Ist das Mietrecht zu mieterfreundlich?

Das Immobilienbesitzer*innen in bestimmten Fällen steuerliche Nachteile durch Vermietung haben ist vielleicht ein Ärgernis. Aber es ist doch ein kleines Problem auf einem ganz anderen Niveau als das sehr grundlegende, das viele Menschen haben, die sich eine Wohnung in vielen Städten nicht leisten können, weil Investoren bei 4% Rendite keineswegs Halt machen. Und da finde ich falsch, dass in Berlin sogar die städtischen Wohnungsgenossenschaften Gewinn machen und ich finde es gut, wenn es Möglichkeiten gibt, eine überhöhte Miete im Nachhinein zurück zu fordern.

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Die “Subvention” ist, dass man auf Rücklagen verzichtet und dafür später die Wertsteigerung nutzt. Es ist also eine Möglichkeit, den Mieter (Genossen) an der Wertsteigerung teilhaben zu lassen.

Sehe da nicht das Problem. Lustig, dass Planwirtschaft dann die Lösung wird, wenn man damit verhindert, dass Mieten niedrig sind.

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Das weiß ich nicht mehr. Da war das Gesetz recht neu. Jetzt schaut eigentlich jeder Steuerberater, dass er den Vermieter absichert.

Beträgt das Entgelt für die Überlassung einer Wohnung zu Wohnzwecken weniger als 50 Prozent der ortsüblichen Marktmiete, so ist die Nutzungsüberlassung in einen entgeltlichen und einen unentgeltlichen Teil aufzuteilen. Beträgt das Entgelt bei auf Dauer angelegter Wohnungsvermietung mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete, gilt die Wohnungsvermietung als entgeltlich.
§ 21 EStG - Einzelnorm

Ich sehe das kritisch, weil damit der Staat sich als Preistreiber betätigt.

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Was aber bedeutet, dass man an Substanz verliert. Ziel wäre es doch von 10 Wohnhäusern auch 10 zu behalten und nicht 2 zu verkaufen sobald Sanierungen anstehen.

Und Unterhalt bis dahin auf ein Minimum zu reduzieren führt auch nicht gerade dazu die Attraktivität solcher Wohnanlagen auf einem gleichbleibenden Niveau zu halten.

Instandhalten und Rücklagen gehören zur Basis der Betriebswirtschaftslehre.

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Sehe ich auch so. Aber eben: was ist eine überhöhte Miete? Aus meiner Sicht sicher nicht alles was über dem Miezspiegel +10% liegt.

Besonders Ulf hält die Transparenz sehr hoch und teilt mit wo er z. B. über GFF involviert ist. Bei dem Thema Mieter/Vermieter wäre aus meiner Sicht auch eine Offenlegung der Vermietereigenschafz bzw. Mietereigenschaft notwendig. Es würde mich freuen, wenn das beim nächsten Mal geschähe.

Ich maße mir nicht an, anderen vorzuschreiben, was sie für Ziele zu verfolgen haben.

Man kann durchaus der Meinung sein, 40 Jahre lang 10 Häusern sehr niedrige Mieten zu ermöglichen und dann weitere 40 Jahre 8 Häusern sehr niedrige Mieten zu ermöglichen, ein akzeptables Ziel ist.

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Mit der gleichen Logik, also Verschlechterung in der Zukunft günstiges Leben zu subventionieren, kann man auch gut den Verzicht auf Klimaschutzmaßnahmen begründen. Wenn es also ein legitimes Mittel der Politik ist Probleme auf die Zukunft zu verschieben, dann darf man sich über mangelnden Umwelt- und Klimaschutz auch nicht beschweren.

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2015 lebten in Berlin 3.520.000 Menschen. In 2025 sind es 3.897.000.

Laut Bundesinstitut für Bau‑, Stadt‑ und Raumforschung (BBSR) könnte die Einwohnerzahl bis 2045 auf etwa 4,36 Mio. Menschen steigen, das wären nochmal rund +12,6 % gegenüber heute.

Du möchtest also ein kommendes Loch von nahezu einer halben Millionen Wohnungen durch Umverteilung stopfen?

Und nenn’ mir doch bitte mal eine Stadt, in der die Anhebung der Bestandsmieten zur Stabilisierung der Mieten geführt hat.

Ich kenne nur Beispiele, die das genaue Gegenteil belegen. Davon aber einige. Wie gesagt: Studien aber auch einfach ein Blick auf die Entwicklung der Angebotsmieten für New York, Paris und London belegen ziemlich deutlich, dass dein Ansatz nicht funktioniert.

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Mir wäre erstens neu, dass in diesen Städten irgendjemand gezielt forciert hätte, dass extrem niedrige Bestandsmieten zwangsweise angehoben worden wären. Somit zeigt der Blick dorthin IMHO gar nichts.

Und zweitens habe ich nun mehrfach konstatiert, dass ich überhaupt keine konkrete Lösung anbiete. Schon gar nicht eine, von der ich behaupten würde, es wäre die einzig selig machende, mit der allein man das Wohnraumproblem lösen könnte.

Ich habe auf einen Aspekt des Problems hingewiesen, der sehr gerne im blinden Ruf nach immer mehr und mehr Neubau untergeht. Mehr Neubau, den wir uns weder im Hinblick auf verfügbare Arbeitskräfte und Baukapazität noch auf die ökologischen Implikationen leisten können. Womit ich - nur damit das nicht sofort wieder fehlinterpretiert wird - nicht sagen will, man solle sofort sämtlichen Neubau stoppen. Nur dass der Ruf nach noch mehr Neubau als einzige Idee zu einfallslos ist, auch wenn ich vollkommen verstehen kann, dass es bequemer ist, sich einfach unendlich viel Neubau herbeizuwünschen, statt Leuten ihre Pfründe - hier in Form von unverhältnismäßig billiger Wohnfläche dank Altvertrag - streitig zu machen. Weil in dem Fall ja jemand was abgeben müsste, und das mag niemand gern hören.

London: Anstieg im Bestand über 10 Jahre 85%, New York je nach Stadtteil 40-50%, Paris ähnlich. Starker Trend zu Mikroapartments. Auswirkungen auf Angebotsmieten? Fleißig weitergestiegen. Wohnungsnot? Verschärft. Effekte: Gentrifizierung, Verdrängung, Obdachlosigkeit, Umwandlung in Eigentum und Marktfokussierung auf’s Luxussegment.

Du sagst, Du möchtest eine falsche Diagnose vermeiden, lieferst aber keinen einzigen Beleg dafür, das deine Annahmen stimmen.

Die Diagnose, dass rasant steigende Mieten gesellschaftliche Probleme verursachen, Mietsteigerungen im Bestand und die Verkleinerung von Wohnraum zu keiner Stabilisierung führen, sondern zu Verdrängung, ist hingegen durch Beispiele und Zahlen belegbar.

Woher nimmst Du also die Sicherheit, dass deine Diagnose stimmt?

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Du lieferst auch nur Zahlen, die du quellenlos in den Raum stellst, und die nichts beweisen. Insbesondere beweisen sie nicht, dass in meiner logischen Kausalkette irgendein Denkfehler versteckt wäre. Die Kette ist logisch, während du versuchst, ökonomischer Logik zu widersprechen. Ich sehe hier auf deiner Seite wesentlich mehr Bedarf nach stichhaltiger Begründung der Behauptung.

Dass es extrem günstige Altmieten gibt, ist Fakt, dass deswegen Leute teils auf sehr viel Wohnraum leben, ebenfalls. Der durchschnittliche Wohnraum pro Person steigt seit 1990 konstant an, was signifikant daran liegt, dass nach Verkleinerung des Haushalts die Wohnung selten gewechselt wird (siehe z.B. https://www.umweltbundesamt.de/daten/private-haushalte-konsum/wohnen/wohnflaeche#folgen-der-flachennutzung-durch-wohnen-fur-die-umwelt ). Es ist vollkommen offensichtlich, dass günstige Altmietverträge eine solche Tendenz eher befeuern und ihr ganz sicher nicht entgegenwirken. Simple ökonomische Logik besagt das.

Gleichzeitig ist auch in deutschen Großstädten in den letzten 10-15 Jahren der durchschnittliche Mietpreis im Bestand enorm gestiegen: in Berlin z.B. um 112 Prozent ( Mieten steigen ortsweise um 100 Prozent, Kaufpreise um 200 Prozent | Tagesspiegel ) und damit vergleichbar hoch wie die von dir genannten Zahlen für London und weit mehr als in New York. Dass sich eine im Schnitt enorme Bestandsmietsteigerung und gleichzeitig das Vorhandensein extrem günstiger Altmietverträge nicht widersprechen, ist daran gut abzulesen, was nochmal unterstreicht, dass deine Zahlen meiner Kausalkette in keiner Form widersprechen. Und auch das ist logisch: der Durchschnitt ist nun mal ein Durchschnitt und sagt nichts über die Varianz aus.

Zumal das Thema der mangelnden Verfügbarkeit großer Wohnungen aufgrund Belegung durch Altmieter nur ein Aspekt war, den ich genannt habe. Dass extrem günstige Mieten gerade bei alten Immobilien wenig Spielraum für Instandhaltung und Modernisierung lassen und finanziell nur durch Verzehr der Immobiliensubstanz haltbar sind, während wir gesamtgesellschaftlich in einer wichtigen Transformation des Wohnbereichs hin zu effizienterer Energienutzung stecken, für welche viel Geld in die Modernisierung des Immobilienbestands, insbesondere des schon etwas in die Jahre gekommenen Teils, gesteckt werden muss, ist auch ein Fakt, der logisch zwingend ist und den du hoffentlich als solchen nicht anzweifelst. Hier ergibt sich daher dieselbe Zwickmühle wie bei dem Ruf nach Neubau ohne Grenzen: aus rein ökologischer Sicht schon brauchen wir auch eine höhere Effizienz im Bestand, sowohl in der Flächennutzung als auch in der Energienutzung zur Beheizung dieser Fläche. Und die bekommen wir nicht, wenn wir es gutheißen und als “gesellschaftlich wünschenswert” deklarieren, dass einzelne Menschen finanziell dazu incentiviert werden, als Einzelperson eine Vier-Zimmer-Wohnung weiterhin zu bewohnen und lieber 80km zur Arbeit zu pendeln, statt umzuziehen.

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Es gibt einen Fehler in deiner „Kausalkette“. Nämlich die Eigenheimbesitzer. Die könnten ihre Häuser verkaufen und etwas kleineres kaufen und würden Gewinn machen. Das tun sie aber nicht. Der Grund: keiner zieht gerne um. Je länger man in einer Wohnung lebt, desto mehr sammelt sich an, das Zeug braucht Platz. Die Wohnung hat man seinen Bedürfnissen entsprechend im Laufe der Jahre gestaltet. Zieht man um, geht alles wieder von vorne los. Möbel passen nicht mehr, müssen entsorgt werden und neue müssen gekauft werden. In der alten Wohnung muss alles abmontiert und verputzt werden. In der neuen ist man eine Woche nur mit Bohren beschäftigt bis alles wieder an seinem Platz ist. Das schleppen der Möbel (Waschmaschine) nicht vergessen. Nun reden wir in deinem Fall nicht von jungen Leuten, sondern von 60+. Da können das die meisten auch nicht mehr selbst. Sie müssen also jemand dafür bezahlen. Da sind wir schnell in der Größenordnung von kleineren fünfstelligen Beträgen.

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