LdN 260 - Meinungen nicht abwerten sondern demokratisch stehen lassen

Liebe LdN,
ich bin bereits seit Jahren regelmäßiger Hörer der LdN und finde es großartig wie hier Inhalte der deutschen Politik aufbereitet werden.
Eine Kritik möchte ich jedoch äußern und damit einer Strömung in Deutschland entgegen wirken die ich doch mittlerweile recht dramatisch finde und daher ansprechen möchte.

Ich bin nicht der Ansicht das Menschen die eine andere Ansicht vertreten als die meisten Menschen in Deutschland an den Rand gedeängt werden sollten. Wer eine politische Ansicht hat die nicht dem Mainstream entspricht sollte in einer wehrhaften Demokratie angehört und auch akzeptiert werden und nicht wie es zunehmend der Fall ist, in eine extremistische Ecke gedeängt werden.
Ich bin beispielsweise keinesfalls der Ansicht, das die Menschen im Osten Deutschlands als „für die Demokratie nicht mehr erreichbar“ abgestempelt werden. Das ist überheblich und nicht gerechtfertigt. Diese Menschen haben sicherlich eine andere Sicht als die meisten Menschen in Deutschland, jedoch sind sie ein mit über 10% ein nicht unwesentlicher Teil der Gesellschaft.
In einer Gesellschaft in der so viel TamTam und jede mögliche Minderheit gemacht wird, sollten wir fairer weise auch diese Minderheit anerkennen und nicht diskreditieren.

Danke für ihr Verständnis.
Gruß ein eifriger hörer.

Hi pleinesk,

wo ziehst du denn die Grenzen zu Menschen deren Meinung darin besteht, anderen Menschen ihre Freiheit nehmen zu wollen (mindestens zu beschränken) auf Grund ihrer Herkunft, Hautfarbe, Sexualität, Religion?
Dazu kommt, dass sie ja unser Gesellschaftsform die drauf ausgelegt ist die Freiheit jedes einzelne zu schützen, abschaffen wollen.
Ich halte Rassismus, Antisemitismus nicht für eine diskutable Meinung.

Gruß

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Da würde ich sogar zustimmen, aber Rassismus und Antisemitismus kommen ja bei weitaus mehr als 10% der Bevölkerung vor. Einschlägigen Studien zufolge haben bestimmte rechtsextreme Denkmuster Zustimmungswerte von bis zu 50%. Da stellt sich dann in der Tat die Frage, wo und wie die Grenze gezogen werden soll.

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Leider ist diese Aussage zu allgemein gefasst und gibt zuviel Raum für Projektion. Besser ist es, konkrete Beispiele zu reflektieren. In Dresden hat vor zwei Jahren der Frontrunner von Pegida gesagt: er will die politischen Gräben dieser Stadt mit Linken füllen und somit zuschütten. Eine Meinung die ich akzeptieren muss?

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Meinungen abzuwerten ist auch Teil der Meinungsfreiheit. Und damit möchte ich explizit einer Strömung in Deutschland entgegenwirken, die der Ansicht ist, Meinungsfreiheit würde beinhalten, dass man für seine Meinungen nicht kritisiert werden darf, oder wenn, dann höchstens sehr sanft.

Über „die Menschen im Osten“ (alle) redet ja keiner. Aber dass Menschen, die jetzt vielleicht drei oder vier Wahlen am Stück die AfD gewählt haben, für die Demokratie erstmal nicht mehr erreichbar sind, liegt auf der Hand. Dass das bundesweit ca. 10% sind, ist schlimm genug, und die sind ja nun auch wirklich nicht über das Bundesgebiet gleich verteilt. Da muss es dann eben darum gehen, dass das nicht noch mehr werden, am besten indem man sie aus der Gemeinschaft ausgrenzt. Wer mit diesen Leuten trotzdem kollegial zusammenarbeitet, in den Kreistagen und Gemeinderäten, auf Demonstrationen, etc., der ist vielleicht selber nicht gleich ein Rechtsextremist, aber zumindest ein Kollaborateur. Hab ich genau null Verständnis für.

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Ich geh da mit dir mit, dass wohl viel mehr Menschen als 10% der Bevölkerung Ressentiment gegen andere Menschen haben, weil sie einfach anders sind.
Die Grenze muss man da ziehen, wo diese Haltung dazu führt, dass die Freiheit andere in Gefahr ist.
Das ist sicherlich einfacher geschrieben als es dann im Alltag zu machen ist.
Auch wenn die AfD eine demokratisch gewählte Partei ist, ist sie ja nicht zwangsläufig demokratisch.
Und auch wenn nicht alle Wähler der AfD rechtsextrem sind, wählen sie eine Partei die in ihren Reihen rechtsextreme Mitglieder toleriert, muss man hier ansetzten.

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Wenn du ernsthaft diskuteren möchtest, bietet es sich an, nicht auf irgendwelche Strohmänner zu reagieren, sondern eins oder mehrere konkrete Beispiele zu nennen und zu diskutieren, anstatt so einen wischiwaschi-Kommentar zu einer angeblich allgemeinen Strömung zu schreiben.
Was heißt denn „angehört werden“? Talkshowgast, Interviewpartner, Demoteilnehmer, Gesprächspartner am Küchentisch? Die allermeisten Deutschen werden außerhalb von sozialen Medien niemals in der Öffentlichkeit angehört, egal wo sie politisch stehen.
Was genau ist der Widerspruch zwischen angehört, akzeptiert und in eine extremistische Ecke gedrängt, und noch mal, was genau bedeutet Letzteres? Jemand sagt mir seine Meinung, ich höre sie, ich akzeptiere, dass diese Meinung existiert und dann sage ich, ich finde, diese Position ist rechts oder rechtsextrem oder linksgrünversifft und dann sagt dieser Jemand mir, was er von mir und meiner Meinung hält. Was daran ist undemokratisch oder Diskriminierung von (politischen) Minderheiten? Die AfD darf gewählt und öffentlich unterstützt werden, genauso wie sie öffentlich kritisiert werden darf. Ganz schnöde demokratisch.

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Wenn es um menschenfeindliche Einstellungen geht und der Maßstab die Gefährdung der Freiheit anderer ist, weichst Du der zentralen Frage m. E: aus, wenn Du das Problem allein auf AfD-Wähler:innen reduzierst.

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Welchen Podcast hast Du denn gehört? In der Lage werden doch keine Menschen in irgendwelche „Ecken gedrängt“, was immer das auch heißen soll.

Vielleicht solltest Du, wie hier schon mehrfach vorgeschlagen, mal den konkreten Punkt, die konkrete Aussage benennen, an dem/der sich Deine Kritik entzündet.

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Das mag so wirken, war aber nicht meine Intention. Die AfD ist aber einfach die einzige Partei die aktuell eine politische Relevanz hat.
Es gibt unzählige Kleinstparteien, Gruppierung etc. die weitestgehend offen ihrem Gedankengut kundtun.
Wer z.B. den Der III. Weg, Identitäre Bewegung, Pegida (um nur drei zu nennen) unterstützt hat die Grenze, um am gemeinsamen Diskurs teilzunehmen, aus meiner Sicht deutlich überschritten.

Die 10% um die es hier geht, haben sich doch selbst an den rechten Rand gestellt, in dem sie sich von gesellschaftlichen Normen wie Respekt, Akzeptanz und Toleranz verabschiedet haben.
„Wasch mich, aber mach mich nicht nass“ funktioniert auch in dem Kontext nicht.

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6:12
Es wurde nochmal auf die Aussage von Herrn Wandawitz eingegangen, dass viele Ostdeutschen “irgendwie für die Demokratie nicht mehr so erreichbar sind“
Darf jetzt jeder für sich entscheiden, ob er sich da angesprochen fühlt.

Hinweis: Ich habe die LdN 260 angegeben. Dort wurde explizit auf einen Herrn Wanderwitz (6:14 Min) der ehem. Vorsitzende der sächsichen CDU und auch sein Nachfolger sich dazu geäußert hat. Und ich finde das eben äußerst überheblich nur weil einer nicht CDU wählt ihn gleich als „viele Ostdeutsche für die Demokratie nicht mehr erreichbar sind“ abstempelt.

Bitte versteht micht nicht falsch. Es geht nicht darum Menschen ausugrenzen oder diesen Menschen gleich recht zu geben. Aber ich finde die aktuelle Tendenz in Deutschland die AfD-Wähler die sicherlich im Kern zumeist nicht als Extrem bezeichnet werden können gleich in eine Schublade zu stecken.
Unsere Toleranz sollte auch hier nicht aufhören (siehe Kommentar weiter unten).

Hallo AlexS,
mir geht es nicht darum eine Grenze zu ziehen zwischen Menschen die unterschiedliche Vorstellung von ihrer Lebensgestaltung haben sondern um die Grundfesten unserer Demokratie. Ich halte die Meinungsfreiheit für ein hohes Gut das leider in Gefahr ist. Es geht mir auch nicht darum dass wir alle Ansichten unterstützen müssen. Aber wir sollten als Demokratie auch die extremste Ansicht hören und aushalten.

Ich möchte es mit Voltair sagen.

„Ich hasse, was du sagst, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst.“ Voltaire (angeblich)

Eine Demokratie, die Menschen diskreditiert, die eine abweichende Meinung haben, ist nicht demokratisch sondern eher diktatorisch. Und ich möchte auch noch in Zukunft ohne Angst meine Ansichten vertreten dürfen, auch wenn die meisten Menschen ihr nicht zustimmen würden.

Hi LagEr,
ich gebe dir Recht dass ein konkreter Fall sicher einfacher wäre. Jedoch sehe ich derzeit die Tendenz unserer Demokratie zur Ausgrenzung anders denkender gegeben.
Anlaß meines Kommentares war der Kommentar in der LdN 260 (6:14 Min) wo Herr Wanderwitz vielen ostdeutschen unterstellte, dass sie für die Demokratie nicht mehr erreichbar wären. Das halte ich für sehr gewagt. Schließlich gehen die Menschen nicht auf die Straße sondern wählen eine demokratische Partei.

Das ist gleich doppelt falsch: Für bestimmte Meinungen auf die Straße zu gehen wäre demokratisch. Die AfD zu wählen ist hingegen ausgesprochen fragwürdig, weil sich die Partei gegen zentrale Werte unseres Grundgesetzes stellt.

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Ich lehne Extremismus ab, besonders wenn er gegen Leib und Leben ausgetragen wird - indiskutabel. Aber Lage sieht im Linksextremismus aus meiner Sicht dramatischer aus als im Rechtsextremismus (Vergleich rechtsextremistischer und linksextremistischer Straftaten 2020 | Statista).
Beides ist natürlich nicht akzeptabel. Jedoch wird über Links weniger öffentlich diskutiert als über rechts.
Ist Die Linke demokratisch? Dann ist die AfD das sicher auch.

Die Linke steht eindeutig auf dem Boden unseres Grundgesetzes, auch wenn von AfD und Union gelegentlich anderes behauptet wird: Das Grundgesetz ist nämlich nicht auf den Kapitalismus festgelegt, selbst eine fundamentale Kritik an der Marktwirtschaft ist mit dem Grundgesetz vereinbar. Das gilt für den gruppenbezogenen Hass, den die AfD verbreitet, hingegen nicht.

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Bitte hier mal konkret werden wenn möglich. Danke.

Hallo @pleinesk,

um mal den Titel wörtlich zu nehmen: Natürlich kann man Meinungen abwerten. Die Aussage: „Diese Meinung ist falsch“ ist ja quasi die höchste Form der inhaltlichen Abwertung.

Diese Ablehnung der Meinung bezieht sich aber eben nicht auf den Menschen dahinter. Das geht denke ich in dieser Diskussion, häufig unter. Natürlich hat Herr Wanderwitz, falls er das so gemeint hat, unrecht wenn er die Menschen im Osten als für die Demokratie verloren bezeichnet.

Wonach dein ursprünglicher Post aber leider klingt, ist leider das altbekannte: „Das wird man wohl noch sagen dürfen.“ und da lautet die Antwort nun mal: „Ja, aber nicht unwidersprochen!“.

Mfg
Matder

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… umgekehrt: Du solltest darlegen, inwiefern die LINKE nicht demokratisch ist. Anhand konkreter Beispiele. Und bitte auf das Verhalten oder die Position von einzelnen, nicht maßgeblichen Mitglieder verweisen.

Bitte überdenke grundsätzlich den reflexartigen Verweis auf die LINKE, wenn die AfD kritisiert wird. Erstens ist das eine ablenkende Argumentation. Zweitens wird dieses „Hufeisen im Kopf“ (Gleichsetzung von „rechts außen“ und „links außen“) einfach den Realitäten nicht gerecht.

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