Du bedenkst dabei einen wichtigen Punkt nicht: diese 5% (oder besser gesagt 6,5% in vielen Bundesländern!) sind weit mehr “wert” als dieselben 5% des Kaufpreises: 50.000€ Grunderwerbsteuer sind für dich als Käufer in vielen Fällen deutlich problematischer als 50.000€ mehr Kaufpreis.
Warum? Weil Grunderwerbsteuer voll ins Eigenkapital frisst und nicht finanzierbar ist (außer in der Niedrigzinsphase mit den 110%-Finanzierungen, aber der Wahnsinn ist Geschichte). Du kannst also den Betrag, der für die Grunderwerbsteuer draufgeht, nicht mittels Kredit hebeln. Wenn dir der Staat 50k€ Transaktionsgebühr abnimmt, hast du nicht 50k€ weniger in deinem Budget, sondern eher irgendwas um 200-250k€ weniger. Dein Kreditrahmen wird nämlich einerseits durch deine Fähigkeit, monatliche Raten zu bedienen, und andererseits durch dein Eigenkapital begrenzt. Letzteres ist für die meisten Käufer heute das größere Problem - viele junge Leute verdienen ja gar nicht schlecht, also monatlich ist einiges an Geld da, aber Eigenkapital aufbauen ist schwierig, weil viel von dem beachtlichen monatlichen Lohn für horrende Mieten draufgeht. Da mit dem Umzug ins Eigentum die Miete wegfällt, wären höhere Raten durchaus möglich (und selbst wenn nicht, gibt’s hier in jungen Jahren Spielraum durch eine gering gewählte Tilgung), aber mit wenig Eigenkapital bringt das nichts, weil die Banken einen für sie akzeptablen Beleihungsauslauf sehen wollen, und der ist nur drin, wenn 10-20% des Kaufpreises durch Eigenkapital gedeckt sind. Bei 6,5% Grunderwerbsteuer heißt das, dass man effektiv aber 16,5-26,5% Eigenkapital braucht, damit nach Steuer 10-20% für den Kaufpreis übrig bleibt.
So lange also das Eigenkapital deine Kredithöhe limitiert und nicht die monatliche Rate, ist jeder Euro mehr, der nicht für Transaktionskosten draufgeht (dazu zählen auch die raffgierigen Makler bzw. ihre Courtagen aus der Hölle) gleichbedeutend mit 4-5€ mehr Budget.
Aus diesem Grund halte ich die Idee, die Grunderwerbsteuer für den ersten Kauf zu streichen (oder besser noch: komplett für alle Transaktionen zu streichen und stattdessen das Geld über mit der Größe der Immobilie skalierende, höhere Grundsteuern reinzuholen, denn warum sollte man es Leuten später schwer machen, ihre große Immobilie (wegen den Kindern) gegen eine kleinere (wegen dem Rücken) einzutauschen? Das entzieht nur unnötig Immobilien dem Markt und treibt dadurch die Preise) für eine enorm gute. Sie greift gezielt an einem Pain Point heutiger, insbesondere junger Kaufinteressenten an und hebelt ihren Effekt, bringt also weit mehr Nutzen, als sie den Staat direkt an entgangenen Einnahmen kostet.