Hitze- und Klimaschutz als Wirtschaftsfaktor - viele Milliarden stehen auf dem Spiel

Ein bisschen Kontext kann man schon kommunizieren, z.B. (Quelle s.o.):

In seinem aktuellen Risikobericht weist das Weltwirtschaftsforum Extremwettereignisse als das größte Risiko binnen der kommenden zehn Jahre aus, gefolgt von Biodiversitätsverlust, kollabierenden Ökosystemen und kritischen Veränderungen der Erdsysteme wie etwa dem Meeresspiegelanstieg.

Klimarisiken werden demzufolge längerfristig als deutlich bedrohlicher eingeschätzt als etwa bewaffnete Konflikte oder geoökonomische Konfrontationen.

Und die politisch Mitverantwortlichen ducken sich weg:

Wie schätzt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Kosten durch den Klimawandel für die deutsche Wirtschaft ein? Ein Interview lehnte sie ab, aber ihr Ministerium schreibt Panorama, eigene Berechnungen dazu lägen nicht vor, diese wären aber auch mit einer Vielzahl von Unsicherheiten verbunden, außerdem sei das Bundesministerium für Klimaschutz für solche Klimafolgenabschätzungen zuständig.

Auch Klimaschutzminister Carsten Schneider (SPD) ermöglichte kein Interview. Sein Haus bestätigt jedoch, der Klimawandel verursache bereits heute erhebliche Kosten in Deutschland, man arbeite an einem nationalen Monitoringprogramm, das solche Schäden systematisch erfasse.

Das ist die Kapitulation vor der schwurblerischen Parallelgesellschaft (s.o.).

Kostenabschätzungen gibt es im Wirtschaftsministerium übrigens sehr wohl:

Und man kann sich auch auf wissenschaftliche Institute stützen, z.B.:

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Klingt wie „wir haben noch keine gesicherten Daten, da brauchen wir erstmal Jahre für’s Sammeln“, was schlicht falsch ist. So will man sich aus sämtlicher Verantwortung stehlen.

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Vielleicht meinte das Wirtschaftsministerium, dass die Kosten so schlecht abschätzbar seien, weil neuere Studien zeigen, dass bisherige Kostenschätzungen zu konservativ waren.

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Riesige Empfehlung für folgenden Podcast und das Surplus Magazin:

Es geht zu Anfang der Folge um die ökonomischen Folgen des Klimawandels, die bereits jetzt greifen, z.B. beim Thema Versicherbarkeit.

Im weiteren geht es um KI - auch ein Weiterhören empfehle ich.

Weshalb ich Surplus insgesamt empfehle: Ich habe mich krass gefreut, ein Wirtschaftsmagazin zu finden, dass nicht einfach im Vulgär-Rationalismus und ersten Semester BWL stecken geblieben ist. Es schreiben fitte, gut ausgebildete Leute, die Wissen wovon sie reden - aber unter Wirtschaft halt nicht nur Shareholder-Value verstehen.

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Eigentlich ist es vom Grundprinzip her ganz einfach:

Je schneller dieser Umstieg erfolgt, umso größer die Einsparungen.

Das haben mittlerweile massenweise Studien belegt.

Zu ähnlichen Ergebnissen gelangt eine kürzlich erschienene Studie der Denkfabrik New Economics Foundation. Nicht auf die Klimakrise zu reagieren, wäre demnach für die EU am teuersten, die öffentlichen Schulden würden aufgrund geringerer Produktivität und der Bewältigung von Extremereignissen explodieren. Früh in die Energiewende zu investieren, wäre zwar bis Mitte des Jahrhunderts mit etwas höheren Schulden verbunden als derzeit geplant. Ab dann spart Europa aber immer kräftiger.

Ein Grund dafür ist, dass das Geld nicht mehr in Richtung der Ölproduzenten fließt, es könnte in Europa und anderswo bleiben, wo die Energie verbraucht wird. Es wäre eine gewaltige Umverteilung zugunsten derer, die nicht auf Öl- und Gasvorkommen sitzen, also auch uns.

@Tinifee

Hier noch für alle, die kein Spotify haben:

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Welche Emissionssenkungsstrategien helfen am meisten?

„Klimaschutz wird allzu oft als Belastung dargestellt, obwohl er in Wirklichkeit die Lebensqualität der Menschen erhöhen kann“, sagt Studienleiter Arnulf Grübler vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien. Intelligente Strategien, die Technik mit der Änderung von Routinen verbinden, brächten zusätzliche Gewinne. Diese aber würden in Umweltdebatten meist unterschätzt.

Für die im Fachjournal „Communications Sustainability“ veröffentlichte Untersuchung verglich ein Team sechs Strategien in den Bereichen Gebäude, Verkehr und Industrie. Es stellte jeweils eine „angebotsorientierte“ und eine „nachfrageorientierte“ Variante gegenüber.

Sämtliche Strategien brachten insgesamt Vorteile. Auch der bloße Einsatz von Wärmepumpen, Elektroautos oder grünem Wasserstoff reduziert Emissionen und Luftschadstoffe sowie die Abhängigkeit von Öl und Gas. Die nachfrageorientierten Lösungen schnitten jedoch besser ab.

Die Studie bestätigt frühere Studien. Laut dem Weltklimarat IPCC könnten nachfrageseitige Maßnahmen die Emissionen der Endverbrauchssektoren bis 2050 gegenüber Referenzszenarien um 40 bis 70 Prozent senken.

Auch das Umweltbundesamt (UBA) weist darauf hin, dass intelligente Strategien zur Senkung des Energie- und Ressourcenverbrauchs für wirksamen Klimaschutz notwendig sind. Der Ausbau erneuerbarer Energien bleibt unverzichtbar, wird aber schwieriger und teurer, wenn zugleich der Verbrauch wächst. Größere Wohnungen, schwere Autos, mehr Verkehr und kurzlebige Konsumgüter können Effizienzgewinne wieder aufzehren. Fachleute sprechen vom Rebound-Effekt: Wird ein Gerät sparsamer, aber häufiger oder intensiver genutzt, fällt die tatsächliche Einsparung geringer aus als technisch möglich.

Das UBA betont zugleich, dass eine Politik zur Verbrauchssenkung sozial ausgestaltet werden müsse.

Auch stellte sich heraus, dass Aufklärung durchaus etwas bewirken kann:

Allein die Präsentation der wissenschaftlichen Ergebnisse in den Befragungen habe die Einstellungen weiter verbessert.

Mitautorin Benigna Boza-Kiss vom IIASA folgert aus den Ergebnissen: „Nachfrageseitige Strategien verdienen in den politischen Maßnahmenpaketen ein größeres Gewicht als bisher.“ Eine transparente Vermittlung ihrer Vorteile könne die öffentliche Unterstützung stärken. Die Untersuchung liefert allerdings keinen Freibrief für eine „Verzichtspolitik von oben“. Sie zeigt vielmehr, dass die Gegenüberstellung von Klimaschutz und Lebensqualität falsch ist.

In Spanien und Frankreich werden grade viele Leute von der Realität eingeholt.
Da geht es nicht mehr darum, ob man sich Klimaschutz leisten kann, sondern ob man morgen überhaupt noch eine Lebensgrundlage hat:

Die Gesellschaft zittert, Amtsinhaber verzichten sogar auf die Simulation von Kontrolle, und das Monster entfaltet ungerührt sein Chaos. Über die Brände in Frankreich und das soziale Vertrauen, das überraschend intakt bleibt.

Absurd, dass das Wort Klimawandel erst ganz am Ende in einem Halbsatz erwähnt wird.

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Wie existenziell diese Brandkatastrophe für die Betroffenen ist, wird sich wohl erst herausstellen, wenn klar ist, wie sehr der Staat zumindest die materiellen Verluste kompensiert.

Jenseits wohlhabender Industrieländer ist die Situation teils jetzt schon deutlich fataler - mit stark zunehmender Tendenz:

Längerfristig absehbar ist aber, dass auch in Europa Staat und Versicherungswirtschaft bei den Möglichkeiten, Verluste zu entschädigen, an Grenzen stoßen werden.

Gerade dann, wenn mal mehrere Großkatastrophen in ein Jahr fallen werden, was sich zukünftig aufgrund des nichtlinearen Wachstums von schwerwiegenden Extremwetterereignissen abzeichnet.

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Wie dreist sind die Fossilkonzerne eigentlich?

Der US-amerikanische Ölkonzern ExxonMobil will offenbar die EU vor einem privaten Schiedsgericht verklagen. Das berichtet das Medienportal IAReporters, das auf Investor-Staats -Schiedsverfahren spezialisiert ist. Hintergrund sind demnach Klimaschutzvorgaben für Unternehmen im Rahmen des Net-Zero Industry Act der EU. Das Gesetz verlangt von Öl- und Gasförderern in Europa, dass sie in die unterirdische Speicherung von CO2 investieren als Beitrag zu den europäischen Klimazielen.

Die beiden Exxon-Töchter ExxonMobil Producing Netherlands und Mobil Erdgas-Erdöl in Deutschland haben dagegen bereits Klage vor dem Gericht der Europäischen Union eingelegt. Nun will ExxonMobil offenbar den Druck erhöhen. Die sogenannte Streitanzeige sei der erste Schritt. Danach habe die Europäische Kommission drei Monate Zeit, um auf Exxon einzugehen, ansonsten könne der Konzern ein Investor-Staat-Schiedsverfahren einleiten, erklärt Lukas Schaugg, der zu Investitionen und Energie bei der Denkfabrik International Institute for Sustainable Development (IISD) arbeitet.

IAReporters zitiert einen Sprecher des Ölkonzerns, der beklagt, dass die Einhaltung der Vorschriften zur CO2-Speicherung „extrem kostspielig“ sei, Unternehmen benachteilige und „Lebenshaltungskosten für alle Europäer in die Höhe“ treibe. „Bei diesem Streit geht es ebenso sehr darum, Europa vor sich selbst zu bewahren, wie darum, dass die Öl- und Gasindustrie gegen ein weiteres irrationales Gesetz aus Brüssel kämpft.“ Die Kommission habe nun „die Chance, dies zu korrigieren“.

Schaugg fordert hingegen die EU auf, die „Verfahrensprivilegien der Ölkonzerne“ zu beseitigen. Laut IAReporter klagt ExxonMobil auf Basis des Energiecharta-Vertrags, ein Investitionsschutzabkommen speziell für die Energiebranche, das vielfach von Ölkonzernen genutzt wurde, um gegen Klimaschutzvorgaben vorzugehen.

Die EU ist aus dem Vertrag 2024 ausgetreten, laut einer Klausel dürfen Konzerne jedoch auch noch 20 Jahre nach Vertragsende klagen. Unklar ist aktuell noch, welche Exxon-Gesellschaft die Anzeige tatsächlich eingereicht hat, denn die Vereinigten Staaten gehören dem Energiecharta-Vertrag gar nicht an. EU-Tochtergesellschaften aber dürfen nicht gegen die EU klagen.

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Der renommierte Klimawissenschaftler Stefan Rahmstorf hat, bis er abreisen musste, die Brände in Frankreich selbst erlebt (s. auch „Zehntausende Tote durch Rauch befürchtet: Warum die Brände in Frankreich und Spanien Rekorde brechen“).

Gegen Ende des Interviews, in dem er seine Eindrücke schildert, ordnet er die Situation in einen größeren Kontext ein:

Kurz keimte in mir diese Hoffnung [dass das Bewusstsein für die Klimakrise wächst] auf. Aber dann fiel mir wieder ein: Ich war auch schon 2002 nach der Elbeflut optimistisch, dass die Politik die Dramatik der Klimakrise erkennt. 2003 folgte eine große europaweite Hitzewelle mit 70.000 Toten. Und wieder dachte ich: Jetzt muss etwas passieren. Jetzt verstehen alle, wie die Klimakrise buchstäblich unser Leben bedroht.

Die in Paris von allen Staaten vereinbarte 1,5-Grad-Grenze ist schon nicht mehr zu halten. Die Politik verschleppt die notwendigen Maßnahmen. Aktuell diskutieren wir darüber, die Klimaziele weiter zu verschieben. Wer das möchte, befeuert lebensbedrohliche Klimaereignisse wie Überflutungen, Flächenbrände und Trockenheit. Das Leben in der Klimakrise wird unerträglich: Schon in der ersten Woche in Lacanau litten wir unter der Hitze. Dann kamen die historischen Brände. Doch statt Emissionen zu senken, reden wir lieber über Klimaanlagen.

Wissenschaftler fordern seit Jahrzehnten, sich auf die Klimakrise vorzubereiten. Doch Anpassung allein reicht nicht. Allen muss klar sein: Wenn wir auf drei Grad Erderwärmung zusteuern, weil wir weiterhin Erdöl und Gas verfeuern, können wir uns nicht mehr anpassen. Es wird viele unerwartete Phänomene geben, die uns überfordern – wie dieses Feuer, das unter den Rauchwolken sein eigenes Wetter und sogar Blitze erzeugt.

(Hinter Paywall)

Empfohlen sei noch sein Vortrag über „Die Klimakrise in der öffentlichen Debatte zwischen Wissenschaft, Querdenkern und Lobbyisten“:

Dort geht er zum Schluss auch auf die Verlagerung „hin zu Verzögerungsdiskursen“ ein.

Mehr dazu hier:

Ebenfalls sehens-/hörenswert:

Unterdessen:

Trotz ihrer Mitverantwortung für die Klimakrise steigern die großen Ölkonzerne weiter ihre Gewinne. Sechs der weltweit größten fossilen Energiekonzerne – BP, Chevron, Eni, Exxon Mobil, Shell und Total Energies – werden im zweiten Quartal 2026 mit insgesamt 46 Milliarden US-Dollar doppelt so hohe Nettoprofite wie im ersten Quartal des Jahres einfahren. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Untersuchung der Entwicklungsorganisation Oxfam. Aller Voraussicht nach werde Chevron seine Gewinne von April bis Juni auf 1.200 US-Dollar pro Sekunde vervierfachen.

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Und die Rauchentwicklung in den Brandgebieten ist jetzt auch nicht gerade gesundheitsförderlich.

Rauch, der etwa bei der Verbrennung von Holz entsteht, enthält einen ganzen Cocktail von gesundheitsschädlichen Substanzen. Neben dem hochgiftigen Kohlenmonoxid und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) geht vorwiegend vom enthaltenen Feinstaub eine erhebliche Gefahr aus. Die winzigen Partikel können laut Umweltbundesamt tief in die Lunge eindringen, mitunter in das Blut übergehen und auch das Herz-Kreislauf-System belasten.

Ebenso gravierend sind oft die mittel- und langfristigen gesundheitlichen Effekte der Rauchbelastung. So lösen etwa die Feinstaubpartikel laut Umweltbundesamt Entzündungen und Stress in menschlichen Zellen aus. Das kann unter anderem zu erhöhtem Blutdruck, einer verminderten Herzrhythmusvariabilität und einer insgesamt erhöhten Sterblichkeit führen.

Langfristig werden Verbindungen zu neurologischen Erkrankungen wie Demenz diskutiert, zudem sind die im Rauch enthaltenen PAK nachweislich krebserregend. Ebenso gibt es Hinweise darauf, dass Gesundheitsbelastungen durch Waldbrände in den späten Monaten der Schwangerschaft negative Auswirkungen auf Neugeborene haben können. Welchen genauen Einfluss vermehrte Waldbrände auf die Gesundheit der Bevölkerung haben, ist bisher nicht hinreichend erforscht.

Auch jenseits der typischen Waldbrandgebiete ist ja derzeit schon eine Menge los:

[W]ährend die Zündereignisse der Feuer in ihrer Zahl konstant blieben oder sogar weniger geworden sind, werden die anderen Voraussetzungen für Waldbrände durch den Klimawandel gefördert. Feuerwetter und Dürren, die den Boden austrocknen, werden häufiger. Und der Klimawandel verstärkt die Extreme, etwa den Wechsel zwischen feuchten und trockenen Perioden. Einmal entzündet kann sich ein Waldbrand deshalb rasant ausbreiten. »Es gibt weniger Feuer mit geringer Intensität«, sagt Di Giuseppe. »Aber wenn ein Feuer ausbricht und sehr intensiv ist, ist es in der Regel weitaus schlimmer als früher.«

So begünstigt der Klimawandel vor allem besonders große Waldbrände, sogenannte Megafeuer. Bislang kennt man sie vor allem aus Kanada und Australien. Weil beide Länder nur dünn besiedelt sind, kommt es dort manchmal zu Bränden, die so groß sind, dass sie sich durch Löscharbeiten nicht mehr eindämmen lassen. Unter bestimmten Umständen kann ein Waldbrand sogar so groß werden, dass er sein eigenes Wetter erzeugt. Dann entsteht durch die Hitze ein Aufwind. Aus der aufsteigenden Feuchtigkeit bildet sich eine Wolke, die manchmal sogar bis zur Stratosphäre reicht. Das Feuer wird dann noch schwerer kontrollierbar, weil Blitze und Winde neue Feuerherde anfachen. »In Europa erreichen Brände normalerweise nicht die Intensität, um solche Effekte auszulösen«, sagt Di Giuseppe. Und doch scheint genau das bei Bordeaux passiert zu sein.

In Zukunft dürften schwere Brände noch weit häufiger auftreten. Prognosen zeigen, dass die Waldbrandgefahr in Europa durch Hitzewellen und Dürreperioden erheblich steigt. »Der Mittelmeerraum ist ein absoluter Hotspot für häufigeres Feuerwetter«, sagt Di Giuseppe.
Die Meteorologin war kürzlich an einer Studie beteiligt, die zu dem Schluss kommt, dass die Gefahr für katastrophale Waldbrände bei zwei Grad Erwärmung in der Hälfte Europas um das Doppelte ansteigen dürfte, in einzelnen Regionen Südeuropas sogar um das Zehnfache.

(„Bricht ein Feuerzeitalter an?“ (Paywall))

Auch nachts steigen die Temperaturen seit Jahrzehnten. […]

Der Anteil von Tropennächten mit mindestens 20 Grad nimmt seit den Siebzigerjahren in weiten Teilen Europas deutlich zu, ergab eine aktuelle Auswertung. »Für den Körper ist die Kombination aus heißen Tagen und heißen Nächten besonders belastend, weil er keine Zeit bekommt, sich zu erholen«, sagt Wallberg.

(Spiegel+)

Petra Pinzler formulierte es in einem Kommentar so:

Nein, es ist kein Naturgesetz, dass die Welt vor die Hunde geht. Es ist menschengemacht. Menschen können es also auch ändern.

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Nach knapp einem halben Jahr haben wir es wieder geschafft:

(Sarkasmus aus)

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Ja.

Deutschland gehört zu den Ländern, die der Erde überdurchschnittlich viel abverlangen: Würde der Rest der Welt so leben wie wir, wäre die Menschheit bereits am 10. Mai ökologisch pleite.

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20-mal wahrscheinlicher geworden: Forscher: Starke Waldbrände in Spanien künftig alle sechs Jahre - n-tv.de

Zerstörte Natur. Zerstörte Infrastruktur, Gebäude. Steigende Kosten für Wiederaufbau und Versicherungen.

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Auch noch interessant:

Klimaextreme nehmen sowohl an Häufigkeit als auch an Schwere zu und stellen damit ein immer größeres Risiko für die europäische Verkehrsinfrastruktur dar. In den letzten zwei Jahrzehnten haben diese Ereignisse Sachschäden, wirtschaftliche Verluste, Verspätungen für die Verkehrsteilnehmer und zunehmende gesundheitliche Notfälle verursacht.

Wir stellen fest, dass Klimaextreme bereits alle Verkehrsträger in weiten Teilen Europas beeinträchtigen und selbst bei einzelnen Ereignissen wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe verursachen. Ein prominentes Beispiel ist die Dürre am Rhein im Jahr 2018, die in dieser Analyse als Fallstudie hervorgehoben wird und in Deutschland wirtschaftliche Verluste in Höhe von 2,4 Milliarden Euro verursachte. Unter dem mittel-hohen Emissionsszenario „Representative Concentration Pathway 6.0“ (RCP6.0), das den Verlauf der aktuellen Klimapolitik annähernd widerspiegelt, wird eine Zunahme der Anfälligkeit der europäischen Verkehrsinfrastruktur gegenüber Klimaextremen prognostiziert. Die Anfälligkeit für Hitzewellen könnte sich bis zur Mitte des Jahrhunderts (2040–2069) im Vergleich zu den historischen Bedingungen (1980–2009) um das bis zu 30-Fache erhöhen. Dürren könnten in diesem Szenario bis zur Mitte des Jahrhunderts erstmals mehr als 50 % der Binnenwasserstraßen betreffen. Bis zum Ende des Jahrhunderts (2070–2099) werden Eisenbahnen und Straßen voraussichtlich mit bis zu 26-mal so vielen Waldbränden konfrontiert sein wie im historischen Zeitraum, und die Gefährdung durch Flusshochwasser wird lokal voraussichtlich um das bis zu 8-Fache zunehmen. Maßnahmen zur Eindämmung im Einklang mit einem emissionsarmen Szenario (RCP2.6) zeigen deutliche Vorteile: Sie verringern die durchschnittliche Gefährdung der Verkehrsträger in der EU durch alle Gefahren, insbesondere durch Dürren und Hitzewellen, bei denen der durchschnittliche Anstieg der Gefährdung im Vergleich zu den historischen Bedingungen bis zur Mitte des Jahrhunderts bereits um 22 %–30 % reduziert ist. Es sind dringende Maßnahmen erforderlich, um die Widerstandsfähigkeit des europäischen Verkehrsnetzes zu stärken und den sich abzeichnenden klimatischen Herausforderungen zu begegnen. Eine Kombination aus ehrgeizigen Minderungs- und Anpassungsstrategien ist unerlässlich, um die langfristige Funktionsfähigkeit des Verkehrsnetzes in einem sich wandelnden Klima sicherzustellen.

(Übers. m. DeepL)

Side note:

Pay, Baby, Pay. Why Trump’s Energy & AI Dominance Agenda Means Higher Bills For Everyone, Lorne Stockman, Oil Change International

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Es ist politisch ein Armutszeugnis, dass es immer erst knallen muss, damit Maßnahmen ergriffen werden. Und oftmals bleibt man selbst dann tatenlos.

Prävention ist politisch maximal unbeliebt, das hat Dr. Osten schon in der Corona Pandemie betont „There is no glory in prevention.“.

Daraus lässt sich wiederum schlussfolgern, dass es politischen Akteuren primär um Glory geht, unabhängig von politischen Notwendigkeiten.

Das könnte einem ja Wumpe sein, aber beim Klima wirds halt irgendwann immer schlimmer und wenn es zu spät ist, kann man nicht einfach sagen „gut, dann steuern wir jetzt eben dagegen.“.

Warum zur Hölle ist präventiv Politik machen so ein Ding der Unmöglichkeit? Das sind alles schlaue, erwachsene Menschen in Berlin, die haufenweise Expertise zu jedem Thema parat haben. Die wissen es alle besser und entscheiden sich aktiv dagegen. Man könnte locker Vorsatz unterstellen.

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Noch mal zur Wirtschaft:

Europas Status als der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde wird zu einer ernsthaften Belastung für seine wirtschaftlichen Aussichten.

Die Region, in der die Temperaturen etwa doppelt so schnell steigen wie im globalen Durchschnitt, kann es sich laut von Bloomberg befragten Ökonomen nicht länger leisten, die wirtschaftlichen Auswirkungen der globalen Erwärmung zu ignorieren. Sie sagen, dass die Regierungen in den kommenden Jahren Milliarden Euro investieren müssen, um die Bürger vor immer gefährlicheren Hitzewellen zu schützen, die bereits jetzt die Produktivität beeinträchtigen, der Industrie schaden und zu einer erheblichen Zahl von Todesfällen führen.

Die Hitzewellen dieses Sommers sollten ein „Weckruf für alle europäischen Entscheidungsträger“ sein, sagte Carsten Brzeski, globaler Leiter des Bereichs Makroökonomie bei der ING Group NV, in einem Interview. Die Temperaturextreme hätten „wirklich ganz Europa im Griff“.

Der Ökonom, der den Großteil seiner Zeit damit verbringt, wichtige makroökonomische Kennzahlen wie Inflation und Bruttoinlandsprodukt zu prognostizieren, sagt, das Thermometer sei nun zu einem „Frühindikator“ geworden, den Menschen wie er im Auge behalten müssten.

Die Europäische Kommission schätzte in diesem Jahr, dass die EU-Mitgliedstaaten bis 2050 jährlich fast 70 Milliarden Euro (80 Milliarden US-Dollar) aufwenden müssten, um sich an die Folgen steigender Temperaturen anzupassen. Die Allianz SE, Europas größter Erstversicherer, veröffentlichte kürzlich Simulationen zu den Auswirkungen von Hitzewellen, aus denen hervorgeht, dass Deutschland, die größte Volkswirtschaft der EU, bis 2030 mit wirtschaftlichen Verlusten in Höhe von etwa 130 Milliarden US-Dollar rechnen muss. Für Frankreich beläuft sich dieser Betrag auf 240 Milliarden US-Dollar.

Die Zahlen der Allianz, bei denen es sich um Hochrechnungen auf der Grundlage der geschätzten Kosten von Hitzewellen zwischen 2014 und 2024 handelt, haben die mit der Analyse befassten Ökonomen überrascht, sagt Hazem Krichene, leitender Klimaökonom bei der Allianz. Sie wussten zwar, dass es wirtschaftliche Auswirkungen geben würde, doch Krichene sagt, er und sein Team hätten „nicht damit gerechnet, dass diese so enorm ausfallen würden“.

Europas Wohnbebauung und Infrastruktur sind größtenteils darauf ausgelegt, vor den Auswirkungen kalter Witterung zu schützen. Doch zunehmend muss diese Infrastruktur auch extreme Hitze aushalten können – und zwar für einige Monate im Jahr.

„In zwei oder drei Jahrzehnten kommt es zu diesem sehr raschen Wandel“ bei den Temperaturen, sagte Krichene. „Und am Ende hat man eine städtische Infrastruktur, die nicht besonders gut an Hitze angepasst ist.“

Hitze löst einen Teufelskreis aus, in dem die erwarteten Kapitalrenditen sinken, Investitionen zurückgehen und die Produktionskapazitäten geschwächt werden, wie die Untersuchung der Allianz ergab. Dies führt zu einem stagflationären Umfeld, das für politische Entscheidungsträger, die versuchen, die Stabilität in den größten Volkswirtschaften Europas aufrechtzuerhalten, schnell zum Albtraum werden kann.

Brzeski von der ING sagt, dass das, was Europa derzeit durchmacht, „die Weckruf-Hitzewelle“ sein sollte.

(Übers. m. DeepL)

Mehr hier:

https://www.business-standard.com/world-news/extreme-heat-morphs-into-a-major-economic-shock-for-an-unprepared-europe-126072100371_1.html

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In Teilen Europas frisst die Erderwärmung selbst erfolgreiche Prävention und Anpassung auf. Das Tempo und die Stärke der Veränderungen/des Anpassungsdrucks bewegt sich zügig von „wollen wir nicht“ in den Bereich von „können wir einfach nicht“.

Empfehlenswerter F.A.Z. Beitrag: Der Klimawandel und das leidige Lösch-Paradox

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Noch zu den gesundheitlichen Auswirkungen:

Was mit dem Gehirn geschieht, sobald diese Temperaturschwelle überschritten wird, wird in Diskussionen zum Klimawandel oft übersehen.

Extreme Hitze wird mit einer Verschlimmerung der Symptome und einer Zunahme von Krankenhausaufenthalten bei einer erstaunlich breiten Palette neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen in Verbindung gebracht. Derselbe Ruß, der die Lunge schädigt, kann auch ins Hirngewebe gelangen und den Alterungsprozess beschleunigen oder das Krankheitsrisiko erhöhen.

Neuroklimatische Vulnerabilität bezeichnet die Anfälligkeit des menschlichen Gehirns und des Nervensystems gegenüber den negativen Auswirkungen des Klimawandels. Diese wird durch zahlreiche Faktoren geprägt, darunter Alter, bereits bestehende neurologische oder psychiatrische Erkrankungen, die Exposition (wie viel Hitze, wie viel Schadstoffe, wie viele Nächte ohne Erholung, wie lange?) sowie durch die sozioökonomischen Bedingungen, die darüber entscheiden, ob eine Person sich abkühlen, saubere Luft atmen, schlafen oder einen Arzt aufsuchen kann. Für Menschen, bei denen mehrere dieser Faktoren zusammenkommen, steigt das Risiko exponentiell an.

Der Klimawandel verändert bereits jetzt unser Gehirn. Die Frage ist: Werden wir seine Auswirkungen weiterhin erst dann messen, wenn der Schaden bereits entstanden ist? Oder könnten wir schon jetzt damit beginnen, sie zu messen, damit wir früher handeln, Resilienz aufbauen und den Kurs für kommende Generationen ändern können?

(Übers. m. DeepL)

Post scriptum:

This El Niño is set to be the largest on record by a ‘mind-blowing margin’

Forecasters predict that the monster climate pattern will combine with global warming to push global temperatures in 2027 to new heights.

https://www.nature.com/articles/d41586-026-02293-y