Ich möchte euch den neuen Film von Ingwar Perowanowitsch empfehlen:
Letztes Jahr fuhr er mit seinem Bambusrad nach Baku. Damals entsrand dieser tolle Film:
Einfach großartig
Klasse. Tolle Bilder und beeindruckende Einzelaktion. Erfordert sicher eine gute körperliche Fitness sowie etwas Zeit und Geld. Obwohl die Reise- und Transportkosten überschaubar sind.
Ja, und wir brauchen solche Bilder für die Vorstellungskraft, wie eine Zukunft aussehen kann. Erstmal in den Städten.
Es gibt aber bestimmt auch Möglichkeiten, sich die Mobilität im ländlichen Raum schöner als heute vorzustellen.
Also im ländlichen Raum erlebe ich das schon sehr positiv. Hier sieht man sehr viele Leute auf dem Rad, vor allem Kinder und auch Ältere. Letztere natürlich eher eBike.
Es gibt abschließbare Radboxen an Bahnhöfen, überall Rad-Reparatursets an HotsSpots, die Radwege werden massiv ausgebaut. Die Entfernungen sind teils größer als in der Stadt. Mittels eBike machbar, nur der Zeitaufwand ist schon spürbar höher.
Sehe da im ländlichen Bereich sehr positiv, da tut sich viel und die Menschen nutzen es, wo möglich, auch aus gesundheitlichen Gründen.
Nicht jeder Pendler kann aufs Rad umsteigen, manche kombinieren es mit Bus und Bahn, die Bereitschaft ist da.
Ich sehe natürlich nicht so oft deutsche Städte. Fehlen nicht noch viele Überland-Radwege und sichere Radwege generell?
Soweit ich Städte erlebe wie Hamm, Köln oder Dortmund, gibt es da schon viele Radwege, aber mit einigen neuralgischen Punkten, wo es mit dem Autoverkehr noch kritisch werden kann.
Überlandfahrten gehen teils auch schon gut. Speziell auf dem Land gibt es gewisse Lücken. Da fährt mal auch mal morgens im Dunkeln auf einer unbeleuchteten Landstraße, wo die Kiesbomber zackig an einem vorbeirauschen. Muss man wollen. Oder man fährt alternativ durch den Wald auf einem geschotterten unbeleuchtetem Waldweg….
Aber an den Lückenschlüssen wird schon gearbeitet, da wird von Kommunen schon ganzheitlich gedacht.
Wie gesagt., für viele ist (neben Wind und Wetter) der Zeitfaktor auf dem Land noch entscheidend, da ist das Auto noch schneller, teils um 50-70%.
Bemerkenswert fand ich: In den Niederlanden wurde das Auto durch Kinderproteste in den 70ern zurückgedrängt, dem sich dann Erwachsene anschlossen. Seitdem ist die Zahl der im Verkehr getöteten Kinder dort um 96 % zurückgegangen.
Ingwar konnte, nachdem er wegen schwerer Krankheit mit 18 Jahren ein halbes Jahr im Rollstuhl saß, anschließend wieder Rad fahren, bevor er wieder laufen konnte. Eine bemerkenswerte Geschichte.
1970 starben 19.000 Menschen pro Jahr (andere Quellen sagen 21.000) im Straßenverkehr. 2167 Kinder (das sind 6!!! am Tag).
Völliger Wahnsinn, da sind wir schon weit gekommen.
Da liegt der Knackpunkt. Das Auto hatte jahrzehntelang Vorrang, und das Auto ist deutlich stärker als das Fahrrad.
Da müssen wir noch einiges tun.
Meine Kinder hab ich auch immer nur mit einem mulmigen Gefühl im Straßenverkehr fahren lassen, der Verkehr ist deutlich höher und schneller als zu meiner Kindheit
Ich denke, dass wir vor allem kurzfristig auch pragmatische Lösungen brauchen um Radfahren attraktiver und sicherer zu machen.
Ich sehe es in der aktuellen politischen Lage in den meisten Städten als utopisch Mehrheiten dafür zu finden Städte oder auch nur Stadtteile komplett Autofrei umzugestalten. Ganz im Gegenteil werden vielerorts ja sogar wieder neue Zugeständnisse an Autos diskutiert und auch von lokal relevanten Parteien unterstützt.
Oft beginnt es schon damit, dass vorhandene Radwege im Sommer konsequent freigeschnitten werden müssten. Ampelschaltungen könnten so angepasst werden, dass eine Querung mit dem Rad in einer Ampelphase möglich ist, wofür eine Verlängerung von wenigen Sekunden genügen würde. Fahrradstraßen könnten Lücken zwischen Radwegen füllen (wird in einigen Orten auch umgesetzt). Etc.
Klar. Kinder werden heute mit dem Auto zur Schule gebracht. Je weniger radfahren, desto weniger sterben
Mein Einwurf war kein Pro-Auto oder Anti-Fahrrad Argument, sondern der Hinweis, welch absurde Opfer man für KfZ-Verkehr zu zahlen bereit war.
Einer fahrradfreundlichen Stadt gehört mMn die Zukunft.
Also, wenn ich aus meiner Großstadt berichten kann, dann ist zwar aktuell eine progressive Regierung vorhanden, aber es fehlt die Vision, wie im Film beschrieben. Radwege verbessern sich aktuell, das sieht man auch. Breiter und mit abgetrenntem Streifen. Eine Rad Schnellstaße aus einem Außenbezirk ins Zentrum wird gebaut. Das ist aber oft einfach ein besserer Radweg auf dem Gehweg, vor allem da wo Platz ist. Nicht der nötige Umbau, der dem Auto den Platz nimmt, so dass es zu einer Veränderung der Gewohnheiten der Leute kommt.
Aber es fehlt der im Film angesprochene Mut zum Radikalen, konkrete Ziele und die Legitimation. Weiß nicht, ob in Paris nur eine Partei regiert?
Also habe das Gefühl in Deutschland werden Wahlprogramme oft so formuliert “wir wollen uns mehr für fahrradfreundliche Infrastruktur einsetzen”. Nix konkretes ala “wir reduzieren die Anzahl der öff Parkplätze im Stadtkern um 30% und bauen 10 Straßen zu autofreien Grünoasen um” o.Ä.
Ziele müssen messbar sein. Mit Wischi Waschi Aussagen kann sich jeder wieder vorstellen was er meint und ist am Ende enttäuscht weils zu viel oder zu wenig war aus seiner Sicht.
Daher würde ich mir mehr Visionen und mehr Mut in den kommenden Wahlprogrammen wünschen.
Ich fahre jeden Tag 35km mit dem Rad zur Arbeit (17,5km pro Weg). Meine Strecke verläuft aktuell zu 90% im Wald. Das ist wesentlich angenehmer als in der Stadt zu fahren. Menschen, die meist im Auto unterwegs sind können sich das nicht vorstellen, und genau hier liegt das Problem.
Im Winter fahren deutlich weniger Menschen mit Öffis oder mit dem Rad. Das Auto regiert dann die Straßen und Radfahrer finden in den Köpfen der Menschen am Lenkrad noch weniger statt.
Würde das Radfahren grundsätzlich attraktiver könnte sich die Situation doppelt entspannen, wenn auch nur ein Teil der Autofahrer wenigstens ab und zu auf den Drahtesel umsteigt und die Perspektive der Radfahrer einnimmt.
Ich für meinen Teil kann nicht verstehen wie sich tausende Menschen jeden Morgen in den Stau stellen und stressen. Noch dazu kommt, dass selbst bescheidene Autos schnell 300 - 500€ im Monat verbuchen, wenn man alle Kosten berücksichtigt.
Und weil sich das auch viele Menschen immer nicht vorstellen können: Die Dunkelheit im Wald und die Temperaturen sind übrigens ein mit technischen Mitteln lösbares Problem.
Aktuell werden halt eher Parteien gewählt die sagen „wir beenden die autofeindliche Politik und weisen in der XY Straße wieder Parkplätze parallel zur Fahrbahn aus. Dafür entfällt der neu geschaffene Radstreifen.“
Ziele müssen aber eine Mehrheit finden. Und genau diese plakativen Ziele sind bei der aktuellen Stimmung vielerorts kontraproduktiv. Realistischer ist da eher ganz konkret dort aktiv zu sein wo ohnehin gebaut wird. Oder das schaffen von Superblocks.
Auch die Umgestaltung zu Einbahnstraßen ermöglicht im ersten Schritt oft ohne Verlust von Parkplätzen Raum fürs Rad zu schaffen. Parkplätze kann man dann ja auch schrittweise reduzieren indem z.B. Fläche für Außengastronomie freigegeben wird.
Wenn sowas schrittweise erfolgt sehe ich deutlich weniger lauten Widerstand, als wenn das durch Ziele schon so kommuniziert wird, dass auch das gegenteilige Ziel Platz im Wahlkampf findet.
Ich lege 99% meiner Wege im dem Rad zurück. Trotzdem finde ich die Herangehensweise die Menschen fürs Autofahren zu bestrafen falsch. Gerade das Thema Fahrspuren aurf Hauptstraßen und Parkplätze führen in vielen Köpfen zu noch mehr Widerstand gegen das Fahrrad.
Zu allererst könnte man sich das Dienstwagenprivileg, vor allem für die Alibi-Hybride vornehmen. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es zwei Menschen im Besitz von Tankkarten, die einfach völlig gedankenlos überall rumfahren, weil die Kosten für sie externalisiert sind.
Fahrradwege an Hauptstraßen sehe ich persönlich kritisch. Wieso muss ich an einer 4-spurigen Straße fahren, wenn es parallel dazu auch ein Wohngebiet gibt, in dem ein Bruchteil der Autos unterwegs sind. Mehr Straßen abseits der Hauptverkehrswege könnten zu Fahrradstraßen werden. Gleichzeitig vielleicht noch Einbahnstraße. Dadurch entstehen neue Parkplätze, bestenfalls mit Ladesäulen. Wenn ein Parkplatz mit Lademöglichkeit unproblematisch zu finden ist könnte das Mietende in Städten ermutigen sich e-Autos zuzulegen. Carsharing Angebote könnten kommunal gefördert werden und vielleicht ein paar Menschen abholen, die auf der Kippe stehen, das Auto aber für Gelegenheiten brauchen. Ich nehme mir ab und zu mal einen Mietwagen, was aber mit sehr großem Aufwand verbunden ist.
Es braucht ein Gesamtkonzept wie bei den Beispielen im Film.
Lässt sich das auch mit Statistiken belegen? Destatis sieht das etwas differenzierter.
„Die meisten Kinder, die 2024 im Straßenverkehr verunglückten, waren mit dem Auto unterwegs (35 %). 33 % saßen auf einem Fahrrad und 21 % gingen zu Fuß, als der Unfall passierte. Betrachtet man jedoch verschiedene Altersgruppen, ergibt sich ein differenzierteres Bild: Unter 6-Jährige sind besonders häufig im Auto mit betreuenden Erwachsenen unterwegs, demzufolge verunglücken sie hier am häufigsten (58 % im Jahr 2024). Schulkinder bewegen sich mit zunehmendem Alter selbstständig im Straßenverkehr – entsprechend steigt der Anteil der Radfahrenden und Fußgängerinnen und -gänger unter den Verunglückten. 6- bis 14-Jährige verunglückten am häufigsten auf ihrem Fahrrad (38 %), 29 % in einem Auto sowie 20 % zu Fuß.“
(27 260 Kinder im Jahr 2024 bei Verkehrsunfällen verunglückt - Statistisches Bundesamt)
Durch PKW-fahrende werden mit Abstand die meisten Unfälle mit Personenschaden verursacht (Hauptverursacher von Unfällen mit Personenschaden - Statistisches Bundesamt )
Wenn nun also mehr Kinder mit dem Auto gefahren werden und nicht mehr Rad fahren oder zu Fuß gehen, so kann man annehmen, dass auch mehr Unfälle mit Personenschaden (i.d.F. Kindern) erfolgen. Die Personengruppe wird zwar kleiner, aber die individuelle Gefahr größer.
Meine morgendliche Erfahrung entspricht auch der Statistik. Je näher wir der Schule kommen, desto unübersichtlicher und gefährlicher wird es für alle Kinder, die nicht im Elterntaxi sitzen.
Also meine Radstrecke ist nur halb so lang und führt zum großen Teil auch durch KfZ-arme Gebiete. Aber der kleine Teil der Strecke, wo das nicht so ist hat es in sich. Und das wird bei den meisten so sein, denn die Arbeitsstätte befindet sich ja meistens nicht im Wald.
Das ist aber genau das Problem:
Ich kann das schon verstehen. Bringe jeden morgen meinen Kleinen mit dem Fahrradanhänger zur Kita. Und jedes Mal, wenn mir ein Auto in voller Fahrt die Vorfahrt nimmt, dann macht mich das schon nachdenklich. Vor allem, weil das ja nicht nur mein eigenes Leben ist, das da auf dem Spiel steht.
Ich sehe auch jeden Morgen, wie es sich auf den Straßen staut und ich mit dem Fahrrad mehr oder weniger ohne Halt an mein Ziel kommen kann. Gibt praktisch kein Verkehrsmittel für meine Strecke, das so zuverlässig ist.
Aber solange Radwege nicht sicher sind kann ich nachvollziehen, dass sie nicht genutzt werden.