Wenn zwei das Gleiche sagen kann trotzdem fallweise oder allgemein eine Seite Recht und eine Unrecht haben. Ich sehe Kritik von Rechts, ob nun an Bürgergeldempfängern, Krankgeschriebenen oder Ministern, häufig eher als eine Mischung aus Geständnis (wie man selber sich verhalten würde) und Sehnsucht (dass wirklich alle gleich korrupt sind und dann ist das eigene Verhalten doch ganz normal). Schöne Grüße an Jens Spahn an dieser Stelle.
In der Tat würde ich aber deinen Einwand teilen, dass Reiche und andere in der Union so vollständig ideologisch verblendet sind, dass sie es wirklich nicht besser wissen und machen können. Und man muss zugestehen, dass sie grade bei Migration und Energiepolitik auch ein klares Mandat ihrer Wählerschaft haben, so schädlich das für unsere Zukunft auch sein mag.
Welche Regionen sollen das hier im konkreten Fall von Frau Reiche sein?
Wir haben heute höhere Energiekosten, weil wir vor 10 Jahren schon das gleiche getan haben, was Frau Reiche jetzt tut. Das ist erkennbar dumm.
Welche Idee denn konkret? Wie kann denn bitte der Ausbau von EE, der Ausbau der Speicherarchitektur und der Netze zu Mangelversorgung führen? Das Gegenteil ist der Fall.
Und weil wir seit 20 Jahren die Abwägung zu Gunsten von heute treffen ist heute heute scheiße. M
Da gebe ich dir absolut recht, aber ich bin kein Richter um über Recht und Unrecht zu entscheiden, zumal ich dies in einer politischen Debatte für schwierig halte. Sogar zwischen den Wissenschaftlen gibt es keine Einigkeit.
Den Vorwurf der ideologischen Verblendung würden konservative mit gleicher Inbrunst erwidern. Jetzt können wir wechselseitig spielen, „ich habe recht“ „nein, ich“, " auf keinen Fall, ich"…
Die konservativen haben ein Mandat für diese Politik und sind enttäuscht von der nicht Erfüllung des Versprechens, „Links ist over“. Ähnlich enttäuscht könnten linke sein, falls in Berlin die Nummer mit der Enteignung nichts wird. Politik ist viel Erwartungsmanagement und weniger richtige Politik.
Hätte Schröder damals alles richtig gemacht, würden wir heute im Paradies leben. Frag mich aber nicht, was er hätte tun sollen.
Zum Beispiel die Regionen um Schwedt und Leuna, die stark von den gigantischen Raffinerien abhängig sind. Oder auch die Metallverarbeitung, die stark von Fossilen abhängig ist und bereits heute große Schwierigkeiten hat im preislichen Wettbewerb mitzuhalten. Da sprechen wir dann von sowas wie dem märkischem Kreis.
Wenig überraschend ist dort Klimaleugnung weit verbreitet und die AfD bei über 50%.
Was aber genau die Perspektive ist, die ich transportieren möchte. Jede Entscheidung für etwas ist auch immer eine Entscheidung gegen alle anderen Optionen. Wenn du langfristig investieren willst musst du heute verzichten. Dafür gibt es keine Bereitschaft und Politiker die versuchen dafür zu kämpfen leiden immer an massivem Widerstand.
Wollen wir ein spontanes Experiment machen? Wollen wir den Ausbau und Instandhaltung von Straßen und Brücken kürzen um sowas zu finanzieren? Wie wäre es den Selbstbehalt zu erhöhen? Mehr private Zahlungen für Leistungen der GKV, KiTa, etc. wenn im Gegenzug Energiewende passiert? Wärst du bereit auf Gehalt zu verzichten? Wo wärst du bereit persönlich und für dich deutlich spürbar einzuschränken um dieses langfristige Problem anzugehen?
INB4, viele Finger die in mehrere Richtungen gezeigt werden. Aber auf keinem Fall bei den eigenen Themen. Und schon haben wir das typische Problem in der Politik. Es gibt immer zu wenig um alle Glücklich zu machen. Heute Menschen zu enttäuschen ist Karriere- und Machttechnisch „teurer“ als in 20 Jahren von schlechten Bedingungen zu sprechen.
Spannungsschwankungen die zu Blackouts führen. Zu geringe Speicherkapazität um den Winter bei reduzierter Erzeugung zu überdauern, etc.
Fossile sind teuer. Aktuell sogar extra teuer. Aber extrem dichte Energie die zu jeder Tages- und Jahreszeit exakt gleich liefert. Sie sind verlässlich.
Volle Zustimmung. Das zu verstehen ändert aber nichts daran, dass es extremen politischen Druck für Mehrausgaben heute gibt und der Kampf für morgen dadurch schwer bis unmöglich ist.
Ich will da gar nicht drauf rumhacken, aber daran dass die nicht mehr laufen ist jetzt nicht in erster Linie die Transformation Schuld, sondern Russland.
Auch die würden mit billigerem Strom aus erneuerbaren heute besser darstehen und ihr Mangel an fossilen Brennstoffen, bzw der hohe Preis ist folge des Weltmarktes und wäre weniger schlimm, wenn wir einen höheren grad an Versorgung mit erneuerbaren hätten.
Das ist schlicht falsch. Jede Investition wird in der realen Welt kreditfinanziert. Millionen Menschen leben in Häusern, die sie grad abbezahlen. Auch hier gilt das GEGENTEIL. Weil die extrem dumme Politik der 10er Jahre trotz Negativzinsen die Infrastruktur hat verrotten lassen, ist jetzt alles teurer, als es sein müsste.
Ist wie gesagt gar nicht nötig.
Wieso kommt jetzt das? Wieso kommt nicht? Abgabe auf Vermögen über 50 Mio? Wieso die Kita? Das ist exakt die Denke, die die Politik in die Sackgasse geführt hat, in der sie grad ist. Deine Position ist im Grunde 1zu1 die CDU der 10er Jahre.
Auch hier wieder: Das ist im Grunde das was Merz sagt. Statt: Die oberen 10% werden ein Bißchen und das obere 1% ein BIßchen mehr verzichten müssen, ist die Message: Du da, der nach Miete noch 1000 Euro über hat, was sollen wir dir noch wegnehmen?
Ja, wenn man darauf besteht das obere 1% Glücklich zu halten ja.
Kommt drauf an: ob man Klimaziele stärker ordnungspolitisch oder marktwirtschaftlich erreichen will, darüber kann jeder je nach ideologischer Richtung streiten. Quasi, auf welchem Weg man zum Ziel kommt. Dass man verbal und in politischer Praxis völlig eindeutig das Ziel in Frage stellt oder gleich ganz aufgibt, wie es Reiche verschiedentlich macht, ist dagegen eine klare Sache: Einfach falsch.
Genauso beim Netzausbau: man kann gern diskutieren, wie man den schneller voranbringen kann. Aber in dem Bereich nichts nennenswertes vorzulegen, stattdessen auf vielerlei Art zu bremsen und den Stillstand gleichzeitig als Vorwand zu benutzen, um dann gleich noch den Ausbau der Produktionskapazitäten zu sabotieren, demnächst dann unter Verweis auf die selbstblockierten fehlenden Kapazitäten wieder den Netzausbau bremsen, damit man am Ende sagen kann „EE haben halt nicht funktioniert“ ist einfach falsch.
Verkehrswende gleiches Bild: Wenn weltweit erfolgreiche Innenstädte autoarm und fuß-, rad- und ÖPNV-freundlich sind, während autofreundliche Städte weltweit und in Deutschland im eigene Siff, Krach und Gefahren ersticken, sind in der Frage eben nicht beide Seiten (gleich) ideologisch, auch wenn es eine ideologisch und politisch offene Frage ist, wieviele tote Kinder wieviel gesparte Autominuten oder gewonnenes Freiheitsgefühl wert sind.
Ich will ja nix sagen, aber wenn man sich die reale Politik an den Stellen, an denen es wichtig es, nämlich wenn es ums Geld geht, anschaut, dann gab es dieses Links nie. Und wer das anders sieht, der IST verblendet.
Da sind die Weichen bereits gestellt. Da hat die Ampel bereits geliefert. Netzausbau wird immer langsamer sein. Habeck hat 2024 ca 50 GW Batterien bis 2045 vorhergesagt. Aktuell gibt es über 500 GW Anfragen bis 2029. Das Netz wird immer langsamer sein als EE oder Batterien.
Die Energiewende ist halt ein Marathon.
Ist ein lokales Thema, da hat Frau Reiche wenig zu melden. Demnächst fahren alle elektrisch, dann können wir die Städte wieder autofreundlich gestalten
Ich will noch mal auf das Thema zurückkommen, es gibt kluge, stark fundierte Gründe für die Politik von Frau Reiche. Diese Gründe muss man nicht teilen, das Framing „alles Fosillobby“ und „Korruption“. Sie ist eine liberale, glaubt an den Markt und weniger Eingriffe durch den Staat. Die Wirtschaftsweisen würde ihr applaudieren, ob die Geschichte ihr auch applaudiert, werden wir sehen.
Hier im Forum sehe ich zu viele die mit voller Inbrunst vom richtigen Glauben/Ideologie predigen. Da bin ich bescheidener und denke mir nur im stillen, dass alle auf meine Weisheit hören sollten. Ich predige nur Sonntags
Wobei die aktuellen Preisanstiege eher helfen. Die Raffinerien leiden tatsächlich primär an allgemeinem Rückgang von Absatz. Dass sich die Wirtschaft weg von Öl entwickelt. Wo eAutos und Transformation der Wirtschaft signifikante Beiträge haben.
Sollte nicht weiter überraschen. Das Ziel ist ja explizit den Verbrauch fossiler Energien abzubauen.
Das sind trotzdem erst einmal hohe Investitionen in die Standorte um alles umzurüsten, die man sich in hartem Wettbewerb nur schwer leisten kann. Sehr viel wahrscheinlicher ist, dass die Metallindustrie einfach schrumpft. So ein hoher Industrieanteil ist für entwickelte Länder sowieso extrem unüblich geworden und billiger als Island oder so werden wir eh niemals.
Aber es ist auch grundsätzlich ein irreführender Gedankengang den du hier verfolgst. Mehr erneuerbare machen Strom nicht billiger. Es wird nach wie vor jede KWh zum höchsten Preis verkauft den auch nur eine einzige KWh in der Auktion verkauft. Es sinken eben nicht die Preise sondern die Profite der erneuerbaren Anbieter steigen dadurch. Erst wenn fossile verdrängt werden geht’s runter.
Bisschen schwierige Aussage, weil ich nicht genau weiß wo ich überhaupt anfangen soll.
Wie sagte einst John Mayard Keynes?
Anything we can actually do, we can afford.
Oder anders gesagt. Geld ist ein Verteilungsmechanismus. Ein Vorhaben kann niemals an Geld scheitern. Sehr wohl aber an mangelnden Ressourcen. An zu wenig Arbeitnehmern, zu wenig Werkzeug, zu wenig Rohstoffen.
Schulden erschaffen nichts, sondern sind ein Versprechen an die Zukunft produktiver zu werden. Wenn dieses Versprechen nicht erfüllt wird oder auch nur das Vertrauen verloren geht, dass es erfüllt wird. Dann verliert man in der Privatwirtschaft plötzlich und sofort das ganze Vermögen das dort gebunden ist. Und als Staat verliert man Wohlstand. Verliert Ressourcen aus dem internationalen Handel, schädigt die Volkswirtschaft und verliert signifikante Ressourcen.
Wenn du als Volkswirtschaft in Produktivitätssteigerungen investieren möchtest, wenn du modernisieren willst. Dann musst du sofort die vollen Ressourcen dafür verbrauchen. Und da du deine Ressourcen bereits auslastest musst du irgendwo Ressourcen abziehen.
Quod erat demonstrandum.
Das war ein Beispiel dafür wie bereit die durchschnittliche Person ist heute zurückzustecken um für morgen zu investieren. Es ist immer jemand anders schuld, etwas anderes gerechter, etwas anderes wichtiger. Du hast aber auch wirklich perfekt angebissen, obwohl ich die Absicht explizit erklärt hatte.
Nur um das einmal angerissen zu haben. Du sprichst hier von Vermögen. Nicht von Geld. Wir bemessen Vermögen zwar oft in Geld aber es ist nicht das selbe.
Geld ist ein Anteil an den verfügbaren Ressourcen. Wie viel der deutschen Arbeitskraft steht dir zu?
Vermögen ist Entscheidungsmacht. Du darfst entscheiden was Arbeitnehmer machen oder wer in die Wohnung einziehen darf.
Auf beiden Ebene kann Ungleichheit zu Probleme führen. Macht ist allerdings eine Frage von mitentscheidend. Damit finanzierst du keine Pflege und keinen Energiewende.
Uns fehlen Ressourcen. Und zwar üppig. In vielen Bereichen. Mit sichtbar steigendem Mangel. Egal ob Verkehrswende, Klimawende, Wohnungen, Sozialkassen, Modernisierung von Wirtschaft oder Behörden. An allen möglichen Ecken und Enden wollen wir mehr als wir hin bekommen.
Anything you can’t actually do, you also can’t afford.
Naja, um auch mal ein weiteres Gegenbeispiel zu liefern, dass Politik natürlich Abwägung ist und der Glaube an die eigene Unfehlbarkeit bei gleichzeitiger Dummheit der anderen Seite vermessen ist: offensichtlich wurde die Abschaltung der noch funktionsfähigen Atomkraftwerke ideologisch höher gewichtet als Klimaschutz, denn sonst könnten wir weitgehend auf Kohlverstromung verzichten. Da braucht man nicht mal über Neubau sprechen, sondern Weiternutzung bis zum Ende der wirtschaftlichen Nutzungsdauer.
Jetzt sind sie weg, Neubau lohnt wohl kaum und man muss erstmal mit Kohle leben.
… und hier haben wir ein schönes Beispiel dafür, wie man das Verhalten anderer so negativ wie möglich deuten kann, weil der eigene Deutungshorizont diese Einschätzung „offensichtlich“ macht.
Was du gar nicht berücksichtigst ist der zentrale Punkt des „Opportunity Window“. Ja, ich stimme absolut zu, dass der Kohleausstieg vor dem Atomausstieg ökologisch sinnvoller gewesen wäre. Dem würden vermutlich auch viele Grüne zustimmen.
Der Grund, warum der Atomausstieg unter einer konservativen Regierung stattfand, ist nicht, weil Merkel „ideologisch“ verblendet gewesen wäre. Sie war früher ja Ministerin für u.a. Reaktorsicherheit und hat sich in dieser Funktion immer auch für Atomkraft ausgesprochen. Merkel und ihrer damaligen Regierung (zu der die GRÜNEN und LINKEN übrigens nicht gehörten, also die Parteien, die klar ideologisch gegen Atomkraft sind und waren) hat daher nicht aus ideologischen Gründen gehandelt, sondern weil sich durch Fukushima ein geeignetes Opportunitätsfenster geöffnet hat - das zweite solcher Fenster nach Tschernobyl. Diese Chance wollte man schlicht nutzen bzw. man hat dem öffentlichen Druck in dieser Situation nachgegeben. Mit ideologischer Überzeugung derjenigen, die diese Entscheidung getroffen haben, hat das nix zu tun.
Und wenn du nun argumentieren willst, man hätte die alten AKW nach dem russischen Angriffskrieg noch weiter laufen lassen: Das wurde auch schon ausführlich diskutiert. Den Instandhaltungsstau, der bestand, weil die Stilllegung ja schon feststand und man deshalb nur das absolut nötigste investiert hat, abzubauen, wäre extrem teuer geworden. Und hätte uns wieder für Jahrzehnte an die Atomkraft gebunden. Man wäre quasi durch das damals genutzte Fenster zum Atomausstieg wieder hineingesprungen und hätte es hinter sich geschlossen. Das war keine vernünftige Alternative.
Ich habe mit keinem Wort die GRÜNEN oder die LINKEN erwähnt. Angemerkt sei dann aber wohl, dass der Kern der Grünen eben die Anti-Atomkraftbewegung war und sie den (zweiten) Ausstieg ganz dufte fanden. Merkel ist ohnehin absolut ohne Überzeugung und Ideologie, sie hat während ihrer Amtszeit einfach immer das gemacht, was gerade angesagt war und ihre Machtposition gestützt hat.
Es geht aber überhaupt nicht darum, ob die Entscheidung binär richtig oder falsch ist, sondern darum, dass fast keine politische Entscheidung immer alleinig objektiv richtig ist. Wäre das so, bräuchte es keine Demokratie, sondern eine technokratische Entscheidungskommission. Das wird gerne vergessen.
Liest sich wie wenn aus deiner Sicht hätte die Abkehr von der Atomkraft etwas politisches oder religiöses. Tatsächlich ist es doch vom Grundsatz her vor allem eine Betrachtung von Impact und Risiko. Im Vergleich zu Flüssiggas aus den USA macht vermutlich Kohle auch noch Sinn.nötig wäre beides nicht, wenn die Union aufhören würde gegen Zukunftsenergie zu agitieren
Auch die Wirtschaftsweisen stehen nicht geschlossen hinter ihr das hat mir die Google KI ausgespuckt, als ich nach Kritik der Wirtschaftsweisen und anderer Ökom:innen an Reiche gesucht habe:
„Die wirtschaftswissenschaftliche Kritik der Wirtschaftsweisen und führender Ökonomen an Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) umfasst neben dem Tankrabatt ihre gesamte strategische Ausrichtung in der Energie- und Strukturpolitik. Fachleute werfen ihr handwerkliche Fehler, Marktverzerrungen und eine rückwärtsgewandte Orientierung vor.
Die Kritikpunkte der Ökonomen an ihren Maßnahmen im Detail:
1. Das Energie- und Netzkonsolidierungspaket („Netzpaket“)
Reiches Reformen beim Stromnetz und den erneuerbaren Energien – insbesondere die Absenkung von Anreizen für private Solaranlagen bei gleichzeitigem Fokus auf den Bau neuer fossiler Gaskraftwerke – stoßen auf harten wissenschaftlichen Widerstand.
Bremse für die Transformation: Die Vorsitzende des Sachverständigenrats, Monika Schnitzer, kritisiert Reiches Energiemanagement als Bremse für die Dekarbonisierung. Statt zügig die Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern voranzutreiben, verheddere sich das Ministerium in bürokratischen Restriktionen für erneuerbare Energien.
Die Kostenfalle: Energieökonomen bemängeln, dass das Festhalten an Erdgasstrukturen eine teure technologische Sackgasse darstellt. Der verzögerte Netzausbau und das Abregeln von Wind- und Solaranlagen verursachen hohe Systemkosten, die letztlich Verbraucher und Industrie als Netzentgelte tragen müssen.
2. Die Aufweichung des Gebäudeenergiegesetzes (Heizungsgesetz)
Unter Reiche wurden im Heizungsgesetz zuvor strengere Vorgaben (wie die strikte Einbaupflicht für Wärmepumpen im Neubau) zugunsten von Technologieoffenheit gelockert.
Die „Fossile Falle“: Monika Schnitzer und weitere Energieökonomen warnen vor einer Fehlsteuerung der Verbraucher. Wer wegen kurzfristig niedrigerer Investitionskosten jetzt wieder auf fossile Gasheizungen setzt, gerate in eine Kostenfalle.
Mangelnde Steuerungskompetenz: Durch die unweigerlich steigenden CO₂-Preise in den kommenden Jahren droht diesen Haushalten eine extreme wirtschaftliche Mehrbelastung. Den Ökonomen fehlt hier eine verlässliche, langfristige politische Orientierung.
3. Festhalten an überholter Ordnungspolitik
Reiche rechtfertigt ihre Ablehnung von gezielten staatlichen Transformationshilfen oder Sondersteuern (wie einer Übergewinnsteuer für Energiekonzerne) regelmäßig mit dem Verweis auf die freie Marktwirtschaft und Ludwig Erhard.
Konzept von gestern: Der renommierte Ökonom Peter Bofinger kritisiert diesen Kurs scharf als „völlig fehlplatziert“. Die starre Berufung auf historische Marktkonzepte passe nicht zu den heutigen geopolitischen und ökologischen Krisen.
Bremsblock für Investitionen: Bofinger und andere Ökonomen fordern stattdessen aktive staatliche Investitionsstrategien (wie einen strategischen Innovations-Fünfjahresplan) und eine Reform der Schuldenbremse. Reiches striktes Festhalten an der Haushaltskonsolidierung blockiere die Modernisierung des Standorts.
4. Der angekündigte dynamische Spritpreisdeckel
Als Folgemaßnahme hat die Koalition einen an Rohölkosten orientierten Spritpreisdeckel nach belgischem Vorbild vereinbart.
Aushebelung des Marktes: Wirtschaftswissenschaftler lehnen diese staatliche Preisorganisation vehement ab. Monika Schnitzer warnt vor einer Schieflage der Staatsfinanzen. Künstliche Höchstpreise zerstören das Marktsignal der Knappheit, verhindern das notwendige Einsparen von fossilen Brennstoffen und führen bei weltweiten Engpässen zu akuten Versorgungsrisiken oder astronomischen Kosten für den Steuerzahler.
Was fordern die Ökonomen als Alternative?
Anstelle von ordnungspolitisch fragwürdigen Preisdeckeln, Steuersenkungen mit der Gießkanne oder dem Hinauszögern des fossilen Ausstiegs plädiert die wissenschaftliche Mehrheit für ein dreistufiges Fundament:
Gezielte Direktzahlungen (Klimageld): Finanzielle Entlastungen dürfen nicht über den Preis laufen, sondern müssen einkommensabhängig direkt per Kontoverbindung an bedürftige Haushalte ausgezahlt werden. Das schont die Staatskasse und schützt gezielt diejenigen, die die Inflation nicht allein tragen können.
Erhalt des Preissignals: Hohe Preise müssen bestehen bleiben, um den Verbrauch von fossiler Energie marktwirtschaftlich zu senken und Anreize für den Umstieg auf grüne Technologien zu bieten.
Infrastruktur-Offensive: Massive, staatlich flankierte Investitionen in Stromnetze, Speicher und erneuerbare Energien, um die strukturellen Ursachen der hohen Energiepreise dauerhaft zu lösen.“
Meines Wissens ist Frau Reiche die größte Kritikerin am Tankrabatt. Netzstabilisierung ist ein Thema. Selbst Quaschning (vermutlich falsch geschrieben) unterstützt die Forderung nach 12 GW Gaskraftwerken. Er ist der wohl lauteste grüne Wissenschaftler.
Es ist in der Wirtschaftswissenschaftswissenschaft die breiteste Basis und Anhängerschaft. Dort würde der Vorwurf des Neoliberalismus als Kampsbegriff zurückgewiesen. Ich empfehle Tilo Jungs Interview vor 1-2 Wochen mit einem kritischen Wirtschaftswissenschaftler. Spannende Perspektive.
Ich will ja gar nicht inhaltlich argumentieren, sondern lediglich festhalten, dass ihre Politik breiteste wissenschaftliche Unterstützung erfährt. Das kann man kritisieren, aber es hat eine fundierte Basis, jenseits von Korruptionsvorwürfen.
Dann sollte sie zurücktreten. Offensichtlich ist dem Kanzler egal, was die zuständige Ministerin macht oder möchte.
Ihr Vorschlag war stattdessen ein Sofortauszahlungsmechanismus, den sie im nächsten Satz gleich kassiert hat, da ja momentan (laut ihrer Aussage) nicht umsetzbar Was ist von einer Ministerin zu halten, die Luftschlösser als Sofortmaßnahmen vorschlägt?
Das was du schreibst ist Quatsch (sorry, der musste sein).
Quaschning: Wir sehen, dass wir mit der aktuellen Klimaschutzpolitik der Bundesregierung überhaupt keine Chance haben, die Klimaschutzziele zu erreichen, also die Klimaneutralität im Jahr 2045, die das Klimaschutzgesetz vorgibt. Das sagt ja auch der Expertenrat für Klimafragen.
Wir müssen eigentlich jetzt erst mal die Batteriespeicher schnell ausbauen. Sie bieten die Speicherlösung für den Sommer. Dafür brauchen wir erst einmal gar keine Gaskraftwerke. Erst wenn wir die Kohle abschalten wollen [das wohl erst später nach Aussbau von EE], dann kommen die Gaskraftwerke ins Spiel, sollten dann aber auch mit Wasserstoff laufen und nur so wenig Stunden im Jahr wie möglich.