EU-Mercosur-Abkommen: Geopolitische Einordnung

Das stimmt auf jeden Fall. Gut fände ich es aber schon wenn nun Linke und Grüne (Basis, Wähler, Unterstützer) sich einmal hinterfragen: Warum ist ihre Empörung immer ganz groß wenn Konservative mit Rechten Stimmen, aber wenn sie es selbst tun, ist das bestenfalls unschön.

Letztlich denken Konservative in solchen Situationen nämlich ganz ähnlich wie ihre progressiven Pendants, bspw. hier.

Also im Grunde: „doof wie das gelaufen ist, aber im Ergebnis Hauptsache mein Individualinteresse hat sich durchgesetzt.“

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Ist sie leider nicht oder wer hat hier Talkshows und viele Artikel zum Thema Zusammenarbeit Weber und Co mit der extremen Rechten (inkl. Absprachen) gesehen? Ich jedenfalls nicht.

Du kannst dich jetzt gern aufregen, aber wo war die Empörung über die in der EU gefallene Brandmauer in so menschen- und klimaverachtender Weise vorher…

Nur ein Auszug und ohne die Empörung auch der Grünen (siehe Video [leider TikTok] von Franziska Brantner zu der Abstimmung) auf Social Media. Den Vorwurf der Doppelmoral muss man sich hier gefallen lassen und kann man nicht klein reden. Sie haben exakt das gemacht, was man sonst der Union immer vorwirft, v.a. die deutschen Grünen und Linken.

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Absprachen? Glaube ich nicht.
Aber ich hatte jetzt auch nicht vor, hier irgendwen zu verteidigen.
Ich kann auch Mercosur nicht beurteilen.
Leide nur etwas unter den Bauernprotesten hier in Frankreich :melting_face:

Warum entfernst du den Verweis auf Weber dann nicht? Oder lässt alternativ den Hinweis zu, dass die beiden Vorgänge nichts miteinander gemein haben und beide abzulehnen sind, statt entsprechende Beiträge abzulehnen?

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Verstehe ich nicht. Warum sollte ich den entfernen…
Was Herr Weber macht, ist extrem gefährlich. Das sehe ich im aktuellen Fall nicht, aber warte da gern eine professionelle Einordnung ab.
Nö. Die Kritik an Weber & Co bleibt selbstverständlich stehen, da der Thread sehr zu einem „Wir kritisieren das Abstimmungsverhalten statt inhaltlich“. Wenn solche Kritik geübt wird und behauptet wird, das sei dasselbe, widerspreche ich erstmal vorsorglich. Wer jetzt die Abstimmung kritisiert, hätte bei Herrn Weber im Dreieck springen müssen.

Aber vielleicht können wir einfach zum Thread-Thema zurückkommen: Das Abkommen inhaltlich.

Heute Morgen im DLF Nova u.a. mit der Aussage, dass die vorläufige Anwendung “in den Verträgen” (das Abkommen scheint gemeint zu sein) festgeschrieben sei, sobald einer der Mercosur-Staaten das Abkommen ratifiziert.

Ab ~4min:

Aus der Dlf App | Deutschlandfunk Nova | EU-Parlament – Mercosur und Misstrauensvotum EU-Parlament - Mercosur und Misstrauensvotum

Ich halte eine fundierte Analyse des Freihandelsabkommens für hilfreich, insbesondere auch ein Eingehen auf die Befürchtungen aus der Landwirtschaft.

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Ich werde mal eine für meinen Berufsstand (Landwirte) untypische Position einnehmen: Ich bin unter dem Strich froh, dass Mercosur endlich unterzeichnet wurde.

Wird es auf mich persönlich und meinen Betrieb negative wirtschaftliche Auswirkungen haben?
Ich glaube ja.

Mache ich mir deswegen Sorgen für meine persönliche Wirtschaftliche Situation?
Auf jeden Fall!

Überwiegen schlussendlich die positiven Auswirkungen auf unsere Deutsche/Europäische Wirtschaft, die unseren volkswirtschaftlichen Wohlstand ermöglichen und damit die Infrastrukur finanzieren, von dessen Existenz ich auch mit ein paar Euro weniger in der Tasche profitiere?
Ich glaube ja.

Bin ich daher bereit maßvolle persönliche wirtschaftliche Nachteile in Kauf zu nehmen, damit wir als Allgemeinheit profitieren können?
Ich glaube ja.

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Nach diesem eher persönlichen Teil noch ein paar inhaltliche Aspekte. Das Thünen-Institut hat die Auswirkungen des Abkommens bis 2034, insbesondere mit Blick auf die Landwirtschaft analysiert:

Die erwarteten Auswirkungen auf die Produktionsmengen der europäischen Landwirtschaft sind tatsächlich eher überschaubar und beziehen sich vor allem auf die Fleischwirtschaft (max. - 1,5 %). Auch zu starken Preisrückgängen kommt es nach Einschätzung der Autoren nicht (bspw. - 2 % bei Rindfleisch).

Die zusätzlichen Mengen, die auf den EU-Markt gelangen führen nicht zu einer „Überschwemmung“ der EU-Agrar- und Ernährungsmärkte.

Teilweise werden für unsere Nahrungsmittelwirtschaft sogar neue Exportmöglichkeiten bei Milchprodukten und verarbeiteten Nahrungsmitteln (bspw. Schokolade) prognostiziert.

Allerdings scheint auch der wirtschaftliche Nutzen insgesamt überschaubar:

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der EU steigt in den vorliegenden Analysen zwischen 1,7 Mrd. und 15 Mrd. Euro, das der Mercosur-Staaten um 0,7 bis zu 11,4 Mrd. Euro.

Unabhängig vom mittelfristigen ökonomischen Nutzen halte ich das Abkommen sehr wichtig für die EU.

  • Wir diversifizieren unsere Handelspartner in Zeiten wo Russland schon weggefallen ist und die USA auch stark bröckeln.
  • Wir senden ein Zeichen für Regelbasierten Handel und bleiben entsprechend international attraktiv im Gegensatz zu Russland, USA und China
  • Wir stärken unsere politische Bindung zu den Südamerikanern, einem stark wachsenden Wirtschaftsraum mit vielen Ressourcen, die wir für die Technologien der Zukunft brauchen (und nicht nur aus China kaufen sollten, s.o.)
  • Die Glaubwürdigkeit der EU nach 30 Jahren Verhandlung wird gestützt. Wir haben ja mit Indien schon das nächste Abkommen im Blick.
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Es ist wie so oft: Solange die Überschriften gut klingen, sind die Leute dafür „Internationaler Handel erhöht den Wohlstand“. Aber wenn es dann um den Text unter der Überschrift geht, hört niemand mehr zu. TLDR - „too long, didn‘t read“. Wie so oft: Wenn‘s konkret wird, wird‘s politisch schwierig. (sieht man ja auch z.B. beim „Verbrenner-Aus“ oder CO2-Emissionshandel („CO2-Preis“), u.v.m.).

Ja, internationaler Handel erhöht den Wohlstand für beide Länder, die zu Handelspartnern werden. Das hat der britische Volkswirt Ricardo schon 1870 beschrieben: Mit dem internationalen Hand zwischen zwei Nationen kann das eine Land mehr von den Gütern und Dienstleistungen verkaufen, bei dem es einen komparativen Vorteil hat, d.h. die es - und zwar inkl. der Exportkosten - günstiger anbieten kann als es das andere Land ihren eigenen Bürgern anbieten kann. Und die Bürger des anderen Land bekommen diese Güter nun günstiger, haben also mehr verfügbares Einkommen, dass sie für zusätzliche Güter oder fürs Sparen verwenden können. Bei anderen Gütern ist es umgekehrt: Bei denen hat das andere Land einen komperativen Vorteil und können davon mehr absetzen, die Konsumenten und Unternehmen des einen Land können diese Güter in Zukunft günstiger einkaufen als ohne internationalen Handel.

Aber völlig klar ist: Bei dem Ganze gewinnen natürlich nicht alle: Alle Produzenten der Güter, bei denen sie einen komparativen Nachteil haben, verkaufen natürlich zukünftig weniger! Das nennt man strukturellen Wandel, der entsteht, wenn sich die Rahmenbedingungen (hier: relative Preise) ändern. Das sind in Europa z.B. die Landwirte, in den Mercosur-Staaten die Automobilindustrie.

Das, und dass es da Proteste geben wird, war von Anfang an klar und das musste auch jedem klar sein. Dass die EU-Landwirte bei den landwirtschaftlichen Produkten, die Mercosur-Landwirte günstiger herstellen kann, einen Nachteil haben werden, war schon vor 25 Jahren klar! (Umso peinlicher, dass Macron diese Wohlstandsgewinne (und die erhebliche Verbesserung der Verhandlungsposition der EU gegenüber den USA / Tramp!) aufs Spiel setzen wollen, weil seine Landwirte noch rabiater sind als unsere, ist schlicht Feigheit!)

Richtig ist, dass in den Mercosur-Staaten z.B. landwirtschaftliche Produkte unter geringeren Anforderungen in Bezug auf z.B. Pestizide , Agrarchemie, Hormonen und Tierwohl hergestellt werden. Die diesbezügliche strengere EU- Regulierung (Verbot, Höchstgrenzen, Kennzeichnungspflichten, sonstige Vorgaben) bleibt jedoch unverändert und gilt ganz genau auch für Mercosur-Produkte!

Das Problem ist nicht der Handelsvertrag selbst , die Herausforderungen liegen in der Kontrolle der Einhaltung dieser Verbote oder Höchstgrenzen. Allerdings: Im Vertrag ist nicht regelt, dass landwirtschaftliche Produkte aus den Mercosur-Staaten ebenso nachverfolgbar sein müssen wie in der EU; das wäre völlig unrealistisch gewesen und ist ein Nachteil, der wissentlich in Kauf genommen wurde.

Daß im Mercosur-Vertrag keine einklagbare Zusage zur Begrenzung von Regenwald-Entwaldung stehen - was hat das in einem Handelsvertrag zu suchen? Nach dem Motto: „Wenn Ihr nicht in einem völlig anderen Bereich nicht das tut, was wir wollen, verzichten wir auf die Wohlstandmehrung internationalen Handels.“ Echt jetzt?!?

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Während Donald Trump die westliche Welt zerlegt und wir eigentlich dringend neue Partner finden müssten, hat das Europäische Parlament heute per Mehrheitsbeschluss das Mercosur-Abkommen gestoppt, bis der Europäische Gerichtshof es geprüft hat.

In den Medien war das Narrativ schnell gesetzt: Die Grünen stimmten gemeinsam mit dem linken und rechten Rand des Parlaments sowie der gesamten französischen Delegation.

Um das zu überprüfen, habe ich die Daten der namentlichen Abstimmung nach Fraktionen ausgewertet und um deren Position im politischen Spektrum ergänzt.

Party + - = ratio_+/total Info
ECR 35 39 0 0.47 European Conservatives and Reformists — economically right, socially nonliberal
ESN 24 1 0 0.96 Europe of Sovereign Nations (formerly ID group successor attempts) — economically right, strongly nonliberal
NI 27 0 1 0.96 Non‑Inscrits (unaffiliated MEPs; varies) — mixed positions, often right‑leaning and nonliberal
PPE 43 135 2 0.24 European People’s Party — centre‑right economically, moderately liberal socially
PfE 72 1 7 0.90 Patriots for Europe — economically right, strongly nonliberal
Renew 24 46 0 0.34 Renew Europe — economically centrist to centre‑right, strongly liberal
S&D 35 90 0 0.28 Progressive Alliance of Socialists & Democrats — centre‑left economically, moderately liberal
The Left 38 0 0 1.00 The Left in the European Parliament — economically left, strongly liberal
Verts/ALE 36 12 1 0.73 Greens/European Free Alliance — economically centre‑left, strongly liberal

Im Grunde scheint der Vorwurf zu stimmen, dass Grüne und Progressive gemeinsam mit den politischen Rändern, also auch mit der Rechten, abgestimmt haben. Mich interessiert, warum sie das getan haben und wie es sich rechtfertigen lässt, mit Rechtsextremen gemeinsam abzustimmen, obwohl man ein solches Verhalten sonst immer wieder kritisiert.

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Stellungnahme Jutta Paulus:

So richtig habe ich das Ganze noch nicht verstanden. Also was da schiefgegangen ist. Vielleicht kann die Lage aufklären…

Die Grünen und Linken sind schon immer gegen solche Abkommen gewesen, da gab es z.B. die AfD noch gar nicht. Und die Gründe für die Ablehnung sind auch vollkommen andere. Wenn hingegen die CDU mit der AfD über Migration abstimmt, dann geht es im Kern um die gleiche Geisteshaltung, nur das sie bei der CDU vielleicht etwas weniger stark vertreten ist (zumindest öffentlich), was man an z.B. an Friedrich Merz Stadtbildäußerungen oder seinen Aussagen zu Brasilien gut erkennen kann.

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Nene, da hat @HokusPokus1(vorbehaltlich anderer Umstände dieses Falls, hab ihn mir nicht detailliert angesehen), auf der formalen Ebene schon einen Punkt. Nicht gut gemacht. Da würde ich von Verrenkungen, um das jetzt schönzureden, schon abraten.

Mir scheint auch nicht ganz klar, dass die Grünen “schon immer” gegen Freihandelsabkommen gewesen sein sollen.

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Ein Punkt am Rande: Wenn man das Abkommen zurecht als Erfolg für eine regelbasierte Handelspolitik lobt, muss man auch innerstaatlich (bzw. hier innerunional) die Rechtsstaatlichkeit hochhalten. Dass der EuGH als unabhängiges Gericht angerufen wird und es für gerade diesen Fall Verfahren gibt, ist ja durchaus sinnvoll (allerdings halte ich die Begründung für inhaltlich nicht durchschlagend).

Ich frage mich allerdings wirklich, warum die Kommission das Abkommen nicht schon vor langer Zeit mit den zu erwartenden Fragen dem EuGH vorgelegt hat, sie hätte das nämlich nach Art. 218 Abs. 11 AEUV gekonnt…

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Das ist doch eine Ausrede. Völlig egal warum, völlig egal, ob und wie sehr man etwas für richtig hält: Man macht keine Politik mit Rechtsextremisten. Man stellt keinen Antrag, der nur mit Rechtsextremisten Erfolg haben wird. Wenn die Partei das nicht in den kommenden Tagen nochmal so deutlich vertritt, sowohl gegenüber den Abgeordneten, als auch öffentlich, werde ich aus der Partei austreten. Diese Ausreden, dass das nicht das ist, wonach es aussieht, kann sich die Partei und können sich diese Abgeordneten dahin stecken, wo die Sonne nie scheint. Mit so einem Rumgeeier gegenüber Feinden unserer Normen, Werte und Institutionen will ich nichts zu tun haben.

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Sehr konsequente Geisteshaltung. Schön so eine Deutlichkeit auch aus dem deutlich progressiven Teil des Forums zu lesen. Die meisten anderen halten sich eher zurück oder üben sich im Beißreflex.

Hut ab, ehrlich!

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Klar kann ich zustimmen, dass das absolut nicht geht. Allerdings ist das Kind ja vorher schon in den Brunnen gefallen, indem das Europaparlament einfach ein rechter Haufen ist neben ein paar versprengten Linken. Auch erste ostdeutsche Bundesländer machen nun die Erfahrung, dass ab einer gewissen Anzahl man extreme Parteien wie BSW und AFD nicht mehr ignorieren kann. Das ist das wahre Problem. Da kann man jetzt auf die Grünen und die Linken zeigen, aber wie meistens, wenn man sagt „aber die Grünen“ verkennt man, dass sie nicht das Problem sind

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