GKV, Private KV und Selbstzahler

Aus Gerechtigkeitsgründen wäre ich sofort dafür. Ich befürchte nur, dass es ein komplexes Thema ist. Und ich sehe auf absehbare Zeit keine politische Mehrheit, die hier wirklich voran gehen möchte. In der Ampel hatten immerhin zwei Parteien eine Bürgerversicherung im Programm. Das Thema wurde dann schon in den Koalitionsverhandlungen geopfert.

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Eine Möglichkeit die mal vorgeschlagen wurde war, die PKV durch starkes Anheben der Einkommensgrenze quasi die Neuverträge zu entziehen und fortan mehr auf eine Grundversorgung durch die GKV mit privaten Zusatzversicherungen zu setzen. Das ist ein Ansatz den ich mir durchaus gut vorstellen kann.

Es ist ja letztlich auch so, dass die Stellen an denen man zusätzliche Leistungen benötigt oder gerne hätte individuell sehr unterschiedlich sind.

Ich selbst habe mit der GKV auch hinsichtlich von Terminen bisher eher gute Erfahrungen gesammelt und den Eindruck, dass meine Partnerin per PKV auch meist nicht wesentlich schneller Termine bekommt. Vielleicht muss ich bei Fachärzten etwas mehr telefonieren bis zum zeitnahen Termin.

Ein erster Schritt wäre mal, die Beamten nicht finanziell in die PKV zu pressen, indem für die GKV die Beiträge genauso bezahlt werden, wie in anderen Jobs.

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Also würde ich in die GKV wechseln, würde ich More or less die gleichen Beiträge bezahlen, inkl AG Anteil. Das System hat also nicht mehr Geld. Wie schon erwähnt wurde, zahlen die PKV Kunden viel mehr an den Arzt, 2,3 oder 3,5 fachen Satz… ohne das würden viele Praxen zumachen, und Krankenhäuser auch…

und daher wird die Grenze auch nicht erhöht, das würde unsere Gesundheitsversorgung massiv schlechter machen.

natürlich kann man Systeme umstellen, aber die Konsequenzen sind groß.

Gerade sagt meine Frau, dass sie einen Termin beim Orthopäden braucht für unseren Sohn, aber ihr Orthopäde auf der Homepage stehen hat, dass keine neu Patienten aufgenommen werden… gilt für alle Orthopäden in der Umgebung. Ich musste lachen, natürlich haben wir am Dienstag Mittag eine Termin… Man muss nur den Zauber Satz sagen :grinning_face:

Auf der anderen Seite kostet das auch Geld, pro Kind rund 180€/monat, dafür 100% Übernahme. Bei meiner Frau kostet alles extra, jede Vorsorge, alles. Sie zahl faktisch mehr als ich, und bekommt dafür nix.. keine Termine, keine Leistungen, Zuzahlungen ohne Ende… was ein System

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Im gleichen Atemzug könnte man aus 200 Krankenkassen eine machen.

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Weil deine Frau (und ich) sehr viele Menschen in der GKV mitfinanzieren, die selbst gar keine Beiträge erbringen und für die der staatliche Zuschuss viel zu niedrig ist und nicht kostendeckend. Eigentlich müsste der Mindestsatz in der GKV irgendwo oberhalb 300 EUR im Monat liegen. Tatsächlich werden für einen Bürgergeldempfänger nur um die 130 EUR gezahlt.

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Genau das sehe ich als eine der großen Wurzeln der Probleme, diedie GkV plagen. Die gesetzlich Versicherten tragen einen signifikanten Anteil der Sozialausgaben allein, die eigentlich auf alle verteilt gehören. Beispiele: Die Krankenversicherung von Bürgergeldempfängern und die Krankenhausreform.

Ich finde perfide, dass insbesondere die stärksten Schultern von diesen Aufgaben ausgenommen sind und man sie ausschließlich auf die gesetzlich versicherte, angestellte Mittelschicht abwälzt (darüber ist man idR privat versichert, darunter deckt man mit den Beiträgen bestenfalls den eigenen Bedarf oder profitiert von Transfer).

Rein egoistisch betrachtet bereue ich mittlerweile, in jüngeren Jahren aus Idealismus nicht in die private Krankenversicherung gewechselt zu sein. Die Summen, die ich zusätzlich zum Höchstsatz über die letzten Jahre aus eigener Tasche bezahlen musste, gehen auf keine Kuhhaut.

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PKVs sind nicht deswegen in der Lage, den x-fachen Satz zu zahlen, weil sie so krass viel effizienter sind als GKVs, sondern weil sie systematisch schlechte Risiken vermeiden und auf die Solidargemeinschaft abwältzen.

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Es gibt keine 200 Krankenkassen, sondern etwa 90.

Das Problem an solchen Diskussionen ist, dass immer wieder die gleichen Mythen verbreitet werden, und dadurch der Blick aufs Wesentliche verloren geht. Die Behauptung, es ließe sich etwas durch die Verringerung der Anzahl an Kassen sparen, ist einer davon.

Fakt ist: Seit den 90ern sind 90% der Kassen verschwunden, damals waren es weit über 1.000. Wie viel wurde durch die Fusionen seitdem gespart?

Zwischen 2004 und 2024 stiegen die Verwaltungsausgaben von 8,1 auf 12,6 Milliarden Euro, was einem Anstieg von rund 55 Prozent entspricht. Inflationsbereinigt waren dies immerhin noch gut 6 Prozent mehr, obwohl die Zahl der Kassen im selben Zeitraum deutlich gesunken ist. Dieser Anstieg hat gute Gründe: Krankenkassen müssen immer mehr Versicherte versorgen und erhalten vom Gesetzgeber immer wieder neue Aufgaben und Regulierungen, die eingehalten werden müssen und den Beratungs- und Verwaltungsaufwand erhöhen.

…schaut einmal auf die echten Kostentreiber im System. …Es wird zu viel stationär behandelt und zu viel teure Medikamenteverschrieben. Beispiel: Lebensverlängernde Therapien todkranker Patienten im Endstadium. Es ist absolut üblich, dass hier Medikamente für sechsstellige Beträge verschrieben werden, die den Patienten mehrere Wochen bis wenige Monate bringen, im schlimmsten Fall bringen sie gar nichts:

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Hatte dazu eine Diskussion mit einer Ärztin, die anprangerte dass viel zu viele Medikamente weggeworfen werden (weil abgelaufen, gar nicht benötigt, etc). Sie sah hier einen großen Grund für die hohen Kosten.

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Mag sein, dass an vielen Stellen über das Ziel hinausgeschossen wird. Ich selbst lebe aber heute wegen genau dieser Medikamente noch, wie viele andere Menschen auch. Ich bin froh, dass vor 14 Jahren nicht an mir gespart wurde.

Es kann jeden treffen.

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Ich gebe dir Recht und widerspreche im gleichen Atemzug. Beim Bürgergeld lassen sich nun 86 Millionen pro Jahr nach den Reformen einsparen. Hier reden wir von mehr als 86 Millionen pro Jahr. Also sollte man das machen. Das gleiche betrifft die Doppelstrukturen durch PKV und GKV.
Dass man an die Kosten ran muss, ist ein anderes Thema. Aber auch hier sind die Doppelstrukturen ein Problem, da so die KVen sich gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben. Gibt es nur eine GKV, betrifft es alle gleich und macht die Umsetzung wesentlich einfacher.

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Gerecht muss aber nicht immer Gleich sein.
Ja, das ist ein dickes Brett, das gebohrt werden muss.

Das stimmt. Wer weniger hat, braucht mehr Unterstützung.

Bitte schütte das Kind nicht mit dem Bad aus: niemand spricht davon, Menschen ihre Chance auf ein langes und erfülltes Leben zu nehmen, indem man ihnen wirksame Therapien verwehrt. Es geht darum, dass wir das eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt haben, und trotzdem nicht länger leben als andere Nationen. Das liegt daran, dass sehr viel Geld in Bereichen aufgewandt wird, die letztlich den Patienten kein längeres, besseres Leben bringen.

Daran wird auch eine Abschaffung der PKV nichts ändern, die ändert nur die Kostenverteilung, aber nicht, dass für statistisch nicht nachweisbare Effekte Geld unnötig ausgegeben wird.

Immer noch 89 gesetzliche Krankenkassen zuviel.

Und das soll dann aus Kostengründen unterbleiben? Was allerdings stimmt, sind die hohen Einnahmen der Pharmakonzerne. Aber da gibt es sicher andere Ansatzpunkte als bei der Behandlung von todkranken Menschen zu sparen.

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