Ich würde für Deutschland in den Krieg ziehen, wenn Überreiche Steuern zahlen

Kann ich nachvollziehen, ironischerweise sind das aber gerade nicht die Leute, die sich damit rühmen, „sich verpissen“ zu wollen, wenn es hart auf hart kommt. Und das scheint für fast jede Gesellschaft zu gelten: Es sind z.B. die russischen Eliten, die nicht in den Krieg ziehen, aber dafür wird in den unterentwickelten, ländlichen Gebieten so viel mehr rekrutiert als dort, wo die Eliten leben. Auch in den USA sind es Leute wie Trump, die nicht in den Vietnam-Krieg gezogen sind oder Leute wie Bush Jr., die sich mit Connections zur Nationalgarde haben versetzen lassen, damit sie nicht tatsächlich in den Krieg müssen. Und es waren die Kinder aus wohlhabenden Familien, die sich nach Kanada abgesetzt haben, während die PoC massenweise bereit waren, in diesen sehr fragwürdigen Krieg zu ziehen (in der Hoffnung, dass sie dadurch in eine bessere Position kommen).

Auch in den Lage-Interviews waren diejeingen, die dort eloquent vorgetragen haben, sich verpissen zu wollen, aller Voraussicht nach nicht diejenigen, die tatsächlich in den Brennpunkt-Vierteln leben.

Also ich bin ganz bei dir, dass der moralische Anspruch gegen die „Verlierer des aktuellen Gesellschaftssystems“ deutlich geringer ist als gegen die „Profiteure des aktuellen Gesellschaftssystems“. Ich sehe nur, dass es vor allem die Profiteure sind, die ihre Verweigerung der Solidarität unter dem Vorwand der sozialen Ungerechtigkeit rechtfertigen.

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Ich bin selbst ehrenamtlich tätig und frage mich umgekehrt, ob eine Regierung, die von uns fordert, mehr zu arbeiten, länger zu arbeiten und im Ernstfall für sie zu sterben, es vermag, zumindest punktuell etwas gegen die wachsende Vermögensungleichheit zu tun.

So sehr ich ehrenamtliche Arbeit schätze und für wichtig erachte, möchte ich nicht, dass die Regierung von mir erwartet, auch noch unbezahlt zu arbeiten, damit bspw. alle satt werden (m.E. das mindeste was ich von einer Regierung erwarte), während sich Vermögende exklusive Essen mit Minister:innen kaufen können.

Edit:

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Das war nicht die Frage. Es ist aber legitim, dass der, der sagt, was das Land für ihn tun soll und was er auf keinen Fall bereit ist, für sein Land zu tun, auch gefragt wird, was er denn bereit wäre, seinerseits für sein Land zu tun. Vor allem, wenn er damit Weichen stellen könnte, damit sein Land das für ihn tut, was er möchte, dass sein Land für ihn tut.
Und falls das für die Diskussion wichtig ist: ja, ich engagiere mich auch ehrenamtlich. Falls wichtig, kann ich auch noch die durchschnittlichen Wochenstunden nachreichen.

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Gute Rede. Solidarität als Schlüsselbegriff hier! Dazu kommt noch, dass reiche Menschen im Krieg sicher deutlich weniger Risiken ausgesetzt sind, sowohl was Leben und Gesundheit als auch was Besitz angeht. Im Gegenteil hat man ja auch schon von Fällen gehört, wo Überreiche von Kriegen exorbitant profitiert haben.

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Die Armutsquoten in Deutschland stagnieren in den letzten Jahren (sind also nicht signifikant schlechter geworden), gleichzeitig ist die Kaufkraft in Deutschland höher als in Polen, schon unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Preisniveaus. Außerdem ist der Anteil an Personen mit weniger als 8,30 international-$ pro Tag Einkommen (Maß für Armut in Industrieländern, bereits inflations- und kaufkraftbereinigt) in Polen circa doppelt so hoch wie in Deutschland.. Aufgrund der sehr starken wirtschaftlichen Entwicklung Polens vergrößert sich der Unterschied, je weiter man in der Zeit zurückgeht, war also vor 40 Jahren nochmal deutlich größer. Unter dieser vergleichbaren Armutsmetrik ist die Situation in beiden Ländern heute besser als vor 40 Jahren.

Ich habe den Teilsatz „entgegen jeder Statistik herausgenommen“, da man die Zahlen sicherlich auch anders interpretieren kann. Es fällt mir aber weiterhin schwer zu glauben, dass weder die wirtschaftliche Entwicklung der letzten 40 Jahre noch die früher wie heute höhere Kaufkraft in Deutschland noch die besseren statistischen Kennzahlen Auswirkungen auf dieses Viertel haben. Es geht mir nicht darum, die Armut dieser Menschen zu leugnen. Ich halte den Vergleich nur einfach für schief.

Es ist meiner Meinung nach nicht zielführend, politische Diskussionen an individuellen Anekdoten festzumachen, aus denen dann allgemeingültige Folgerungen abgeleitet werden.

Ja, es gibt in Deutschland zu viel Armut, Chancenungleichheit und Perspektivlosigkeit. Den Vergleich zu Polen braucht es dafür gar nicht.

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Ich halte Deutschland nicht für ein schlechtes Land und würde es verteidigen, weil mir die freiheitlich-demokratischen Werte wichtig sind.
Aber es ist ungerecht und beschämend, wenn von normalen Menschen Solidarität bis ins Existenzielle verlangt wird, während Rentner hohe Abgaben zahlen und selbst minimale Steuern auf Milliardenerbschaften als „undemokratisch“ gelten – das widerspricht christlichen wie demokratischen Grundwerten.

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Corona hat hier sehr gut abgezeichnet wie ungerecht sich eine Kriese auswirken kann.
Gleiche Regeln, komplett unterschiedliche Lebensrealitäten. Wer kleine Wohnung, keinen Garten, keinen Homeoffice-Job hatte, war massiv eingeschränkt. Wer Platz, Sicherheit und Rücklagen hatte, kam vergleichsweise easy durch.

Parallel dazu: Die Reichen wurden reicher.
Während unten Einkommen weggebrochen sind, sind oben Aktien und Immobilien explodiert. Die oberen 10 % haben ihr Vermögen während Corona deutlich gesteigert, die restlichen 90 % kaum oder gar nicht.

Das ist kein Zufall, sondern politisch gerahmt:
Lockdowns treffen Alltag und Arbeit, Geldpolitik und Marktstützung pushen Vermögenswerte. Ergebnis: Belastung nach unten, Wachstum nach oben.

Gleiche Krise. Zwei Klassen.

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Noch ein Aspekt zur Motivation aus Solidarität und “um unsere Kultur und Werte zu verteidigen” Soldat zu werden: Unsere aktuellen Werte und unsere Kultur spiegelt sich auch darin, wie die demokratisch gewählte politische Führung und die von ihr gesteuerte Verwaltung mit Veteranen umgehen, die physisch und psychisch verletzt aus Einsätzen zurück kommen, in denen unsere Freiheit (am Hindukusch, haha) verteidigt wurde. Spoiler: Empörend erbärmlich. Podcast-Tipp: [Killed in Action - Trauma Bundeswehr](Streitkräfte und Strategien · Killed in Action - Trauma Bundeswehr (1/5) · Podcast in der ARD Audiothek)

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Als A-Tabellen alimentierter Soldat kann ich jede Skepsis nachvollziehen. Mich persönlich betrifft die Diskussion um die amtsangemessene Alimentation oder der Wohnortzuschlag nicht. Das wie sich darum seit Jahren gekümmert wird allerdings schon. Es ist für mich nicht der Abgesang der Demokratie, weil Exekutive Judikative (noch) nicht folgt, aber ein weiteres Puzzlestück für eine Regierungsohnmacht. Kreativität mit Problemen umzugehen oder der Versuch 80% Lösungen anzustreben scheinen keine Option.

Das dann Wehrpflichte nahezu sofort die gleichen Bezüge bekommen wie länger gediente Mannschaften ist ein weiterer Stich. Damit will ich nicht kritisieren das die Wehrpflichtigen das nicht bekommen sollen, sondern das die länger gedienten Mannschaften für ihre freie und längere Verpflichtung einen merkbaren unterschied bekommen sollten, leisten diese doch das was man in der Physik unter Arbeit versteht.

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Aber nur weil unsere östlichen Nachbarn keine so verlogenen Ich ich Ich Debatten führen sondern ihr Leben im Kampf um ihr Land, korrupt wie es auch sein mag, riskieren und opfern.

Putin hält den Westen für weich und schwach, und jedesmal wenn dieses Thema hochkommt muss ich ihm leider zustimmen.

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Ich würde für Deutschland in den Krieg ziehen, wenn Überreiche Steuern zahlen

Glaub ich nicht. Wenn dieser Antrag der Linken angenommen worden wäre würdest du du eine andere Ungerechtigkeit als Begründung anführen, und das Spiel würde nie enden.

Wer so argumentiert sieht halt nur was in seinen Augen jetzt gerade schlecht ist, und verschwendet keinen Gedanken daran was gut ist, und macht sich keine Vorstellung davon wie viel schlechter es ganz realistisch werden kann.

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Inwiefern?

Also warum soll der Wehrpflichtige, der als „niedrigster Dienstgrad“ (also Schütze, Funker, Kanonier, Matrose, Jäger…) anfängt, weniger bekommen, als der Zeitsoldat, der als „niedrigster Dienstgrad“ anfängt? Der SaZ wird recht schnell Obergefreiter und damit mehr verdienen, als der Wehrpflichtige (der erst zum Dienstzeitende Obergefreiter wird) - aber in den ersten 3 Monaten macht der SaZ Mannschaftsdienstgrad die gleiche Grundausbildung wie der Wehrpflichtige, mit welchem Argument sollte man ihn besser bezahlen? Er ist genau so „in der Ausbildung“ wie der Wehrpflichtige. Auch die 6 Monate danach macht der SaZ Mannschaftler seine militärische Fachausbildung, wie auch der Wehrpflichtige (zumindest auf dem Papier…). Der SaZ wird dann eben Ober/Haupt/Stabs/Oberstabsgefreiter und verdient danach auch entsprechend mehr, je länger er dabei bleibt. Also ich sehe da wirklich nicht, warum der SaZ Mannschaften besser bezahlt werden sollte als der Wehrpflichtige des gleichen Dienstgrades.

Dass die Bezahlung der unteren Dienstgrade generell erhöht werden sollte, darüber brauchen wir nicht streiten. Wenn für Soldaten im Ausbildungsstadium ein besonders niedriger Tarif eingeführt würde (ähnlich wie das Referendariats-Gehalt bei Lehrern und Juristen…) würde das wohl nicht nur Wehrdienstleistende betreffen, sondern auch SaZ, möglicherweise sogar jene in Ausbildung (Unteroffiziere) oder Studium (Offiziere). Das würde die Bundeswehr noch mal deutlich unattraktiver machen. Also sollten wir das lassen und akzeptieren, dass Wehrdienstleistende das gleiche verdienen wie SaZ des gleichen Dienstgrades. Da sehe ich gar keine Ungerechtigkeit gegenüber länger dienenden SaZ.

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Ich bin dankbar für mein privilegiertes komfortables Leben. Dankbar für meine Ausbildung. Dankbar hier frei kommunizieren zu können… meistens auch für die kleinen Dinge wenn ich daran denke^^
**@redballoon ich finde du hast effektive Argumente. Leider weiß ich nicht wie ich darauf eingehen soll. **
Vllt. In dubito pro reo ?
Die Abstimmung zeigt eine Möglichkeit für mehr Wohlstand für alle gegen mehr Rendite für wenige: Wenn fast alle Parteien selbst minimale Besteuerung extremer Erbschaften ablehnen, dann vertreten sie offensichtlich die Interessen einer sehr kleinen 1% exklusiven Gruppe von sehr privaten Menschen.
„Leichter geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.“

– M 10,25

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Mein Ansinnen ist es jene, die sich nicht erst durch eine Pflicht überzeugen lassen mussten, zu honorieren. Natürlich kann man das auch umdrehen und das Gefühl erzeugen, dass man damit doppelt Bestraft wird, aber der Soldatenberuf ist eine herausgestellte Berufsgruppe (Einschränkungen der Grundrechte etc.etc.) und wer sich aus freien Stücken und länger als die Wehrpflicht verpflichtet darf das auch Monetär von Beginn an merken. - Denke ich. Vergleichbar dazu gibt es ja aktuell auch Verpflichtungsprämien.

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Du nennst doch selbst eine passgenaue Lösung für das, was du dir wünscht. Gleicher Lohn für gleiche Dienstgrade zusätzlich Sonderzahlubg bei Verpflichtung, ggf. Verteilt über die Dienstzeit. Warum sollte unterschiedlicher Sold noch dazu kommen? Verstehe ich bisher noch nicht.

Welche “Nachbarn” meinst du? Derzeit kämpft nur die Ukraine gegen Russland und die sind nicht mal unser Nachbar.

Und solltest du annehmen, dass uns Russland konventionell angreifen würde, wenn es den Krieg in der Ukraine gewonnen hat, halte ich das im besten Fall für Panikmache.

Russland greift uns bereits seit Jahren an mit hybrider Kriegsführung, Sabotage und Attentaten. Wir sind bereits im Krieg. Und wenn die Ukraine fällt wird es bald das Baltikum und Polen ins Visier nehmen. Diese müssen wir auf Grund NATO und EU verteidigen. Die EU ist unsere Grenze, nicht die deutsche.

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Mea Culpa Titel ist irreführend. Deine Ausführungen beziehen sich auf die Überschrift ?

Hier wird unangefochten behauptet, man gehe (sinngemäß) nicht für die aktuelle Regierungskoalition sondern für die freiheitlich demokratisch Kultur und/oder für ein System in dem man eine schlechte Regierung abwählen könne in den Krieg. Oder lässt sich zumindest für den Krieg ausbilden um potentiell das eigene Leben für eben jene Dinge zu geben.

1.) Wahlberechtigt sind auf Bundesebene nur rund 70% der Bevölkerung. Von dem sich seit Jahrzehnten verschärfenden Trend Reichen noch mehr Geld und gesellschaftliche Gestaltungsmacht zu geben, während man Arme sanktioniert und als Feindbild kultiviert sind 100% der Bevölkerung betroffen.

2025 haben etwa 50 Millionen Menschen gewählt. Die über 18-jährigen ohne deutschen Pass hätten bis zu ~17 Prozentpunkte des Bundestags besetzen, wobei der Wert der Einzelstimmen auf ~83% gesunken wären. Soll heißen, die CDU hätte ~18,8%, die AfD ~17,3%.

Das selbe könnte man mit den Menschen die aufgrund ihres Alters nicht wählen dürfen durchrechnen.

Will sagen: unsere Gesellschaft (und damit unsere Kultur) wird schon auf grundlegendster Ebene im Bundestag nicht abgebildet.

2.) Angenommen der Bundestag wäre repräsentativ für die deutsche Bevölkerung, wie viele Dekaden von Wahlergebnissen zugunsten rechter/konservativer/neoliberaler/unsolidarischer Positionen braucht es, bis davon ausgehen muss, dass es eben genau das ist, was wir hier als “freiheitlich demokratische Werte” vorschützen, für deren Verteidigung wir unsere Kinder in den Krieg schicken wollen würden.

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PS: Außerdem Stelle ich mir die Frage ob der Zivilbevölkerung nicht mehr geholfen wäre, wenn junge Menschen, anstatt irgendwo an der Front zu stehen/sterben, nicht lieber heimische Guerilla Zellen bilden und immer dort gegen die Besatzer operieren sollten, wo sich Gelegenheiten bilden. Panzer und Raketen helfen den Besatzern wenig, um 80 Millionen Zivilisten in Schach zu halten, unabhängig davon wie potentiell Verteidigungsfähig die einzelnen Zivilisten sind.

Das funktioniert nur, wenn ein Besatzer moralische Grenzen akzepziert. Ein Beispiel unter unzähligen weiteren: Die Wehrmacht/SS hat einfach ganze Dörfer in Belarus, Polen, Serbien ausgelöscht, wenn Guerilla-Aktivitäten sichtbar wurden. 100 tote Zivilisten für einen toten Soldaten wurde in Kauf genommen.
Die Russen haben in Tschetschenien auch gewütet und Grosny einfach zerstört.
Erfolgreich war dagegen Algerien gegen Frankreich, weil Frankreich moralische Grenzen eingehalten hat. Ich denke aber nicht, dass es Franzosen sein werden, die potenziell gegen Deutschland Krieg führen würden.

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