Green Deal in Gefahr

Ja, hoffentlich hast Du recht. Allerdings macht sich D durch die Prioritätensetzung im Stromsektor auch selbst schlechter als es sein könnte. Ich befürchte, dass durch den überdimensionierten LNG-Ausbau und die neuen Kraftwerke zusammen mit dem allgemeinen Gegenwind gegen Klimaschutz ein neuer fossiler Lock-In entsteht. Reiche ist ja nicht nur für Strom, sondern auch fürs Heizen (mit) zuständig, so hatte ich Margaretes Kommentar gelesen. Und um etwas Wasser in den Wein zu gießen, Verkehr und Heizen sind die Sektoren, in denen D in den letzten Jahrzehnten am wenigsten vom Fleck gekommen ist.

Zu der vorangegangenen Kostendiskussion:

Die Vermeidungskosten zahlt man am Ende ja sowieso, wenn irgendwann die Erwärmung enden soll. Natürlich kann man hoffen, dass die dann geringer sind, weil jemand anderes bessere Technologie entwickelt hat (und ggf. damit Geschäfte macht). Aber man zahlt sie und die Folgekosten der Klimaverändeungen obendrauf.

Zu China: Ich würde China nicht derart schönreden. Die könnten auch mehr beitragen und haben mittlerweile Einiges an Emissionen auf dem Kerbholz. Liegen pro Kopf und Jahr mittlerweile über der EU und bei ~15% der kumulierten Emissionen (mE sind kumulierte Emissionen und Emissionen/Kopf die sinnvollsten Maßstäbe bei der Verantwortungsfrage, bei der Frage nach Vermeidung müsste man alle Kennzahlen in Betracht ziehen, also auch aktuelle jährliche Emissionen und handelsbereinigte Emissionen).

Die größten Kriminellen bei aktuellen Emissionen sind allerdings eher Katar, Saudi-Arabien, die VAE, Oman, Australien, USA, Kanada, Russland und ein paar sehr kleine Länder. Durch Export von Fossilen sind viele davon sogar doppelt verantwortlich. Komisch, dass immer nur über China gesprochen wird.

Anhand der Daten kann ich nicht nachvollziehen, wieso du so für China shillst.

China is significantly off track in meeting its emission intensity reduction targets under both its 14th Five-Year Plan for 2025 and its 2030 NDC commitment under the Paris Agreement. While the impacts of COVID-19 and slower economic growth have contributed to the shortfall, the main challenge lies in rapidly growing energy demand, with renewables not being integrated quickly enough to displace fossil fuels. Bridging the remaining shortfall in carbon intensity reductions —and meeting the 2030 NDC target—will require significantly greater climate ambition in the next Five-Year Plan.

The CAT’s overall rating for China’s policies and targets remains “Highly insufficient”.

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Ich würde auch lieber für Deutschlands Klimapolitik “schwärmen” :wink:

Und die Geschäfte macht dann eben der andere. Auch das sind zusätzliche Kosten. Da Deutschland nur wenig wertvolle Ressourcen hat, wäre eigentlich wichtig, bei irgendwelchen zukünftigen Technologien vorne dabei zu sein.

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Die weltweit einzigen große Wirtschaftsräume die in den letzten 10 Jahren überhaupt den CO2 Ausstoß reduziert haben sind die EU, und überraschender Weise die USA. Alle anderen kommen jetzt erst an ihren Peak.

Das ist die Realität.

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Danke, das ist einer der zentralen Fakten.

An die Kritiker von Deutschland:

Welches industrialisierte Flächenland im gleichen Breitengrad macht was genau besser als wir?

Dann macht es Sinn, genau hinzuschauen, wo wir im Vergleich stehen. Wir müssen uns nicht mit einer Petrodemokratie wie Norwegen vergleichen, die weniger Einwohner als Hessen hat und 10% Haushaltsdefizit ex Oil hat.

Es sollte auch niemanden wundern, dass Italien pro Kopf weniger Energie fürs Heizen aufwendet (aber z.B. deutlich mehr pro Kopf bezogene Emissionen im Verkehrssektor hat).

Wir müssen unsere industriellen Emissionen auch nicht mit Frankreich vergleichen, wenn unsere Industrialisierungsquote in der Volkswirtschaft doppelt so hoch ist. Aber der Blick nach Frankreich lohnt sich, weil er z.B. offenlegt, dass Frankreich aufgrund des hohen Anteils nuklearer Erzeugung uns bei den Energiesektoremissionen weit voraus ist, obwohl wir einen deutlich höheren Anteil an Erneuerbaren haben.

Aber die Franzosen erzeugen z.B. im Verkehrssektor, mit ihren kleinen Autos und dem Tempo-Limit, trotzdem mehr CO2 Output pro Kopf als wir (126 Megatonnen auf 68 Mio Einwohner, Deutschland hat 146 Megatonnen auf 84 Mio Einwohner).

Ich bin gespannt auf Fakten, die genau darlegen, dass Länder, die vergleichbare Ausgangsvoraussetzungen (Wohlstand, geographische Lage und Struktur, Industrialisierung) haben, einen besseren Kurs als wir verfolgen, der zeigt, was wir besser machen können.

Ich denke, es geht nicht darum, Deutschland mit anderen Ländern zu vergleichen.

Es geht darum, dass wir das Klimaschutzabkommen einhalten und unseren Job machen. Der Vergleich mit anderen Ländern wird von Verweigerern genutzt, um die eigenen Ziele und Pflichten nicht einzuhalten. Das ist das Problem.

Ansonsten glaube ich, dass die Sorge groß ist, weil wir das Verhalten der aktuellen Regierung in die Zukunft projezieren. Wenn jetzt neue Pfadabhängigkeiten geschaffen und Erneuerbare künstlich gebremst werden (obwohl sie günstuger sind), ist das fatal.

Dafür gibt es Klimaabkommen und Gesetze, so dass jeder was machen muss. Wie überzeugt man ansonsten China überhaupt was zu tun oder alle anderen die weniger verbrauchen aber in Summe 60-70%?

Alles andere beruht auf Freiwilligkeit. Und da bin ich prinzipiell bei dir, dass das gefühlt “keinen Spaß macht der Summe zu sein”. Mit den wenigen die idealistisch handeln funktioniert das nicht. Fängt schon in jeder Straße am. Überall liegt Plastik. Wieso hebt nicht jeder was auf? In Summe ist dann nix mehr da.

Wenn es nicht darum geht, wieso tust unter anderem du dann:

Mal abgesehen, dass deine Behauptung schon in sich falsch war (siehe oben), tust du damit so, als sei China auf dem Weg der Dekarbonisierung besser als wir.

Die Realität ist aber, dass es kaum ein Land gibt, das mit uns vergleichbar ist (siehe oben), in den vergangenen 20-30 Jahren wirksamer und energischer vorgegangen ist als wir.

Daran werden auch 20 GW Gaskraftwerke mit 1000 Betriebsstunden nichts ändern. In circa 13 Jahren gehen bei uns etwa 40 GW Kohlekraftwerke vom Netz, die quasi dauerhaft liefen. Unsere Stromerzeugung wird immer grüner, von dem Pfad kommen wir gar nicht runter.

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Denke ich auch.
Auch wenn es sicher vielen nicht schnell genug geht, sind wir wieder bei dem Punkt das wir auch alle mitnehmen müssen.
Wenn jemand sagt, ich hab jetzt eine PV-Anlage, Erdwärme etc, jetzt können wir von mir aus sofort alle Gaskraftwerke abschalten, dann ignoriert man ja egoistisch einen großen Teil der Bevölkerung der nicht soweit ist, sei es aus finanziellen oder Infrastrukturgründen.
Ich denke heute schon das speziell die Grünen damals eine großen Teil der Bevölkerung haben links liegen lassen, ohne diesen realistische Alternativen zu bieten.

Anderer interessanter Punkt: aktuell wird wieder häufig diskutiert ob wir zu früh aus der Atomenergie ausgestiegen sind und wem wir die Schuld dafür geben können.
Mal ernsthaft: was nützt das? Die deutschen Atomkraftwerke sind abgeschaltet und weitgehend zurück gebaut, und für die 5-8% Strombeitrag den Atomkraft aktuell leisten könnte, baut niemand ein neues Atomkraftwerk.
Also wieder eine unsinnige Diskussion bei der es nur wieder darum geht, irgendwem die Schuld geben zu können.
Unnötig vergeudete Energie.

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1.Nein, nicht falsch. Bezieh die aktuelle Politik ein. Was tun Reiche und Merz denn gerade… Wenn du die positiven Entwicklungen siehst, erinnere dich bitte daran, dass diese Habeck zu verdanken sind.

2.Ich habe nicht mit dem Vergleich angefangen.

Habe nur dem Klimawandelleugner-Narrativ “Es ist egal, was Deutschland macht, wenn andere Länder wie China nicht mitziehen” widersprochen.

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