Infektionsrisiko im Freien, gefährliche Verkürzungen nach dem offenen Brief der Aerosolforscher

Nach dem offenen Brief der Aerosolforscher macht sich ein Narrativ breit, das mir gefährlich erscheint. Die Forscher werden in Medien, sozialen Medien und Diskussionen verkürzt wiedergegeben, dass man sich nur in Innenräumen anstecken könne.

Ich halte die Verkürzung für gefährlich, weil sich so viele Menschen draußen in falscher Sicherheit wiegen und sich nicht schützen: Menschenansammlungen meiden, Abstand halten, wo nicht möglich: Maske tragen. Ich habe daher einen neuen Thread hierzu aufgemacht.

Die Forscher verweisen in ihrem offenen Brief auf ein umfassendes Positionspapier der Forscher der Gesellschaft für Aerosolforschung vom Dezember über den Stand der Forschung. Dort findet man schon in der Zusammenfassung auch folgende Position

Im Freien finden so gut wie keine Infektionen durch Aerosolparti- kel statt. Allerdings können Tröpfcheninfektionen auftreten, insbe- sondere in Menschenansammlungen, wenn Mindestabstände nicht eingehalten und/oder keine Masken getragen werden.

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Da gebe ich dir Recht. Ich finde allerdings, diese falsche Interpretation wird dadurch begünstigt, dass die Bundesregierung diese Ausführungen komplett ignoriert. So läuft der Diskurs relativ unkontrolliert in verschiedenen Medien und dabei kommt dann so ein Unsinn raus. Hätte man als Regierung wieder mal wissenschaftsbasiert gehandelt, hätte man nach dieser Studie sofort medial und an der (ich finde immernoch unnötigen) Bundesnotbremse basteln müssen. So hätte man diese Aussagen verständlich einordnen können.

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Ich weiß auch nicht, ob das so ungefährlich ist im Freien. Ein Analogon sind für mich Raucher, auch wenn Rauch kein Aerosol ist, aber die Ausbreitung sollte doch ähnlich sein. Wenn ich an Rauchern vorbeilaufe kommt es immer wieder vor, dass ich überraschenderweise eine Ladung Rauch abbekomme und das obwohl ich versuche dem zu entgehen. Selbst über Entfernungen von 5, 10 oder sogar 20m kommt da oft so viel an, dass ich mir denke: „Wenn der jetzt Corona hat und Superspreader ist, hab ich das dann jetzt abgekriegt?“.

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Für mich ist das ein echtes Aufregerthema, dass dieses Thema so vollständig von der Politik ignoriert wird. Meiner Ansicht nach, da es ihnen nicht in den Kram passt, weil Arbeiten, Schule, ÖPNV, Fliegen, … dann auch angefasst werden muss. In Innenräumen steigt die Ansrecjungsgefahr, so die Forscher, exponentiell mit der Aufenhaltsdauer und noch mal exponentiell mit der Anzahl der Personen im Raum. Trennwände haben keinen Effekt. Das will die Plitik wohl nicht sehen, da die Konsequenzen mit Hygienekonzepten alleine nicht mehr Abwendbar sind.

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Der vergleich passt ganz gut, wie ich finde. Genauso mit Parfüm. Sobald man es riecht, „droht“ eine aerosolinfektion.

Der vorbeilaufende Jogger im Park dürfte so ungefähr das Szenario sein, nach dem Aerosolforschende am häufigsten gefragt werden. Die Antwort war in den Interviews die ich gelesen habe, immer dieselbe . seit Monaten: Es ist nur ein kurzer Moment und deshalb ist es egal. Wenn Du 5 Minuten in dem Rauch/im Atem des Joggers stehen bleibst, sieht es vermutlich schon anders aus, aber darum geht es ja gerade nicht.
Sprich: nirgendwo ist es so einfach, Abstand zu halten, wie draußen. Und draußen spielen Aerosole ohne längere körperliche Nähe einfach keine Rolle. Punkt.
Ich finde es immer schrecklich zu sehen wenn Leute mit FFP2-Maske die Straßenseite wechseln, nur weil ihnen jemand entgegen kommt. Was müssen die für Angst haben?

Ja, draußen ist es auf jeden Fall einfach, Abstand zu halten. Mit FFP2-Maske habe ich auch kein Problem. Ohne wechsel ich durchaus mal die Straßenseite. Hintergrund ist, dass ich aus meiner praktischen Erfahrung nicht so sehen, dass im Freien Aerosole keine Rolle spielen. Damit will ich den Forschern nicht widersprechen. Ich gehe davon aus, dass sich Aerosole durch den warmen Atem nach oben wegbewegen. Zudem ist im Freien so viel Luft da, dass sich die Aerosole sehr schnell verdünnen können und relativ bald die Konzentration zu gering für eine Ansteckung ist. Dementsprechend haben die Forscher natürlich Recht.
Aber was mir bei Rauchern auffällt, ist dass es im Freien durchaus häufiger der Fall ist, dass etwas Wind weht und wenn das der Fall ist, sind die Bedingungen so, dass sie erstens extrem schwer von Forschern nachvollzogen werden können und zweitens der Rauch bei mir durchaus auch als Schwall ankommt. Heißt jemand atmet aus und diese Ladung bleibt, ähnlich wie eine Riesenseifenblase, zusammen und fliegt auf einen zu.
Ja das ist selten, aber das habe ich mehrfach beobachtet und gibt mir persönlich schon etwas zu denken. Völlig unabhängig davon, ist draußen natürlich immer noch um Längen besser, als drinnen. Das sind schon besondere Verhältnisse, die ich oben beschrieben habe und die treten nicht jeden Tag auf.

Stimmt natürlich, Aerosole spielen auch draußen eine Rolle. Aber eine Infektion mit Sars-Cov2 durch Aeosole im Freien ist nahezu ausgeschlossen - so zumindest die Aussage der Fachleute. Wer da trotzdem Masken tragen oder die Straßenseite wechseln will - bitteschön. Ich persönlich würde mir da über Feinstaub- und andere Partikel in Aerosolen sehr viel mehr Gedanken machen…

Ich schätze Herrn Lauterbach sehr, aber bei diesem Thread/Video verlässt er sein eigenes Fachgebiet viel zu stark, um solche Aussagen zu tätigen. Als Epidemiologe mit Aersolforschern über die Physik von Aersolen zu diskutieren steht im nicht gut. Hier wäre ein bisschen mehr Demut gegenüber der anderen Wissenschaftsdisziplin angebracht.

Um es in der Klassifizierung von mailab zu halten: Beim wissenschaftlichen „What?“ werden wohl alle Parteien (Aersolforscher & Epidemiologen) sagen, dass Ansteckungen und insbesondere Superspreading-Ereignisse draußen deutlich seltener (0.1%, 1% oder meinetwegen auch 10%) vorkommen. Lediglich beim „So what?“ unterscheiden sich die Meinungen signifikant.

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Ich meinte mit „Fachleute“ konkret Menschen, die wissenschaftliche Studien zu dem Thema verfassen, nicht welche, die sie lesen. Der Disput zwischen Lauterbach und diversen Aerosolfroschenden über diese Frage ist ja hinlänglich bekannt und ich glaube es macht wenig Sinn, wenn wir ihn hier reproduzieren.

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Steht es Aerosolforschern besser über Ansteckung, also Medizin zu sprechen??? Ja, Lauterbach ist kein Aerosolforscher, aber er sollte eher einschätzen können, wann sich jemand anstecken kann und wann nicht. Wenn ich mir das Video zudem ansehe, kann ich dort die Bewegung der Aerosole sehen und ich sehe, dass die Menschen da im „Nebel“ des anderen stehen. Dass damit eine Ansteckungsgefahr einhergeht, ist offensichtlich, denn die Frage nach den Aerosolen stellt sich da nicht mehr. Wäre lediglich die Frage, ob das reicht, das ist aber eine Frage der Zeit.

Ich habe mir auch die Stellnungnahme der Aerosolforscher angesehen. Wissenschaftlich ist die nicht: „Dabei lassen sich durch die kluge Koordinierung von Maßnahmen die Übertragungen effektiv reduzieren. Diese sindauch ohne eine naturwissenschaftliche Ausbildung nachvollziehbar: Es sind unsere goldenen Regeln zur Infektionsvermeidung.“
Anders gesagt, die „Forscher“ berufen sich in dem Schreiben gar nicht auf ihre Forschung, sondern auf Allgemeinverständnis. Das finde ich eigentlich ziemlich erschreckend. Da erwarte ich zumindest ein paar faktenbasierte Argumente aus der Aerosolforschung im Nachgang. Die fehlen jedoch.

Genau das macht dies Stellungnahme so gefährlich. Sie ist im Grund richtig (Draußen ist die Gefahr kleiner als Drinnen). Und genau das ist die Gefahr, die @TRq angesprochen hat:

Hier ist ein Text, der die Situation aus meiner Sicht wesentlich besser beschreibt, als die Stellungnahme der Forscher:

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Das ist in see Tat ein ganz toller Artikel

Wenn es darum geht, wie ein Aerosol-Teilchen von Person A zu Person B kommt, ja. Alles weitere sicherlich nicht. Aber darum ging es mir auch nicht. Herr Lauterbach hat sich durch dieses Video in meinen Augen total unnötig in ein fachfremdes Wissenschaftsgebiet (Physik der Aerosolübertragung) begeben, da das Video viele Angriffspunkte hat (z.B. schnelle Verflüchtigung der Partikel; in solch einer Gruppe wird statistisch maximal eine Person ansteckend sein, etc). Die Komplexität der Aerosolübertragung ist mit Sicherheit größer als das Video darstellt.

Das habe ich weder gesagt noch gemeint. Mithilfe der Epidemiologie lässt sich die Ansteckungsgefahr im Freien gut und hinreichend beantworten. Daher ist mein alleiniger Kritikpunkt auch nur, dass er als Epidemiologe die Aerosol-Physik in seine Argumentation ohne Bezug auf Studien mit einbaut. Alleinig der Verweis auf potentielle Tröpfchenübertragung hätte doch schon absolut gereicht (wie im Spektrum-Artikel beschrieben), um klarzustellen, dass man Ansteckungen im Freien nicht unterschätzen darf (das steht aber auch im Positionspapier der Aerosolforscher).

Wie oben schon beschrieben, sind sich glaube ich alle darüber einig, dass draußen die Gefahr geringer (nicht mehr und nicht weniger) ist als drinnen. Die Frage darüber, wie viel geringer, ist dabei mE absolut irrelevant dafür, welche Schlussfolgerung man daraus zieht bzw. welche Forderungen man aufstellt. Die Aerosolforscher fordern, dass es aufgrund der unterschiedllichen Gefährdungslage für die Pandemiebekämpfung besser wäre, möglichst viele Indoor-Treffen nach draußen zu verlagern (Stichwort: Compliance). Herr Lauterbach folgert eher, dass durch solche Ansätze eher mehr als weniger Treffen entstehen und insgesamt der R-Wert dadurch gesteigert wird (z.B Outdoor-Treffen enden indoor). Beide Fronten haben aber ein Ziel: Ansteckungen zu verringern.

Um positiv abzuschließen: Die Forderung der Aerosolforscher

In den Wohnungen, in den Büros, in den Klassenräumen, in Wohnanlagen und in Betreuungseinrichtungen müssen Maßnahmen ergriffen werden.

können wohl alle unterschreiben :wink: