Fahrrad als Zukunft

Auch wenn diese Schlussfolgerung bisher noch niemand gezogen hat: ich warne davor, dass so zu interpretieren, dass diese Sicherheitsbedenken ein nachrangiges Problem wären.

Zum einen bedeutet die o.g. Umfrage ja nicht, dass es für die Betroffenen subjektiv nicht doch ein großes Problem wäre. Wer sein Kind noch nie mit dem Fahrrad zur Kita gefahren hat und noch nie entsprechende beinahe- oder sogar tatsächliche Unfälle miterleben musste, hat dafür nachvollziehbarerweise auch kein entsprechendes Bewusstsein.

Zum anderen ist dieser Umstand signifikant und gut erwiesen [1]. Zitate:

“Radfahren ist riskanter als bisher gedacht. So ist die Gefahr, bei einem Unfall zu sterben, auf dem Fahrrad in Deutschland dreieinhalbmal höher als im Auto oder auf dem Motorrad.”

“Das Risiko, sich schwer zu verletzen, sei für Radfahrer sogar siebenmal höher, so Brockmann gegenüber dem ZEITmagazin.”

“Wer zum Radfahren auffordert, ohne dass die Infrastruktur da ist, nimmt zusätzliche Tote in Kauf”

Meine Schlussfolgerung: der erste Schritt muss immer darin bestehen, für mehr Sicherheit für die Radfahrer zu sorgen. Das sind natürlich idealerweise bauliche Maßnahmen. Das können aber auch Beschränkungen für KfZ sein oder ganz banal: verstärkte Kontrollen an Stellen, die besonders gefährdend sind. Letzteres ist natürlich unpopulär, weil die vorsichtiger Fahrweise - zumindest in der Wahrnehmung vieler - tendenziell auch zu Verzögerungen führen kann.

[1]

2 „Gefällt mir“

Ich wohne in einem Viertel welches teilweise Autofrei geplant ist. Der Schulweg meiner Tochter ist 1,3 km, wobei sie keine Straße überqueren muss. Gesamt dürften mindestens 3/4 dieser Schule so wohnen, dass sie ohne Umweg ohne das Überqueren einer Straße auskommen. (Rein von den Wohnhäusern her hochgerechnet) und ein Teil davon lediglich in der Straße in der Sie wohnen einen Verkehrsberuhigten Bereich nutzen müssten.

Dennoch ist insbesondere bei Regenwetter die Schlange mit Elterntaxis extrem. Natürlich gibt es aber auch dort Gründe die ich nachvollziehen kann, z.B. wenn bei getrennten Eltern das Kind zeitweise vom entfernt lebenden Elternteil gebracht wird.

Das dürfte aber kaum für die Vielzahl an Elterntaxis gelten, und vor allem dürfte dann keine besonders hohe Zahl an Tagen mit Schlechtwetter vorhanden sein.

Abholung bei Anschlussterminen, z.B. der direkten Fahrt zum Sporttraining verstehe ich dann auch schon wieder, das betrifft dann aber meist eher Nachmittagsunterricht und da häuft es sich ja auch nicht so.

In der Kleinstadt kenne ich dagegen auch Leute die ihre Kinder mit dem Auto bringen wo ich das verstehen kann. Wenn man vom Dorf kommt kann es durchaus sein, dass man vor der Wahl steht den Bus um 6:30 zu nehmen oder um 7:30 das Auto. Wenn dann die Eltern ohnehin den Weg zur Arbeit fahren, dann würde ich da auch das Kind mitnehmen. Wobei gerade die Leute die ich kenne die das so machen nicht vor der Schultüre halten, sondern etwas entfernt.

Mein Eindruck ist, dass je kürzer der eigentliche Schulweg ist, desto näher fahren die Eltern ran, weil die Ersparnis sonst ja flöten ginge und man gleich laufen könnte.

2 „Gefällt mir“

Der Ansatz bei der Zeit ist sinnvoll, aber nicht indem wir probieren Zeitdruck zu vermeiden (das ist ein bisschen zu groß als Lösung für ein Verkehrsthema)
stattdessen ist der Zeitaufwand keine fixe Größe - wenn man Ampelschaltungen für Radfahrende als Grüne Welle konzipiert, nach dem Groninger Modell modal-filters verwendet (Straßen die für Radfahrende passierbar sind, für autos nicht) und konsequent Tempo 30 ausweist dürfte man in fast allen Wegen im städtischen Kontext schneller mit dem Rad sein als mit dem Auto - der Effekt ist ab Entfernungen über 20km weg, aber bis dahin kann man mit solchen Maßnahmen das Rad und den ÖPNV zu den zeiteffizienteren Verkehrsmitteln machen

2 „Gefällt mir“

Danke für die Zahlen.

Rund ~20% der Grundschüler werden täglich gefahren, weitere ~10% mindestens jeden zweiten Tag: Ob das viel ist, ist sicherlich Ansichtssache. Ich habe eher höhere Zahlen befürchtet.

1 „Gefällt mir“

Alles Probleme, die sich genauso in den Positivbeispielen Paris und in den Niederlanden stellen dürften

Dorf ausgeklammert, da wir ja erstmal über Städte sprechen denke ich

Ja, das sind schöne Konzepte. Aber am Ende für mich auch wieder nur Rumgedoktere, da der aktuelle Zustand offensichtlich nicht gut ist.

Es wird immer wieder krampfhaft versucht das Auto nicht zu sehr zu benachteiligen. Das ist der Fehler aus meiner Sicht. Das Auto muss grundsätzlich das letzte Mittel der Wahl sein, wenn ich in einer Stadt von A nach B kommen möchte. Weil es so unattraktiv ist. Der Großteil der Infrastruktur muss für alle anderen Fortbewegungsformen bereitgestellt werden.

4 „Gefällt mir“

quer hat sich dem Überthema “(öffentlicher) Raum in der Stadt” auch mal angenommen am Beispiel München

Auch hier wieder das Konzept, Platz für alle muss da sein. Bloß keine Einschränkungen fürs Auto

quer mit Christoph Süß: quer vom 11.12.2025 - hier anschauen

dabei muss es aber eine Strategie geben wie mit den Auto-Nutzenden umgegangen wird die wir kurzfristig nicht ersetzen sollten

Zum einen gibt es die Gruppen die sich schnell durch die Stadt bewegen müssen und dabei auch aif MIV angewiesen sind: Ärtzte in Rufbereitschaft, Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr - gerade die Rufbereitschaft ist dabei ein Beispiel bei dem nicht instutionalisierte Individuen einen schnellen MIV brauchen

Und dann gibt es noch Handwerk usw. die weiter Verkehr verursachen, aber wahrscheinlich eine Verlangsamung überleben würden

die Maßnahmen müssen da also entsprechende Ausnahmen zulassen

Und es bleibt dabei, dass wir aneinander vorbei reden: Mehrheiten bekommt man selten dafür etwas unattraktiv zu machen - auch wenn das fachlich das sinnvollste sein kann
Also was es braucht und was politisch ein sinnvolles Vorgehen ist sind zwei paar Schuhe

Wenn man nur den Parkraum weitgehend auf zentrale Parkhäuser und Tiefgaragen beschränkt, dann ergibt sich das von alleine. Dafür dann Haltezonen für Handwerk und Lieferdienste. So dürfte der Handwerker sogar schneller am Ziel (also Ziel heißt geparktes Auto beim Kunden) sein und näher beim Kunden parken können und für Rettungsdienste etc. ergäben sich gar keine Einschränkungen. Wenn man aber nicht mehr mit 5 Runden drehen den Parkplatz vor dem Restaurant bekommt, sondern erstmal 10 Minuten vom Parkhaus laufen muss, dann ist die Überlegung schon näher, ob man nicht einfach auch stattdessen die U-Bahn oder den Bus nehmen könnte und dann nur 5 Minuten laufen müsste.

7 „Gefällt mir“

Dafür braucht es keine Ausnahmen, weil diese Gruppen schon heute von Gesetz wegen überall Langfahren dürfen. Also auch in Fußgängerzonen, Fahrradwege usw. Rettungsdienste und die Polizei im Einsatz müssen sich nicht an Verkehrsregeln halten (solange ihr Verhalten angemessen ist).

Viele Handwerker würden auch mit einem Lastenrad gut zurecht kommen. Machen ja auch schon einige. Dann ist auch der Parkplatz kein Problem mehr.

Mehrheiten muss man schaffen. Und das geht, das zeigen Beispiele wie Paris.

4 „Gefällt mir“

(Nur vorweg - ich stimme dir grundlegend zu, möchte nur auf Komplexitäten hinweisen)

Damit einher geht aber, dass wir uns Gebäude bauen (und dafür viele Ressourcen verwenden) die nur in einer Welt mit ähnlich vielen MIV-Nutzenden sinnvoll sind, also wenn wir die Verkehrswende voran bekommen sind die Parkhäuser größtenteils sinnlose Gebäude, weil zu flach für andere Nutzungen und qualitativ minderwertige Baustrukturen (Fahrradparkhäuser wären eine Nachnutzung, aber davon bräuchte es weitaus weniger als für die Autos)
Die Parkhäuser so zu bauen, dass sie umnutzbar sind wäre ungleich viel teuerer (höhere Etagen, Konzepte wie Tageslicht ins innere kommen kann, etc.)

Ähnlich zur Forderung wäre das Einwohnerparken deutlich häufiger auszuweisen und deutlich teurer zu machen (wodurch das Auto unattraktiver wird) - dafür bietet man dann am Stadtrand Parkplätze an (häufig gibt es da schon versiegelte Flächen die sich eigenen würden) und schließt diese Parkplätze mit dem MIV an, damit könnten Menschen die ihr Auto für Urlaube oder seltene Einsätze behalten wollen diese Autos weiter außerhalb abstellen (damit gibt es zwar immer noch Blechwüsten von Parkplätzen, aber es wäre zu vermuten dass Autos unattraktiver werden und weniger genutzt werden)

Grundsätzlich gilt hier aber wieder, dass man sich von der Veränderung des eigenen Lebens freikaufen kann wenn man einfach das teurere Einwohnenden parken zahlen kann. Vorteil wäre aber mindestens, dass man dadurch die Zahl der Autos pro Haushalt beschränken könnte

1 „Gefällt mir“

Die Parkhäuser gibt es doch in der Regel schon.

Genau das ist der Punkt. Eine Stadt mit deutlich weniger Autos ist attraktiver und bewohnerfreundlicher. Das ist die Vision, die man verkaufen muss. Natürlich zugeschnitten auf die jeweilige Stadt.

Alle Punkte die du angesprochen hast sind sicher wichtig aber werden bei sowas bestimmt mitgedacht. Habe aus Paris noch nicht gehört, dass dort die Menschen versterben, weil der Krankenwagen nicht durchkommt, weil es nur Radwege gibt. Es geht ja gerade darum, von diesen Positivbeispielen zu lernen. Man muss fast nix mehr neu erfinden.

So lange es komplett unattraktiv ist sich in der Stadt mit Fuß, Rad und ÖPNV fortzubewegen gilt das, was du gesagt hast

So lange beides unattraktiv ist, wird man die Menschen nicht mitnehmen, indem man auf der einen Seite mehr Druck ausübt

1 „Gefällt mir“

Wenn ich als Gesellschaft bzw Staat möchte, das ein Verkehrsmittel wie das Fahrrad attraktiver wird und mehr als Alternative zum Auto genutzt wird, muss ich es zur attraktiven Alternative machen.
Vieles wurde ja schon genannt, über Radwege, Abstellmöglichkeiten die sicher sind, Privilegien im Straßenverkehr (statt Auto), etc.
Aber: man sollte auch akzeptieren wenn das Fahrrad für viele Menschen (noch) keine Alternative ist. Da gibt es deutlich mehr Gründe als nur Bequemlichkeit.
Daher nicht ideologisch-dogmatisch das Thema angehen, sondern konstant die Attraktivität erhöhen. Der Rest kommt dann schon, so doof ist die Mehrheit ja nicht.

1 „Gefällt mir“

Tatsächlich ist es so, dass Notdienste teilweise schneller durch Fahrradstraßen kommen können, als durch Autostraßen. So ein Fahrrad hat man schneller mal zur Seite geräumt als so ein 2 Tonnen Auto. Gerade wenn man die Autos reduziert gibt es weniger Stau in der Stadt.

Aktuell gibt es Parkplätze ja doppelt und dreifach, vorm Lidl, vorm Aldi, etc. überall wo Leute mit dem Auto hin wollen. Da würde eine zentrale Stelle die Anzahl an Parkplätzen schon deutlich reduzieren.

Gibt gerade unter einigen progressiven Städteplannern die Theorie das Zeit eigentlich eine Konstante ist. Ein Auto ist zwar schneller als ein Fahrrad, aber um eine Stadt “autofreundlich” zu machen, braucht man Platz für Straßen und Parkplätze, das erhöht die Distanz die man reisen muss. Also das was die Gesellschaft an Geschwindigkeit durchs Auto gewinnt, verliert sie, weil sie größere Distanzen zurücklegen muss, um zum Ziel zu kommen.

Natürlich würde man von heute auf morgen in Städten von Auto auf ÖPNV + Fahrrad umsteigen, würden die Straßen in Berlin nicht über Nacht schmaler werden.

Das ist ein Prozess der Jahrzehnte dauern würde, um Städte wieder freundlicher für Menschen zu machen. Aber irgendwann muss man auch mal anfangen.

6 „Gefällt mir“

Wichtig ist dabei das Wort Theorie - was man auch daran merkt wie unterschiedlich diese interpretiert wird. Bertolini (Universiteit van Amsterdam) meint damit beispielsweise, dass es scheinbar ein Zeitbudget gibt was Menschen gerne für Mobililtät verwenden - wenn der Transport schneller wird, ziehen die Menschen gerne mal weiter weg (machen also den Weg länger), wenn der Weg kürzer wird (bspw. neue Arbeitsstelle) nutzen sie häufig ein langsameres Verkehrsmittel

Grundsätzlich stimmt der Rest mit dem Autos brauchen mehr Platz - aber es ist nur in manchen Städten so, dass sich das schon in der tatsächlichen Straßenbreite zeigt - viel häufiger wurde die Fahrbahn zu Lasten von Parken, Fußweg, Radweg und Straßengrün verbreitert

4 „Gefällt mir“

Ich kann aus Erfahrung sagen, dass bei der Grundschule - ganz in der Nähe - jeden Morgen ein Verkehrschaos herrscht, weil viele Kinder mit dem Auto gebracht werden.
Aber das ist natürlich keine verlässliche Statistik über alle Schüler.

4 „Gefällt mir“

Radspuren auf Hauptstraßen abzulehnen ist wirklich komplett absurd:

  • An Hauptstraßen befinden sich häufig wichtige Ziele
  • Es ist häufig die schnellste Verbindung
  • Dort wohnen auch Menschen. Sollen die bis zur nächsten Kreuzung schieben, dann einen Umweg in eine Seitenstraße fahren und dann womöglich später wieder auf die selbe Straße fahren und den Rest zum Ziel wieder schieben?
  • Da es Bedarf gibt, werden dort immer Menschen fahren, es braucht deshalb sichere Infrastruktur. Alles andere ist lebensgefährlich
  • Der Autoverkehr geht in vielen Städten zurück und es gibt Ziele für noch weniger Autoverkehr.

Die Niederländer haben es verstanden: Dort wird die Infrastruktur so ausgelegt, dass die Verkehrsmengen der einzelnen Verkehrsträger in die gewünschte Richtung gelenkt werden, nicht umgekehrt.

Viele Hauptstraßen in den Niederlanden, die heute breite baulich geschützte Radwege haben, waren früher mehrspurige Straßen ohne Radinfrastruktur.

Auch dort gab es Widerstand durch Autofahrer, aber man hatte den Mut es durchzusetzen (auch durch Proteste für mehr Verkehrssicherheit). Und siehe da: Schon wenige Jahre nach einer Umgestaltung einer Straße war die Zustimmung groß, da alle sich daran gewöhnt haben und die Vorteile täglich gespürt haben.

7 „Gefällt mir“

Guter Punkt. Vielleicht mag das wer psychologisch erklären, aber es ist schon bemerkenswert, dass der gesellschaftliche Aufschrei bei getöteten Menschen durch Nicht-Biodeutsche so unverhältnismäßig viel lauter ist, als bei hunderten getöteten Menschen pro Jahr durch Autos, Tausende durch Alkohol und Zigaretten und ebenfalls tausende durch falsche ärztliche Behandlung.

Angst vor Autos, Alkohol und Ärzten hat die Gesellschaft dann offensichtlich aber nicht. Lieber werden Flüchtlingsheime bedroht, wenn mal wieder ein einzelner Migrant aus der Reihe tanzt.

Aber anderes Thema, Entschuldigung.

3 „Gefällt mir“

Der Anteil der Eltern im “Taxidienst” ist eigentlich nicht so entscheidend. Es sind an sehr vielen Schulen jedenfalls mehr, als die Infrastruktur tragen kann, zumindest so, wie die sich verhalten. Ob es nun 10, 20 oder 50% aller Eltern sind, ist für die Gefahrenlage vor Ort egal.

Mein Musterbeispiel, warum ich viel weniger ideologische, politische Kompromisse mit den Auto-Junkies will, ist das Schulzentrum am Stoppenberg in Essen. Google Maps

Zwei weiterführende Schulen (also Kinder in einem Alter, in dem man definitiv den Schulweg allein schaffen sollte), perfekt angebunden an den ÖPNV (S-Bahn Haltestelle wenige hundert Meter entfernt), breite Radwege und dutzende Parkmöglichkeiten die ganze Straße vor der Schule entlang. Im Grunde das Kompromiss-Modell, das oft gefordert wird (Alternativen attraktiv machen, ohne Autoverkehr einzuschränken). Funktioniert aber überhaupt nicht. Es kommt morgens und nachmittags regelmäßig zu Gefahrensituationen. Einparken über den Radweg hinweg ohne Blinker und Schulterblick, da kann man weder den Schüler auf dem E-Roller ohne Licht und Helm, dafür mit Handy und Geschwindkeit sehen, noch den Erwachsenen, der sich jeden Morgen als Weihnachtsbaum-beleuchtete Discokugel ausstaffiert. Dooring, Kinder, die zwischen anfahrenden und einparkenden und falschparkenden Autos auf die Straße springen. Denn obwohl reichlich Parkplätze vorhanden sind, wird ständig in zweiter Reihe auf dem Radweg, gern auch direkt vor den Fußgängerquerungen gehalten, mittags gern auch länger. Nicht dass die lieben Kleinen wegen 100m zum Auto einen Bewegungsschock erleiden oder eine anaphylaktische Reaktion auf eine Überdosis Frischluft. Wenn mal so ein Ego-Elternteil ansprechbar ist, ist das in meiner persönlichen Statistik der Hauptgrund: “wo soll ich denn parken? Dahinten etwa (zeigt in Richtung der freien Parkplätze 150m entfernt)???” Ich hab ja für den Umgang mit besonders arschigen Eltern eine ausgesucht professionelle Höflichkeit entwickelt. Mit der empfehle ich dann, genau auf so einem, extra mit Geld von allen finanzierten Parplatz zu wechseln. Wenn die nicht wegfahren, mach ich zwei schöne Fotos und zeige die an. Trotzdem ändert sich nichts und grade an den letzten Tagen vor den Ferien herrscht dort ständig komplettes Chaos. Dass da trotz mehrfachen Hinweisen grade an diesen Tagen (Freitag war wieder einer) nie kontrolliert wird, ist logisch. Angst vorm Zorn der Auto-Junkies. Und wenns dann ein Kind erwischt ist das Drama groß. Konnte ja keiner ahnen. Dann bringt man das eigene Kind natürlich erst Recht mit dem Auto. Zu Fuß oder mit dem Rad ist das wegen der Elterntaxis ja viel zu gefährlich.

Das wird sich mit nett und niedlich nie ändern. Es braucht kalten, harten Entzug. Teure Parkplätze (wenn überhaupt), hohe Steuern, die die realen gesellschaftlichen Kosten an die Verursacher weiterreichen, Infrastruktur, die sich erst zuletzt nach dem Auto richtet, Tempolimits, Parkverbote, hohe Strafen und strenge, umfassende Kontrollen.

9 „Gefällt mir“

Hier mal eine schöne Gegenüberstellung Niederlande vs. Deutschland:

Deutschland und die Niederlande haben fast identische Regeln für Radverkehrsplanung – aber warum sehen Radwege so unterschiedlich aus? In diesem Video werden die 5 Designprinzipien aus dem niederländischen CROW-Leitfaden mit den deutschen ERA-Empfehlungen vergleichen. Dabei zeigt sich, warum die Umsetzung der entscheidende Unterschied ist:

  • Die 5 niederländischen CROW-Designprinzipien (Kohärenz, Direktheit, Sicherheit, Komfort, Attraktivität)
  • Wie die deutschen ERA-Entwurfsziele fast identisch sind
  • Warum gleiche Regeln zu völlig unterschiedlicher Radinfrastruktur führen
  • Der Unterschied zwischen Planungskultur in NL und DE

Ich bin sicher, wenn wir hier in Deutschland ähnliche Infrastruktur wie in den Niederlanden hätten, dann wäre auch der Fahrrad-Anteil signifikant höher. Ich pendle jahrein jahraus täglich mit dem Fahrrad eine längere Strecke zur Arbeit und kann beinahe täglich von unangenehmen und teils gefährlichen Begegnungen mit Autofahrenden berichten. Deshalb kann ich durchaus nachvollziehen, dass manch eine/r sich dies nicht antun möchte…

Deshalb schließe ich mich dem Fazit meines Vorredners an. Mit “nett und niedlich” wird das nix. Was wir benötigen, wird im Eingangsposting verlinkten Video deutlich vor Augen geführt. Ob das in Deutschland je möglich sein wird? Man wird ja wohl noch träumen dürfen… :wink:

10 „Gefällt mir“