Ist das Mietrecht zu mieterfreundlich?

Das kann ich leider so bestätigen. Das ansonsten fast baugleiche Nachbarhaus, wurde letztes Jahr kernsaniert. Also Wärmedämmung, neue Fenster, Fußbodenheizung, Fernwärme. Der Heizenergieverbrauch mag nun geringer sein, dafür fallen Kosten für die nun nötige aktive Lüftungsanlage an. Im Endeffekt sind die Nebenkosten ungefähr auf dem selben Niveau wie bei mir (Gasheizung, ca. 20 Jahre alte Fenster, nur Speicher gedämmt), dafür ist die Miete drüben von vorher 8€ auf nun 14€ gestiegen.

Solange die Baukosten nicht günstiger werden, steht das Ziel energetischer Sanierung im Konflikt mit der Schaffung günstigen Wohnraums. Da brauchen wir uns leider nichts vormachen.

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Das hat jetzt aber nichts mehr mit dem Thema zu tun.

Nirgendwo habe ich behauptet, dass jeder Vermieter immer mit 10% Steigerung auskommen muss. Mein Einwand bezieht sich noch immer auf die Frage ob es gesellschaftlich wünschenswert ist, Vermieter steuerlich dazu zu inzentivieren, regelmäßig ihre Mieten zu erhöhen, unabhängig vom tatsächlichen Bedarf.

Ob es sinnvoll ist das auf dieser Schiene zu tun will ich auf die Schnelle nicht bewerten. Dass niedrige Mieten, die nur deshalb günstig sind, weil gerade die Raten abbezahlt sind und die Instandhaltung günstig ist, eben durchaus problematisch sein können, wenn diese nicht nachhaltig kalkuliert sind, und dann am Ende zum Verkauf führen. Weil der Käufer muss am Ende ja wieder den Kaufpreis durch die Miete refinanzieren.

Was vielleicht beim privaten Vermieter noch nicht so schlimm ist, wird bei Verkäufen ganzer Komplexe durch Genossenschaften oder kommunale Wohnungsbaugesellschaften dann doch zum spürbaren Problem.

Aber das ist doch kein gesellschaftliches Problem, dass es sein kann, das ggf. nicht ausreichend Rücklagen gebildet werden. Das ist in erster Linie eine betriebswirtschaftliche Entscheidung. Denn beim Verkauf erhält man dann ja auch nicht mehr den reinen Marktpreis, sondern Marktpreis-Sanierungsstau-Risikozuschlag.

Das kann auch für die Bewohner einer Genossenschaft ein guter Deal sein: 40 Jahre lang niedrigere Mieten und dafür im Bedarfsfall Bestand verlieren.

Und die verkauften Wohnung werden ja nicht platt gemacht und direkt mit 250% Aufschlag neu vermietet. Auch da greift der Mieterschutz und die Mieter werden mit einer Mietsteigerung im rechtlich zulässigen Rahmen leben müssen.

Also für mich ist die Behauptung, niedrige Bestandsmieten wären ein gesellschaftliches Problem, das über die Probleme bei der Wohnungswechselbereitschaft hinaus geht, nicht schlüssig.

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(Disclaimer: Sorry, es wird länger)

Die Locked-In Idee ist eine interessante und grundsätzlich ist natürlich eine optimale Allokation von knappem Wohnraum wünschenswert, aber: Die Annahme, dass die Anhebung von Bestandsmieten automatisch zu mehr Wohnraum führt und dadurch das Mietniveau stabilisiert, greift in der Praxis deutlich zu kurz.

Ein Blick auf internationale Metropolen wie London, Paris oder New York zeigt, dass diese Städte trotz einer nur kleinen und teilweise schrumpfenden Zahl an rent-controlled Apartments seit Jahrzehnten ungebrochen steigende Angebotsmieten verzeichnen.

Ökonomisch betrachtet setzt der Mechanismus voraus, dass Angebot und Nachfrage flexibel auf Preisänderungen reagieren. Theoretisch könnten höhere Mieten Haushalte dazu bewegen, in kleinere oder günstigere Wohnungen umzuziehen, wodurch größere Einheiten frei werden und das Angebot steigt. Damit dies tatsächlich stabilisierend wirkt, müssen jedoch mehrere Bedingungen erfüllt sein: eine ausreichend hohe Neubaukapazität, eine elastische Angebotsreaktion auf steigende Preise, die Möglichkeit zur Umwidmung von Flächen sowie ein funktionierender Arbeits- und Mobilitätsmarkt. In den genannten Städten sind diese Bedingungen größtenteils genauso wenig gegeben, wie in Berlin, Franfurt, München. Bauflächen sind knapp, Genehmigungsverfahren langwierig, Nachverdichtungen oft politisch blockiert, und der Neubau neuer Wohnungen kann die extrem hohe Nachfrage nicht annähernd decken.

Zudem spielt die globale Nachfrage eine erhebliche Rolle: Berlin zieht Kapital und internationale Investoren an, die den Wohnungsmarkt als Anlageobjekt betrachten (für andere deutsche Städte weiß ich es schlicht nicht). Selbst wenn lokale Mieten steigen, wird dadurch allein kein signifikanter zusätzlicher Wohnraum geschaffen; stattdessen bleibt das Niveau hoch, weil neue Nachfrager bereit sind, die Preise weiter zu tragen. Theoretische „Filtering“-Effekte, bei denen teure Neubauten mittlere und dann günstigere Bestände freimachen, funktionieren in diesen Märkten nur begrenzt und sehr langsam. Ältere Wohnungen bleiben aufgrund des Standortwertes teuer, und Umzüge einzelner Haushalte reichen nicht aus, um das Mietniveau substantiell zu senken.

Empirische Studien untermauern diese Beobachtungen. Diamond et al. (2019) und Autor et al. (2014) zeigen für New York, dass selbst nach Jahrzehnten der Deregulierung die Mietpreise hoch bleiben, weil das Angebot der Engpass ist, nicht die Regulierung. Untersuchungen für London (Hilber & Vermeulen, 2016) und Paris (Avenel et al., 2017) bestätigen: Preisdynamik wird hier vor allem durch physische Knappheit, restriktive Bauvorschriften und globale Nachfrage bestimmt, nicht durch verbleibende Mietkontrollen.

Die Vorstellung, dass höhere Bestandsmieten automatisch zu einer besseren Wohnungsallokation und einer Stabilisierung der Angebotsmieten führen, gilt nur unter idealisierten, theoretischen Bedingungen. In realen, stark nachgefragten und baulich restriktiven Märkten wirken steigende Bestandsmieten vielmehr als Verstärker der Verdrängung und belasten Mieter ohne dass dadurch nennenswert zusätzlicher Wohnraum geschaffen wird.

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Wenn dadurch langfristig der Anteil von Wohnungen bei Genossenschaften und kommunalen Gesellschaften sinkt und dafür der durch private Investoren steigt, dann hat das schon eine gesellschaftliche Komponente.

Die, die billig gewohnt haben hatten einen individuellen Nutzen (niedrige Miete), während die Folge daraus ist, dass der Anteil an Wohnraum der durch Akteure bereitgestellt wird die keine Gewinnmaximierung als Ziel haben sinkt.

Was trägt eigentlich zur Steigerung der Mietpreise bei?
Knapper Wohnraum bei erhöhter Nachfrage ist klar.
Auch der Wunsch von Vermietern höhere Einnahmen zu erzielen, ist sicher ein Faktor%
Steuern?
Generelle Kostensteigerungen?

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Ja, eine gesellschaftliche Komponente, die eine Genossenschaft genossenschaftlich für seine Genossen als wünschenswert gewählt hat.

Ich kann mir viele Dinge vorstellen, um Wohnungsbaugenossenschaften zu fördern. Sie zu zwingen, höhere Mieten zu nehmen, gehört nicht dazu.

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Es geht ja nicht nur um Genossenschaften, sondern auch um kommunale Wohnungbaugesellschaften die ähnliche Probleme hatten.

Das ist doch eine Verdrehung.

Das Finanzamt will lediglich verhindern, dass du durch das Ansetzen von Werbungskosten dauerhaft einen steuerlichen Verlust geltend machen kannst, um Steuern zu sparen!

Und das dadurch, dass du wahrscheinlich hauptsächlich an Familie unter Wert vermietest.

Dass die armen Berliner Vermieter durch das Finanzamt zu Mieterhöhungen gezwungen werden, ist doch total konstruiert.

Vielen Dank.

Es ging mir vor allem darum einfach mal jenseits des Spiegels zu denken.

Wenn man nach dem Spiegel geht… viele Altbauten liegen bei 5,5-6,5€/qm

Da wäre man gemittelt bei knapp 250€/Monat

Ich bin zwar kein Vermieter aber ich persönlich wäre auch mit 500 € happ und glaube, wenn man nicht anfängt, irgendwo aufeinander zu zugehen, wird es in absehbarerkeit keine Lösung für die Mieter (und Vermieter) geben.

Ich meine, wenn ein Vermieter bereit ist seine Wohnung in Berlin für 500 € zu vermieten. Dann wäre er noch weit von 20 € pro Quadratmeter entfernt und würde dem Leerstand entgegenwirken.

Aber ich vermute es würde kaum ein Vermieter machen weil das nunmal 100% über dem Mietspiegel liegt und er befürchten muss zig tausend Bußgeld zu zahlen.

Keine Ahnung ob man sowas vertraglich lösen kann. Aber ich vermute hier liegt ein zentraler Punkt des Dilemmas.

Ich kann mir auch viele Dinge vorstellen, um kommunalen Wohnungsbau zu fördern. Auch hier gehört “sie zwingen, höhere Mieten zu nehmen” nicht dazu.

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Kann mir nicht vorstellen, dass es noch so niedrige Mieten gibt. Kommt natürlich drauf an, wo …

Wenn man unter den Kosten vermietet, dann ist das schlicht und ergreifend eine Subventionierung der Mieter unabhängig von deren Einkommen.

Da fallen mir wirklich bessere Arten ein wohnen bezahlbar zu machen.

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Nein, leider nicht. Ich habe Fälle selbst erlebt, wo Vermieter plötzlich die Miete erhöhen mussten, weil das Finanzamt die vollen Werbungskosten nicht mehr anerkannt hatte. Das ist besonders fatal weil es in vielen niederbayerischen Orten gar keinen Mietspiegel gibt, das Finanzamt die Vergleichsmiete also selbst festgesetzt hatte, der Vermieter also nicht mal wusste, was eine angemessene Miete eigentlich gewesen wäre. Auch der Zustand der Wohnung interessiert das Finanzamt da nicht, denn den kennt es ja gar nicht.

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Also das interessiert mich wirklich. Kannst du die Fälle etwas näher erläutern? Wie hoch waren denn da die Werbungskosten im Vergleich zu en Einnahmen? Wurde überhaupt noch Gewinn gemacht, oder schon dauerhaft Verlust?

Schauen wir mal.

Wozu? Ich meine, natürlich kann ich durch beliebig viel Neubau immer das Problem mangelnden Wohnraums erschlagen, aber das Ansinnen, durch Incentivierung einer besseren Wohnraumallokation das Problem mangelnden Wohnraums zu erschlagen, ist doch komplett parallel dazu zu betrachten, und nicht davon abhängig, dass zunächst viel Neubau stattfindet. Wenn ich eine Person in einer Vierzimmerwohnung incentivieren kann, in eine Zweizimmerwohnung zu wechseln, in der vorher eine vierköpfige Familie wohnte, die dafür in die frei gewordene Vierzimmerwohnung kann, dann brauche ich doch keinen Neubau dazu, um eine Verbesserung herbeizuführen?

Nein, eine Nachfragereaktion brauche ich - und zwar zuvorderst eine Nachfragereaktion auf sich ändernde Wohnbedarfe. Die elastische Angebotsreaktion ist nötig für die Variante “lass die Preise in den Himmel steigen, dann wird bestimmt ein Neubau-Boom ausgelöst”. Das ist explizit nicht, was ich anrege. Ich beziehe mich auf die Nachfrage-Seite und will die Nachfrageseite davon abbringen, ein eigentlich längst wohnraummäßig unpassendes, weil zu großes Angebot weiterhin zu belegen, weil es ökonomisch günstig ist, damit dieses Angebot einen passenderen Nachfrager finden kann, der das Angebot auch wohnraummäßig besser auslasten kann. Ich will, dass ein gegebenes Angebot besser auf eine gegebene Nachfrage gematcht wird. Da ist Neubau, also die Ausweitung des nominalen Angebots erst mal überhaupt kein Thema. Was ein Thema ist, ist die Vermeidung von “Verschwendung” von Angebot.

Nein. Wie gesagt, ich rede hier nach wie vor nicht Neubau durch boomende Mieten das Wort.

Das ist jetzt so allgemein, dass das jede realistische Lösung braucht. Also außer wir wollen Neubau mit magischem Geld aus dem Pott Gold am Ende des Regenbogens bezahlen.

…wieder alles Themen, die nur die Lösung “mehr Neubau” betreffen, und keineswegs an meiner Diagnose rütteln, dass eine ineffiziente Allokation von Wohnraum ein signifikantes Problem darstellt.

Ich will doch auch gar nicht darauf hinaus, dass signifikanter zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden soll, schon gar nicht darauf, dass durch das Erhöhen von Mieten die Neubautätigkeit angeregt werden soll. Ich will darauf hinaus, dass bestehender Wohnraum effizienter genutzt werden kann, dass ineffiziente Nutzung ein Teil des Problems ist und dass extreme Inhomogenität bei den Bestandsmieten eine solche ineffiziente Nutzung begünstigt. Und diesbezüglich sehe ich jetzt nichts in deiner Argumentation, was diese These widerlegen würde.

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…aber das ist ja das komische. Ich habe mir die 6€/qm ja nicht ausgedacht. Das ist der Mietspiegelpreis der Wohnung meiner Feundin. Und ich würde die Wohnung als Vermieter auch nicht für 300 vermieten. Aber dann bin ich als Vermieter eben auch ein „böser Mensch“.

Man sagt immer so schön „ es gibt schwarze Schafe auf beiden Seiten“ und das stimmt wahrscheinlich… aber warum beziehen sich die Argumente gegen Mieter oder Vermieter dann doch immer auf solche Ausnahmefälle. Und auch wenn der ein oder andere meint es seien keine Ausnahmen… Das Ziel muss doch eine Mitte sein/werden.

Die schwarzen Schafen sind meistrns wohl eher die großen Unternehmen und Investitionsgesellschaften.