Ja, mir ist es wichtig, dass kein Land einen erfolgreichen Angriffskrieg mit dem Ziel der territorialen Erweiterung führen kann. Das ist der Kern der Nachkriegsordnung. Eroberungskriege zum Landgewinn waren vor den Weltkriegen der Standard - und genau deshalb waren die Jahrhunderte vor den Weltkriegen durch diese Kriege geprägt. Ständig meinte irgend ein Land, seinen Nachbarn überfallen zu dürfen, sobald es militärisch stärker war, um dessen Land zu besetzen.
Der Konsens der Nachkriegsordnung war, dass genau das nicht mehr möglich sein soll, damit es gar keinen Anreiz für derartige Eroberungskriege mehr geben kann. Das nun aufzugeben und zu glauben, dass es dadurch nicht zu zahlreichen weiteren Kriegen kommen würde, ist naiv.
Und hier vertrittst du einen Isolationismus. Nach dem Motto: „Wir in der NATO sind sicher, was Russland mit dem Rest seiner Nachbarländer macht ist uns doch egal“. Dieser Isolationismus funktioniert langfristig nicht und wird meiner Meinung nach zwangsläufig in einem dritten Weltkrieg enden, weil Länder wie China und Russland bei einer isolationistischen NATO immer weiter auf kriegerischem Weg expandieren werden, bis die Spannungen so groß werden, dass es knallt.
Das waren alles keine expansionistischen Kriege. Es waren falsche, völkerrechtswidrige Kriege, aber keine expansionistischen. Und deine Darstellung, dass sich niemand um diese Kriege geschert hat, ist schlicht falsch. Der Widerstand gegen den Irakkrieg war sowohl inner- als auch außerhalb der USA immens. Aber es gab niemanden, der diesen Krieg hätte stoppen können - das ist das typische „Who watches the watchmen?“-Problem: Wenn die USA als damals unbestritten einzige Weltmacht einen solchen Krieg starten, wer soll sie stoppen?
Nenne mir ein Beispiel von einem Krieg nach 1945, in dem ein Staat Territorium eines anderen Staates durch Krieg gewonnen hat. Selbst die israelischen Territorialgewinne werden international - aus gutem Grund - nicht anerkannt, auch nicht von den Verbündeten Israels. Dass Trump da mit dem Feuer spielt, ist ein weiteres massives Problem. Aber dass Trump und Putin da ähnlich ticken kann uns glaube ich kaum überraschen.
Ich kann bei dieser Naivität nur den Kopf schütteln. Russland weiß genau, dass ein Atomkrieg das Ende der Welt wäre. Sollen wir Russland also jeden Angriffskrieg durchgehen lassen und stets „klein beigeben“, weil Russland mit dem Einsatz von Atomwaffen droht?!?
Sorry, aber ich sterbe lieber aufrecht stehend als vor einem Aggressor mit Atomwaffen auf die Knie zu fallen. Jedem ist klar, dass ein Atomwaffeneinsatz das Ende der Welt, wie wir sie kennen, wäre - auch dem Kreml.