Ladeleistung statt Reichweite

Hallo zusammen,
Die Diskussion über E-Autos dreht sich oft um Reichweite – dabei ist für die meisten Menschen eigentlich eine andere Frage entscheidend: Wie lange brauche ich von A nach B? Ob ein Auto eine Strecke ohne Ladestopp schafft, ist auf längeren Fahrten oft zweitrangig. Der eigentliche begrenzende Faktor ist die Ladeleistung, weil sie bestimmt, wie viel Zeit unterwegs verloren geht.

Die relevante Kennzahl ist deshalb nicht die Reichweite eines E-Autos, sondern die effektive Durchschnittsgeschwindigkeit inklusive Ladepausen.
Ein Rechenbeispiel:
Angenommener Verbrauch bei 130 km/h: 16kWh/100km
Ladeleistung: 100 kW

Bei 130 km/h entstehen durch einen 20-minütigen Ladestopp rund 17 % Zeitverlust, was etwa 10,3 Minuten pro 100 km entspricht. Die reale Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt dadurch auf etwa 108 km/h im Vergleich zu einem Verbrenner, der durchgängig 130 km/h fahren würde – und selbst das ohne zu berücksichtigen, dass auch Verbrenner auf langen Strecken Pausen brauchen.

Gleichzeitig wird der relative Zeitverlust geringer, je langsamer gefahren wird: Wer langsamer unterwegs ist, verliert im Verhältnis weniger Zeit durchs Laden. Bei 100 km/h Referenzgeschwindigkeit ist der Zeitverlust auf 100 km bereits nur noch ca. 8 Minuten.

Wichtig: Die Ladedauer spielt im Prinzip keine Rolle: man lädt in dem Beispiel oben immer ca. 10km/Minute. Ich kann also 20 Minuten laden und ca. 200km damit fahren oder 30 und ca. 300km. Die effektive Durchscnittsgeschwindigkeit über die gesamte Strecke ändert sich dadurch nicht.

Über Reichweite wird viel gesprochen – über Ladeleistung und effektive Durchschnittsgeschwindigkeit dagegen viel zu wenig, obwohl genau sie darüber entscheiden, wie schnell man wirklich ans Ziel kommt.

Hier nochmal ein paar Rechenbeispiele in einem Google Spreadsheet:

Lesart Zeile 4:
Bei einem Verbrauch von 16 kWh auf 100 km bei 130 km/h und einer Ladeleistung von 100 kW ist meine durchschnittliche effektive Geschwindigkeit bei einer längeren Strecke bei der ich mindestens 1x laden muss 108 km/h. Wie lange ich lade (und daher wie oft) ist im Prinzip egal, nur kann ich nicht mehr als 1,6 Stunden laden (bei 10% Reserve). Ich bin also 17% langsamer als ein Auto, das nicht laden muss, was auf 100 km einem Verlust von 10,3 Minuten entspricht.

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Guter und interessanter Punkt, der erst mal vielen E-Auto-Außenseitern nicht bewusst ist.

Dieser Punkt ist einer der Gründe, warum ich meinen bald 20 Jahre alten Kleinwagen auch dieses Jahr noch mal durch den TÜV drücke, weil die Rückmeldungen zu E-Autos wirklich nicht so gut waren in meinem Bekanntenkreis, es gebraucht nichts gibt, was mich solide von A nach B bringt und ich hier in der Stadt nicht günstiger lade als an der Tankstelle (und das weil bei den aktuellen Sprit-Preisen was heißen), weil öffentliche Ladesäulen vollkommen überteuert sind, da quasi monopolistisch betrieben - und dann muss ich auch noch nach 4h wegfahren. Ohne Eigenheim macht ein E-Auto keinen Sinn.

Das mit dem Zeitverlust hatte ich erst ganz zuletzt herausgefunden und fand das ziemlich gruselig. Ich will nicht die ganze Zeit hinter den LKWs gurken müssen, wenn ich doch mal Autobahn fahre.

Natürlich wird da wieder das Argument kommen, dass wir eh ein Tempolimit brauchen und da stimme ich auch zu! Allerdings ist das kein guter Verkaufsgrund, solange es dieses Limit noch nicht gibt und es über 100kmh liegt.

Fakt ist einfach: die Technologie kommt nicht so schnell voran, wie sie müsste, damit es in Deutschland damit endlich losgeht - und vielleicht sind die Kosten, die für eine wirklich alltags- und massentaugliche Ladeinfrastruktur gebraucht werden, für ein dicht besiedeltes Land mit vielen Kleinstädten und alten Stadtkernen rund im Verhältnis noch zu hoch bei geringer Akzeptanz - und diese geringe Akzeptanz liegt auch an den Autoherstellern!

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Das ist Argumentation auf der Technologie von 2015 (und bei einigen Herstellern wie dem Stellantis-Konzern, die es einfach nicht auf die Reihe bringen).

Bei den Ladekartellen stimme ich grundsätzlich zu, das ist Konzernfeudalismus pur.

Dass du offensichtlich nicht wechseln möchtest, ist völlig in Ordnung. Die Entwicklung geht weiter, und irgendwann wird es für dich passen.

Ich fahre seit 2020 elektrisch (ca. 30k km pro Jahr), mit und ohne Anhänger, kurze, mittlere und weite Strecken. Das Verkehrschaos, gerade auch in Deutschland, hat mich weit mehr Zeit gekostet, als alle Ladepausen.

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Entscheidend ist die Effizienz, die Reichweite und die Ladeleistung. Über Effizienz wird sehr wenig gesprochen, die 20 kWh/100km bei 130 km/h sind zB bei den wenigsten E-Autos wirklich realistisch (siehe auch https://talk.lagedernation.org/t/enormer-verbrauch-chinesischer-e-autos/ ).

Der Reichweite wird sicherlich zu viel Bedeutung beigemessen, allerdings sind Reichweite und Ladeleistung in der Regel gekoppelt, da eine große Batterie auch mehr belastet werden kann. Das bedeutet die Fahrzeugvariante mit kleinerer Batterie hat eigentlich immer auch eine geringere Ladeleistung, man verliert also hinsichtlich Langstreckentauglichkeit immer doppelt.

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100 kW ist aber relativ lahm. Ich bekomme mit einem 5 Jahre alten Tesla durchschnittliche Ladeleistungen von gut über 150 kw beim Laden von 10 auf 80%.

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Bei Verbrennern wird gerne darüber schwadroniert, dass man doch nachts auf der leeren AB „Kilometer fressen“ kann. Der Alltag zeigt hingegen, dass die Verkehrslage/Baustellen/Unfälle letztendlich die Durchschnittsgeschwindigkeit bestimmen.

Was bei der Ladeleistung als Faktor gerne ausgeblendet wird: Anfahrt-Anstecken, Abstecken-Abfahrt von und zum Ladeort. Das sind je nach Infrastruktur schnell mal 10 Minuten.

Klar ist, wenig Verbrauch und hohe Ladeleistung sind die Idealeigenschaften (lange Zeit Domäne von Tesla). Aber selbst dort bin ich der Meinung, dass das im realen Strassenverkehr abseits der Excelsheets eine untergeordnete Rolle bzgl. Zeitfaktor spielt.

Wie käme ich dazu, auf dem technischen Stand von 2015 zu argumentieren? Den kenne ich nicht. Meine Quellen und auch die Gebrauchtwagen, zu denen ich mich informiert habe, waren alle aus den letzten Jahren. Insofern ist das einfach nur eine freche Unterstellung.

Und nein, ich will schon wechseln, und das schon seit geraumer Zeit, weil mein Auto einfach alt ist und ich es natürlich nicht gegen einen weiteren Verbrenner tauschen will. Aber ich KANN schlichtweg nicht wechseln. Ich bin arbeitende Mutter eines kleinen Kindes in der Innenstadt, ich kann es mir schlicht nicht leisten, ständig das Auto irgendwo hin und her zu fahren, nur um zu laden, und das noch ohne Kosten dabei zu sparen. Ich begnüge mich daher mit Öffis und Fahrrad und das alte Auto muss dann herhalten, bis es zusammenbricht. Am Willen, wie du unterstellst, liegt es nicht.

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Bis auf „Kleinwagen“ gibt es keine Hinweise, welche Eigenschaften von „E-Autos“ der Autohersteller so eine geringe Akzeptanz hervorrufen sollen. Wo ist A und wo liegt B, dass ein gebrauchter ID.3 (als Beispiel angeführt) für ein „solides“ Ankommen nicht in Frage kommt? Wenn Öffis und Fahrrad für den grossen Teil des Alltags ausreichend ist, welche Strecken werden mit dem Auto zurückgelegt, dass häufiges Laden notwendig wird? Die durchschnittliche Batteriegrösse ist seit 2022 kontinuierlich am steigen.

Dass die Infrastruktur in Städten und Gemeinden ausbaufähig ist, ist ein Fakt, die Möglichkeiten für Laternenparker beschränkt und die Gängelung der Kunden durch die Tarife/Abofallen der Ladekartelle ist unbestritten ein Ärgernis.

Ich bin absolut dafür, dass man seinen eigenen Bedarf an Mobilität kennt und danach das passende auswählt. Argumente wie "

oder

passen dann aber nicht in die Argumentationskette.

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So ist es.
Kleine Batterie (langsam) vs. große Batterie (schnell).
400V System (langsam) vs. 800V System (schnell).

BMW iX3 50

Skoda Enyak 60

Alleine zwischen diesen beiden Modellen, die jetzt beide wirklich nicht günstig sind, sprechen wir von einer Verdopplung der Ladegeschwindigkeit.

Wenn wir dann auf einen aktuell Kleinwagen schauen (mit kleiner Batterie) wird es nochmal deutlich langsamer in der Ladeleistung.

Renault 4 E-Tech 40kwh

Falls man nicht ein Außendienst Mitarbeiter ist, ist die Entfernung der größten oft gefahrenen Strecke (z.B. oft besuchte Verwandte, hin und zurück …) oft ausschlaggebend. Von der Wltp eventuell noch 30% anziehen um auf den Realen Verbrauch zu kommen.
Mehr Reichweite braucht man eigentlich gar nicht.

Und Wenn man mal für die Fahrt in den Urlaub einen Lade stoppt mehr braucht ist es weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll dieses durch einen großen Akku vermeiden zu wollen. Diese extra kWh werden fast nie genutzt!

Je wie man rechnet könnte ein großer Akku mehr externe Kosten verursachen als das co2 eines Verbrenners.

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Volle Zustimmung.

Ich würde noch eine andere Rechnung in den Raum werfen die zeigt, wie oft man in der Theorie laden müsst.

Bei 20.000km im Jahr geteilt durch 52 Wochen, kommt man auf 385km in der Woche.
Bei 15.000km auf 288km pro Woche
Bei 10.000km auf 192km pro Woche

D.h. Selbst mit 15.000km im Jahr, kommt man mit Fahrzeugen mit mittelgroßer Batterie idr mit 1x Vollladen in der Woche aus.

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