Ldn 226 Impfstoff

Zum Thema ‚Aufbau von Produktionskapazitäten‘ möchte ich noch ein paar Fakten ergänzen. Insgesamt wurde dieses Thema in der LdN226 etwas oberflächlich behandelt. Beruflich habe ich mit der Produktion von Lokalanästhetika zu tun, die ja auch Flüssigkeiten sind, die in Glasampullen abgefüllt werden:

  • der Aufbau einer ganzen, neuen Produktionstrasse unter Idealbedingungen dauert locker mehr als ein Jahr. Bitte vergesst nicht, dass alle Geräte beschafft werden müssen (Spezifikationen erstellen, Angebote einholen, Bestellung, Lieferfristen (6 Monate sind hier normal!), Aufbau, Qualifikation des Personals, Aufbau eines QM-Systems, Validierung etc). Und das gilt für jedes Gerät (z.B. Mischgeräte für die Bulk-Chargen, Abfüllung, Etikettierung, Qualitätskontrolle, Verpackung, Lagerung). Es handelt sich um einen hochregulierten Bereich!
  • wenn dann noch ein ganzes Werk darum herum neu gebaut wird, dauert das entsprechend länger
  • in einer Pandemiesituation werden die Zulieferer Engpässe haben. Wenn plötzlich 10 Hersteller beim gleichen Hersteller von Abfüllanlegen bestellen, dann ist es nicht verwunderlich, dass es zu deutlichen Verzögerungen kommt. In diesem hochtechnischen und hochregulierten Bereich kann man einfach nicht gut skalieren
  • Hier ein Beispiel für ‚Rohstoffe‘: die Stopfen und Kappen der Durchstechflaschen. Wir haben z.B. nur 2 mögliche Zulieferer in Europa, und schon zu normalen Zeiten hat einer davon 9 Monate Lieferzeit. Es relativ einfach, sich vorzustellen, was passiert wenn der Bedarf massiv steigt
  • zum Lonza-Interview: bitte besser zitieren. Der Lonza CEO redet von Produktionslinien des ‚aktiven Wirkstoffs‘ (Fachbegriff API = active pharmaceutical ingredient). Das ist also mitnichten eine vollständige Produktionsanlage für Impfstoff, sondern nur einer von vielen Vorlieferanten
  • wenn die EU also mehr als 2 Mrd € für Produktionskapazitäten zur Verfügung gestellt hat, mag das wahr sein, aber die sind halt nicht so schnell ausgegeben (s…o.)

Vorschlag: versucht doch mal ein Interview mit einem Produktionsleiter einer solchen Produktionsstätte zu bekommen, damit der uns allen erklärt, welche Herausforderung ein solcher ramp up darstellt

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