Liebes Lageteam, ihr erwähnt die Möglichkeit der Kosteneinsparung durch Streichung der Finanzierung der Pflege außerhalb der Fallpauschalen ohne dass dies zu einem Qualitätsverlust führen würde.
Zwar sagt ihr selbst, dass das Geld irgendwo her kommen muss, aber meiner Meinung nach ist das nicht klar genug ausgedrückt.
Krankenhäuser finanzieren sich durch die Einnahmen aus der Fallpauschale. In dieser sind alle Kosten enthalten, also neben der eigentlichen Medizin auch das Essen, die Reinigungskräfte, IT usw. (sollte nicht so sein, aber weil die Länder nicht zahlen ist das so). Man hat vor Jahren die Pflege da raus genommen, weil wir uns damals zu Recht über einen Mangel an Pflegekräften beschwert haben, der dann zu Corona seinen Höhepunkt erreicht hat.
Der Vorschlag der Kommission die Kosten für Pflege wieder in das System der Fallpauschalen zu integrieren erfordert eine der folgenden drei Anpassungen:
- Kündigung von Pflegkräften
- Erhöhung der Fallbauschalen
- Mehr finanzielle Unterstützung der Krankenhäuser durch Bund, Länder und Kommunen.
Lösung 2 und 3 bringen unterm Strich gar nichts. Ist doch egal ob Steuereinnahmen bzw Sozialausgaben in die GKV fließen und dort ausgegeben werden für Krankenhäuser oder an die Länder und die geben das aus.
Die einzige kostensenkende Lösung ist die Streichung von Pflegekräften, wo ich mir schwer tue zu interpretieren, dass dadurch die Qualität gleich bliebe. Selbst wenn sie putzen würden oä, wie angedeutet, dann wärs halt schmutzig. Aber diese Aussage ist eh ziemlich polemisch, da ganz klar die „Pflege am Bett“ gefordert wird. Eine Pflegekraft, die bei uns in der Abteilung zB die ganze OP Vorbereitung macht (Blutentnahme, Admin,Vorbereitungsgespräch…) können wir nicht über das Pflegebudget laufen lassen, denn das ist keine „Pflege am Bett“. Da sind wir von Putzen noch sehr weit entfernt.
Insgesamt ist der Versuch an der GKV rumzuschrauben ohne das System grundlegend zu ändern, mM nach zum Scheitern verurteilt.
Bsp: Zweitmeinung. Ich möchte wetten, dass bei Einführung dieser sehr schnell ein System etabliert wird, wo Arzt direkt den befreundeten Kollegen, oder noch besser den Teilhaber der Praxisgemeinschaft empfiehlt, wo man die jetzt nervigerweise erforderliche Zweitmeinung einholen möge. Ganz schnell, anstatt ewig irgendwo auf einen Termin zu warten. Und, oh welch Wunder, der hat die gleiche Meinung. Und dann kostet die Aktion eben gut 80€ mehr und spart gar keine OP.
Oder man zwingt die PatientInnen dazu die Zweitmeinung in einem spezialisierten konservativen Schmerzzentrum einzuholen, von denen es nicht genug gibt, wie bei der Techniker Studie. Aber dann frage ich mich, warum das nicht eigentlich die erste Anlaufstelle bei Schmerzen des Bewegungsapparates sein sollte statt der Orthopäde in der Fokus-Goldsiegel-Sportpraxis (sorry Polemik). Dann sind wir aber schon dabei das System zu ändern und nicht die GKV, und nur das macht Sinn.