Gesellschaftsjahr LdN 381

Mein erster Impuls bei dem Stück in der LdN 381 zur Idee der Union die Wehrpflicht in Form eines Gesellschafsjahres wieder eninzuführen war: Gute Idee, dass für Männer und Frauen verpflichtend zu machen. Habe selbst gerne Zivildienst gemacht und es war eine echt bereichernde Zeit… Zweiter Impuls: Wenn eine Frau ein Kind bekommt, dann ist das, biologisch und struktuell, eine derartige Benachteiligung auf dem Erwerbsmarkt, dass man ihren Beitrag zum Wohle der Gesellschaft guten Gewissens als abgehakt betrachten kann. Dritter Impuls: Warum nicht bei Männern ein Gesellschaftsjahr zeitnah nach Abschluss der Schulzeit, irgendwie grob so, wie wir das ja auch schon mal hatten. Frauen dürfen sich damit Zeit lassen bis sie, was weis ich, 35 oder 40 sind und wenn sie bis dahin Mutter geworden sind, dann dürfen sie es auch lassen. Die Idee wollte ich einfach mal pitchen.

Gilt Vater werden dann ebenso als Befreiung? Oder müssen meine Frau und ich dann nachweisen, in welchem Umfang ich an der Kindererziehung teilhabe?
Natürlich entfallen bei mir als Vater 40 anstrengende Wochen der Schwangerschaft, aber in der modernen Rolle des Vaters sehe ich mich auch im Haushalt und bei den Kindern.

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Damit zahlen dann statistisch alle ein Jahr später in die Rente ein. Und kommen ein Jahr später auf den regulären Arbeitsmarkt. Für was, bitte schön? Um wie wir damals sinnlos unsere Zeit mit Löcher graben, auf Ziellscheiben schießen und sich Anbrüllen lassen zu verbringen? Nein danke. Können wir uns gar nicht leisten.

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Da bin ich bei dir. Ich durfte als einer der letzten Jahrgänge meine Zeit dort verschwenden. Klar kriegt man für die Forderung von genug Menschen Applaus, die nicht betroffen sind. Am Ende wird mal wieder auf Kosten junger Menschen versucht eigene Inkompetenz auszugleichen. Die Bundeswehr hat keine Rekruten weil die schlicht nicht attraktiv ist und unfassbar schlecht geführt wird. Das war schon vor 20 Jahren so und ist nicht besser geworden.

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Ich würde die Idee des Gesellschaftsjahres so verstehen, dass es nicht mehr - wie früher - Bundeswehr als Default gibt. Jeder kann einfach wählen was man macht, eine Option kann Bundeswehr sein.

Insgesamt finde ich den Ansatz für den Zusammenhalt der Gesellschaft gut, auch wenn es gegen mein liberales Weltbild spricht. Mir selbst hat es auch nicht geschadet Zivi zu machen.

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Dann bleibt immer noch das Gegenargument, dass damit ja ein Jahr für Rente und Ausbildung bzw als potentielle Fachkraft auf dem Arbeitsmarkt verloren geht. Und dass in einer Zeit, wo wir händeringend nach Arbeitskraft suchen (und das wird ja noch schlimmer).

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Die LdN 381 hat mich nun in dieses Forum geführt. Zum Gesellschaftsjahr möchte ich anmerken, dass ich meinen Zivildienst als unglaublich wertvolle Erfahrung nicht missen möchte. Trotzdem möchte ich drei Anmerkungen machen:

  1. Mir ist erst später klar geworden, dass meine Arbeit als Zivi auch dazu führt, dass hier keine „ordentlich“ bezahlten Arbeitsplätze geschaffen wurden. Meine „billige“ Arbeitskraft stopfte Löcher, die auch mit der fehlenden Wertschätzung für Pflegeberufe zusammenhängen.
  2. In Anbetracht von Fach- und Arbeitskräftemangel wird es sicherlich schwer einen späteren Eintritt von Menschen ins Arbeitsleben vor der Wirtschaft zu rechtfertigen.
  3. Halten wir es für wirklich gerechtfertigt, der Corona Generation nun auch noch die Pflicht zur Lösung unserer gesellschaftlichen Probleme aufzubürden, nachdem wir sie schon mit einer mangelnden Corona Schulpolitik, fehlenden Alternativen und einem wirklich mangelhaften Bildungssystem gestraft haben? Aber klar, alte Männer, die die Mehrheit der Wähler:innen darstellt, entscheiden über die Zukunft der Jugendlichen.
    Vielen Dank und weiterhin großartige Sendungen
    Andreas
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… Zitate - nicht wörtlich - aus dem Podcast: …es ist eine Selbstverständlichkeit, wenn das heute wieder aktiviert wird, dass das natürlich alle machen müssen. Und: gute Idee im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Ich kritisiere diese Einstellung vehement! Diese Ideen haben nichts mit der Lebensrealität von Frauen zu tun. Mein erster Impuls bei einem „Gesellschaftsjahr FÜR ALLE“ ist: Mein ganzes Leben ist ein Gesellschaftsjahr und was kann ich denn bitte noch tun?
Ich bin sehr genervt von dieser Idee und vor allem davon, dass sie anscheinend von den beiden Hosts der Lage, deren Podcast ich sehr schätze, oder schätzte, vertreten wird. Ich bin eine Frau mit Kindern und pflegebedürftigen Eltern und wiederspreche diesen Vorschlägen, doch bitte noch mehr zu leisten - für die Gesellschaft.
Ich habe in den letzten Jahren auch sehr viel Zeit in Kinderkrankenhäusern verbracht. Nicht nur dort, sondern auch an Kindergarten- , Schul- und Hortelternabenden, Schul-, Kindergartenfesten, die ohne die helfenden Hände alle nicht möglich wären - ich bin umgeben von anderen Frauen. Begleitpersonen, Kindergärtnerinnen, Krankenpflegerinnen, Ärztinnen, Psychotherapeutinnen,… überall. Ja, manchmal trifft man auch einen Mann, das stimmt schon.
Mein Eindruck ist: wir schmeißen den Laden.

Wer blieb zu Hause während den Schul- und Kindergartenschließungen während Covid… und mithelfen ist nicht das Gleiche, wie die Last zu tragen. Ach ja, und dann arbeiten wir natürlich auch in unseren richtigen Jobs. Nebenbei, solange man wegen all den Fehltagen nicht seinen Job verliert, so wie ich. Aber dann kann man freiberuflich arbeiten, ist auch finanziell echt lohnenswert, sehr sicher und wenn man krank wird oder wieder jemand in der Familie, fällt man der Gesellschaft nicht zu Last.
Ohne all die Frauen in den Einrichtungen, in denen ich die letzten Jahre war, und die mich und meine Familie unterstützt haben, keine Ahnung… Wir alle machen soziale Jahre, die ganze Zeit! Und die meisten nicht freiwillig.

Ich empfehle den Podcast „Frisch an die Arbeit“ der Zeit vom 27.10.2020, es geht um Mental Load.
Abgesehen von den all den Verpflichtungen, die man als Frau plötzlich hat, wenn man Kinder bekommt und von denen man vorher noch nie gehört hatte und man bis dahin vielleicht an eine gleichberechtigte Gesellschaft geglaubt hat: das Problem, dass Frauen im Gegensatz zu Männern ihr Elternwerden nicht beliebig in die Zukunft verschieben können, müsste bekannt sein.

Ich kann nur empfehlen, mal öfter eine weibliche Perspektive mit in die Lage zu holen, falls ihr auch an weiblichem Publikum interessiert seid.
Jeder von uns kann morgen chronisch krank werden und ist dann auf Hilfe angewiesen, hoffentlich sind dann genug helfende Hände in der Nähe.

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Aber in den Berufen, in denen man dann arbeitet, bspw. Pflege, ist ja auch Fachkräfte-Mangel. Wahrscheinlich mehr als genug in dem Durchschnitt der Berufe, die sonst gemacht werden. Man kann es ja auch so machen, dass man da auch was in die Rente mit einzahlt, die Gesamt-Arbeitszeit muss sich ja ohnehin mit der höheren Lebenswertung anpassen, dann kann das Jahr ja locker on-top. Wichtig wäre nur, das verwöhnte Kinder von reichen Eltern sich nicht “freikaufen” können, die haben es zum Teil am nötigsten :wink:

Insgesamt würde ich das Jahr auch nicht als Zwang zu einer Arbeitsleistung verstehen, sondern als Teil der Ausbildung zu einem mündigen Bürger. Und im Gegenzug hat man den Deutschen Pass, der einer der besten der Welt ist.

Aus meiner Sicht besteht allerdings durchaus Hoffnung, dass durch die hoffentlich sinnstiftende Arbeit bei vielen jungen Menschen die Persönlichkeitsentwicklung positiv beeinflusst wird und damit die Vorteile im späteren Arbeits- und sonstigen Leben überwiegen.

Wie bei so vielen Dingen kommt es auch beim Gesellschaftsjahr darauf an, was man daraus macht - Ich könnte mir neben der Bundeswehr unzählige sinnvolle Tätigkeiten in den „klassischen“ Ersatzdienstbereichen (Feuerwehr, THW, Rettungsdienst), in der sozialen und Erziehungsarbeit, als Umweltjahr oder in gemeinnützigen Vereinen vorstellen.

Das Jahr für die Ausbildung wär´s mir persönlich Wert und ich habe starke Zweifel daran, dass das derzeitige Rentensystem ohne durchgreifende Reformen für die derzeitigen Schulabgängerjahrgänge trägt.

Von meiner Seite: klar pro Gesellschaftsjahr - allerdings mit einem klaren und nachhaltigen Konzept.

Ja, ich glaube wir sollten hier mit Pauschalisierungen vorsichtig sein hinsichtlich „Gesellschaftsjahr für alle“.
Von der Geschlechtergleichberechtigung sind wir tatsächlich noch weit entfernt.

Zudem, anderer Gedanke: oft hört man zum Beispiel von Pflegefachkräften oder Erzieherinnen „Wir machen drei Jahre fordernde Ausbildung, haben einen Mangel an Fachkräften, und sollen uns jetzt über einen Haufen mehr oder minder motivierte Ungelernte freuen? Wer soll die nebenbei noch anlernen?“
Die Stimmen hört man öfter.
Auch die Bundeswehr sagt wohl recht offen „die Technik ist so komplex geworden, das bringt man Rekruten nicht in paar Monaten bei, und wenn sie es dann können, sind sie wieder weg.“

Wie schon von anderen erwähnt, das müsste dann alles schon sehr gut organisiert und vorbereitet sein, damit es nicht eher zur Belastung wird.

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Doch, müssen wir uns leider wieder leisten können. Wir sitzen sonst mit Generationen von Männern da, die kein Gewehr bedienen und keinen Panzer laden können, nicht wissen wie man eine Schusswunde versorgt oder einen Graben aushebt.

Wie wichtig das für eine Nation im Zweifelsfall aber sein kann, zeigt die Ukraine jeden Tag.

Die gesamte Strategie der Landes- und Bündnisverteidigung baut darauf auf, dass europäische Soldaten einen Angriff Russlands so lange abwehren bis die USA eintreffen. Wer die Aussagen Trumps gehört hat, weiß dass diese Strategie höchstwahrscheinlich mit dessen Wahl passé sein wird. Ab diesem Zeitpunkt ist Europa auf sich gestellt.

Wenn wir als Nation bestehen wollen, müssen wir uns diesem Risiko stellen und unseren way of life überdenken.

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Ich würde den jungen Erwachsenen ein 8 plus 4 anbieten.
8 verpflichtende Monate Bund oder Zivi, 4 Monate Urlaub, bei 12 Monate je 1500€ Netto.

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Ich unterschreibe mal bei @Sande.

Auf dem Papier sieht das gut aus: Gleichberechtigung und gleiche Verpflichtung.

In der Realität ist es aber so, dass die Care-Arbeit an Frauen hängt.
Gender Pay Gap ist immer noch riesig.

Frauen kümmern sich in den meisten Fällen um die Kinder, um die Eltern und Schwiegereltern, fingen während der Pandemie den ausgefallenen Unterricht und übernahmen die Betreuung der Kigakinder.

Und das Ganze wird nicht honoriert, sondern frau tappt in die Falle Altersarmut.

Denn Karriere macht frau nicht, sondern arbeitet Teilzeit. Sucht mann sich eine neue, ist frau auch benachteiligt bei Rente und Unterhalt.

Na klar, es gibt auch Männer, die ihren Part 50/50 übernehmen. Aber diese Männer sind in der Minderzahl.

Also aus der Wehrpflicht eine Dienstpflicht für alle zu machen, geht an den Realitäten vorbei.

Bitte, bitte holt euch weibliche Perspektive!!

Ich schätze den Podcast sehr, aber da habt ihr zu sehr den Blickwinkel eurer Bubble.
Das war auch schon beim Thema Elternrechte so.

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Ich würde den jungen Erwachsenen erklären, dass es Freiheit, Demokratie und eine funktionierende Gesellschaft nicht zum Nulltarif und ohne Mitwirkung von möglichst allen gibt.

Und wenn dann plötzlich der Mann (wie bei uns) paritätisch mitmacht heißt es also Pech gehabt? Hier werden 2 völlig verschiedene Sachen ohne Not vermischt. Das gehört an dieser Stelle einfach nicht zusammen.

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Ich persönlich halte „Dienst an der Gesellschaft“ z.B. in Form einer Wehrpflicht oder Zivildienst für eine sinnvollen Überlegung. Dabei geht es auch meiner Sicht aber viel mehr darum, eine ordentliche Ausgestaltung hinzubekommen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland nach Jahren dessen Abbaus wieder zu stärken.

Darüber hinaus halte ich auch den Vorschlag von Richard Davon Precht, ein verpflichtendes soziales Jahr nach Ende der Erwerbstätigkeit einzuführen für absolut sinnvoll(natürlich nur, wenn man dazu noch körperlich und geistig in der Lage ist). Denn auch hier ist zu beobachten, dass sich die Rentner zunehmend von den „Jungen“ entfernen und entfremden. Es gibt genug Aktivitäten, wo sich auch ältere für die Jüngeren und Benachteiligten einsetzen sollten.

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Grundsätzlich hört sich so ein Jahr für die Gesellschaft ganz nett an.

Aber ich finde es wird problematisch, wenn das fehlende Personal im sozialen Bereich mit der billigen Arbeitskraft von jungen Leuten gefüllt wird. Wie sollen diese jungen Leute denn dafür entlohnt werden? Gibt es dafür schon (von irgendwem) konkrete Vorschläge?

Freunde von mir hatten letztens die Idee eines sozialen Jahres vor der Rente. Bevor man in der Rente seinen Lebensabend genießen darf, soll man ein Jahr lang der Gesellschaft etwas Gutes tun. Natürlich alles im Rahmen der körperlichen Fähigkeiten von 60-70 Jährigen, aber es gibt ja einige Jobs (wie Kinderbetreuung in Maßen, Nachhilfe, Ehrenämter, …). Es würde sicherlich auch der Einsamkeit von vielen älteren Menschen entgegenwirken, wenn sie nach ihrer Erwerbstätigkeit in ihrer lokalen Umgebung noch andere Menschen in ähnlichen Situationen kennenlernen würden.

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Da braucht es keine weibliche Perspektive um zu erkennen, weiches Bild damit erzeugt werden würde.
Dass es nämlich legitim ist, dass die Frau später beim Kind bleibt, schließlich hat der Mann ein Dienstjahr gemacht, von dem die Frau aus diesem Grund freigestellt wurde.

Ich halte so ein Jahr für aus der Zeit gefallen.
Stattdessen würde ich dafür plädieren Arbeitszeit zu reduzieren und zu werben, dass diese mit Ehrenamt ausgeglichen wird.
Das kann der Staat dann gerne mit Vorteilen symbolisch vergüten. Es gibt im Ehrenamt nämlich viel zu viele Gutsituierte und viel zu wenige Bürgergeldempfänger.
Und gerade letzteren würde die daraus erwachsende Anerkennung gut tun.

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Ich möchte mal gegen die Zivildienstbegeisterung gegenhalten: meiner waren verschwendete 9 Monate (eigentlich ein ganzes Jahr, wegen Semesterbeginn) für eine Geldmenge, die in normalen Berufen wahrscheinlich sittenwidrig gewesen wäre.
Dazu dann noch solche Dinge wie die Heimschlaferlaubnis, bei der explizit vorgesehen war sie als Disziplinarmaßnahme wieder zu entziehen. Normalerweise braucht man ein Gerichtsurteil um erwachsenen Leuten vorzuschreiben, wo sie ihre Nächte verbringen!

Für mich hat mir der Staat einfach willkürlich 9 Monate gestohlen (willkürlich weil es damals schon zufällig war, ob man 1. tauglich und 2. einberufen wurde).

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