Der Anteil der Eltern im “Taxidienst” ist eigentlich nicht so entscheidend. Es sind an sehr vielen Schulen jedenfalls mehr, als die Infrastruktur tragen kann, zumindest so, wie die sich verhalten. Ob es nun 10, 20 oder 50% aller Eltern sind, ist für die Gefahrenlage vor Ort egal.
Mein Musterbeispiel, warum ich viel weniger ideologische, politische Kompromisse mit den Auto-Junkies will, ist das Schulzentrum am Stoppenberg in Essen. Google Maps
Zwei weiterführende Schulen (also Kinder in einem Alter, in dem man definitiv den Schulweg allein schaffen sollte), perfekt angebunden an den ÖPNV (S-Bahn Haltestelle wenige hundert Meter entfernt), breite Radwege und dutzende Parkmöglichkeiten die ganze Straße vor der Schule entlang. Im Grunde das Kompromiss-Modell, das oft gefordert wird (Alternativen attraktiv machen, ohne Autoverkehr einzuschränken). Funktioniert aber überhaupt nicht. Es kommt morgens und nachmittags regelmäßig zu Gefahrensituationen. Einparken über den Radweg hinweg ohne Blinker und Schulterblick, da kann man weder den Schüler auf dem E-Roller ohne Licht und Helm, dafür mit Handy und Geschwindkeit sehen, noch den Erwachsenen, der sich jeden Morgen als Weihnachtsbaum-beleuchtete Discokugel ausstaffiert. Dooring, Kinder, die zwischen anfahrenden und einparkenden und falschparkenden Autos auf die Straße springen. Denn obwohl reichlich Parkplätze vorhanden sind, wird ständig in zweiter Reihe auf dem Radweg, gern auch direkt vor den Fußgängerquerungen gehalten, mittags gern auch länger. Nicht dass die lieben Kleinen wegen 100m zum Auto einen Bewegungsschock erleiden oder eine anaphylaktische Reaktion auf eine Überdosis Frischluft. Wenn mal so ein Ego-Elternteil ansprechbar ist, ist das in meiner persönlichen Statistik der Hauptgrund: “wo soll ich denn parken? Dahinten etwa (zeigt in Richtung der freien Parkplätze 150m entfernt)???” Ich hab ja für den Umgang mit besonders arschigen Eltern eine ausgesucht professionelle Höflichkeit entwickelt. Mit der empfehle ich dann, genau auf so einem, extra mit Geld von allen finanzierten Parplatz zu wechseln. Wenn die nicht wegfahren, mach ich zwei schöne Fotos und zeige die an. Trotzdem ändert sich nichts und grade an den letzten Tagen vor den Ferien herrscht dort ständig komplettes Chaos. Dass da trotz mehrfachen Hinweisen grade an diesen Tagen (Freitag war wieder einer) nie kontrolliert wird, ist logisch. Angst vorm Zorn der Auto-Junkies. Und wenns dann ein Kind erwischt ist das Drama groß. Konnte ja keiner ahnen. Dann bringt man das eigene Kind natürlich erst Recht mit dem Auto. Zu Fuß oder mit dem Rad ist das wegen der Elterntaxis ja viel zu gefährlich.
Das wird sich mit nett und niedlich nie ändern. Es braucht kalten, harten Entzug. Teure Parkplätze (wenn überhaupt), hohe Steuern, die die realen gesellschaftlichen Kosten an die Verursacher weiterreichen, Infrastruktur, die sich erst zuletzt nach dem Auto richtet, Tempolimits, Parkverbote, hohe Strafen und strenge, umfassende Kontrollen.