EU schwenkt auf Atomkurs

Langsam muss man sich echt fragen, was die Unions dieser Nation und der EU mit bezahlbarer, sicherer, unabhängiger Energiewende meinten.

Von mir aus sollen sie einfach sagen, wir brauchen das Wissen um Atomkraft für das Militär. Strategisches Wissen. Deshalb wollen wir ein paar Reaktoren haben. Aber es immer wieder unter dem Deckmantel der Bezahlbarkeit und Klimaneutralität zu bringen ist echt nicht vertretbar.

Die Europäische Union will den Ausbau der Kernenergie fördern, um eine erschwingliche und klimafreundliche Stromversorgung für die Industrie und die Bevölkerung sicherzustellen. „In den letzten Jahren erleben wir eine weltweite Renaissance der Kernenergie. Und Europa will an dieser Renaissance teilhaben“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beim zweiten internationalen Gipfel zur Kernenergie in Boulogne-Billancourt bei Paris. Die europäische Abkehr von der Atomkraft sei ein „strategischer Fehler“ gewesen.

Kündigt neue Strategie an: Von der Leyen: Abkehr von Atomkraft war „strategischer Fehler“ - ntv.de

Derzeit findet in der Praxis aber keine „Renaissance“ statt. Im Jahr 2025 wurden global laut World Nuclear Report nur vier neue Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 4,4 Gigawatt (GW) ans Netz angeschlossen – zwei in China und je einer in Indien und Russland –, während sieben Reaktoren mit einer Gesamtleistung von 2,8 GW stillgelegt wurden. Auf dem gesamten amerikanischen Kontinent befindet sich derzeit kein einziger kommerzieller Kernreaktor im Bau. In der Europäischen Union ist die einzige Anlage, die sich derzeit im Bau befindet, der Reaktor Mochovce-4 in der Slowakei, dessen Bau ursprünglich 1985 begonnen wurde.

„Unser Ehrgeiz beschränkt sich jedoch nicht auf kleine modulare Reaktoren. Wir müssen auch das gesamte nukleare Ökosystem stärken - von den Brennstoffen bis zur Technologie, von den Lieferketten bis zu den Kompetenzen“

Kleiner Seiteneffekt. Die AFD ist aktuell noch die einzige Partei, die in jedem Wahlkampf, auch in BW massiv, dafür wirbt auf AKWs zu setzen. Wieder mal ein Punkt für die AFD, werden sich die Unterstützer sagen.

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Bei der Einstufung als strategischer Fehler bin ich dabei, nicht erst seit Fukushima sondern auch schon seit Chernobyl.

Da wir anscheinend die Fähigkeit verloren haben neue Atomkraftwerke zu bauen (und diese heute auch nicht mehr mit den erneuerbaren Energien mithalten können), sollten wir uns meiner Meinung nach auf den Ausbau erneuerbare Energien fokussieren anstatt viele Milliarden in neue Atomkraftwerke zu stecken.

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Hier passt immer gut, sich Hinkely Point C wieder mal ins Gedächtnis zu rufen.

“Im Februar 2026 verkündete EDF eine erneute Verzögerung beim Bau, wodurch die Inbetriebnahme des ersten Blockes nicht vor 2030 stattfinden werde. Die Baukosten erhöhten sich damit auf etwa 49 Mrd. Pfund (56,6 Mrd. Euro) (Stand 2026) bzw. 35 Mrd. Pfund (Preisstand 2015). Ursprünglich geplant waren 18 Mrd. Pfund (Preisstand 2015). Zudem warnte EDF davor, dass eine weitere Verzögerung um ein Jahr das Projekt um eine weitere Mrd. Pfund teurer machen könnte.[2]

Quelle: Wikipedia Kernkraftwerk Hinkley Point – Wikipedia

Eine wahre Erfolgsgeschichte :stuck_out_tongue:

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Eine wahre Erfolgsgeschichte sind auch die ausgedienten Anlagen. Nach Liste der Kernreaktoren in Deutschland – Wikipedia sind bislang (wenn ich nichts übersehen habe) bloß einige der Versuchs- und Forschungsreaktoren vollständig zurückgebaut. Viele in den 70er, 80er und 90er Jahren abgeschaltete Anlagen sollen bis Ende dieses oder Mitte nächstes Jahrzehnts rückgebaut sein. Pauschal scheint erstmal ein Zeitraum von 20 Jahren angesetzt zu werden. Informationen zum tatsächlichen Fortschritt gibt es (nach stichprobenartiger Suche) hauptsächlich vom Betreiber, und dann erstmal nur Erfolgsmeldungen.

Falls jemand eine Quelle für übersichtliche Informationen zum aktuellen stand, Abweichungen von ursprünglichen Plänen, Kosten, aktualisierte Zeitpläne etc. kennt: gerne einmal nennen :slight_smile:

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Für Deutschland ist Atomkraft kein Thema mehr:

Bundeskanzler Merz bezeichnete den Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland als unumkehrbar. Er sagte nach einem Treffen mit dem tschechischen Ministerpräsidenten Babiš in Berlin, zwar teile er persönlich die Einschätzung von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, wonach die Abkehr von der Atomkraft falsch gewesen sei. Die Bundesregierungen zuvor hätten aber entschieden, aus der Kernenergie auszusteigen. Dieser Beschluss sei irreversibel. Er bedauere das, aber es sei so. Die Bundesregierung konzentriere sich darauf, die Energiepolitik zu optimieren, fügte Merz hinzu. Die Netze müssen ausgebaut und das Ene

Finde sein Statement völlig in Ordnung. Ich sehe den Ausstieg auch als Fehler, aber Stabilität und Planbarkeit sind wichtiger.

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Wenn man den Ausstieg so falsch findet, was ich nachvollziehen kann, dann könnte man ja doch einfach Regeln definieren, unter denen neue Reaktoren genehmigungsfähig sind:

  • Versicherungshöhe bei Unfällen
  • Vollständige Kostenübernahme des Rückbaus durch Betreiber
  • Langfristiges Entsorgungskonzept für Atommüll (muss ja nicht in Deutschland sein, vielleicht kann man sich in Schweden einkaufen)

Und natürlich kann man es auch fördern, ich wäre dafür, es an die Solarstrom-Einspeisevergütung zu koppeln. Das erscheint mir gerecht.

So geht technologieoffen. Und dann mal sehen, wann uns die Energieunternehmen die Bude einrennen mit Anträgen auf neue Atomkraftwerke.

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Lt. unserem Herrn Kanzler haben wir doch in 30 Jahren Fusionsreaktoren. Warum soll man dann jetzt wieder mit Kernspaltung anfangen? Das ist doch dann auch wieder eine “Übergangstechnologie”. (Ironie off)

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Bisher haben alle Energiekonzerne unisono abgelehnt, alte Kraftwerke zu reaktivieren oder neue zu bauen.
Diese Debatte findet zumindest aus meiner Sicht nur im politischen Diskursraum statt.
Welcher Betreiber wird sich denn zu so einer extrem langjährigen Investition bereit erklären?
Läuft der Bau eines neuen AKW ideal und ist in 10 Jahren fertig, steht sehr in Frage ob man es dann überhaupt betreiben kann oder darf. Wer weiß was bis dahin passiert ist und wer dann an der Regierung ist.
Die Endlagerthematik ist noch nicht einmal für die abgeschalteten AKWs geklärt, bis heute will keine Region ein Endlager in seiner Nähe haben (auch das Bayern unter Maggus nicht).

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Das gleiche gilt für Gaskraftwerke. Die Politik begegnet dem mit Abnahmegarantien. Das gleiche Szenario wird man sich bei Atomkraftwerken erhoffen. Wenn der Staat diese Sicherheit haben möchte, muss er sie auch finanzieren.
Lustig die Aussage, der Krieg im Iran habe gezeigt, dass Europa unabhängiger werden müsse. Und dann bewirbt man eine Technologie, die auf Brennstoffe von außen angewiesen ist.

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Gutes Interview dazu: Aus der Dlf App | Interviews | Interviews | Atompolitik – Grünen-Politiker Jürgen Trittin warnt vor Uran-Abhängigkeit Atomkraft: Jürgen Trittin sieht keine Renaissance

Kurzfassung: Keins der Argumente pro Atom hält auch nur einer oberflächlichen Prüfung stand, AKW sind in Bau und Betrieb kaum kalkulierbar teuere Klumpenrisiken und im Kriegsfall extrem gefährdet, Abhängigkeiten bleiben bestehen/nehmen sogar noch zu. Es ging bei der ganzen Luftnummer darum, Subventionen für die Modernisierung des frz. Kraftwerkparks zu legalisieren, die aktuell gegen EU-Recht verstoßen.

Es gibt unter den gegenwärtigen Umständen genau einen guten Grund, AKW zu bauen/betreiben: Den Besitz und Bau von Atomwaffen. Ich hab den Glauben verloren, dass Deutschland darum herum kommen wird. Wenn überall Nationalismus gewählt wird, ist auf kein Abkommen mit Frankreich oder sonstwem Verlass. Man kann das jetzt diskutieren, um die Öffentlichkeit schon mal etwas weichzuklopfen, aber eine Vereinbarung mit Frankreich das bei jeder Wahl in die Hände von Extremisten zu fallen droht, kann keine ernsthafte Sicherheitspolitik sein.

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Bzgl Abhängigkeiten: Trotz Ausstieg sind wir noch abhängig von russischem Uran. Nach Lingen, Niedersachsen wurden 2025 laut Uran aus Russland: Deutlicher Import-Anstieg in Lingener Fabrik | ndr.de fast 70 Tonnen russischen Urans geliefert. Und damit deutlich mehr als im Vorjahr.

Aktuell plant der französische Konzern framatome an seinem Standort in Lingen eine Kooperation mit dem russischen Konzern Rosatom, um Brennstäbe russischen Typs zu produzieren. Brennelemente-Fabrik: Niedersachsen prüft Kooperation mit Russland | tagesschau.de

Bei der Kernkraft baut man die wirtschaftliche Abhängigkeit und Kooperation mit Russland also trotz aller Ereignisse in den letzten Jahren aus. In einer Branche, von der wir uns eigentlich längst verabschiedet haben.

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Darauf weist Trittin auch hin. Absurde Politik

Ich glaube, wir können uns bei dem Thema Recht entspannt zurücklehnen. Die EU möchte mit Bürgschaften bis zu 200 Millionen Euro Investitionen absichern. 200 Millionen Euro werden nicht einmal bei einem kleinen Kraftwerk reichen.

Alles unterhalb der Milliarde ist eine Symbolpolitik der EU. Hier geht es um etwas anderes als die Kernkraft - Eventuell bekommt man so eher eine Zustimmung bei einem Gesetzespaket, das Milliarden (also richtiges Geld) in Richtung Netzausbau, Erneuerbare Energien, Wasserstoff etc. pp freigibt?

Ich habe vor Lachen geprustet, als die Summe von 200 Millionen verkündet wurde. Und dann auch nicht als direkte Investition, sondern lediglich als Bürgschaft… Wer auch immer für die Kernkraft verhandelt hat und dann sich mit der lächerlichen Summe begnügen muss, tut mir fast ein wenig leid. Derjenige ist richtig hart zerschellt.

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Möglich. Aber damit wird Deutschland letztlich außenpolitisch vollkommen unglaubwürdig. Wie begründet man das, nachdem man den Israelis dafür dankt, dass sie die Verbreitung von Atomwaffen durch illegale Angriffe im Iran zu begrenzen versuchen?

Damit würde für alle Nationen offensichtlich, dass der Westen sich nur um Regeln schert, solange sie für ihn vorteilhaft sind.

Mal abgesehen davon… wo würden wir unsere atomwaffen denn testen? Zaubern wir da noch schnell ein paar unbewohnte Kolonialgebiete aus dem Hut?

Wie würde die Entwicklung deutscher atomwaffen aussehen?

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Wenns soweit ist, wird das eh keine Rolle mehr spielen.

Hat sich die Regierung offiziell dafür bedankt? Dann wäre das ja eh schon völlig absurd, dass man ein Land, das selbst außerhalb aller Verträge Nuklearmacht wurde, nun dafür lobt, andere davon abzuhalten. Da hat sich Glaubwürdigkeit doch eh erledigt.

Glaubst du ernsthaft, dass es genau diese eine Entscheidung dazu bräuchte?

Wieviele live-Tests braucht man heute dazu noch? Davon ab: Wo ein Wille ist, findet sich dann schon was.

Ich hätte lieber Vereinte Staaten von Europa mit europäischen Nuklearwaffen in Frankreich und UK. Aber vertiefte europäische Integration wird europaweit ziemlich konsequent abgewählt. Stattdessen stehen in wichtigen Partnerländern Nationalisten unterschiedlicher Irrsinnsgrade kurz davor, an die Macht zu kommen. Verträge mit denen sind wertlos. Ich halte eine deutsche Nuklearwaffe für ein absolut letztes Mittel, aber gleichzeitig sehe ich aktuell viele Entwicklungen, die alle darauf zulaufen, dass wir unsere eigene Abschreckung brauchen werden. Das wird uns sicher nicht die ungeteilte Begeisterung unserer Nachbarn einbringen, da ist es wichtig, die Strecke zu eigenen Sprengköpfen kurz zu halten. Und dafür braucht man ein oder zwei eigene Kraftwerke und zumindestdas know-how, parallel Trägersysteme zu entwickeln und zu bauen. Wie man diese Schritte politisch verkaufen will, sodass diese konsequent strategieblinde Bevölkerung das akzeptiert und ohne dass daraus eine selbsterfüllende Prophezeiung wird, wäre eine ambitionierte Aufgabe für einen großartigen Kanzler. Wir haben aber nur Merz, von daher müssen sich die Gegner einer nuklearen Bewaffnung absehbar wohl keine Sorgen machen.

Die lehnen das aufgrund regulatorischer Planungs-Unsicherheit ab. Dem lässt sich mit Gesetzesänderungen und Garantien einfach begegnen.

Kerntechnik Deutschland (KernD) […] advocates the restart of up to six closed nuclear reactors, arguing that this could be done within 3-5 years without compromising safety. Restarting the plants would help phase out coal power, reduce CO2 emissions and support the expansion of renewable energy.

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Die Abhängigkeit wäre hier nicht so gravierend, da mit Kasachstan (>40% Weltmarktanteil) und Kanada zuverlässige Uran-Lieferanten bereitstünden.

Bei Photovoltaik hat China inzwischen dagegen ein de facto Monopol (>80% des Weltmarktes), bei der Batterietechnik und den seltenen Erden sieht es nicht viel besser aus. Wenn auch in geringerem Maße, werden letztere beispielsweise auch für moderne Windkraftanlagen (-> Neodym-Dauermagnete zur wartungsarmen Kraftübertragung in Offshore-Windkraftwerken etc.) gebraucht.

Der Kritik muss man sich schon stellen. Wir wollen die absolute Sicherheit, indem wir aus der Atomkraft aussteigen, wir wollen die extrem dreckige Gewinnung der Seltenerd-Metalle nicht vor der eigenen Haustüre haben, gleichzeitig wollen wir günstigen Strom und noch dazu unabhängig sein.

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Russland (ich rechne Kasachstan jetzt mal dazu) ist erstens nicht der einzige Uran-Produzent, sondern auch Kanada und Australien gehören zu den größten Produzenten. Zweitens hat man bei Uran längere Lieferzeiten und viel geringeren Umschlag, d.h. man kann viel leichter bevorraten und ist nicht abhängig von kurzfristigen Preisschwankungen oder Lieferengpässen.

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Es gibt auch Windkraftanlagen, die z.B. elektrisch erregte Synchrongeneratoren verwenden und keine Neodym-Dauermagnete benötigen. Der Großteil der momentan verbauten Windkraftanlagen setzt allerdings auf Generatoren mit Neodym. Man ist aber nicht zwingend darauf angewiesen. Einen solchen Trend sieht man auch im BEV-Bereich.

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