Ladebordsteine

Ich arbeite im Bereich Mobilität/Städtebau und bin sehr irritiert über die Aussagen zu Kabelbrücken:

Zumindest wurde das Problem für die Barrierefreiheit kurz angesprochen, das ist aber ziemlich gravierend!

Außerdem wäre es aber städtebaulich komplett ABSURD, wenn überall Kabelbrücken auf den Bürgersteigen liegen. Autos dominieren ohnehin schon das Stadtbild und nehmen auch aus fachlicher Sicht eindeutig zu viel Raum ein. Es wäre eine weitere Benachteiligung von Fußgängern (und noch viel mehr von Menschen im Rollstuhl, mit Kinderwagen etc), wenn jetzt auch noch Kabelbrücken für ladende Autos dazu kommen würden.

Liebe Lage, das kann doch nicht eurer Ernst sein… sowas zuzulassen wäre komplett realitätsfremd.

In engeren Straßen gibt es nur eine Lösung: Ladebordsteine.

Zugleich müssen natürlich auch die Preise für öffentliches Laden sinken und es muss unkomplizierter werden.

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Ladebordsteine sind wenn überhaupt eine Lösung für ein völlig anderes Problem, nämlich fehlender Platz für Ladesäulen.

Die Kabelbrücken dienen dazu, den Anliegern einen Draht von ihrem Haus zu ihrem Fahrzeug zu ermöglichen, weil sie ihr Auto so netzdienlich anschließen und günstig laden können.

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Genau daran musste ich beim Hören der Folge auch direkt denken.
Diese Ladebordsteine haben übrigens einen überraschenden Ursprung und Produzenten:

Tatsächlich könnte man so großflächig Ladeinfrastruktur schaffen, ohne zusätzlichen Raum in Innenstädten für Autos zu „verschwenden“. Und über die Robustheit der integrierten Bordsteinelemente muss man sich bei dem Hersteller vermutlich eher keine Sorgen machen.

Die zwei großen Haken sind aus meiner Sicht:

  1. Die Preisdifferenz zu simplen Kabelbrücken
  2. Die praktische Integration durch Städte
    (Tiefbau, Baustelleneinrichtung, Netzanschlüsse :neutral_face: → alles jetzt nicht gerade Königsdisziplinen der öffentlichen Hand, um es mal nett zu formulieren)

Was ich noch in den Ring werfen möchte:

Wallboxsharing

Die meisten privaten Wallboxen mit angebundener PV-Anlage stehen tagsüber praktisch ungenutzt herum, während die Besitzer arbeiten sind.

Eigentlich wäre es naheliegend, diese Infrastruktur zu teilen:

  • Freigabe der Zeitfenster, automatische Abrechnung und Kartierung freier Ladepunkte per App
  • PV-Anteil der Ladeleistung wäre theoretisch Netzentgelt befreit (läuft nur durchs Hausnetz)
  • Lokale Nutzung von PV-Überschüssen anstatt zusätzlicher Einspeisespitzen zur Mittagszeit

Natürlich gibt es dabei offensichtliche praktische Probleme (Haftung, Zuparken, Zugang zum Grundstück etc.) und die rechtlichen Hindernisse, die in Deutschland dagegen existieren, mag ich mir kaum ausmalen. Aber als Ergänzung zur öffentlichen Ladeinfrastruktur wäre es technisch betrachtet sinnvoll und auch deutlich günstiger für alle Beteiligten.

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Das ist mir klar. Natürlich wäre das für die Autofahrer toll.

Es ist aber inakzeptabel, überall neue Barrieren für Fußgänger zu schaffen, siehe mein Kommentar oben und die zahlreichen anderen Kommentare.

Das würde zu Recht große Widerstände erzeugen.

Und Einzelfälle zu erlauben, wäre auch problematisch, weil dann immer mehr Leute kommen können, die gleich behandelt werden wollen.

Günstige Preise und Netzdienliches Laden könnten auch an öffentlichen Ladepunkten ermöglicht werden. Wohl nie so günstig wie zuhause, aber aktuell fallen ja schon überall die Preise.

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Das sind überhaupt keine relevanten Barrieren. Ihr operiert hier immer mit der durch nichts belegten Behauptung, dass Kabelbrücken oder Kabelmatten in irgendeiner Weise relevante Hindernisse sind. Jede Bordsteinkante ist höher. Auf dem Niveau kommen wir nicht weiter.

Ich glaube, die Wahrheit liegt da irgendwo in der Mitte.
Kabelbrücken sind sicherlich nicht so problematisch, wie sie manche Nutzer hier machen, aber auch nicht ganz unproblematisch. Ja, jede Bordsteinkante ist höher. Aber Bordsteinkanten sind auch erhebliche Probleme für Rollstuhlfahrer, alte Menschen am Rollator und manche Menschen mit sonstigen Gehbehinderungen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Bürgersteige für einen Menschen am Rollator oder im Rollstuhl deutlich unangenehmer würden, wenn alle 10-20 Meter eine Kabelbrücke liegt.

Dennoch bin ich für die Erlaubnis von Kabelbrücken, mit der Vorgabe, dass sie so flach und stolpersicher wie möglich sein müssen. Einfach, weil in der Abwägung trotz der zu erwartenden Behinderungen der Nutzen überwiegt.

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Bordsteinkanten trennen aber doch auch zwei völlig verschiedene Straßenteile voneinander, Kabelbrücken oder -matten zerklüften den Fuß- und Radweg. Beim Fußweg vermutlich kein riesiges Problem, beim Radweg stelle ich mir das schon ziemlich nervig vor. Und klar, für eingeschränkte Gehfähigkeit auch eher unschön falls die wirklich gehäuft vorkommen. Solange die vereinzelt sind und gut designed werden sollte das schon irgendwie klappen. Gibt es da schon innovative Konzepte?

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Mal rein technisch:

Wenn wir ein Mietshaus mit 6 Parteien nehmen, ggf noch 19xx erbaut, und die Mieter parken alle ihre 6 eAutos an der Straße mangels eigener Stellplätze.
Legt dann jeder eine Kabelbrücke zum Auto, werden die dann gebündelt?

Und verträgt es jede Hauselektrik wenn nachts 6 eAutos konstant laden? (Anderes Thema, müsste man prüfen, macht das der Vermieter?)

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Wenn das zum Beispiel auch auf dem Radweg so liegt möchte ich sehen, dass da noch überhaupt einer lang fährt.

Probierts doch mal aus.

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Mit Lastmanagement ja - genau dafür ist es da

Ich bin da Laie…

Also ist dank Lastmanagement ein Anschluss an jede Hauselektrik ohne vorherige Prüfung problemlos möglich? Egal wieviele gleichzeitig laden?

Einen „Anschluss“ darf strenggenommen nur ein Elektriker machen… es gibt aber Ladestecker, die man als Endverbraucher einfach in (rote, blaue oder weiße) Steckdosen stecken kann… die haben dann aber meist kein Lastmanagement… theoretisch wäre aber auch dort ein Lastmanagement z.b. über WLAN Verbindung zu einem Master möglich.

Gehen wir jetzt einfach mal davon aus, dass alle Geräte über ein Lastmanagement gesteuert werden (ansonsten fliegt einfach irgendwann die Sicherung…).

Lastmanagement gibt es in verschiedenen Arten - grob gesagt heißt es, dass man eine feste oder dynamische Grenze einhält in welcher das System regeln kann.

Feste Grenze: man gibt z.b. mehreren Wallboxen zusammen 22KW frei. Wenn nur ein Auto lädt, dann kann es 22KW AC laden (was quasi das Limit in Kundenfahrzeugen ist). Wenn 2 Autos gleichzeitig laden, dann können beide 11 kW laden (was die meisten Autos maximal können). Bei 3 Autos 7,4 kW (was z.b. für PHEV oder z.B. alten VW Autos oft das Limit war). In all den Fällen sind alle Autos normalweise über Nacht vollgeladen.

Wenn jetzt mehrere Autos angeschlossen werden, erreicht man irgendwann ein limit was minimal möglich ist. Bei PWM Kommunikation ist das 6A (1 phasig) - bei ISO15118 Ansteuerung geht das weiter runter (unterstützen aber im AC Bereich kaum Autos und ist eigentlich auch nur die PV optimiertes laden sinnvoll, denn:)… außerdem muss man Bedenken, dass Autos die Laden eine Grundlast haben (Auto /Steuergeräte müssen wach sein, Kühlung aktiv,… das sind je nach Auto mindestens 200 watt, eher mehr). Bei 6A einphasig, können so die Ladeverluste schnell mal Richtung 30% gehen, was keinen Sinn macht… deswegen macht man hier dann eine „temporäre Aufteilung“: angenommen 8 Autos sind angesteckt und die können alle 11kw Laden, dann werden je 2 Autos 15 Minuten mit 11 kW geladen und dann für 45 Minuten schlafen. So haben diese nach 4h jeweils 11kwh bzw. Bei 12h sind das 33kwh in den Speicher geladen, bzw. Wenn diese vorher „voll sind“, dann bekommen die anderen Autos mehr Zeit. Das klingt jetzt wenig, aber wenn man bedenkt, dass meist nicht alle Autos laden müssen (stehen ja schnell mal nen Tag rum) oder aber im Durchschnitt unter 100km am Tag fahren, dann sind diese Autos selbst bei immer nur 15 Minuten pro Stunde mit 11kw Laden auch über einen Nacht voll geladen!

Soweit so „einfach“.

Beim dynamischen Lastmanagement gibt es jetzt keine feste Grenze, sondern es wird (meist über einen Stromsensor) zur Laufzeit ausgewertet wie viel Strom die Sicherung gerade noch verträgt und dann wird der Rest zum Laden freigegeben. Oder man koppelt dies an die PV Anlage und macht nur Überschussladen usw…

Beispiel: Haus ist mit 3x50A max abgesichert, das Haus hat eine geringe Grundlast (sagen wir mal maximal 16A), dann könnten 2x32A (sind 22KW) fürs laden freigegen werden. Wenn dann aber ein Elektroherd, Wärmepumpe oder ähnliches während dem Laden rein springen dann fliegt die Sicherung… wenn man jetzt das misst, dann dreht man in der Zeit kurz das Laden runter (Sicherung fliegt nicht sofort) und erhöht dann wenn’s wieder runter geht wieder (auf teilweise sogar über 22kw…).

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Ah, Danke, das erklärt es gut.
Ich überlege als Mieter auch eine Wallbox (wenn mal später ein eAuto realistisch wird) zu installieren, Stellplatz wäre im Außenbereich da, Vermieter ist fein damit solange er Nix bezahlen muss.
Nur sagte mir mal eine Elektriker zu der 70er-Jahre Kreativ-Verkabelung im Hause, ich sollte besser nicht alle Herdplatten gleichzeitig anwerfen…also auch das man den Anschluss einer Wallbox vorab prüfen solle.
Daher die Frage.

Aber wir weichen da ab, geht ja um Ladebordsteine.

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Danke dir. Persönlich würde ich als Mieter maximal einen rote CEE Steckdose (abschließbar wenn in Gemeinschaftsräumen!) installieren lassen. Aber auch hier würde ich warten bis es notwendig ist (die Elektroinstallation ist quasi oft der teuerste Anteil der Wallbox!).

Wallbox ohne Auto macht aber wirklich keinen Sinn, weil du dann wieder einen Elektriker zahlen musst um das abzubauen. An einer roten CEE Steckdose kannst du mobile wallboxen beliebig anschließen (die laden genauso schnell) und sind für Mieter deutlich sinnvoller (in meinen Augen), weil man die auch wo anders hinnehmen kann (z.b. andere Mietwohnung).

Super Tip.

Muss mal schauen wo wir die Anschlüsse haben.

Aber das checke ich.

Danke

Ich selbst bin in der privilegierten Situation auf dem Grundstück mit eigenem PV Strom zu laden.
Das ich das auf dem Grundstück mache, ist aber eher kein Privileg sondern in vielen Städten und Kommunen eine Pflicht. In der Tatsache begründet einen eigene Standplatz für sein KFZ pro WE auf dem Grundstück haben zu müssen. Autos im öffentlichen Raum abzustellen - sorry kann sein das ich es nicht richtig benenne - ist wohl bloss eine Duldung der Stadt/Kommune.

Natürlich bin ich aber absolut bei euch: Man sollte nicht immer gleich vom Extrem ausgehen. Wenn es zu viel wird dann wird es schon andere Möglichkeiten geben (müssen).
Aber genau so scheint Verwaltung aber nicht zu funktionieren. Bis dahin das Verwaltungsangstellte nur noch Angst haben irgend etwas zu richtiges zu entscheiden. Aber das tröselt ihr ja auch an vielen anderen Stellen auf. Leider ist es wirklich äußerst frustrierend und ermüdend.

Andere kleine „Ungenauigkeit“ zu diesem Thema noch: V2H ist in dem Fall diesmal wohl regulatorisch nicht das Problem. Jedoch in der Praxis tatsächlich trotzdem leider nicht mehr als ein Nerd-Erlebnis.
Es gibt nur eine Hand voll Autos die das unterstützen, es gibt nur weniger Wallboxes die das unterstützen und die Installation ist wohl teuer und weit von einem Standard entfernt.

sooo … mein erster Beitrag :slight_smile:
Danke, macht weiter so!!

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Nochmal: bitte unterhaltet euch mal mit Fuss e. V. oder anderen Verbänden, die sich mit Barrierefreiheit beschäftigen und auch mit Stadtplanern, was die dazu sagen.

Kabelbrücken sind als Ausnahmefall noch in Ordnung. Wenn das aber alle 100m vorkommt, macht es die Wege für alle im Rollstuhl definitiv beschwerlicher.

Und auch für alle anderen ist es mindestens sehr nervig.

Auf die gravierenden städtebaulichen Auswirkungen geht ihr überhaupt nicht ein.

Man bekommt hier leider den Eindruck, dass ihr beim Thema Barrierefreiheit, Nahmobilität und Stadtplanung in diesen Kontext ziemlich ignorant seid und so tut, als könntet ihr das beurteilen.

Oder es ist euch einfach egal, weil ihr sagt: Autofahrer müssen noch mehr Privilegien bekommen, die anderen sollen sich mal nicht so anstellen.

Entschuldige die Sprache, aber ich finde das erschütternd, so kenne ich euch eigentlich nicht.

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Naja, streng genommen geht es ja nicht primär um die Privilegien von Autofahrern, sondern darum, es Autofahrern zu ermöglichen, ihre Autobatterie sinnvoll für die Allgemeinheit zu nutzen. Von einer höheren Quote der Plätze, an denen ein BEV geladen werden kann, profitieren letztlich alle, gerade auch im Hinblick auf die Mobilitätswende.

Ich persönlich frage mich, ob man das Thema nicht theoretisch lösen könnte, indem man in eine schwere, dünne Matte integrierte, verstärkte Flachkabel verkauft. Das Problem ist: Die Entwicklung und Produktion eines solchen Artikels setzt voraus, dass vorher geklärt ist, dass man ihn rechtssicher verwenden kann. Theoretisch sollte es aber gar kein Problem sein, extrem dünne Matten spezifisch für den Bürgersteig zu produzieren, die sowohl der mechanischen Belastung als auch der Witterung standhalten können, ohne dabei eine für mobilitätseingeschränke Menschen signifikante Behinderung zu erzeugen.

In einem anderen Thread wurde schon darüber diskutiert, es gibt schon Lösungen dazu:

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