Ich fände es spannend, wenn Ihr die (Nicht)Reaktion der Bundesregierung auf die letzte Hitzewelle, Hitzetote, Beeinträchtigung der Infrastruktur, Krankenhäuser etc. behandelt.
Die Regierungspressekonferenz vom 29.06 war da bezeichnen. U.a. die Aussage „Das Wetter ändert sich nicht, wenn das Thema zur Chefsache wird“ sollte aus meiner Sicht kritisch eingeordnet werden.
Dazu sehr spannend dieses Video was probiert auf die Thematik aufmerksam zu machen: https://youtu.be/ygibISG5KK0
inhaltlich wird dabei nochmal betont, dass die Hitzewelle die letzten Tage von der gesundheitlichen Auswirkung mit einer Katastrophe wie der Covid-Pandemie zu vergleichen ist
Ich denke auch, dass das Thema aufgegriffen werden sollte (muss). In Medien und Politik ist offensichtlich das Ausmaß dieser Katastrophe nicht angekommen.
Hitzewelle ist doch schon wieder vorbei dann können wir doch wieder Klimaleugner (sonst müsste man ja anerkennen, dass es Klimaflüchtlinge gibt. Wir können uns ja jetzt vlt im Ansatz vorstellen wie 40 °C im Schatten in Subsahara Afrika sind, wenn man für das tägliche Trinkwasser 3km zum Brunnen und mit 10 Liter Eimern zurück laufen muss) und Klimawandelverharmloser („heiße Sommer gab schon immer“) wählen und diejenigen, die auf die Folgen hinweisen als hysterisch und Terroristen bezeichnen. Augen zu ist auch viel einfacher als sich jetzt klar zu machen, dass wir jetzt nicht nur unser System klimaneutral finanzieren, sondern auch noch alles an das neue Klima anpassen finanzieren müssen. Vor einigen Wochen war ich in Italien, da sprühen sie Gleise weiß an, wegen Wärmeabsorption und Ausdehnung. Wurde bei mir in der Stadt jetzt auch bei Tramschienen gemacht. Seit der Dürre 2017/2018 werden Stadtbäume bewässert. Es fährt jmd mit nem LKW+Tankwagen rum und gießt die Bäume. Das sind alles weitere laufende Kosten (um mal nur 2 kleine Beispiele zu nennen), die die kommunalen Kassen schmählern werden. Ich denke vielen ist einfach das Ausmaß von + 2 °C immer noch nicht klar. Empfehlenswert das Buch Deutschland 2050 oder die Podcast/Youtube Reihe 2045 by design or desaster.
Ich denke eher, dass das Ausmaß der Katastrophe längst angekommen ist, aber wenn Fakten den Gewinnaussichten, Bequemlichkeiten und Meinungen von zu viel Leuten entgegenstehen, haben die Fakten keine Chance. Geht Moral oft so ähnlich, aber da ist es leichter, alles zu relativieren.
Wenn also von „offizieller“ Seite kein Handlungsbedarf gesehen wird (weil es ggf finanziellen Interessen zuwiderläuft), was kann der einzelne bzw die Gemeinschaft dann aktiv tun?
Was man im Sinne der eigenen Defossilisierung tun kann, dürfte wohl bekannt sein.
Clicktivism z.B. über Petitionen gegen die Energiewendeverhinderungspolitik (etwa hier und hier) reicht nicht.
Bleibt also nur, anderweitig Druck zu machen, also Wahlkreisabgeordnete zu nerven und zu demonstrieren.
Die geschätzten Hitzetoten hierzulande übersteigen jetzt schon die Zahl der Verkehrstoten in einem Jahr.
Auch den Medien, regional wie überregional, sollte man m.E. Druck machen, mehr und besser über die Klimakrise zu informieren.
Irgendwie hat sich bei vielen Medienschaffenden und Politiker:innen anscheinend die Meinung durchgesetzt, bloß nichts zu tun, was Wählende der rechtsradikalen AfD auf die Palme bringen könnte. Dabei sitzen die dort längst und sind auch eine weitgehend antagonistische Minderheit gegenüber dem Rest der Gesellschaft.
Das Wetter kann Merz halt nicht ändern, aber Menschen wieder lebendig machen vielleicht schon? Also natürlich nur, wenn sie von nicht-Deutschen umgebracht wurden, sonst kann man da leider nichts machen.
Wäre es eine eingewanderte Hitzwelle aus Afghanistan gewesen, würde Merz die Angehörigen jetzt persönlich anrufen, vermute ich.
Wann war denn die letzte willkürliche tödliche Attacke eines Bundeswehrsoldaten mit posttraumatischer Belastungsstörung im öffentlichen Raum? Ich kann mich nicht daran erinnern.
Also wenn Merz sich vor allem um die Opfer von Messerangriffen durch möglicherweise psychisch erkrankte Menschen sorgen würde, hätte er auch dieses Jahr reichlich Anlässe gehabt:
Wenn sich Merz Mitgefühl erst so richtig regt, wenn Menschen sterben, hätte man vermuten können, dass 5000 Tote doch wenigstens zu einem kurzen Statement auf einer PK gereicht hätten. Aber es scheint, dass in diesen Fällen auf Täterseite einfach das eine Ding fehlte, das die Krokodilstränen des Kanzlers so richtig ins Laufen bringt. War ja schon im Wahlkampf so.
Wann war denn der letzte Bundeswehrsoldat verpflichtet, ein diktatorisches System zu verteidigen, indem man auf eigene Bürger schießt? Kann mich erinnern, aber die sind alle nicht mehr im Dienst, wenn nicht schon tot.
Die nicht-Reaktion auf die einen Opfer gewinnt einen Teil ihrer kommunikativen Wirkung ja durch die deutlich umfassendere und öffentlichkeitswirksame Reaktion auf andere Opfer. Wenn Merz sich grundsätzlich nicht zu Todesfällen äußern, sie nicht zur „Chefsache“ machen würde, weil das ja auch nichts ändern würde, wäre die Wirkung der nicht-Reaktion im Einzelfall eine komplett andere. Wenn der Chef immer grußlos ins Büro geht, ist das halt seine Art, wenn er jeden mit Handschlag begrüßt, außer eine Mitarbeiterin, stellen sich Fragen…
Was den „bashing“ Vorwurf angeht: Der ist zum einen inhaltsleer, es sei denn man würde begründen, dass Kritik unbegründet oder überzogen wäre. Und das würde ich bestreiten. Ganz offensichtlich sind Anteilnahme und politischer Handlungsdrang bei Merz in Abhängigkeit zur Erfüllung rassistischer Klischees auf Täterseite nicht gleich verteilt. Zum anderen braucht Merz so wenig Hilfe dabei, sich selbst schlecht dastehen zu lassen, wie kein:e Kanzler:in vor ihm, würde ich sagen.
Frage ich mich auch. Besonders auf den Eingangspost bezogen frage ich mich, was man als Reaktion erwartet hätte. Klar ist, dass es keine wirksamen Sofortmaßnahmen gibt. Das müssen längerfristige Maßnahmen sein, Städteplanung, Wohnungsbau etc.
In dem Fall finde ich es gut, dass Merz sich mal nicht geäußert hat. Da hätte nichts Substantielles rauskommen können, nicht weil es Merz ist, sondern weil alles, was er hätte sagen können, populistisch gewesen wäre.