Hitze- und Klimaschutz als Wirtschaftsfaktor - viele Milliarden stehen auf dem Spiel

Zur Landwirtschaft:

Wie groß der Einfluss des Klimawandels auf die europäischen Dürren genau ist, untersuchte nun die internationale Forschungsgruppe World Weather Attribution (WWA). In Computersimulationen verglich sie – vereinfacht gesagt – das heutige Klima bei einer globalen Erwärmung von rund 1,4 Grad mit den klimatischen Bedingungen der vorindustriellen Zeit. Anschließend wurde ermittelt, wie viel häufiger eine Dürre im heutigen Klima auftritt.

Es zeigte sich, dass zwar der Niederschlagsmangel über Westeuropa nicht eindeutig auf den Klimawandel zurückzuführen ist, dass die extreme Hitze aber die Verdunstung stark beschleunigt. Sogar so sehr, dass solche Bedingungen über Westeuropa heute etwa 80-mal wahrscheinlicher sind. Über Osteuropa ist die hitzebedingte Verdunstung etwa 40-mal wahrscheinlicher geworden.

„Das Klima in Europa verändert sich schnell. Obwohl die Niederschlagsmuster gemischt bleiben, zeigen unsere Ergebnisse, dass extreme Hitze zur Hauptursache für Dürre auf unserem Kontinent wird“, sagte Sarah Kew, Hauptautorin der Untersuchung und Klimawissenschaftlerin beim niederländischen Wetterdienst.

Um Auswirkungen auf landwirtschaftliche und ökologische Dürre zu quantifizieren, analysierten die Wissenschaftler:innen darüber hinaus für zwölf europäische Länder die langfristigen Trends bei Niederschlägen und Bodenfeuchte. Zudem ermittelten sie die sogenannte potenzielle Evapotranspiration für die Länder – ein Maß für die Fähigkeit der Atmosphäre, Feuchtigkeit zu verdunsten.

Auch hier zeigte sich: Niederschlagsdefizite wie in diesem Jahr haben in früherer Zeit weniger schwere Dürren verursacht. Erst durch die zusätzliche Sommerhitze wird dem Boden schnell Feuchtigkeit entzogen.

„Das ist menschengemacht: Mit steigenden Temperaturen nimmt der ‚Durst‘ der Atmosphäre schnell zu und entzieht Flüssen, Seen, Speichern und Böden Feuchtigkeit“, erläuterte Mitautor Dominik Schumacher von der ETH Zürich. „Das verändert grundlegend, wie Dürren in Europa entstehen – immer weniger durch fehlenden Regen und immer mehr durch wärmere Luft, die verhindert, dass Wasser im Boden bleibt.“

Auf diese Weise ist eine landwirtschaftliche Bodendürre in Westeuropa durch den Klimawandel etwa fünfmal wahrscheinlicher geworden. In Osteuropa, wo trockene Bedingungen seit sechs Monaten anhalten, ist Bodendürre heute rund elfmal wahrscheinlicher.

Studien-Mitautorin Mariam Zachariah vom Imperial College London: „Besonders alarmierend ist, dass diese Bedingungen bereits bei 1,4 Grad Erwärmung auftreten. Wenn die globalen Emissionen die Temperaturen wie prognostiziert auf 2,8 Grad steigen lassen, könnten sich diese intensiven Verdunstungsbedingungen in ihrer Häufigkeit verdoppeln – und solche Dürren zur Regel werden.“

Die Folgen wären Ernteausfälle, niedrige Flusspegel und Belastungen im Energiesektor. Das wiederum könnte die Preise für lebenswichtige Güter erhöhen und Haushalte mit geringen Einkommen besonders belasten.

„Diese Krise trifft nicht nur Landwirte, sie wirkt sich auf die verletzlichsten Bevölkerungsgruppen aus“, kommentierte die Politikwissenschaftlerin Merel Laauwen von der Universität Wageningen, die nicht an der Studie beteiligt war. „Und obwohl die Wissenschaft zeigt, dass Dürren künftig häufiger und intensiver werden, sind Dürremanagementpläne in der EU nicht verpflichtend und die Vorsorge in den europäischen Ländern ist uneinheitlich.“

https://klimareporter.de/erdsystem/extreme-hitze-warum-europas-duerren-heute-anders-entstehen

Die öffentlich-rechtlichen Hauptprogramme berichten immer weniger über die Klimakrise:

Wie deutlich dieser Rückgang inzwischen ist, zeigt eine aktuelle Untersuchung der Initiative Klima° vor acht. Demnach ist der Anteil der Sendeminuten zur Klimaberichterstattung in den Hauptprogrammen von ARD und ZDF auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung vor fünf Jahren gefallen. Während 2023 noch rund zwei Prozent der gesamten Sendezeit auf Klimathemen entfielen, liegt der Anteil inzwischen bei unter einem Prozent. Im Ersten sank er auf 0,8 Prozent, im ZDF auf 0,7 Prozent vom Gesamtprogramm.

Die Klimaberichterstattung hat sich damit seit 2023 mehr als halbiert. Selbst die außergewöhnlichen Hitzewellen im Mai und Juni dieses Jahres führten laut der Untersuchung nicht zu einem Anstieg der Berichterstattung. Aufmerksamkeit entstand vielmehr durch politische Konflikte wie den Streit um das Heizungsgesetz.

Auch das Grimme-Institut kritisierte in diesem Jahr bei der Nominierung zu ihren Fernsehpreisen, dass Beiträge zu gesellschaftlich relevanten Themen wie dem Klima im Fernsehprogramm fehlten.

Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Studie in der Fachzeitschrift Nature Climate Change, dass Klimathemen überwiegend in Informationsformaten stattfinden und dort vor allem Menschen erreichen, die sich ohnehin für das Thema interessieren. Wer Nachrichten seltener verfolgt oder der Klimakrise skeptisch gegenübersteht, kommt mit entsprechenden Inhalten kaum in Berührung. Die Forschenden fordern deshalb, Klimathemen stärker auch in unterhaltenden Formaten zu verankern.

Wenn die Klimakrise in den Medien weniger Raum erhält, verringert sich die Möglichkeit, Ursachen, Folgen und Lösungswege öffentlich zu diskutieren. Und eine Gesellschaft kann auf Herausforderungen und Zusammenhänge, über die sie kaum informiert wird, nur schwer angemessen reagieren.

Wahrscheinlich haben wir diesen Chilling Effect auch dem Rechtsrutsch zu ‚verdanken‘.

Die Wirtschaft hat das nicht kommen sehen oder es war ihr egal.
Egal, welchen der Punkte man nimmt, entweder wir verstehen viel zu wenig davon, wie das Klima funktioniert oder unsere Wirtschaft bewertet Klimakosten als Allgemeinkoaten, die aus der persönlichen Bilanz herauszuhalten sind, derweil die Folgekosten gute Gewinne versprechen.
In beiden Fällen: wer glaubt da noch, dass Technologie uns retten wird?

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Das „Tragedy of the commons“-Problem, ganz besonders im Sinne des Sozialisierens der Kosten bei gleichzeitigem Privatisieren der Profite, stellt sich mit Blick auf die Klimakrise in zunehmender Schärfe.

Die Binnen’logik’ der Wirtschaft ist auf jeden Fall die kurz- bis mittelfristige Rendite.

Es gibt zwar auch Unternehmer:innen, die sich für mehr Klimaschutzmaßnahmen aussprechen und mithin engagieren, doch die werden einerseits systemisch und andererseits von Politiker:innen ausgebremst, die den Einflüsterungen der kaltblütigen Kapitalist:innen gewogen sind.

Deutlich wird das derzeit bei allen Aufweichungen des Klimaschutzes in Deutschland und der EU, die Unternehmen, die sich angestrengt haben, nun in den Rücken fallen.

Und dann gibt es natürlich noch die Apokalypse-Fans wie Musk und Co., die meinen, es gäbe ja viel zu viel ‚lebensunwertes Leben‘ von Otto-Normal-Cretins, was eine Klimakrise dann eliminieren könnte, während man sich selbst durch ein Haus im neuseeländischen Hochland und einen Zweitwohnsitz auf dem Mars freikauft.

Achtet mal auf die Fragen, die der BR-Moderator am Anfang stellt:

Der Umgang mit der Klimakrise ist auch ein Medienversagen.

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Denke das ist ein Punkt. Die Allgemeinheit zahlt ja im Notfall oft für die Kosten, die ich als Firma verursacht habe. Dann steigen die Staatsausgaben, kommunale Kassen sind leer. Und Neoliberale blamen den fetten Staat als Ungetüm. Viele Investitionen werden derweilen weiterhin wie immer getroffen, auch wenn das Asset in Zukunft evtl. gar nicht mehr einen Wert hat. Schnell noch Gewinne mitnehmen.

Investieren NEU DENKEN mit Silke Stremlau - NEU DENKEN - Podcast

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Interessant ist noch folgender Vortrag aus der Reihe „Der Klimawandel: Von ökologischen zu demokratischen Kipppunkten?“ des Forschungszentrums „Normative Orders“, in dem u.a. Alex Karp mit George Orwell verglichen und mit John Rawls kontrastiert wird:

Ebenfalls empfehlenswert:

Ein Gespräch über das Dilemma des Innovators und die Opfer der Disruption, über die ungesunde Verbindung von Industrie und Politik und warum auch Gewerkschaften um ihre Zukunft fürchten, über Shenzhen statt Wolfsburg, Zuliefererindustrien und Teslas Spaltmaße, über Petrostaaten, Batteriespeicher, Subventionen und die Achse des Öls, über das Ausmaß der “Heizhammer”-Kampagne, den Weitblick von Charles Koch und warum sich Verkaufszahlen von Konzernen wie BYD nicht durch millionenfache klimaaktivistische Erweckungen erklären lassen.

Die Finanzierungsbedarfe sind nicht gedeckt:

Aus dem Sondervermögen werden 100 Mrd. Euro an den Klima- und Transformationsfonds (KTF) zugeführt (Art. 143h Abs. 1 GG). Der Entwurf des Errichtungsgesetzes zum Sondervermögen 1 sieht die jährliche Zuführung in 10 Tranchen von jeweils 10 Mrd. Euro bis 2034 vor.

Der Vergleich der in verschiedenen Studien ermittelten Finanzbedarfe der öffentlichen Hand zeigt jedoch, dass das Sondervermögen für Klimaschutzinvestitionen allein nicht ausreichen wird, um die Finanzierungslücke zu decken. Denn die (zusätzlichen) Finanzbedarfe der öffentlichen Hand für klimaschutzbezogene Investitionen (inklusive öffentlicher Ausgaben für Anreize zu privaten Investitionen) sind voraussichtlich höher, wobei die Studien große Spannbreiten zeigen – von knapp 30 Mrd. Euro bis 90 Mrd. Euro pro Jahr, je nach gewählten Annahmen und einbezogenen Sektoren.

Wegen der mangelaften Finanzierung wird sogar eine Quarks-Redakteurin spöttisch:

Fritz Reusswig (PIK) erklärt im Interview, dass mehr Wählende der CDU/CSU mehr als weniger Klimaschhutz wollen. Die derzeitige Regierung schätze Dinge falsch ein und werde „fehlberaten“:

Auch ein zunehmend wichtiges Thema:

Trinkwasser bereitzustellen, hat seinen Preis. Deshalb sollten eigentlich alle in Deutschland, die Grundwasser nutzen, für die Aufbereitung zahlen. Dem ist aber nicht so. Wer profitiert bei der Trinkwasservergabe? Und wer verdient am Wasser?

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Zum Medienversagen noch ein Nachtrag:

In der Badischen Zeitung machte […] der deutsche Meteorologe Jörg Kachelmann seinem Unmut Luft. Ihn störe, „dass wir alle unter der Hitze stöhnen, aber der Zusammenhang mit dem Klimawandel kaum noch Thema ist. Und am Ende des Jahres zählen wir die Hitzetoten."

In Deutschland forderten mehr als 150 Institutionen einen größeren Fokus auf Hitzeschutz, in der Berichterstattung zum Hitzeaktionstag wurde die gleichzeitige Forderung nach Klimaschutzmaßnahmen allerdings nicht erwähnt.

ZDF-Meteorologe Özden Terli, der in seinen Moderationen seit Jahren den Zusammenhang zwischen Klimakrise und Hitzewellen erklärt, bezeichnet den Begriff Klima mittlerweile als „verbrannt“. Zwar gehe es um die Grundlage unserer Existenz, aber sobald man vom Klima spricht, drehen sich die Leute weg. Dennoch richtete er einen Appell an die Medien. Diese müssten durchgehend über das Klima berichten, auch abseits der aktuellen Hitzewelle, die das Zeug dazu habe, historisch zu werden. Das sei schließlich ihr Job.

(Klimafakten)

Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass es darauf ankommt, in der Kommunikation den Zusammenhang zwischen Wetterextremen und Klimawandel herzustellen.

Eine ganz gute Zusammenschau liefert noch der Physiker Mario Buchinger:

Allein die Hitzetage Ende Juni 2026 verursachten Schäden von rund sechs Milliarden Euro.

Das IfW warnt, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um bis zu 0,2 Prozent gedämpft werden könnte.

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Ich finde Medien und grade die öffentlich-rechtlichen sollten sich nicht davon beeindrucken lassen, dass ihr Publikum mitunter aus volljährigen Kindern besteht, die den Tatsachen nicht ins Auge blicken wollen. Grade jetzt ist es Aufgabe der öffentlich-rechtlichen, eben grade weil sie nicht quoten-abhängig sind, die unbeliebten Fakten immer wieder zu bringen. Ja, das ist alles sehr unangenehm und ich würde mich auch am liebsten einfach genervt wegdrehen. Da müssen wir jetzt aber durch, ob wir wollen oder nicht.

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https://klimareporter.de/europaeische-union/europas-feuerwetter-uebergewinne-der-oelmultis-recht-auf-reparatur

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