LdN 223 Impfstoffbeschaffung

Ich finde Eure Sichtweise, jetzt nicht schrankenlos Politiker niederzumachen, grundsätzlich richtig. Beim Thema Impfstoffbeschaffung liegt ihr aber falsch. Natürlich konnte niemand wirklich wissen, welcher Impfstoff wie wirksam und wie schnell zugelassen sein würde.
Deshalb hätte man von allen (vielversprechenden) Anbietern genügend kaufen sollen, damit diese rechtzeitig eine Produktion hätten aufbauen können, nicht nur Optionen hier und da.
Unter normalen Umständen wäre das verschwenderisch gewesen, aber es wäre doch deutlich billiger gewesen als die Unterstützung für Unternehmen während eines monatelangen lockdowns. Da wurde am falschen Ende gespart!

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Hier muss ich @ChristianF zustimmen. Betrachtet man die Schäden und Subventionen die für jede Woche Lockdown entstehen bzw. aufgewendet werden. Hätte man sich auf EU Ebene gut mit mehreren Impfstoffen komplett eindecken können.

Kritik an der Impfstoffbeschaffung ist aber momentan nicht Mainstreamfähig, da wird man schnell in eine Ecke gestellt.

https://www.focus.de/politik/deutschland/schwarzer-kanal/focus-kolumne-von-jan-fleischhauer-merkels-impfstoff-versagen-die-verheerendste-entscheidung-in-15-jahren-amtszeit_id_12827637.html

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Der Thread stimmt eigentlich (bis auf die etwas übertrieben zugespitzte Überschrift) genau mit meiner Aussage überein. Ich zitiere:

„ Was hätte besser laufen können?

  • Die EU hätte bei den Verträgen beherzter und risikofreudiger sein können. Scheiterte an osteurop. Ländern, denen Biontech zu teuer war und Frankreich, das v.a. auf Sanofi setzte“

Und dass die Produktionskapazität der Engpass ist, mag jetzt richtig sein, hätte man, wie gesagt, aber früher verhindern können. Der 900 mio EUR- Kredit für Biontech ist ja sicherlich gut, war aber offensichtlich zu wenig und ist halt auch nur ein Kredit, dessen Risiken der Hersteller trägt. Bei einer Bestellung hätte hingegen das Risiko die EU übernommen.

Von daher widerspreche ich der vereinfachenden Darstellung „die Alternative wäre schlechter gewesen“. Denn sie hätte vielleicht noch mehr Konflikte in der eu provoziert und zunächst mehr gekostet, wäre aber langfristig deutlich billiger gewesen und hätte tausende Leben gerettet (vermute ich mal ohne direkt nachzurechnen).

Um es klar zu sagen: ich habe großen Respekt vor Merkel und Spahn, die sehr schwierige Jobs haben und dabei vieles gut machen. Aber auch diese Menschen machen Fehler, die man benennen muss. Und diese Fehler kosten mutmaßlich Milliarden Euro und tausende Menschenleben.

Liebe Lage Leser,
Ich finde, dass die Beschaffungspolitik der EU sehr wohl zu kritisieren ist. Die Argumente sind alle zu sehr auf uns als EU Bürger/Betroffene ausgerichtet.
Ich finde das alle zu egoistisch denken.

Wenn wir bei jedem Anbieter genügend Impfstoff für die EU bestellt hätten, dann hätten die Überkapazitäten der anderen Hersteller an andere Länder außerhalb der EU zur Verfügung gestellt werden können, die finanziell nicht so gut da stehen wir die EU.
Je mehr Menschen geimpft sind desto besser für uns als EU Bürger.
Ein Hoch auf die internationale Solidarität ist das nicht.

Ich hab jetzt die Folge noch nicht gehört… Aber ganz ehrlich. Ich finde das ein Jammern auf hohem Niveau…
Klar, es ist nicht alles perfekt gelaufen, aber hey. Wir haben es geschafft, dass wir ein Jahr nach Ausbruch der Krankheit anfangen können zu impfen, wo sowas sonst auch mal schnell ein Jahrzehnt dauern kann.

Ernsthaft? Hast Du das mal durchgerechnet?

  • Wir haben 450 Mio EU–Bürger
  • pro Person werden bei den meisten Entwicklungen 2 Dosen gebraucht
  • eine Dosis kostet durchschnittlich ca 10 Euro
  • es gibt derzeit 247 Projekte zur Impfstoff-Entwicklung

Die Mathematik überlasse ich Dir…

Und selbst wenn, das möglich wäre, hast Du mal darüber nachgedacht, dass es auch noch andere Menschen auf der Welt außer UNS gibt? Dass einfach ein hohes Maß an Egoismus ist, den Markt einfach mal eben leer zu kaufen, nur damit WIR safe sind?

[quote=„AndreasLDN, post:2, topic:4836“]
Kritik an der Impfstoffbeschaffung ist aber momentan nicht Mainstreamfähig[/quote]
Ja, weil man da nicht soooo viel hätte anders machen können… Es war von Anfang an absehbar, dass wir nicht an dem Tag wo der Impfstroff fertig ist, alle impfen können. Der Flaschen

Wo wirkliches Politikversagen stattgefunden hat, sind die derzeitigen Maßnahmen,

  • Warum wurden die Maßnahmen so spät eingeführt, obwohl ALLE Virulogen die zweite Welle im Herbst angekündigt haben?
  • Warum haben wir fast ein Jahr nach dem ersten Lockdown immer noch keine vernünftigen Konzepte für die Schulen haben?
  • Warum gibt es noch keine recht der Arbeitnehmer auf HomeOffice
  • Warum gibt es keine Konzepte um Soloselbstständige aufzufangen, während die Großindustrie von vorne bis hinten gepampert wird?

Das sind die Themen! Ob wir nun

lg, Dave

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Hindsight ist natuerlich schon etwas Tolles, und laesst die Diskussion um die Impfstoffbeschaffung tatsaechlich oft etwas Unehrlich aussehen. Aber man sollte dennoch kritisch nachhaken duerfen.

Ein Punkt der oft uebersehen wird ist: Es geht nicht um die Menge die bestellt wurde (und die theoretisch ausreicht die gesamte EU ein vielfaches zu impfen) oder dass der falsche Impfstoff bestellt weurde, es geht darum dass die EU viel groessere Mengen haette bestellen sollen (im Sommer) um die Hersteller dazu zu motivieren frueher Produktionskapazitaeten auszubauen. Natuerlich haette man zu viel bestellt und es waere teurer geworden (auch pro Impfung), aber wenn man den wirtschaftlichen Schaden des Lockdowns anschaut waere das wohl immer noch ein win-win geworden. Und die zu viel bestellten Impfungen haetten sicher Abnehmer gefunden. Nochmals, der Punkt ist dass die Diskussionen oft auf der Annahme basieren dass der „Kuchen“ (vorhandenes Impfstoffes) gegeben ist, aber die EU haette mit einer anderen Einkaufspolitik im Sommer dafuer sorgen koennen/muessen dass der Kuchen groesser wird.

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Weiß eigentlich jemand, wie diese Kaufverträge gestaltet sind: Schließlich kauft der Käufer eine Ware, von der Käufer und Verkäufer zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses nicht wissen, ob sie rechtzeitig oder jemals verfügbar sein wird. Haben die Käufer ein Rücktrittsrecht verhandelt, wenn der Impfstoff nicht bis zu einem Stichtag lieferbar ist? Die EU-Staaten können doch schlecht einen Vertrag abgeschlossen haben, nachdem sie z.B. den Sanofi-Impfstoff auch dann noch abnehmen müssen, wenn der erst verfügbar ist, nachdem 70% der Bevölkerung geimpft ist (und der Rest nicht geimpft werden will).

Ich denke, dass sie das nicht getan haben. Und genau das ist das Problem. In dieser Lage hätte man kaufen müssen, auch wenn das Geld für die Hälfte verschwendet gewesen wäre.

Mir fällt in den letzten Tagen eine Sache besonders häufig auf, nämlich dass die Überlastung von telefonischer oder elektronischer Auskunft und Terminvergabe bei den zuständigen Impfstellen mit der (noch niedrigen) Menge an Impfdosen in einen Topf geworfen wird. Das hängt doch aber überhaupt nicht zusammen!!

Wie kann es sein, dass die Zuständigen bei den Impfzentren und/oder der kassenärztlichen Vereinigung nicht in der Lage sind, x Leute mehr pro Stelle an Telefone und E-Mail Beantwortung zu setzen, so dass man seine Anfrage stellen kann, ohne ewig in Warteschlangen etc. zu verbringen??

Schließlich sind es jetzt gerade ältere Menschen oder deren Freunde und Verwandte, die mit diesem ungenügenden System kämpfen müssen.

Und bei Kritik an den Stellen heißt es dann „aber die Termine sind alle immer so schnell vergeben, weil wir nicht mehr Impfstoff haben, daran ist xy schuld“ - na und?? Dann sollte trotzdem beim ersten Anruf jemand ans Telefon gehen und Auskunft geben.

Einerseits sind sich alle einig, dass man Skepsis, Sorge, Angst und falschen Nachrichten am besten mit hochwertiger Information entgegen tritt, andererseits ist es anscheinend schrecklich mühsam bei Impfzentren jemanden zu erreichen - finde den Fehler!!

Siehe z.B. ab Minute 00:06:45:

https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/ts-40981.html

Ich finde es erst einmal gut, dass hier und in der Lage klar zwischen „insgesamt bestellte Menge“ und „Auslieferungsgeschwindigkeit“ unterscheiden wird. Nur letzteres ist ja ein Problem. Ob eine frühere Bestellung eine schnellere Auslieferung bedeutet hätte, kann natürlich gut sein. Aber wie groß der quantitative Unterschied gewesen wäre, kann man wohl schwer abschätzen (oder hat da jemand Daten/Abschätzungen zu? würde mich sehr interessieren).

Mal angenommen man möchte jetzt also das reine Tempo der Impfstoffverhandlung der EU bemängeln, ist folgender Aspekt in meinen Augen deutlich entscheidender: Uns ALLEN (Politiker, auch SPD, Journalisten, Lage-Hörer und ich) hätte diese Problematik schon vieeel früher auffallen können. Im Sommer/Herbst gab es jedoch keine kritischen Stimmen zur Einkaufspolitik. Daher finde ich es falsch, jetzt einzelne politische Akteure dafür verantwortlich machen zu wollen.

Lieber Philip Banse und Ulf Buermeyer,

mit Interesse habe ich ihren aktuellen Podcast gehört. Ich beziehe mich im Folgenden auf den Teil zum Impfstoff. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, dann sagen sie, dass es jetzt wohl genug Impfstoff für 2021 gibt. Sie nennen als Quelle das BMG, dass mitgeteilt hat, dass in diesem Jahr von BionTech, Moderna und AstraZeneca rund 190 Mio. Dosen geliefert werden sollen, was bei zwei Impfdosen pro Einwohner für alle reicht. Sie sagen außerdem, dass diese Mengen noch nicht vollständig geliefert wurde, sondern nur ein Bruchteil und der Rest über das Jahr verteilt in Teillieferungen kommt. Sie sagen außerdem, dass ein schnelles „durchimpfen“ wichtig ist und deshalb sei es von Bedeutung, wann wieviel geliefert wird. Sie verweisen in diesem Zusammenhang zu recht auf die angespannte Pandemiesituation (u.a. fast senkrechter Verlauf der Infektionen in Großbritannien durch Mutation). Bis hierhin kann ich folgen.

Doch dann thematisieren sie nicht mehr wann genau welche Mengen in diesem Jahr geliefert werden. Das verstehe ich nicht. Dabei hat das inzwischen sogar zum Streit innerhalb der GroKo geführt. Spahn musste sich außerdem in einer aktuellen Stunde diese Woche zu diesem Thema äußern. Er schrieb außerdem einen Brief an die Abgeordneten des deutschen Bundestags vom 11.1.2021. Aber auch dabei gab er lediglich konkrete Teillieferungen bis Mitte Februar an und dazu die gesamten Mengen der drei Impfstoffproduzenten bis zum 31.3.2021, die er mit rund 12 Millionen Impfdosen angibt (das reicht lediglich für rund 7% der Bevölkerung). Das sind also weniger als 10% von 190 Millionen Impfdosen. Wann kommt der Rest? Spahn macht bisher keine Angaben darüber. Es zeichnet aber bei der aktuellen Lage ab, dass die Herdenimmunität so schnell wie möglich erreicht muss. Dabei zählt jede Woche, weil der notwendige Lockdown mit extrem hohen sozialen und finanziellen Kosten verbunden ist. Spahn macht bisher keine Angaben über die vertraglich fixierten Teillieferungen von BionTech, Moderna und AstraZeneca im 2. Quartal. Warum? Das ist doch für uns alle von hoher Bedeutung. Mir ist außerdem bekannt, dass das BMG auf zumindest eine schriftliche Abgeordnetenfrage ebenfalls darauf keine Antwort gab, obwohl danach explizit gefragt wurde. Das Ministerium gab stattdessen ebenfalls nur die Gesamtmenge für 2021 an.

Gleichzeitig lehnt sich Spahn sogar noch weiter aus dem Fenster und suggeriert, dass jedem bis zum Sommer ein Impfangebot gemacht wird. Dem stehen Teilweise Äußerungen Bürgern entgegen, die in den Hotline gesagt bekommen, dass es vor Oktober nichts wird.

Mich würden die Gründe interessieren, warum sie das nicht in ihrem sonst sehr ausführlichen Podcast thematisiert haben.

Danke und BG

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Liebe LdN Community,

Alexander T bringt es auf den Punkt. Offensichtlich gibt es immer noch keine Angaben über den Liefer-Plan. Das verwundert, denn normalerweise würde man bei solchen Bestellungen genau so einen Plan einfordern. Vielleicht wird die Info aus Gründen der Vetrags-Geheimhaltung zurückgehalten.

Als langjähriger Fan der LdN irritiert mich immer wieder eine spürbare Harmoniebedürftigkeit in Richtung Regierung/Koalition. Und die spüre ich ganz deutlich bei der Behandlung der Impfkampagne. Insgesamt nehme ich diese Stimmung eigentlich nur beim Thema Corona wahr. Geht es anderen auch so?
Möglicherweise solltet Ihr das mal ausführlich behandeln?
Da wären die Aspekte:
Sollen wir solidarisch und mit öffentlicher Kritik zurückhaltend sein, um den Zusammenhalt nicht zu unterminieren?
Ist es angebracht, jede einzelne Einschränkung zu hinterfragen, oder sagen wir lieber: Da müssen wir durch?

Ich glaube, wir alle werden bei Corona recht schnell emotional. Die einen haben Angst, die anderen lehnen sich auf, wieder andere fühlen sich verfolgt. Das erschwert, glaube ich, selbst Profis, Distanz zu bewahren. Denn wir alle sind ja betroffen.

Hör mal die aktuelle Folge :slight_smile:

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Was ich wahrnehme ist eine meist differenzierte Bewertung der Leistung der Exekutive beim „Management“ der Pandemie. Dabei habe ich den Eindruck, dass Ulf und Phillip sich gerade bei diesem Thema Mühe geben, nicht „aus Prinzip gegen die Regierung“ zu sein, Covidioten keine unnötigen „Vorlagen“ zu liefern und bei der Beurteilung die Einmaligkeit der Herausforderung zu berücksichtigen. Im Großen und Ganzen halten sie die eingeschlagene Richtungen für richtig, im Konkreten üben sie durchaus Kritik.

Gerade beim Thema Impfstoffbeschaffung nervt mich die in der öffentlichen Diskussion sehr dominate Attitüde „besser geht immer, daher kann man immer auf den Verantwortlichen rumhacken“ ungemein. Ganz besonders fallen dabei (natürlich neben der AfD) die FDP und seit 2 Wochen auch die SPD auf. Ich weiß, sie würden alle gern selbst allein regieren, aber ich bezweifele sehr stark, dass sie es signifikant besser gemacht hätten …

Ich habe bis heute nicht verstanden, was die Regierung hätte tun können, um bei über 200 Impfstoffkandidaten für eine schnellere und höherer Verfügbarkeit von Produktionskapazität zu sorgen. Wenn der jeweilige Impfstoffentwickler noch eine Produktionskapazität aufbaut, dann meist weil entweder noch nicht klar ist, ob der Impfstoff überhaupt kommt oder weil wie er zu produzieren ist. Ob es Fälle gab, in denen klar war, dass der Impfstoff zugelassen würde und wie der Impfstoff zu produzieren wäre und bei denen die Produktionskapazität rein aus mangelnder Finanzierung noch nicht errichtet wurden, darüber finde ich bis heute keinerlei Hinweise.

Wird von von Ulf und Phillip erwartet, dass sie trotzdem diesen Aufreger aufreißen?

D.h. nicht, dass man die Maßnahmen der Exekutive nicht kritisieren darf (siehe mein Themenvorschlag „konstruktive Kritik der Corona-Maßnahmen im Rückblick). Aber dabei bitte immer berücksichtigen: „Hinterher wissen immer alle, wie man es hätte besser machen können“

Natürlich gibt es da einen Zusammenhang. Wenn wir keine Kapazitätsengpässe bei den Dosen hätten könnten wir einfach jeden Anschreiben und ihm seinen Impftermin schicken. Dann würden sich viele Anrufe bei der Hotline erübrigen…

Mal abgesehen davon, dass ich die Einkaufspolitik selber nicht kritisiere, finde ich diese Logik doch etwas seltsam.

Nur weil mir - aus welchen Gründen auch immer - ein Problem gestern nicht aufgefallen ist, heißt das doch noch lange nicht, dass ich es heute - wo ich es bemerke - nicht kritisieren darf.

„Normalerweise“ dauern diese Prozesse 10 Jahre - und nicht 10 Monate!
Wie soll man bei einem Produkt dass noch nicht existiert einen verbindlichen Lieferplan bereitstellen?

[quote=„Erich13, post:15, topic:4836“]
Als langjähriger Fan der LdN irritiert mich immer wieder eine spürbare Harmoniebedürftigkeit in Richtung Regierung/Koalition[/quote]
Empfinde ich nicht so - im Gegenteil. Man muss nicht kritisieren um des Kritisierens willen.

Es gibt genügend Thematiken, die man kritisieren kann, die wirklich katastrophal gelaufen sind (bei der zweiten Welle).
Die Impfstoffverteilung gehört imo nicht dazu… Das machen hier alles zum ersten Mal, keiner hat Pandemieerfahrungen, und dafür läuft es mMn ganz okay… Nicht absolut spitzenmäßig, aber eben „okay“

Ich finde, dass Aufklärung und Transparenz über die terminlich und vertraglich zugesicherten Liefermengen in diesem Jahr von der Kritik, was falsch gemacht wurde, getrennt werden sollte. Die Information über die Teilliefermengen sollte eigentlich unabhängig von einer Debatte über mögliche Fehler der Regierung/EU-Kommission von allgemeinem Interesse sein.
Ich sehe aber auch davon unabhängig kein Problem, wenn darüber diskutiert würde, was ggf. bei den Bestellungen oder Produktionskapazitäten falsch gemacht wurde. Immerhin ist letzteres ja kein Schnee von gestern, weil die Regierung hier inzwischen offenbar aufgrund der mehrwöchigen Debatte und des öffentlichen Drucks (vgl. u.a. Schularick https://www.spiegel.de/wirtschaft/warum-wir-jetzt-ueber-kriegswirtschaft-sprechen-muessen-a-724a2dd7-b2b2-45c8-8adf-8d736752153f oder Gustav Horn https://www.ipg-journal.de/regionen/europa/artikel/wo-es-wirklich-klemmt-4896/) langsam anfängt sich zu bewegen.

Klar, kann/sollte man das kritisieren und muss die Fehler benennen. Das steht außer Frage (habe ich ehrlich gesagt nicht ganz so klar formuliert)

Ist nur die Frage, wie und wen man dafür verantwortlich macht. Was mich in der aktuellen Debatte sehr stark stört, ist, dass sehr einseitig Kritik für die Einkaufspolitik geübt wird, nämlich in Richtung CDU (von der ich wahrlich kein Freund bin). Wenn diese Fehler jedoch so offenkundig gewesen sind, wie weit und breit behauptet wird, hätte andere (z.B. führende SPD Politiker) das frühere ansprechen sollen und nicht, wenn es zu spät ist. Viel mehr finde ich, dass wir uns alle ein Stück weit an die eigene Nase packen müssen.

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