Geht die emotionale Bindung an Haustiere zu weit?

In Reaktion auf den Beitrag in der letzten Lage lese ich hier Beiträge, wo einerseits Tierhalter von gut vierstelligen Behandlungskosten berichten, die sie finanziell unter Druck setzen, für die es gleichzeitig keinerlei Alternative gebe. Andererseits schreiben Tierärzte, dass es ihnen emotional zu Schaffen mache, wenn sich die Halter der zu ihnen gebrachten Tiere die angemessen Behandlung nicht leisten können.

Da frage ich mich schon, ob wir es gesellschaftlich nicht insgesamt mit dem Konzept „Haustier“ inzwischen ein wenig übertreiben. Von Haustierhaltern wird scheinbar inzwischen sehr selbstverständlich erwartet (auch durch sie selbst), für ihre „Lieblinge“ ähnlich hohe Beträge wie für die Versorgung pflegebedürftiger Personen zu berappen. Als Vater einer solchen Person, deren Leistungen von der aktuellen Regierung wohl zusammengestrichen werden, weil wir uns das als Gesellschaft angeblich nicht mehr leisten können, ist das schwer zu ertragen.

Und in den Gesundheitskosten sind ja viele anderen Kosten von Haustieren (Futter, Training, häusliche Ausstattung und Spielzeug, Anschaffung bei Rassetieren, Unterbringung usw.) noch gar nicht drin.

Und dann die unglaubliche kognitive Dissonanz zwischen dem Wohlergehen des eigenen Hundes, Katze oder Pferds und den Bedingungen, unter denen viele „Nutztiere“ immer noch leben. Ich esse gerne Fleisch, aber ich empfinde ein Störgefühl dabei, wenn ich einerseits wahrnehme, wie Haustiere in meinem persönlichen Umfeld auf dem Niveau eines eigenen Kindes umhegt werden, andererseits das Discounter-Steak auf dem Grill landet.

Ich habe in der Vergangenheit mit Haustieren gelebt, meine Familie hat über Jahre hinweg ein sehr charmantes Island-Pony gehalten und ich kann mir gut vorstellen, dass Tiere in meinem Leben noch eine stärkere Präsenz einnehmen werden.

Für meine Begriffe ist die menschliche Zivilisation stark durch die Domestizierung von allen möglichen Arten von Tieren geprägt worden und daher ist nur logisch, dass Tiere auch im persönlichen Leben vieler Menschen weiter eine Rolle spielen. Bei mir macht sich aber immer mehr das Gefühl breit, dass wir hier gerade kollektiv die Schwelle des gesunden Umgangs mit dem Thema überschreiten.

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Ich habe dazu mal eine recht interessante Radioreportage gehört. In dieser haben Tierärzte viele OPs in Frage gestellt. Je kleiner ein Tier, desto problematischer seien einige heute üblichen OPs. Viele würden eher das Sterben Verlängern als dem Tier eine gesunde Zukunft zu ermöglichen. Sie seien eher egoistisch zu sehen, weil Menschen nicht loslassen können, als dem Tier zu nutzen. Tiere hätten eben nicht solche Ziele wie Menschen, z.B. noch das Abitur des Enkels zu erleben oder ähnliches.

Es wurde aber auch betont, dass das nicht für alle Eingriffe gelte und einige sehr wohl auch dem Tierwohl dienen.

Mangels Wissen über Tiermedizin fiel und fällt es mir aber schwer das zu beurteilen.

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Wenn ich auch sehe, welche emotionale Bindung manche Menschen zu ihrem Automobil eingehen, wieviel Geld sie in einem profanem Fortbewegungsmittel versenken und dafür teils Frau und Kinder vernachlässigen, frage ich mich auch ob manche emotionale Bindungen nicht zu weit gehen. :wink:

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Was nicht ganz nachvollziehen kann, ist die Richtung deiner Kritik. Dass Menschen bereit sind, für die Behandlung eines geliebten Hundes oder einer Katze mehrere tausend Euro auszugeben, steht doch nicht in Konkurrenz zur Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Die Ursache dafür, dass bei Pflege, Gesundheit oder sozialen Leistungen gespart wird liegt nicht darin, dass Tierhalter Verantwortung für ihre Tiere übernehmen.

Vielmehr würde ich die Frage umdrehen: Warum sollte es problematisch sein, dass Menschen Fürsorge für ein Lebewesen empfinden, das sie über Jahre begleitet? Wer ein Lebewesen hält, übernimmt Verantwortung für dessen Wohlergehen. Dass viele Menschen diese Verantwortung auch dann ernst nehmen, wenn es teuer wird, erscheint mir zunächst eher als positive Entwicklung.

Gerade bei älteren oder alleinlebenden Menschen spielen Haustiere oft eine Rolle, die weit über die eines Hobbys hinausgeht. Sie spenden Gesellschaft, geben Struktur, fördern Bewegung und haben nicht selten einen spürbar positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit. Dass daraus eine starke emotionale Bindung entsteht, überrascht mich daher wenig.

Am ehesten nachvollziehen kann ich noch deinen Hinweis auf die unterschiedliche moralische Bewertung von Haus- und Nutztieren. Tatsächlich behandeln viele Menschen ihren Hund wie ein Familienmitglied, während sie sich über die Herkunft ihres Fleischs deutlich weniger Gedanken machen. Das ist ein realer Widerspruch, über den man diskutieren kann. Aber selbst wenn man diesen Widerspruch anerkennt, folgt daraus für mich nicht, dass der hohe Stellenwert von Haustieren das eigentliche Problem wäre. Eher stellt sich die Frage, warum uns das Leid von Nutztieren oft weniger berührt als das unserer Haustiere. Nicht, warum Menschen sich zu sehr um ihre Haustiere kümmern.

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Unabhängig davon, wie man diese Bereitschaft persönlich bewertet, würde ich einen Zusammenhang zwischen den Themen absolut bejahen. Die steigenden Kosten der Behandlung von Haustieren in Verbindung mit der (nach meiner Wahrnehmung) steigenden emotionalen Abhängigkeit vom (durch den Halter empfundenen) Wohlergehen dieser Tiere ist Teil einer gesamtgesellschaftlichen Stimmung, die zunehmend das Credo des „wirtschaftlich Machbaren“ über das „menschlich Gebotenen“ stellt.

Wer hunderte oder tausende Euro, die er eigentlich nicht übrig hat, für sein Haustier ausgibt, der wird zwangsläufig über Steuern und Abgaben fluchen. Das macht empfänglich für die neoliberale Sparideologie und entsprechende Wahlergebnisse. Ich will da natürlich dem Hauskätzchen nicht die alleinige Schuld an einer zunehmend asozialen Haushaltspolitik geben, aber helfen tut es auch sicher nicht.

Weil mein Eindruck ist, dass vielen Menschen inzwischen das Wohlergehen des eigenen Haustiers wichtiger ist, als das Wohlergehen eines ihnen vielleicht unbekannten anderen Menschen.

Ich bin mir persönlich noch unsicher, ob es sich vielleicht einfach um ein weiteres Symptom unserer gesellschaftlichen Entwicklung handelt. Aber „ein Lebewesen, das dich über Jahre begleitet“ und „Gesellschaft spendet, Struktur gibt, Bewegung fördert und einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit hat“ und zu dem eine „starke emotionale Bindung entsteht“, das waren früher mal andere Menschen, keine Tiere.

Mein Eindruck ist, dass Haustiere hier für einige Personen eine „Ersatzfunktion“ einnehmen, weil man an die menschliche Gesellschaft, einschließlich der eigenen Familie, keinen Anschluss mehr findet. Für das Individuum mag das hilfreich sein. Aber um die Gesellschaft mache ich mir Sorgen, wenn die alte Dame mit ihrem Fifi spricht wie mit dem eigenen Kind, sich gleichzeitig aber darüber beschwert, wenn tatsächliche Kinder störend auffallen.

Ich möchte damit auch nicht Tierhaltern irgendeine Schuld geben, noch nichtmal der alten Dame oder ihrem Fifi. Mir geht es eher um eine gesamtgesellschaftliche Beobachtung: Bei der Tierhaltung (und längst nicht nur da, wenn ich mir Reality-TV und Auto-Fetischismus anschaue) simulieren wir menschliche Beziehungen und bauen tatsächliche Beziehungen gleichzeitig ab.

Emotionale Bindung zu Tieren gibt es wohl seitdem der erste Mensch einem neugierigen Wolf einen Knochen hingeworfen hat. Vielleicht auch länger, denn auch im Tierreich sind emotionale Bindung über Artengrenzen hinweg dokumentiert. Aber nur, weil eine Beziehung „emotional“ ist, ist sie nicht zwangsläufig auch auf individueller oder gesellschaftlicher Ebene gesund.

Und wenn ich das aus Sicht des Tierwohls betrachte dann fällt mir auf, wie selbstverständlich praktisch alle Tierhalter davon ausgehen, dass die Emotionen von Tieren genauso funktionieren wie die eigenen menschlichen. Ob man einem Tier, das Schmerz nicht klar an Menschen kommunizieren kann, mit jeder lebensverlängernden Maßnahme einen Gefallen tut, ist da nur die Spitze des Eisbergs (siehe @pbf85 Beitrag). Tatsächlich wissen wir nichtmal, wie unterschiedliche Tiere Konzepte wie „Tod“, „Verlust“, „Schmerz“, „Liebe“, usw. empfinden und einordnen. Wir projizieren unsere eigene Emotionalität auf ein Lebewesen, das sich dazu nicht äußern kann und dessen Wesen und Wahrnehmung wir nur unzureichend verstehen. Zwischen Menschen würde man so eine Beziehung als extrem dysfunktional beschreiben.

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Nennt sich Hobby. Selbes Argument könnte man auch bei Fußballfans bringen.

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Ein anderer Aspekt ist meines Erachtens auch die kognitive Dissonanz bei „Rassetieren“ (oder deren extremere Form: Qualzuchten). Ich kenne Menschen, die haben ein Tier, dass kaum ohne Schmerzen laufen und auch nicht frei atmen kann, aber behandeln das Tier wie ein geliebtes Familienmitglied. Wie geht das zusammen? Man schafft sich ein Tier an, dessen ganze Existenz von Leiden geprägt ist, weil man es selbst „schön“ findet oder das Tier ein „Statussymbol“ ist. Und dann verhätschelt man es, als sei es das eigene Kind. Was geht in den Köpfen dieser Menschen vor, wie kann man das rechtfertigen?!?

Generell ist Tierhaltung in den seltensten Fällen wirklich „artgerecht“. Es scheint mir immer eher um den Wunsch des Menschen zu gehen, einen tierischen Begleiter zu haben, als darum, ob das Tier wirklich „glücklich“ ist. Kognitive Dissonanz prägt das Thema Tierhaltung meines Erachtens generell sehr stark.

Ich bin zwar nicht wirklich für die völlige Abschaffung der Tierhaltung (diese Position gibt es ja durchaus unter Tierrechtlern und Tierschützern), denke aber, dass wir uns anlügen, wenn wir so tun, als würden wir Tiere um der Tiere Willen halten. Wir halten sie, weil es unserem Interesse entspricht, nicht dem Interesse der Tiere.

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Stimmt.

Ist ja eher der Punkt, wo ist ein Hobby (ob Auto, Haustier oder Fußball) noch „gesund“ und wo ist es eher Obsession?

17 Katzen in der kleinen Mietwohnung hat nicht mehr viel mit Tierliebe zu tun.

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Mit dem Eindruck hast du vollkommen Recht. Das liegt aber auch daran das allein aus der Wahrscheinlichkeit heraus, ich den mir unbekannten Menschen wahrscheinlich nicht leiden kann, das Tier mit dem ich jeden Tag verbringe allerdings schon. Natürlich ist mir der unbekannte Mensch dann erstmal egaler. Ob das jetzt für die Gesellschaft hilfreich ist sei Mal dahingestellt. Aber nur weil ich meinem Tier nicht helfe, helfe ich noch lange nicht automatisch einer mir unbekannten Person.

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Diese Qualzuchten sind eben noch mehr Kind-like, weil komplett von ihren Haltern abhängig.

Ich habe jahrelang mit einer Perserkatze zusammengelebt, nachdem die Menschen, die sie sich angeschafft hatten, keine Zeit mehr für sie hatten. Miez konnte gar nichts alleine. Du bist jeden Tag mit Fürsorge beschäftigt: Krallenpflege, bürsten, Nase und Augen sauber halten, Katz irgendwo runterholen, weil sie mit ihren deformierten Krallen nicht ordentlich klettern konnte… Sie konnte nicht gleichzeitig fressen und atmen, weil die Nase dafür zu platt war. Sie ist erstaunlicherweise für eine Katze echt alt geworden. Ich habe mich bemüht, es ihr so angenehm wie möglich zu machen, aber als sie krank wurde, durfte sie gehen.

@ped Grundsätzlich habe ich großes Mitgefühl mit Menschen, die eine familiäre Bindung zu ihren Haustieren verspüren. In den Selbsthilfegruppen für unfreiwillig Kinderlose, in denen ich aktiv war, waren wahnsinnig viele Frauen, die mithilfe ihrer Katzen oder Hunde ihre Trauer verarbeitet haben. Und gerade unter den alten Damen, deren Männer verstorben waren, haben die Tiere sie oft vor Vereinsamung bewahrt, weil es ein Grund war, vor die Tür und z.B. in den Hundepark zu gehen und Unterhaltungen mit Menschen zu führen.

Ich sehe das überhaupt nicht in Konkurrenz zu menschlichen Beziehungen, sondern manchmal eher als Brücke. Und gerade bei unfrewillig Kinderlosen sollte man sich kein Urteil erlauben, wie Menschen mit diesem Schicksal umgehen, zumal gerade Frauen in ländlichen oder sehr religiös geprägten Kontexten auch oft noch Ausgrenzung erfahren.

Qualzuchten sind allerdings eine völlig andere Kiste. So lieb ich meine hilflose Miez irgendwann gewonnen hatte - @Daniel_K da würde ich noch weiter gehen, als Du, und sagen: Solche Züchtungen gehören einfach verboten. Das ist schlicht Tierquälerei.

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Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, auf welcher Grundlage du hier generalisierst. Wer ist dieses „wir“ und wer genau übertreibt da was auf gesellschaftlicher Ebene, wenn Einzelne für die Behandlung ihrer Haustiere aus eigener Tasche so viel Geld ausgeben?

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Sehe ich genauso, das Problem ist meines Erachtens, dass immer noch zu viele Haustierbesitzer sich der Verantwortung und möglichen Kosten vor der Aschaffung nicht bewusst sind.
Sonst wären auch die Tierheime nicht brechend voll und überlastet (und die Rastplätze ein beliebter Abaldeort für unbequeme Tiere)

Ich kann ich mir gut vorstellen, dass die Überforderung (finanziell und emotional) zum Großteil auch in den Tierarztpraxen und bei den dortigen Mitarbeitern abgeladen wird, ob das eine Einfluss auf die höher Suizid-Quote hat?

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Vorweg: Ich stehe Tieren neutral gegenüber, das Konzept Haustier kann ich zwar verstehen, empfinde aber anders. Die Unterscheidung zwischen Nutz- und Haustier kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin Vegetarier, um die Umwelt etwas zu schonen und meinen Ressourcenverbrauch zu vermindern.

Zum Thema Geld: da sehe ich weniger das Problem, dass Geld für Haustiere ausgegeben wird (besser als für SUV oder Flugreisen IMO), sondern dass die Reichen nicht ordentlich besteuert werden und die Vermögen stetig auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung steigen.

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Ja, das ist leider echt ein Problem. Ein Hund kostet über die Lebenszeit zwischen Futter, Versicherungen, Training, medizinischer Behandlung etc. ähnlich viel wie ein neuer Kleinwagen (~30k), und das ist noch recht vorsichtig kalkuliert.

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Aus evolutionsbiologischer Sicht wäre es geradezu erstaunlich, wenn soziale Säugetiere keine emotionalen Zustände entwickeln würden. Emotionen sind kein exklusiv menschliches Phänomen, sondern haben eine klare Funktion für Überleben und Fortpflanzung. Angst schützt vor Gefahren, Bindung stärkt den Zusammenhalt sozialer Gruppen, Trauer/Depression tritt v.A beim Verlust wichtiger Sozialpartner auf und Schmerz dient als Warn- und Schutzmechanismus. Die zugrundeliegenden neurobiologischen Strukturen sind bei vielen Säugetieren keineswegs völlig anders als beim Menschen. Natürlich erleben Tiere die Welt nicht genauso wie wir, aber daraus zu schließen, ihre Emotionen seien bloße Projektionen des Menschen, halte ich für wissenschaftlich kaum haltbar.

Falls sich die erwähnte Dokumentation auf extrem klein gezüchtete Toy-Rassen oder andere Qualzuchten bezogen haben sollte: In solchen Fällen kann eine Operation tatsächlich dazu führen, dass ein ohnehin durch Zucht bedingtes Leiden verlängert wird. Das ist jedoch kein Argument gegen tiermedizinische Behandlungen im Allgemeinen, sondern vielmehr ein Argument gegen bestimmte Zuchtpraktiken.

Im Übrigen entspricht es nicht meiner Erfahrung, dass Tierärzte das Leben eines Tieres um jeden Preis verlängern wollen. Im Gegenteil: Die Frage nach Lebensqualität spielt in der Veterinärmedizin eine zentrale Rolle. Anders als in der Humanmedizin besteht bei unheilbar leidenden Tieren die Möglichkeit einer Euthanasie. Gerade deshalb wird regelmäßig abgewogen, ob eine Behandlung dem Tier tatsächlich hilft oder lediglich Leiden verlängert. Sollte die Dokumentation etwas anderes suggerieren, würde mich der konkrete Fall interessieren, denn die pauschale Behauptung entspricht weder dem ethischen Selbstverständnis noch der alltäglichen Praxis der meisten Tierärzte.

Am Ende scheint mir der Text weniger eine Kritik an Tierhaltung zu sein als eine Kritik an gesellschaftlicher Vereinzelung. Diese Sorge kann ich nachvollziehen. Ich würde jedoch bezweifeln, dass Haustiere dabei eine treibende Kraft sind. Ich denke eher, dass Menschen gerade deshalb stärkere Bindungen zu Tieren entwickeln, weil andere soziale Strukturen bereits schwächer geworden sind.

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Generell kann man wahrscheinlich mal hinterfragen, ob andere Haustiere als Hund und Katze wirklich erlaubt sein sollten. Die meisten dieser Tiere werden in viel zu kleine Käfige gesteckt. Klar gibt es ein paar Besitzer, die ihren Tieren ausreichend Platz verschaffen, aber rechtfertigt das, zuzulassen, dass so viele Tiere auf so kleinem Raum leben müssen?

Und bei Katzen kann man auch das Konzept der Wohnungskatze hinterfragen, bei denen die Katzen teilweise auf 40m² leben müssen, und davon dann auch noch zu gewissen Bereichen keinen Zugang bekommen. Zusätzlich fehlt ihnen noch der Kontakt zu Artgenossen.

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Diejenigen die Katzen gegenüber eine kritische Haltung haben, würden auf Wohnungshaltung bestehen, weil Katzen in Nachbarsgärten und Spielplätzen ihr Geschäft verrichten, den Tierbestand (Vögel, Mäuse, Echsen) dezimieren etc und warum müssen Katzenhalter keine Katzensteuer zahlen, hört man immer mal wieder von Hundebesitzern. :wink:

Über Hundekot streiten sich ganze Dörfer und keiner will es gewesen sein.

Haustiere und ihre Halter sind ein hochemotionales Thema mit viel Streitpotential und dazu auch noch ein gigantischer Wirtschaftszweig (geschätzte 18 Milliarden pro Jahr in Deutschland mit allem durm und dran)

Die Erfahrung haben wir auch nicht gemacht, eher sogar das der Tierarzt das Einschläfern als einzig sinnvollen Weg empfohlen hat, wenn das Behandlungsspektrum ausgeschöpft war.
Als Halter ist man da eher geneigt zu Hoffen, wo keine realistische Chance mehr besteht.
Aber auch bei Tierärzten wird es sein, wie bei jeder anderen Berufsgruppe auch.
Gerade bei Menschen die sich in einer emotionalen Ausnahmesituation befinden, ist es einfach das auszunutzen.

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Ich nirgendwo gesagt, dass Tiere keine Emotionen haben, im Gegenteil. Lies meinen Beitrag bitte nochmal.

Mein Punkt war nicht die direkte Konkurrenz zwischen unterschiedlichen Ausgaben, sondern das massiv steigende Kosten für den Unterhalt von Haustieren bei gleichzeitig steigenden emotionalen Zwang, diese Kosten auch zu tragen die Toleranz gegenüber anderweitigen Belastungen (zb Steuern) verringern. Und dann neigt man eher zur Wahl einer Partei, diese Belastung zu senken.

Um mal eine etwas überzogene Parallele zu ziehen: an der Tulpen-Blase haben auch nicht alle Niederländer mitgemacht, der gesamten Gesellschaft hat es trotzdem geschadet und ohne eine entsprechende gesamtgesellschaftliche Toleranz und Förderung wäre sie auch nicht entstanden.

Vor 50 Jahren wäre doch keine „normale“ Person auf die Idee gekommen, einen spürbaren Teil ihres Jahreseinkommens auf lebensverlängernde Maßnahmen für die eigene Katze auszugeben. Und emotionale Bindungen zu Haustieren gab es damals auch schon. Heute geschieht das nicht nur regelmäßig, es wird auch von allen Umstehenden als ziemlich normal angesehen. Unabhängig davon, wie man das bewertet, hat hier also ein gesellschaftlicher Wandel stattgefunden.

Klar, diesen Zusammenhang gibt es, aber es wäre doch unrealistisch zu fordern, dass Menschen ihr Geld einer rein rationalen Logik folgend immer für den objektiv wichtigsten Zweck ausgeben. Natürlich wirst du immer etwas finden, für das es theoretisch sinnvoller wäre Geld auszugeben. Nach dieser Logik dürfte ich (überspitzt) nur noch für lebensnotwendige Dinge Geld ausgeben und müsste den Rest für Menschen in (existenzieller) Not spenden. Aber selbst wenn wir uns nur in Richtung dieses Ideals bewegen wollten, gibt es doch viel viel weniger „sinnvolle“ Ausgaben als Haustiere (wurde ja hier schon genannt), mit denen man dann erstmal anfangen müsste.

Was aber soweit nicht verwunderlich ist, weil sie zu diesem Tier eben eine Verbindung aufgebaut haben. Für sehr sehr viele Menschen ist auch die Tatsache dass ein Produkt ein paar Euro billiger ist wichtiger als das Wohlergehen desjenigen der es hergestellt hat. Das wäre sicherlich anders, wenn er die entsprechende Person sehr gut kennen würde.

Das sehe ich ähnlich wie das Thema „Roboter in der Pflege“. Natürlich wäre es besser, wenn Menschen das tun würden, aber besser Roboter als gar keiner. Dass alte Menschen ihre sozialen Bedürfnisse vollständig durch andere Menschen decken können ist sicherlich wünschenswert aber auf Dauer vermutlich unrealistisch. Da finde ich es eher gut, wenn Haustiere diese Lücke füllen und Lebensqualität wieder steigern können.

Natürlich finde ich es für meine Familie auch immer angenehmer, wenn die Menschen um mich herum kinderfreundlich sind, aber wer bin ich es hier richtig oder falsch zu beurteilen? Manche Menschen können eben nicht (mehr) gut mit Kindern oder anderen Menschen, da kann ein Haustier eine enorme Bereicherung sein. Insbesondere gibt es da m.E. kein „entweder oder“. Wir sollten danach bestrebt sein, dass jeder seine sozialen Bedürfnisse so gut es nur geht erfüllt bekommt. Aber wo das nicht geht (weil die Kontakte nicht da oder nicht gewünscht sind) können Haustiere diese Lücke durchaus ein Stück weit schließen.

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Grade dazu noch ergänzend man kann sogar davon ausgehen dass Haustiere durch Jahrtausende der Domestizierung ihre sozialen und emotionalen Fähigkeiten in Interaktion mit Menschen als ihre Sozialpartner noch viel weiter ausgebaut haben. So gibt es durchaus auch Hunde die durch Rückzug, veränderte Verhaltensweisen und Futterverweigerung um ihre eigenen (verstorbenen) Besitzer trauern.