischen Staaten. Ich meine, wie lange diskutieren wir eigentlich schon über No-Brainer wie Inlandsflugverbote? Das sind Maßnahmen, sowas müsste man eigentlich schneller umsetzen können als irgendjemand „Bundeswehrsondervermögen“ auch nur aussprechen könnte. Aber es passiert nicht. Und eigentlich müssten wir noch viel mehr machen, z.B. alle Urlaubsflüge verbieten. Damit hättet ihr dann aber richtig Spaß als Politiker.