Aber genau das stimmt doch gar nicht. Es ist zum Haareraufen. Das BIP pro Kopf war in Deutschland 2024 auf einem historischen Höchststand 51,8 Tausend Euro. Wohlgemerkt: das BIP ist inflationsbereinigt. Wir werden (im Durchschnitt) alle jedes Jahr reicher, unsere Kaufkraft steigt (im Durchschnitt) jedes Jahr an.
Wenn große Teile der Bevölkerung einen gefühlten oder echten Wohlstandsverlust erleiden, dann liegt das eben nicht an den Kosten der CO2-Reduktion. Es liegt daran, dass das (durchaus vorhandene) Wirtschaftswachstum ungerecht verteilt ist.
Die Mehrheit der Bevölkerung sitzt hier der zufällig für die reichsten Menschen sehr bequemen Lüge auf, dass wahlweise “die Steuern”, “die Lohnnebenkosten”, “die Bürgergeldempfänger”, “die Migranten” oder “die Klimapolitik” den Wohlstand gefährden. Und gleichzeitig kann jeder beim Statistischen Bundesamt ohne Probleme nachlesen, dass die deutsche Gesellschaft jedes Jahr reicher wird.
Das Geld ist da und zwar gleichzeitig für Schulen, Sozialhilfe, Krankenversorgung, Klimapolitik, Integration, Sicherheit und viele andere Dinge auch. Aber wir lassen uns einreden, dass überall gespart werden muss, während sich das Vermögen der Milliardäre immer schneller vermehrt.
Und wer trägt die (sehr realen) Kosten dieser Sparmaßnahmen, etwa den Zerfall der Infrastruktur, höhere Gesundheitskosten, geringere Sozialleistungen, etc.? Wohl kaum die Milliardäre.
Wird auch bei der COP Thema werden. Fakt ist, dass die reichen Bürger mehr CO² ausstoßen als die armen Bürger und die reichen Nationen mehr CO² ausstoßen als die armen Nationen. Sollte man mal drüber nachdenken.
Ich glaube eher, dass wir ein Verantwortungsproblem haben. Die Ausreden sind mittlerweile nicht mehr, dass der Klimawandel nicht real sei, sondern „Aber China/USA“, „Wenn ich was tue (verzichte) bringt das nichts, X müsste was tun“, „Es ist eh schon zu spät“, „Das wird mit Technologie schon gelöst werden“, „Die Politik ist schuld“, „Die Industrie ist schuld“, „Wir müssen erstmal wieder die Wirtschaft nach vorne bringen, dann können wir uns um Klimaschutz kümmern“, „Ich lass mir nichts vorschreiben“…
Manche der Aussagen sind für sich genommen noch nichtmal ganz falsch, werden dann aber eben fälschlicherweise als Ausrede genutzt, warum man selbst raus ist.
Ich kann jedenfalls nicht erkennen, dass die Fakten zum 1000. mal zu wiederholen noch irgendwas bringt. Solange nicht eine kritische Masse (was übrigens nicht mal ultra viele sein müssen, wenige Prozent der Bevölkerung können reichen) nicht die Wahrheit sehen wollen UND die Verantwortung dafür übernehmen wollen UND selbst handeln wollen kommen wir nicht weiter.
Ja, erst wenn Politiker es selbst nicht mehr hören können, ist ihre Botschaft bei den Menschen angekommen. Ja, wiederholen, wiederholen, wiederholen, bis man es selbst nicht mehr hören kann, am besten konkret statt abstrakt, mit einprägsamen Details und am besten in spannenden Geschichten.
Und ja, Klimaschutz ist auch eine politische Entscheidung, sie muss die Weichen stellen, dass wir individuell richtig handeln. Bei einem autogerechten Infrastruktur werden die Menschen sich auch so verhalten. Wir sollten Klimaschutz nicht so privatisieren..
Eigentlich war hier nicht die Frage, ob alle die Folgen des Klimawandels verstanden haben etc.
Der Thread war als Warnung und Aufmerksammachen, als Themenvorschlag, gedacht. Wenn der Green Deal infragegestellt wird, sollte das ein großes politisches Thema sein. Und? Wo sind die aktuellen Artikel?
Soweit ich weiß, ist eine Entscheidung über das Klimaziel erstmal vertagt oder so. Aber es wurde bereits an der CO2-Bepreisung und an der Verbrennerproblematik geschraubt. Ohne Gewähr. Informationen bei Michael Bloss aufgeschnappt. Konnte ich bisher nicht genau nachlesen.
Problem: Keine Rechtssicherheit. Damit werden genau die Länder und Unternehmen geschädigt, die sich bereits in die notwendige Transformation begeben haben. Außerdem hat die EU Signalwirkung. Wenn noch nicht mal wir uns an das Pariser Klimaschutzabkommen halten, warum sollten es dann arme Länder tun…
Du hast mich nicht verstanden. Mir ist das bewusst, aber wenn ich ab sofort nie wieder fliege, die Heizung abstelle und nichts mehr konsumiere, dann wird sich global nichts am Klima verbessern.
Ich habe weniger Komfort, zahle aber dennoch für die Schäden.
Wenn ich teurere, energieeffiziente Technologie nutze, gilt es ebenso. Der deutsche Einfluss auf den Klimawandel ist marginal, daher werden viele es nicht einsehen, persönlichen Verzicht dafür auf sich zu nehmen, wenn andere Länder (insbesondere Indien, China, USA) nicht mitziehen.
Persönlich bedauere ich das, aber sehe ehrlich keinen Weg, wie man in der Breite für mehr Klimaschutz und Akzeptanz der damit verbundenen Kosten werben kann.
haben Deutschland und die EU Signalwirkung. Könnten auch in der Technik innovativ vorangehen und damit sogar verdienen (aber Die Union fand ja, dass man Solar und Wind absägen müsste, was aktuell schon wieder passiert)
haben die meisten Länder der Welt einen sehr kleinen Anteil. Das ist kein überzeugendes Argument. China ist selbst auf einem guten Weg übrigens.
Hast du dazu Quellen? China macht zwar viel Richtung erneuerbare Energien, baut aber auch sehr viel Kohlekraftwerke hinzu, weil sie einen großen Anstieg des eigenen Energieverbrauchs erwarten:
Ich lese und höre oft Adam Tooze, der oft in China ist und das sehr genau beobachtet.
Da China ein riesiges Land mit großer Bevölkerung ist, darf man sich nicht zu sehr von den Kohlekraftwerken ablenken lassen. Es geht trotzdem in die richtige Richtung.
Die Kohlekraftwerke in Deutschland finde ich schlimmer.
Dank COP werden die jetzt wieder kommen für zwei Monate. Dann ist das Konsumfest Weihnachten, dann CO²-Geballerfest Silvester und dann buchen wir Fuerteventura mit Frühbucherrabatt und freuen uns auf den Sommerurlaub.
Das Argument kann man auch umdrehen: Wenn wir als Gesellschaft nichts gegen den Klimawandel unternehmen und uns nicht anpassen, dann weißt du, dass die damit zusammenhängenden Kosten auf dich zukommen werden. Die rationale und egoistische Verhaltensweise wäre, jetzt die Heizung runterzustellen und nicht mehr/weniger in die Südsee zu fliegen, weil du Geld sparen musst, für die Zeit, wenn das Heizen, das Reisen und vieles andere teurer wird.
Wer heute glaubt, dass es in 30 Jahren noch eine staatliche Rente geben wird, während wir gleichzeitig unglaubliche Infrastruktur- und Anpassungsschulden anhäufen, der wird ein bitteres Erwachen haben. Konsumverzicht ist keine Gutmenschelei, sondern schlicht eine rationale Verhaltensweise zur langfristigen Wahrung eines gewissen Lebensstandards.
Effizienter und für alle besser wäre es natürlich, wenn wir uns kollektiv verbreiten und auch eine gegen eine weitere Verschlimmerung kämpfen würden, aber naja …
Aber der deutsche Einfluss auf die Lösung könnte erheblich sein. Das EEG hat beispielsweise einen erheblichen Beitrag zur aktuellen Verbreitung nachhaltiger Energieerzeugung geliefert und gleichzeitig viele Jobs und Wohlstand geschaffen. Wirtschaftswachstum entsteht aus Innovation und Innovation ist bei Elektroautos und Batteriespeichern und nicht bei Verbrennern und Gaskraftwerken.
Strom- und Wärmeerzeugung ist der einzige Sektor in China, in dem die Emissionen in den letzten Jahren noch gestiegen sind:
Kannst du den Zusammenhang erläutern? China hat seine Zuwachsrate in 3 Jahren von 30 auf 90 GW Kohle gesteigert. Das ist nur der ZUBAU. Inwiefern lenkt das davon ab, nur weil dort viele Menschen leben? In der EU werden genau 0 GW zugebaut, im Gegenteil, es wird abgebaut. Zählt das nicht, weil hier nur 450 Mio Menschen leben?
Wenn Politik den Green Deal aufweichen kann, ohne das es kostet, heißt es für mich, dass es ein Großteil der Wähler nicht verstanden hat und deswegen Politiker mit vermeintlich guten Gründen dagegen sein können. Sonst gäbe es breiten Kreisen den von dir erhofften Aufschrei.
Geh mal kritisch durch deine Wohnung und schau, welcher der Gegenstände nicht in China gemacht wurde. Die ganzen Emissionen für die Produktion von dem ganzen shit in unseren Wohnungen, plus die ganzen unsichtbaren Zwischenprodukte, gehen auf wessen Konto? Nicht unseres. Aber wir Deutschen waren schon immer gut darin, unsere Hände in Unschuld zu waschen…
Zumal das China-Argument noch eine Schwäche hat: wenn der Obergenosse in Peking entscheidet, dass die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, passiert das sofort. Wir als demokratisches Land haben da viel längere Umrüstzeiten, bei uns geht das nicht einfach auf Knopfdruck. Beispiel Elektromobilität: wir können nicht von heute auf morgen die Verbrenner verbieten. Wenn die im Jahr 2045 größtenteils verschwunden sein sollen muss heute mit dem Umbau angefangen werden.
Mir wird Deutschland in Sachen Transformation oftmals zu schlecht gemacht. Speziell die Fortschritte der deutschen Stromerzeugung sind international gesehen Wahnsinn. Deutschland hat inzwischen etwa 170GW an potentieller Solar- und Windenergie. Ein absolut Vielfaches der installierten Leistung von Gas und Kohle.
Ich finde den Vergleich mit Australien sehr anschaulich:
Das ist der bevölkerungsreichste Teil Australiens. Mit 15 GW Erneuerbaren wären die wahrscheinlich 100% abgedeckt. Das bauen wir aktuell allein an Solar in einem Jahr zu, weil wir eben den Strombedarf der 3. größten Volkswirtschaft der Welt haben.
Oder Südindien. Dort leben über 200 Millionen Menschen, und mit 60 GW Zubau wäre bereits viel erreicht.
Will sagen, in diesen Ländern kann in kürzester Zeit viel erreicht werden, wenn man denn ernsthaft damit beginnt.