Kann (und will) sich Deutschland verteidigen?

Aktuell fordert Frau Strack-Zimmermann ja vehement die Einberufung von Reservisten der Bundeswehr, was auch auch fruchtbaren Biden bei Patrick Sensburg als deren Vorsitzenden fällt.

Reservisten wären zahlenmäßig da, ein Teil über 65 Jahre, bei vielen weiß die Bundeswehr aber nicht wo sie noch wohnen oder ob sie überhaupt noch wollen.
Zudem sind Reserveübungen nicht verpflichtend.

Dazu ein interessanter Podcast:

Eins ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: die Aussage eines Komnandeurs, das man einfach mal @kalt“ üben müsste, um zu sehen was geht und was nicht und wo Handlungsbedarf ist. Er klang dabei frustriert, weil sowas nicht gemacht wird.

Ggf weil man sich von Seiten der Politik, Regierung wie Opposition, da keine negativen Ergebnisse erlauben kann?
Weil Sondervermögen und damit Einkaufen gut klingt, mehr wäre eh nicht nötig? Ist das wirklich eine konsequente Zeitenwende oder sind wir damit gesellschaftlich überfordert, weil wir das eigentlich gar nicht wollen?

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Ich weiss immer noch nicht was diese Reservisten oder auch neue Rekruten denn tun sollen. Erwarten wir ernsthaft russische Panzer, die nach Deutschland einfahren? Erwarten wir, dass wir Reservisten und Grundwehrdienstleistende im Bündnisfall an die polnisch-russische Grenze schicken? Ich hab doch arge zweifel ob der Szenarien.

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Genau das wäre ja die Frage.

Einerseits was machen wir im NATO Bündnisfall? Nur Zeit-und Berufssoldaten schicken, wenn die dann „alle“ sind, ist für uns die Veranstaltung beendet? (Verzeiht die zynische Bemerkung)

Andererseits, wenn wir weiterhin davon ausgehen, das ja niemals ein anderes Land uns angreifen kann, warum dann jetzt ein Sondervermögen? Wenn wir die Bundeswehr quasi eh nicht brauchen, weil wir eh nicht gewillt sind uns zu verteidigen, kann man sich das Geld doch sparen.
Dann eher einen gut gerüsteten THW für Katastrophen und Polizei und Grenzschutz für innere Sicherheit und Grnzsicherung (die wir im offenen Europa ja eigentlich auch nicht brauchen).

Klingt jetzt sicher sarkastisch, aber die Frage stellt sich schon aktuell.

Sind wir wirklich bereit etwas selbst für eine mögliche Verteidigung zu tun? Als Gesellschaft?
Oder wollen wir einfach nur unseren Wohlstand genießen?

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Auch dazu:

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Ich denke nicht nur an den Mangel an Gerät und Soldaten sondern auch an die fehlende Widerstandsfähigkeit der restlichen Infrastruktur.
Kommunikation, Strom, Wärme wurden in der Ukraine ständig demoliert und unter Beschuss genommen sowie it-technisch angegriffen (Kievstar).
Allein hier haben wir enorme Defizite die behoben werden müssen.
Danach denke ich auch an Israel & Palästina wo es heisst: Die haben uns angegrifen da sind wir dann in unseren Schutzraum /Luftschutzkeller.

Haben wir sowas überhaupt noch? Das dürfte doch seit dem Ende des zweiten Weltkriegs bei uns vergammeln, abgerissen und umgewidmet worden sein und den modernen Angriffen keinen Widerstand mehr entgegensetzen, oder? :wink:

Das Ganze ist sehr sehr viel weitreichender als die Bundeswehr auf Stand zu bringen mit Personal und Gerät (was schon teuer genug wird), sondern sehr sehr viel umfangreicher.

Ich denke da müssen wir in den sauren Apfel beissen und großflächig besser werden.
Hilft auch ohne Krieg der Situation im Land.
Ich sehe es aber mit der jetzigen Mischung aus FDP in der Regierung und Union in der Opposition genauso wenig passieren wie wenn die Union an die Regierung käme.
Investitionsbremse haben wir ja in beiden Fällen.

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Sehe ich ähnlich.

Interessante Aspekt am Ende des genannten Podcasts zum Thema Reservisten:

Wenn wir verstärkt auf Reservisten setzen wollten, müssten diese sinnvollerweise wieder verpflichtende Reserveübungen machen. Also vom Arbeitgeber für eine gewisse Zeit freigestellt werden.

Wer sagt es in Zeiten von Fachkräftemangel den Arbeitgebern? FDP? CDU? SPD?

Ich bezweifle das eine erhöhte Wehrfähigkeit politisch wirklich gewollt ist, von Einzelstimmen wie Pistorius oder Strack-Zimmermann abgesehen

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Nein, darum geht es auch nicht.

Der Sinn von Reservisten ist gerade nicht, einfach nur „die Schützengräben zu füllen“, dafür kann man auch Leute, wie es aktuell in der Ukraine geschieht, im Schnelldurchlauf ausbilden. Ist nicht optimal, aber machbar.

Reservisten sollen gerade nicht mäßig ausgebildete Frontsoldaten sein, sondern Spezialisten an dem Gerät, an dem sie einst ausgebildet wurden und an dem sie permanent Fortbildungen absolvieren. Deshalb sollen Reservisten mehrere Wochen im Jahr an Übungen teilnehmen, damit man sie eben an „komplexem Gerät“ ausbilden kann. Idealerweise werden Reservisten zudem so eingeplant, dass ihre zivile Erfahrung auch für die Bundeswehr nutzbar wird - Ingenieure kommen dann eben vermehrt zu den Pionieren und vor allem in die Planungsebene, Informatiker in Drohenprogramme oder Cyberabwehr, medizinisches Personal natürlich in den Sanitätsdienst, Berufskraftfahrer als Panzerfahrer oder LKW-Fahrer in den Nachschub usw…

Die Rolle der Reserve ist dann, je nach Alter, entweder selbst als Verstärkung nachzurücken, wenn die Berufs- und Zeitsoldaten nicht ausreichen um das vorhandene Material auszufüllen - oder als Multiplikatoren zu fungieren, also in der Lage zu sein, ihrerseits wieder neue Soldaten auszubilden, damit das im Rahmen einer Kriegswirtschaft schnell produzierte neue Material verwendet werden kann.

Kurzum:
Reservisten sind durch langjährige Fortbildung im Idealfall Spezialisten. Die Realität sieht leider anders aus, weil wir auch das Thema Reserve und Reserveübungen einfach nicht ernst genug nehmen und oft auch einfach nicht das Material für hinreichende Reserve-Übungen zur Verfügung steht. Eine Reserve an Spezialisten kann natürlich nur dann ihre Wirkung entfalten, wenn im Fall der Fälle auch Material für die Reserve zur Verfügung steht… andere Länder, z.B. Finnland, schaffen das auch. Wir leider (noch) nicht.

Die Kritik von @WilliWuff trifft meines Erachtens eher auf eine Wehrpflicht zu, denn dort muss man sich wirklich fragen, ob das sinnvoll ist. Einziges valides Argument für die Wehrpflicht ist in der Tat der Anwerbe-Effekt, aber es muss effizientere Wege geben, Menschen für die Bundeswehr zu gewinnen, als alle jungen Menschen durch ein Militärtraining zu schicken in der Hoffnung, dass ein paar davon bei der Bundeswehr kleben bleiben…

Ich bin daher ebenso klar für einen massiven Ausbau der Reserve, wie ich gegen eine Wiedereinführung der Wehrpflicht bin.

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Auch da gehe ich mit.
Mit Reservisten hat man Menschen, die schon eine Bereitschaft für den Dienst in der Bundeswehr gezeigt haben, dort schon eine Ausbildung genossen haben sowie im Idealfall ihre Berufliche Fachkompetenz und Berufserfahrung einbringen können.

Wehrpflichtige bringen hier tatsächlich keinen wirklichen Mehrwert (zudem schwankende Motivation), hier geht es politisch eher um den Versuch von Parteien, älteren Wählerschaften das Gefühl zu geben, die „faule“ Jugend nun auch mal für den Dienst an der Gesellschaft zu drängen.
So mein Eindruck.

Aber dafür wäre tatsächlich eine stärkere Einbindung der Reservusten notwendig, auch durch regelmäßige Reserveübungen.

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Wer sagt es dem Finanzminister, dem Wirtschaftsminister oder dem Minister für soziales? Wer „schießt“ (egal ob zur Übung oder im Kampf) kann kein Feld bestellen, um in einem alten Bild zu bleiben. Damit wird weniger Wohlstand erwirtschaftet und es gibt weniger zu verteilen.

Die echten Kosten der Aufrüstung und „Mobilmachung“ (im Sinne der Modernisierung und der Ertüchtigung der Bundeswehr für die Bündnisverteidigung) scheinen mit vielen noch lange nicht bewusst. Dagegen ist die Ukrainehilfe Pille-Palle.

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Das impliziert aber auch, das es keine äußeren Gefahren militärischer Art für unseren Wohlstand gibt, höchstens wirtschaftliche.
Also quasi das wir mit Krieg und Konflikten in der Welt als Deutschland nichts zu tun haben (höchstens höhere Bezugskosten)

Logische Konsequenz müsste dann doch sein, die Bundeswehr komplett abzuschaffen, aus der Nato auszutreten und die Bundesrepublik Deutschland ähnlich wie die Schweiz zum neutralen Staat zu erklären.
Spart enorm Kosten und ist ja gut für unseren Wohlstand. Ggf lässt sich dieser Wohlstand über die Rüstungsindustrie in Deutschland mehren?
(Sorry, der letzte Satz war bissl zynisch, der Rest aber sehr ernst gemeint)

Das Modell „Schweiz“ (oder aktueller: Österreich) funktioniert eben nur, so lange man von freundlichen Staaten umgeben ist. Genau diesen Zustand wollen wir ja letztlich erhalten, genau deshalb ist es wichtig, die Russen in der Ukraine zu stoppen - und nicht erst in Polen oder gar Deutschland. Die Neutralität hätte die Schweizer im zweiten Weltkrieg auch nicht gerettet, wenn die Nazis statt nach Russland zu marschieren erstmal ganz Europa unterjocht hätten (oder der Russlandfeldzug gewonnen worden wäre). Ein neutraler Staat ist nicht geschützt vor Eroberung, er ist schlicht der letzte Staat, der erobert wird, nachdem alle „feindlichen“ Staaten unterworfen wurden.

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Ist das allen, die der Meinung sind wir in Deutschland haben keine äußeren Bedrohungen, so klar?

Ich habe aktuell den Eindruck, das es für unsere Gesellschaft und Politik die aktuell feinste Lösung wäre…

Also das Sondervermögen und die aktuelle Fokussierung auf die Landesverteidigung nur ein temporärer Effekt sind, solange das Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung durch den Ukraine Krieg im Moment hoch ist.
Sollte sich die Situation in der Ukraine hinsichtlich eines Ende des Krieges ändern, würde die Bundeswehr und Landesverteidigung schnell wieder unwichtig

Wieso? Die Schweiz hat doch gezeigt, dass es auch geht, wenn man nicht nur von freundlichen Staaten umgeben ist.

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Das habe ich doch dann später ausgeführt:

Ja, es hat für die Schweiz funktioniert, aber eben nur, weil es für Nazi-Deutschland sinnvoller war, die militärischen Ressourcen erstmal auf Länder zu verwenden, die aktiven Widerstand leisten (oder von denen auszugehen ist, dass sie Widerstand leisten werden).

Glaubst du ernsthaft, dass wenn die Nazis ihre Macht in Europa konsolidiert hätten und die Schweiz eine Enklave innerhalb des deutschen Reiches gewesen wäre, dass die Deutschen die Schweiz nicht auch noch eingenommen hätten? Wie gesagt, ein neutraler Staat ist nicht sicher vor Eroberung, er ist lediglich der letzte Staat, der erobert wird, weil es weniger prioritär ist, ihn zu erobern…

Hier kann man die Parallele zu dem berühmten Zitat von Martin Niemöller ziehen:

Dieses Prinzip gilt auch für Staaten…

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Ich wollte nur darauf hinweisen, dass die „Mobilisierung“ gesamtgesellschaftlich weit teurer ist als nur ein paar ausgefallene Arbeitsstunden bei Fliesenleger Müller.

Tatsächlich habe ich schon lange an anderer Stelle für das 2% Ziel argumentiert (das nun eigentlich schon zu gering scheint). Ich habe nur den Eindruck, dass zwar Vermögenden bereits bewusst ist was da finanziell auf sie zukommt, aber der Rest noch immer steigende Sozialausgaben und Hilfen für die Energiewende fordert.

Tatsächlich müssten wir jetzt endlich einmal anfangen zu priorisieren und einsehen, dass nicht immer die eigenen Interessen als oberstes Gebot anzusehen sind. Und vielleicht ist es damit auch nötig einmal unperfekte, pragmatische Lösungen zu akzeptieren.

Also ich habe in wenigen Ländern Europas soviel Armee und Verteidigungseinrichtungen gesehen wie in der Schweiz. Die sind schon beachtlich aufgestellt. Und verfügen zudem mit den Alpen auch über eine gut zu verteidigende Position. Auf jeden Fall einfach zu verteidigen als die Norddeutsche Tiefebene.

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Ja. Genau darauf sollten wir uns vorbereiten, damit es dazu niemals kommt. Denn die sichere Gewissheit Moskaus, dass wir bereit und fähig sind, die russischen Truppen nötigenfalls zurück zu schlagen, bringt Sicherheit, solange dort am imperialen Anspruch festgehalten wird.

Es ist komplett absurd, dass jetzt so viel Energie und politisches Kapital in ein Bedrohungsszenario fließt, das eine minimale Chance hat, je Realität zu werden, wogegen wir die sehr reale und weitaus schlimmere Bedrohung durch den Klimawandel über Jahrzehnte ignorieren.

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Nun ja, die Frage ist wie real schätzen wir ein Risiko ein? Langfristig?
Wer hätte 2020 sein Geld darauf verwettet, das unser europäischer Nachbar Russland mitten in Europa einen Krieg vom Zaun bricht?

Tatsächlich ist die Frage weniger ob wir eine Bundeswehr brauchen (wenn man sich in der Welt umguckt, beantwortet sich die Frage), sondern eher wie sie ausgestaltet sein soll.
Muss eine Bundeswehr allein und autark Deutschland verteidigen können?
Oder muss es bestimmte Kompetenzen einem Bündnis wie der NATO stellen können?
Wie verlässlich und verpflichtend sind solche Bündnisse?

Was eher ungünstig wäre ist die Einstellung, Krieg find ich doof, ist nicht wichtig (was auch so ist), deswegen ignorier ich das einfach, weil es mich nicht betrifft, weil ich es nicht will.
Also Gedanken auch über so unwahrscheinliche Szenarien muss schon erlaubt sein.

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Wenn du meinen Post liest, wirst du feststellen, dass ich niemandem Gedanken verboten habe. Du kannst dir solch plumpe Polemik also sparen.

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