Hebammenhilfevertrag

Hallo, ich bin freiberufliche Hebamme in einem Level 1 Haus mit 2500 Geburten im Jahr. Eure Folge zu uns hat mich sehr irritiert. Wie die meisten Häuser haben wir ins freiberufliche System gewechselt, da wir so die Gebärenden besser betreuen können. Wir sind aktuell 35 Hebammen, im Angestelltenverhältnis waren wir 16, mehr sollten nicht eingestellt werden. Die Arbeitsbedingungen durch die Unberechenbarkeit der Geburtshilfe und die Mehrfachbetreuung haben uns so belastet, das wir ein flexibles System brauchten. Im Angestelltenverhältnis gab es keinen Betreuungsschlüssel, da hat man auch mal 5-7 Frauen parallel betreut, im freiberuflichen System nicht. Wir sind jetzt zwischen 2 und 6 Hebammen im Dienst, je nach Aufkommen, um alle Frauen möglichst gut zu betreuen. Daher ist das Argument des GKV die 1:1 Betreuung zu fördern nur Schein, denn wenn wir zurückwechseln, gibt es das gleich noch weniger. Es gibt Daten, das freiberufliche Hebammen bereits jetzt deutlich häufiger die Möglichkeit haben 1:1 zu betreuen als Angestellte, 30% der Geburten sind es ca. Jedoch wird durch den neuen HHV durch den GKV nur zusätzlich festgelegt, was das bedeutet. Schnelle Geburten, Notfälle etc zählen nicht als 1:1 Betreuung. Stattdessen bekommen wir grundsätzlich nur 80% für die “erste” Frau von dem, was alle anderen freiberuflichen Hebammen pro Stunde bekommen, nur, weil wir im Krankenhaus arbeiten. De facto verdiene ich jetzt mehr pro Stunde wenn ich mit einer Frau zu Hause ein Gespräch in der Schwangerschaft/Wochenbett führe, als wenn ich eine psychisch und physisch fordernde Risikogeburt begleite, aber den Zeitvorgaben des GKV’s nicht entspreche. Sollte noch jemand spontan anwesend sein, hafte ich für die Frau natürlich 100%, bekomme aber nur noch 30% des Stundenlohns. Andersrum sind wir trotzdem immer anwesend und rufbereit wenn es ruhig ist. Dann fließt kein Geld in den Pool und der Stundenlohn des ganzen Teams fällt. Planbarkeit gibt es nur bei terminierten Kaiserschnitten. Und mit dem 12-Stunden-Dienst? Wir sind Beleghebammen im 3-Schicht-System, wir haben uns bewusst für 8 Stunden entschieden. Und es gibt auch Angestellte im 12h-System. Es geht uns einfach nur um eine gute Geburtshilfe und eine gerechte Entlohnung. Alle Hebammenleistungen entsprechen übrigens nur ca. 0,2% der Ausgaben des GKV’s. Die ersten Zahlen liegen bereits vor und bestätigen genau unsere Befürchtungen.

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