Ich finde das ehrlich gesagt nicht sehr gelungen. Die 1:1-Übertragung von Ereignissen aus den 1920er/1930er Jahren wirkt doch sehr gewollt. Nicht selten wird sie auch völlig absurd, so ist Weidel zum Beispiel einmal Gregor Strasser, später dann aber Ernst Röhm. Das mag auf den ersten Blick ganz lustig sein, aber es transportiert eben auch die Message, dass alles so ist, wie es schon einmal war. Die Coronapandemie IST die spanische Grippe, die wirtschaftliche Entwicklung seit 2020 IST die Hyperinflation von 1923 und die Verfassung, das politische System und die gesellschaftlichen Vorstellungen SIND heute dieselben wie vor 100 Jahren.
Das finde ich an sich schon eher problematisch, aber noch viel mehr stört mich die Fortschreibung der Vergangenheit in die Zukunft. Die AfD WIRD stärkste Partei werden, sie WIRD den Bundestag auflösen , Notstandsgesetze verabschieben und binnen Monaten die Demokratie hinwegfegen. Das ist genau die linerare Fortschreibung und das „Doomsday“-Szenario, vor dem Ulf und Philipp in der letzten Lage gewarnt haben. Es nimmt eine bestimmte negative Entwicklung nicht nur an, sondern setzt sie quasi voraus. Und da frage ich mich: wozu macht man das, noch dazu auf so haarsträubende Art und Weise**?
Meint man wirklich, so Leute davon zu überzeugen, dass die AfD eine Gefahr ist, die das vorher noch nicht dachten? Und bewegt man diejenigen, die das denken, damit zu irgendeinem Handeln?
Warum nicht lieber Energie und Ideen darauf verwenden, zu verstehen, warum Menschen heute die AfD wählen und was man wirksam dagegen zun kann, dass sie weiter an Einfluss gewinnt? Das wird durch solche platten ahistorischen Gleichsetzungen m. E. eher verhindert als befördert.
** Neben dem Genannten gehört dazu etwa die Tatsache, dass es nach dem Grundgesetz gerade kein Pendant zu Hindenburgs Notstandsgesetzen von 1933 gibt und dass das politische System der Bundesrepublik selbst mit einer AfD als stärkster Partei im Bund noch um Welten stabiler und gefestigt demokratischer wäre als das der Weimarer Republik, wo nur eine Minderheit der Parteien und der relevanten gesellschaftlichen Kräfte die Staatsform Demokratie und die Verfassung überhaupt akzeptiert haben.