Hebammen"hilfe"vertrag

Liebes Lage-Team,

Joko und Klaas haben kürzlich einen Doku-Beitrag zu den Folgen des Anfang November in Kraft getretenen Hebammenhilfevertrages berichtet. Das Problem: der Titel suggeriert Vernesserungen, ist aber tatsächlich eine massive Verschlechterung für Beleghebammen - mit massiven Folgen. 50% aller Beleghebammen überlegen wollen ihren Job innehalb der nächsten 6 Monate kündigen. Ersatz? Gibt es nicht. Was das für Gebährende, deren Angehörige und Kinder bedeutet ist kaum vorstellbar: mehr Gewalt im Kreissaal, fehlende psychische Unterstützung, mehr Komplikationen, mehr Alleingeburten etc.

Der Hebammenhilfeverband hat eine Pedition am laufen, die man hier unterstützen kann: Für den Erhalt einer sicheren, individuellen Geburtshilfe – Stoppt den neuen Hebammenhilfevertrag! - Online-Petition

Das alleine reicht natürlich nicht. Hebamme ist vielleicht der bedeutenste Beruf in unserer Gesellschaft, denn eine Hebamme verhilft im Jahr ungefähr 100 neue Menschen zum Leben. Aber statt Respekt und Anerkennung gibt es Kürzungen. Was läuft hier schief? Wie kann das überhaupt sein? Wer trägt die Verantwortung u d was könnem wir dagegen tun?

Bitte nehm dieses Thema auf. Ich danke euch!

Romy

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Klingt tatsächlich nicht gut! Mich würden ja mal Zahlen der Betroffenen interessieren … was verdiente man bisher im Monat, was nach neuem Recht? Ist das wirklich so wenig, dass man aufgeben muss?

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Diese Folgerung würde ich jetzt nicht so einfach mitgehen. Welchen Anteil machen diese 50 % denn an allen Hebammen aus? Wollen sie dann was ganz anderes machen oder sich im Krankenhaus anstellen lassen?

Wir hatten eine Begleithebamme, die vor und nach der Geburt zu uns nach Hause kam (sie war dabei selbstständig und arbeitete noch Teilzeit angestellt im Kreissaal — klingt für mich nach einer sinnvollen Kombination). Bei der Geburt waren dann die Hebammen dabei, die halt an dem Tag gerade Schicht hatten. Wir kannten sie vorher natürlich nicht, aber die waren alle super kompetent und sympathisch, wir haben uns sehr wohl gefühlt und von Gewalt oder fehlender psychischer Unterstützung kann da nicht die Rede sein.

Wir hatten mal kurz mit unserer Begleithebamme über diese Änderung gesprochen. Sie meinte, dass sie natürlich nicht begeistert sei, es aber immer wieder mal irgendwelche Änderungen gab und sie den Aufschrei nicht so ganz nachvollziehen kann. Ist natürlich nur eine Einzelmeinung.

Wenn man darüber eine Lage macht, muss man nur natürlich über die verschiedenen Arten von Hebammen sprechen und ggf. unterscheiden.

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Ich habe leider keinen umfassenden und daher auch keinen ausreichend differenzierten Blivk auf das Thema. In den Medien findet sich sehr viel dazu. Daher qürde ich mir den Beitrag von der Lage umso mehr wünschen.

Zu dem Kombiweg, den viele Hebammen gehen: ja, so arbeiten viele Hebammen. Wenn die Sätze im Krankenhaus aber nicht ausreichen, um die hohen Versicherungssummen zu zahlen, macht es Sinn, dass sie aus den Kliniken gehen. Schön, dass es dann mehr (private) Hebammen in anderen Bereichen gibt, aber das ändert ja nichts, dass es bei der Geburt Hebammen in der Klinik braucht.

Soweit ich weiß, gab es vorher Pauschalen, die gestrichen wurden. Zusätzlich gab es vorher Vergütung von 100% für eine Betreuung. Nun 80% und dann gestaffel nur noch 30% … also bricht bei zwei betreuten Personen fast 45% des Brutto-Verdienstes weg. Bei den Pauschalen kenne ich mich nicht aus, aber die müsste man dann zustätzluch abziehen?! Würde mich sehr interessieren, welche Gründe eure Hebamme da hatte so entspannt zu bleiben.

Ich denke da könnte die Lage sicher mal beim Hebammenverband nachfragen:

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Meine Frau hat beide unserer Kinder (2015 und 2018) mit Unterstützung einer Beleghebamme zur Welt gebracht und das als sehr angenehm und hilfreich empfunden. Die Dame war aber schon nicht mehr die jüngste und eine von nur sehr wenigen Beleghebammen, die noch in einer westdeutschen Großstadt (>200.000 Einwohner) gearbeitet hat. Bei ihr (oder einer anderen Beleghebamme) einen Platz zu bekommen war reine Glückssache und um überhaupt eine Chance zu haben, muss man die Anmeldung praktisch mit dem Schwangerschaftstest noch in der Hand machen.

Für mich ist das ein Signal, dass schon damals die Bezahlung gemessen am Arbeitsalltag (der dann natürlich auch Unterstützung einer Geburt zu jeder Tages/Nachtzeit beinhaltet) wenig attraktiv war.

Dabei macht das Prinzip einer Beleghebamme total Sinn und ich finde es verwunderlich, dass es nicht der Standard ist. Eine Geburt ist für die Mutter meist extrem schmerzhaft, besonders beim ersten Kind für beide Eltern komplett überfordernd, und je nach Verlauf angsteinflösend bis traumatisch. Für die Mutter geht das außerdem mit intimsten körperlichen Berührungen einher und es ist durchaus möglich, dass im Laufe der Geburt gesundheitliche Probleme bei Mutter oder Kind auftauchen, die schnell eingeordnet und behandelt werden müssen.

Natürlich sollte sowas entsprechend von einer Vertrauensperson begleitet werden, die die Mutter und ihre medizinische Vorgeschichte gut kennt und nicht von jemanden, den man vor 10 Minuten das erste Mal im Leben getroffen hat.

Wenn unser Gesundheitssystem die Begleitung durch eine Beleghebamme derzeit zur Ausnahme und nicht zur Regel macht, dann läuft da ganz grundsätzlich etwas schief.

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Bingo. Wir sind an dem Thema schon länger dran, und ehrlich gesagt hören wir von den Betroffenen (!) auch immer nur, dass da eine große Welle um wenig bis nichts gemacht werde und sie das nicht wirklich nachvollziehen könnten … aber wir schauen mal weiter, und natürlich fragen wir auch den Verband.

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Vielleicht weil sich für den Großteil der Hebammen gar nichts ändert. Sie sind schlicht Klinik-Hebammen die von der Änderung nicht betroffen sind.
Soweit ich weiß ist es vor allem in Bayern der Fall, dass Geburten von Beleghebammen begleitet werden. In allen anderen Ländern ist das nicht der Fall.

Ich kann auch nur von meiner Erfahrung mit Beleghebammen berichten und bin sehr dankbar über deren Arbeit gewesen.

Das trifft es auf den Kopf.

Es ist blanker Hohn wenn der GKV Spitzenverband davon spricht, dass die Maßnahmen zu einer verbesserten 1:1 Betreuung führen soll. Denn es sind doch gerade die Beleghebammen bei denen am ehesten eine 1:1 unter Geburt zu Stande kommt.

Die 80% Regelung und die Zuschläge sind einfach so vollkommen absurd, dass man sich fragt ob die Entscheider überhaupt schon mal einen Kreißsaal gesehen haben oder wissen was das ist.
Sie besagt, dass zwei Stunden vor und nach der Geburt ein und die selbe Hebamme bei einer gebärenden Frau sein muss. Ohne Unterbrechung. Sie darf nicht mal kurz mit einer anderen Frau telefonieren geschweige denn jemanden aufnehmen, ans CTG hängen, …

Das ist Wolkenkuckucksheim.

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