Kritischer Blick auf E Mobilität

Hi
in meiner Bubble, auch LinkedIn, wird oft über E Mobilität gesprochen. Die einen zeigen immer wieder neue Rekorde bei Zulassungszahlen, die anderen können die Dinger nicht leiden, meistens, weil sie es nie gefahren sind.

Ein Blick auf aktuelle Zulassungszahlen, bspw. Anteil von Elektroautos in Deutschland 2024 | Statista. zeigt, dass BEVs mit rund 3% zu den absoluten Randerscheinungen zählen. Selbst wenn man die 1,9% PHEV dazunimmt (was faktisch kein E Auto ist, wenn man noch einen Verbrenner an Board hat), ist es ein Witz.

Woran könnte es liegen? Hier Gedanken eines neuen BEV Fahrers (ID4), der das Auto durch Firmenwagenregelung verpflichtend fährt:

  1. Ein BEV hat Vorteile und Nachteile.
  • Die Vorteile sind neben dem Umweltgedanken ein super Fahrgefühl, keine stinkenden Tankstellen mehr, Zuhause wirklich günstig laden. Auch die Standheizung, die VIEL schneller als Diesel-Standheizungen ist und dabei NICHT stinkt wie die Pest, ist genial.
  • Die Nachteile sind die hohen Preise (und hohen Leasingraten, aktuell geht das nur auf, weil der Staat auf Steuern verzichtet) und die Reichweite, bzw. genauer gesagt die Dauer, bis man weiterfahren kann. (Selbst bei den 0,25% Versteuerung sind die Autos als Firmenwagen teuerer als vergleichbare Diesel, mein ID4 ist rund 150€ teuerer als mein 3er BWM davor)

Am Ende entscheidet das jeweilige Fahrprofil (sofern man das Geld hat), ob das BEV ein Fortschritt oder Rückschritt ist. Wer sein Auto 3-4x im Jahr weiter als 250km bewegt und sonst nur Kurzstrecken fährt, für den sind die Vorteile überwiegend.

Aber für die, die weiter fahren, sind die Nachteile signifikant. Der Staat könnte hier aber 2 Dinge tun, die bestimmt die Nachteile schnell reduziert:

  1. Eine Ladesäulen Pflicht in Bürogebäuden, und in Parkhäusern, in geeigneter Menge (x% der Stellplätze müssen versorgt sein)
  2. Eine Pflicht von Ladesäulen auf Autobahnraststätten. Aber ECHTEN Ladesäulen. also SChnellladern, mindestens 150kw, besser 300kw (merke: Immer durch 2 teilen, weil 2 Anschlüsse und Geschwindigkeit ist zusammen dann 300kw). und VIELE. Aktuell sind an vielen Raststätten nur wenige Ladesäulen, und dann meistens nur sehr langsam. Wenn man dann in der VW App sieht, dass da 300kw ist, und man fährt raus, sind da 3 Lader (6 Anschlüsse), 1 davon ist 300kw, 2 sind 50. An einer 50er zu stehen, die man noch teilt, da kann man von 20%->80% mehrere Stunden stehen… das ist ein Witz…

Nur mal so meine Gedanken. Nicht ganz uneigennützig :slight_smile:

Am letzten Wochenende den Hyundai Inster probegefahren.
Schickes kleines Auto, viel Platz innen, variabel, gute Ausstattung.
Preis um die 25.000€.
Leasingrate ab 199€ im Monat.
Preislich sicher eine Option.

Aber Hauptproblem speziell auf dem Land als Mieter sind immer noch Lademöglichkeiten.
Bei rund 2000 km im Monat pendeln wird das Leasing sicher auch teurer, aber Problem ist immer noch die fehlende Lademöglichkeiten am Wohnort und Arbeitsort, fussläufig ist da nix.

Bei geschätzt 2-3 Ladevorgängen pro Woche ist das doof.

Da bleibt wie du sagst nur, auf den Ausbau warten

ab dem 1.1.25 müssen Nichtwohngebäude mit mind. 20 Parkplätzen mind. 1 Ladesäule haben. Wenn du also bei deinem Supermarkt, Schwimmbad, Baumarkt etc keine Ladesäule findest, könntest du ihn darauf hinweisen.
Durch das Deutschlandnetz des Bundes sollen bis Ende 26 an 200 unbewirtschafteten Autobahnplätzen 1000 Schnellladepunkte entstehen. Langfristig 4000 HPC. Zusätzlich entstehen an 900 Regionalpunkten 8000 weitere Ladepunkte. Das betrifft alles die Autobahnnetze.
Auch Tankstellenketten wurden verpflichtet bis 28 mind 1 E-Ladesäule zu haben
Also es tut sich was.
Es gibt in Deutschland übrigens nur 14.000 Tankstellen.

Obwohl man zwischen Tankstelle und Ladesäule schon unterscheiden muss.
An der Tankstelle fahre ich ein mal alle 1-2 Wochen kurz vorbei, tanke, fahre nach 5-10 min weiter. Lässt sich also mit wenig Zeitaufwand gut in Fahrwege integrieren.

An der Ladesäule muss ich eher 20-30 min alle 3-4 Tage einplanen, was den Arbeitsweg schon verlängert. So oft geht man nicht unbedingt einkaufen, um beim Supermarkt vorbeizufahren.

Ist letztlich sicher reine Bequemlichkeit, aber ein Aspekt

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Du darfst nicht den Bestand nehmen. Elektroautos gibt es zwar jetzt auch schon seit 10 Jahren, aber in der Mitte der Gesellschaft sind sie erst jetzt angekommen.
Im Vergleich zum Dezember sind die Neuzulassungen im Januar um 53% gestiegen. Der Anteil betrug 16,6%. Nimmt man Hybride dazu, war es mehr als die Hälfte, die zumindest teilweise elektrisch betrieben werden.

Ja definitiv noch ein Zeitfaktor, wenn kein Schnelllader ist. Und je Tankstelle gibt es ja auch mehr als eine Zapfsäule.
Wollte das nur mal nennen, weil ich auch selbst die Zahl für höher eingeschätzt hätte.
Es gibt also eig schon recht viele Ladesäulen im Vergleich zu der E-Auto Anzahl.
Das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur enthält 120.618 Normalladepunkte und 33.419 Schnellladepunkte.

Ein kleiner Blick in eine andere Welt, die nur ein paar Kilometer weiter nördlich existiert: In Dänemark waren 2024 erstmals über 50% der neu zugelassenen Autos elektrische.

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Der Inster ist ein technisch richtig gutes kleines Auto.
Der erste Elektro Kleinwagen der es verstanden hat, worauf es in der E Auto Welt ankommt.

Aber auch hier: unter 25.000€ geht es nur mit großen Abstrichen.

2025 scheint aber tatsächlich das Jahr zu werden, in dem Preise und Leasingraten fallen. Erste Preissenkungen sind bereits jetzt ersichtlich, v.a. bei Leasingraten.

Man kann wirklich nur hoffen, dass die EU Flottengrenzwerte nicht aufgeweicht werden. Das würde voraussichtlich die Preise wieder steigen lassen.

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Hinzu kommen große Versprechen eig aller realistischen Parteien, die Strompreise senken zu wollen. BYD wird mit günstigen Autos auf den Markt drängen, wenn die USA ihre Zölle wahr machen und VW plant ab 2027 einen Kleinwagen ab 20T€.
Es ist wie immer nicht alles sofort zu haben, zumal nicht, wenn man bis vor 3 Jahren auf der Bremse stand.
Diese Trends müssen verstetigt werden, wenn das jetzt wieder gebremst, abgewürgt oder zurückgeschraubt wird, gehen Jahre verloren.

Ich wage es zu bezweifeln, dass chinesische Hersteller auf dem europäischen Markt eine große Rolle spielen werden. Die Kundenbindung an die traditionellen Herstellern ist sehr stark ausgeprägt in Europa.

Dazu kommt, dass die europäische Hersteller jetzt auch massiv mit ihren E Modellen auf den Markt kommen. Es ist auch ein Irrglaube, dass die europäischen Hersteller technisch hinterher sind.
Ja wir sind abhängig von asiatischen Batterien, aber mit dem Umgang der Batterien sind wir teilweise jetzt schon wieder besser.
Einziger Punkt ist oftmals noch Prozessor Systematchitektur.

Die europäischen Hersteller sind alle auf dem Weg, und die Produkte werden besser.

Nur: ich habe große Angst, dass die günstigen Kleinwagen an diese immens hohen Erwartungen scheitern werden. Ich hab dieses Gefühl, dass man die Eierlegende Wollmilchsau erwartet. Gerade von VW.
Man wird sich aber darauf einstellen müssen, dass man für unter 25.000€ nur Fahrzeuge mit max. 40kWh Akku bekommt. D.h. im Winter unter 200km Autobahnreichweite und Ladegeschwindigkeiten von unter 80kWh.
Selbst der id2 wird in höheren Ausstattungslinien über 30000€ kosten.

Weißt du wo ich da Details finde, insb zu Büro Gebäuden. Ich kenne da eins, das hat 3000 MA und 0 ladesäulen…

Der Bestand ist sehr relevant, insb wenn es um die benötigte Infrastruktur geht. Und in dem Thema geht der Bestand viel zu langsam hoch, um die Ziele zu erreichen…

Nur leider ist eine schnellladesäule per Definition eine DC Säule, auch schon mit 50kw. An der stehst du dann zu zweit und bekommst 25kw, wartest also rund 1h pro 100km (bei 25kwh realverbrauch). Meine Definition von „schnell“ ist das nicht :grinning:

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Ja. Echt krass was Strom an den Säulen kostet. Meiner Tankkarte ist es ja egal, aber mal ehrlich, 70cent/kwh ist nicht ungewöhnlich… zumindest entlang der Autobahn… das ist schon heftig. Dazu wirst du teilweise mit hinterhältigen blockierungs gebühren abgezockt, obwohl da noch lädst.

Bei dem Punkt bin ich mir unsicher. Ich habe kein eigenes Auto und miete bei Bedarf. Wenn es geht nur noch elektrisch – und dann meistens für eine längere Strecke (zu meinen Eltern sind es 760km). Das funktioniert meist problemlos.

Was ich für sinnvoll halten würde wäre eine einheitliche Ladeapp. Zurzeit begegnet einem teilweise sogar so Blödsinn wie “Aufladen nur mit physischer Karte von den Stadtwerken möglich”. Eine App in der alle Ladesäulen mit Verfügbarkeit ersichtlich sind, und in der man dann auch bei allen bezahlen kann, wäre ein echter Fortschritt auf der Langstrecke.

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Wird wohl im
GEIG - Gesetz zum Aufbau einer gebäudeintegrierten Lade- und Leitungsinfrastruktur für die Elektromobilität* geregelt.

„Seit dem 1.1.2025 greift § 10 GEIG: Gemäß Absatz 1 müssen nun auch bestehende Gewerbeimmobilien mit mehr als 20 Stellflächen mindestens einen Ladepunkt für E-Fahrzeuge anbieten.“
Gibt natürlich auch wieder Ausnahmen…
Hab das hier gelesen, das Gesetz aber nicht im Wortlaut

Muss das noch von Bundes in Länderrecht überführt werden?

Da kann ich nicht mitreden, wir haben eine Shell Ladekante, das ging bisher überall problemlos.

Wer muss diese Ladesäule dann aufstellen und betreiben (mit Abrechnung u.a.)?

Der Besitzer der Gewerbeimmobilie?

Mein Arbeitgeber (soziales Bildungsunternehmen mit dreistelliger Parkplatzzahl) will gerne Ladesäulen, aber einen Betreiber finden scheint schwierig.

Mal für doofe: meint das „je 20 Stellplätze 1 ladesäule“ oder 1 Säule, wen mehr als 20.

Also ein Gebäude mit 1000 Stellplätzen braucht dann 50 wallboxen, oder 1? 1 wäre ja lustig…