Fahrrad als Zukunft

Ein Gesamtkonzept ist sicherlich erstrebenswert, aber es dauert. Erst die Planung, dann die Umsetzung und wenn umgesetzt werden soll haben sich die politischen Mehrheiten geändert und es bleibt wie es ist oder wird sogar wieder rückgebaut wie in Berlin.

Es würden schon drei Maßnahmen viel bewirken, weil Kommunen dann in eigener Zuständigkeit Dinge verändern können:

  • StVO 43: Die Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs (der in diesem Zusammenhang immer motorisierter Individualverkehr ist) abschaffen. Wenn es anderen Verkehrsteilnehmern dient, dann geht es eben mal nicht so leicht und flüssig und das darf die Kommune dann bestimmen.
  • Freie Anordnung von Tempo 30 in den Kommunen; derzeit ist die Anordnung von Tempo 30 Zonen an Bedingungen geknüpft und kann - wenn die Leichtigkeit und Flüssigkeit des Verkehrs behindert wird - auch wieder “weggeklagt” werden. Kommunen sollten frei entscheiden können, ob z. B. das gesamte Gemeidegebiet Tempo 30 Zone ist und es nur Ausnahmen für schnellere Bereiche gibt, die dann extra ausgeschildert sind.

Wenn das Tempo generell auf 30 km/h reduziert ist, ist einmal das Unfallrisiko geringer bzw. die Personenschäden bei einem Unfall. Zum anderen brauche ich nicht mehr so viele Radwege (die ich planen, bauen und finanzieren muss), weil ein Großteil der Radfahrer auf der Straße fahren können. Wenn ich durch Tempo 30 Zonen radel, dann ist der Geschwindigkeitsunterschied zu Autofahrern, die sich an die Geschwindigkeit halten, begrenzt und ich werde selten überholt.

  • Kommunen dürfen die Preise für Anwohnerparklizenzen genauso frei festlegen wie die Hebesätze für die Gewerbe- und Grundsteuer oder die Abfallgebühren. Das Auto im öffentlichen Raum abzustellen - gerade in Gebieten, in denen es Garagen gibt, die aber mit allem anderen Krempel voll sind - ist einfach zu billig.

Ein Gesamtkonzept ist natürlich trotzdem sinnvoll.

7 „Gefällt mir“

In dem Film gibt es vom “Fahrradprofessor” Marco te Brömmelstroet einen wichtigen Hinweis. Die Gestaltung der Städte muss über das Fahrrad hinaus gehen. Wenn man Autoverkehr durch ÖPNV und Fahrradverkehr ersetzt, dann ist - gerade bei uns in Deutschland - schon viel erreicht. Aber es muss weitergehen - Begrünung, blaue Infrastruktur (Bäche, Brunnen etc.), Wege für Fußgänger und Aufenthaltsflächen. Eine Stadt ist mehr als Wege, die einen schnell von A nach B bringen. Und heute ist es ja auch mit dem Auto selten schnell.

Ich war vor zwei Jahren mit meinem jüngsten Kind in Paris und war wirklich beeindruckt, wie schnell dort umgebaut wurde und wie gut es klappt. Unser Hotel im Marais hatte keine eigene Tiefgarage und vor dem Hotel waren keine Parkplätze, nur noch Lieferzonen und Abstellflächen für Fahrräder und Motorräder bzw. Roller. Der Inhaber hatte gedacht, dass er zusperren muss, als das eingeführt wurde, aber die Auswirkung auf die Buchungszahlen war exakt 0. Auch wenn das nur eine anekdotische Evidenz ist, bin ich überzeugt, dass sich bzgl. Umsätzen für den Einzelhandel und Gastronomie wenig ändern wird, wenn die Kunden nicht mehr bis zur Theke mit dem Auto fahren können.

Wir haben uns Fahrräder gemietet und es war wirklich toll durch Paris zu radeln. Als Studentin bin ich auch schon durch Paris geradelt, das war damals noch eine Mutprobe.

6 „Gefällt mir“

Hat man eine Vision, dann muss man nicht dem aktuell Trott folgen. Wenn man nicht dafür gewählt wird, weiß man bescheid. Aber ein bisschen Mut und eine positive Vision können auch den Umschwung bringen siehe Paris, New York…

Weil das Wohngebiet trotz Fahrradstraße auf beiden Seiten von Autos so zugeparkt ist, dass in der Mitte eine Spur frei bleibt und man trotzdem ständig den dann noch fahrenden Autos ausweichen muss indem man ganz dicht an die parkenden Autos fährt.

Einbahnstraßen, Dienstwagenprivileg ist für mich Rumgedokter am Symptom.

Weil dadurch der Verkehr auf weniger Raum begrenzt wird, es unattraktiver wird und mehr Leute aufs Rad umsteigen, wenn sie gleichzeitig dafür eine ganze Fahrbahn in beide Richtungen haben. Die, die aufs Auto angewiesen sind, können weiter Auto fahren und haben dafür mehr Platz.

Das Problem der Stadt ist nicht die Antriebswende. Es geht zum einen um das Vorankommen in der Stadt aber auch um das Lebensgefühl. Und das wird nicht durch zugeparkte Straßen gefördert sondern durch Grün und Aufenthaltsflächen.

3 „Gefällt mir“

Ich empfinde T30-Zonen in Wohngebieten als mitunter die gefährlichsten Straßen zum Radeln. Im Regelfall ist immer wechselseitig eine Seite zugeparkt. Demnach dürfen Kfz hier in der Regel auch nicht überholen, da die 1,5m Seitenabstand nicht eingehalten werden können. Leider weiß/interessiert das kaum jemanden. Wenn ich dann auch noch den notwendigen Abstand zu parkenden Autos halte (Dooring-Zone), fühlen sich so einige davon provoziert und schneiden mich bei nächstbester Gelegenheit nochmal besonders scharf.

Wenn wir mehr Radverkehr wollen, dann braucht es sichere, vom Kfz getrennte Radwege.

3 „Gefällt mir“

Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass insbesondere Geschäfte profitieren würden wie Elektronikmärkte die die oft zitierte und nur schwer mit dem Fahrrad zu transportierende Waschmaschine verkaufen wenn weniger Parkplätzen und dafür einer Zone in der man für das Beladen des Autos vor der Tür halten könnte, vorhanden wären.

Weil wer aktuell selbst abholen will geht halt dann doch eher zum Mediamarkt in irgendein Industriegebiet, weil vor dem Elektronikmarkt in der Innenstadt die Parkplätze immer dicht sind.

Ich würde da halt differenzieren. Ziele die dann doch wieder kassiert werden helfen wenig. Ziele die am Ende sogar zu einem aktiven Kampf gegen den Wandel führen sind am Ende gar kontraproduktiv.

Die Vision wohin es langfristig gehen würde kann man ja dennoch haben.

Die Straße die ich auf dem Weg ins Zentrum regelmäßig nutze wurde durch die Umwandlung zur Fahrradstraße tatsächlich deutlich angenehmer zu befahren, obwohl es keinen Abbau der Parkplätze gab.

Ich fände tatsächlich die Möglichkeit von Tempo 40 und 20 auch gut. Tempo 20 hilft dort wo Fahrrad und Auto tatsächlich auf einer Fahrbahn gemeinsam fahren mehr und Tempo 40 wäre dort wo ein Radweg vorhanden ist ein guter Kompromiss.

Ginge es nach mir wäre Tempo 40 überall wo ein Radweg auf der Fahrbahn ist, Tempo 20 für alle Straßen ohne Radweg und Tempo 50, 60 oder 70 mit Freigabe für die großen Ausfallstraßen mit baulich getrennten Radweg ein guter Kompromiss.

1 „Gefällt mir“

Es gibt auch Studien, die deine Annahme belegen.

Aus empirischer Sicht ist der Widerstand von einigen Gewerbetreibenden gegen Parkplatz-Abbau nicht haltbar.

7 „Gefällt mir“

Sicher. Da kann man einiges machen, das auch die Fahrt morgens um 6 Uhr durch den Wald machbar ist.
Für den 20-50 jährigen fitten Freizeitsportler sowieso.
Für die junge Mutter mit zwei Kindern? Denkbar.
Der 65jährige mit Beginnender Nachtblindheit und COPD? Schwieriger.
Die 12jährige Tochter morgens allein losschicken? Hat auch so eine Vater-Komponente…

Sicher alles Einzelfälle. Wer es zeitlich, gesundheitlich und finanziell kann, sollte sich schon überlegen, wo ein Fahrrad ein sinnvoller Ersatz ist.
Aber liegt halt nicht immer ausschließlich an Bequemlichkeit, manche „Ausreden“ würde ich gelten lassen. :wink:

4 „Gefällt mir“

Wir benötigen nicht weniger als eine Mobilitätswende, ein „Weiter so…“ ist nicht zielführend…

Es gibt salopp gesagt zu viele Autos. Es ist schlicht nicht effizient, mehrere Tonnen Blech in Bewegung zu setzen, um seinen Arsch von A nach B zu bewegen. Egal ob das Auto mit Benzin, Diesel, Gas oder von Elektronen angetrieben wird. Autos benötigen viel Platz, viele Wohnstraßen sind so dicht zugeparkt, dass kaum zwei Autos mehr aneinander vorbei kommen. Dabei steht das Auto dann die meiste Zeit (durchschnittlich mehr als 23 Stunden pro Tag) nutzlos in der Gegend herum. Die Straßen sind noch genauso breit wie vor Jahrzehnten, die Autos allerdings werden immer größer, so dass immer weniger Straßenraum für den eigentlichen Verkehr zur Verfügung steht. Gehwege werden zugeparkt, so dass man mit dem Kinderwagen oder dem Rollstuhl kaum mehr vorbei kommt. Warum dürfen Autos eigentlich den öffentlichen Straßenraum geparkt werden? Könnte ich da nicht auch einfach meine neue Kühl-/Gefrierkombination am Straßenrand abstellen, wenn sie nicht in meine Küche passt? Sieht so wirklich die Mobilität der Zukunft aus?

Auf zunehmenden Autoverkehr mit immer neuen Straßenbauprojekten zu reagieren ist wie, wenn man Übergewicht durch den Kauf von immer weiteren Hosen bekämpfen möchte. Es geht eben nur mit Verzicht. In Tübingen wurde für 16 Millionen eine (beheizbare) Fahrradbrücke über die bestehenden Bahngleise gebaut. Mit demselben Betrag baut Berlin 6(!) Meter Autobahn, die bei Tempo 130 in rund 16 Hundertstel Sekunden durchfahren sind.

Die Städte ersticken im Verkehr. Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, weil das Fahrrad oder zu Fuß zu gefährlich seien. Finde den Fehler!

Großes Lob an den Filmemacher, denn er zeigt, was möglich ist! Ich fürchte nur, dass wir in Deutschland dem Auto in der Vergangenheit zu viel Raum in unseren Städten und in unseren Köpfen gegeben haben. Und diese Entwicklung zurückzudrehen, das wird eine Mammutaufgabe. Also krempeln wir die Ärmel hoch und packen wir eine echte Verkehrswende an!

9 „Gefällt mir“

Das zu optimieren indem vor allem Kurze Wege weniger mit dem Auto zurückgelegt werden, dafür bei Bedarf auf Carsharing oder Mietwagen zurückgegriffen wird ist sicher sinnvoll. Aber allgemein gilt das mit der Nutzungsdauer aber auch für das Fahrrad, den Küchenherd, Toiletten, etc. Eine Dusche dürfte im Schnitt sogar noch weit weniger genutzt werden. Die Argumentation muss sollte daher weniger in die Richtung gehen, dass Gebrauchsgüter die wenig genutzt werden nicht sein dürfen, sondern eher, dass es durchaus Lösungen gibt die Nutzungsdauer zu erhöhen.

Die gleiche Frage könnte man allerdings auch bei Fahrrädern stellen. Natürlich ist deren Platzbedarf geringer, aber die Grundsätzliche Frage bleibt die gleiche.

Nicht, dass ich daraus ableiten will, dass sich hier nichts ändern muss, aber wir sollten nicht so Argumentieren, dass genau das gleiche Argument auch gegen z.B. Lastenräder verwendet werden kann. Oder das Fahrrad. Warum muss man kurze Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen, wo doch ein Tretroller sehr viel weniger Platz wegnimmt? Warum muss man die Strecke mit einem Tretroller zurücklegen, wo man doch zu Fuß gar keinen Platz wegnehmen würde.

Meine Argumentation wäre vielmehr, dass das Auto das Fortbewegungsmittel für weite Strecken ist und daher ein Parken direkt am Ziel nicht nötig ist. Parken kann zentralisiert in Parkhäusern oder Tiefgaragen erfolgen und nicht jede Straße muss unzählig Parkplätze bieten.

Und vor allem darf die Selbstverständlichkeit Autos auch dort zu Parken wo man nicht Parken darf muss aus den Köpfen raus. Parken auf Gehwegen, Radwegen oder sonstigen Plätzen wo andere behindert werden sollte auch gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert werden.

2 „Gefällt mir“

Das ist zurückzuführen auf ein Gerichtsurteil in den 60er Jahren. Ohne dieses sähen dt. Innenstädte heute sicherlich anders aus.

Die werden aber mit Ausnahme des Fahrrades nicht kostenfrei im öffentlichen Raum abgestellt. Und Fahrräder sind deutlich (!) platzsparender. Selbst bei Lastenrädern passen 3-5 in die Parklücke eines Autos.

6 „Gefällt mir“

Natürlich, das ist mir ja klar. Wenn ich aber die prinzipielle Frage stelle ob man private Dinge überhaupt im öffentlichen Raum abstellen darf, dann ist die Antwort ja nicht Abhängig von der Größe.

Ich würde daher gar nicht so sehr die Grundsatzfrage stellen, sondern es ist ja ohnehin geregelt, dass man ein Auto nicht einfach auf Radwegen, Gehsteigen oder im Verkehrsberuhigten Bereich abstellen darf und auch das Parken auf der Straße selbst ist reglementiert. Demnach kann man doch das Angebot auch einschränken ohne die grundsätzliche Frage zu stellen ob man Privates im öffentlichen Raum abstellen darf und somit gar nicht erst die Vorlage liefern auch Fahrräder zu reglementieren.

Und als jemand der die letzten 7 Jahre mit Kinderwagen unterwegs ist kann ich sagen, dass auch Fahr- und Lastenräder groß genug sind um an manchen Stellen eine Behinderung darzustellen.

Als Radfahrer möchte ich aber absolut nicht, dass am Ende die Diskussion in eine Richtung gelenkt wird, dass man auch das Rad nur mehr in Ausgewiesenen Zonen abstellen kann (auch wenn ich dort wo sinnvolle Abstellmöglichkeiten vorhanden sind gerne bereit bin dann auch ein paar Meter zu laufen, alleine als Selbstschutz).

1 „Gefällt mir“

Ein Randproblem: es gibt auch Orte, wo man sein hochwertiges Bike oder eBike nicht so gerne länger stehen lassen würde, trotz Schloss.
Das wird mitgedacht, ist aber an manchen Stellen (Übergang zum Bus an kleinen Strassenhaltestellen) nur bedingt möglich

3 „Gefällt mir“

Bei uns ist das leider gar nicht positiv. Ja, es fahren Menschen Rad, aber angenehm ist das selten:

  • Die Ortsdurchfahrten sind historisch bedingt relativ eng.
  • Parkbuchten wurden vor 50 Jahren geplant und sind heute viel zu schmal für die immer dicker werdenden Autos. Dadurch ragen diese sowohl auf den Fußgängerweg (wo Kinder mit Fahrrädern oft schon Schwierigkeiten haben, durchzukommen und Rollstuhlfahrer aufgeschmissen sind), als auch in die Fahrbahn (was es für Erwachsene Fahrradfahrer gefährlich macht).
  • Die Landwirte interpretieren Geschwindigkeitsbegrenzungen grundsätzlich als “pro Achse”. Da kommt einem ein großer Ackerschlepper mit Hänger innerorts schon mal mit 60 km/h entgegen.
  • Während große (grün regierte) Städte hier in der Umgebung durchaus schon Flächendeckend auf 30 km/h Höchstgeschwindigkeit wechseln, gilt hier weiterhin fast überall 50 km/h.
  • Die Zahl der Fahrradwege, um benachbarte Ortschaften zu verbinden, nimmt zu. Aber auch wo es sie gibt bestehen diese oft aus umgewidmeten Wirtschaftswegen, die vom landwirtschaftlichen Verkehr verschmutzt sind (Rutschgefahr!) und selten durchgehend guten Bodenbelag haben. Außerdem laufen diese Wege selten in gerader Linie von A nach B, während die Landstraßen grundsätzlich schnurgerade durch die Landschaft gebaut wurden.
  • Auch wenn irgendwo neue Infrastruktur entsteht, wird der Radverkehr nicht automatisch mitgedacht. Vor kurzem wurde hier ein großer neuer Kreisel an einer Landstraße eröffnet (für mehrere Millionen Euro), bei dem keine Fahrrad- oder Fußgängerübergänge mitgeplant wurden.

Das alles resultiert in mehreren totgefahrenen Fahrradfahrern im Jahr und entsprechend mehr Verletzten. Dabei wäre das Potenzial erheblich. Mit entsprechend ausgebauter Infrastruktur könnte man von meinem Wohnort aus wohl in 15 Minuten am geographisch nächsten Bahnhof sein, PKW-freies Pendeln wäre dann für viele Menschen zumindest theoretisch eine Option. Aktuell sind es eher 30 Minuten und alle fahren Auto, auch wenn das zu den Stoßzeiten zu erheblichem Stau führt.

7 „Gefällt mir“

Ja, guter Punkt. Hier in D werden die Kinder sehr häufig mit AutoTaxi zur Schule gefahren (wie ist das in den Niederlanden?) - und lernen es leider überhaupt nicht, dass ein Fahrrad eine Alternative wäre.
Es ist wie so häufig: Wenn man möchte, das sich etwas ändert, dann muss man mit guten Vorbild voran gehen.

2 „Gefällt mir“

Ist das eigentlich nur ein Klischee oder durch Zahlen belegt?

Ich beobachte das in meiner Umgebung überhaupt nicht, aber ich glaube das manche das bei sich anders beobachten. Jedoch ist das von anderen wie von mir erstmal nur anekdotisch und sagt nichts über die Allgemeinheit aus.

2 „Gefällt mir“

Ich habe den ganzen Thread jetzt nur überflogen, habe aber das Gefühl dass hier zwei Sachen miteinander vermischt werden:
-Fakten zur Notwendigkeit der Verkehrswende (dazu ist der Fachdiskurs in der Planung schon weiter als das Forum hier, es gibt kaum Leute in der Forschung - Verkehrsplanung, Stadtplanung, Verkehrsingenieure - die nicht zumindest in Städten mehr Umweltverbund fordern)
-Framing und politische Überzeugung zur Verkehrswende: an der Stelle wird gerade häufig ersteres gegen politische Überzeugungen gehalten, so funktioniert aber der Diskurs nicht

Wichtig wäre zu beachten was diskutiert wird und dann entsprechend nebeneinander zu halten - also wenn es darum geht dass wir Vorteile von Verkehrswende betonen wollen (mehr Platz im Straßenraum für Fuß- und Radverkehr, Barrierefreiheit, Kinder die im öffentlichen Raum sicher spielen können…) muss daneben auch gehalten werden, dass andere etwas verlieren (weniger Parkplätze, längere Wege zwischen Auto und Wohnort, mehr Kontakt mit anderen Menschen wenn man nicht mehr im Individualverkehr unterwegs sein kann)

In dieser Abwägung gelingt es häufig nicht Menschen mit einer positiven Erzählung abzuholen, die aktuell sehr mit dem Komfort des Autos vertraut sind und solange die nicht abgeholt sind wird es demokratisch kaum eine Mehrheit geben

2 „Gefällt mir“

Elterntaxi Paradox: Mehrheit der Eltern dagegen - jedes fünfte Kind wird trotzdem täglich zur Schule gefahren[…]
56 Prozent sind der Auffassung, Elterntaxis beschwören gefährliche Verkehrssituationen herauf. Diese Einschätzung teilen sogar 35 Prozent derjenigen Eltern, die ihre Kinder täglich fahren.
Sicherer Schulweg ADAC Stiftung

Und 83% von ihnen bewerten ihr Verhalten als notwendig oder tendenziell notwendig. Werden sich davon also schwer abbringen lassen, nur durch Verbote.

Diese vermeintliche Notwendigkeit entsteht laut Umfrage der ADAC Stiftung nur selten aus Sicherheitsbedenken. Vielmehr sind Termine nach der Schule (40 Prozent), schlechtes Wetter (32), Schule liegt auf dem Arbeitsweg (30) sowie Zeitersparnis (22) die meistgenannten Gründe. Mangelnde Verkehrssicherheit ist mit 12 Prozent lediglich siebtmeistgenannte Antwort, gleichauf mit Bequemlichkeit.

4 „Gefällt mir“

Wenn Zeit ein so relevanter Faktor ist, müssen wir vielleicht mal überlegen ob wir da nicht noch Potential haben. Zeitdruck sorgt meist nicht für optimale Lösungen. :wink:

1 „Gefällt mir“

Den macht man sich selbst und ist damit meist ja doch nur eine Ausrede. Gleichzeitig sind die meisten Eltern vermutlich der Meinung, dass ihre Kinder viel zu viel Zeit am Smartphone verbringen, offensichtlich haben sie doch zu viel Zeit.
Dementsprechend lächerlich ist die Forderung von mehr Bussen: mit dem Auto können die nie mithalten. Aber wir sollten jetzt damit nicht das Thema kapern. Es ging nur darum, die Aussage mit einer Studie zu unterfüttern (da bereits zum zweiten Mal angezweifelt)

Ein schönes Konzept sind die Schulstraßen, die auch in einigen deutschen Kommunen inzwischen umgesetzt werden.

Durch eine Schulstraße wird die unmittelbare Zufahrt zur Schule vollständig oder zu Stoßzeiten untersagt und/oder physisch verhindert. Das senkt die Attraktivität des “Elterntaxis” (die Kinder müssen so oder so einen Teil der Strecke laufen) und es nimmt die meist gefährlichste Situation aus der Gleichung heraus (kein unübersichtlicher Massenauflauf direkt vor der Schule in der Kinder, Busse und Autos um Platz kämpfen). Da die Straßen für Fahrräder weiter zugänglich bleiben setzt es außerdem einen Anreiz, für die Begleitung der Kinder auf das Rad umzusteigen.

5 „Gefällt mir“