Und nicht jeder Beamte hat unheimlich viele Vorzüge und Zuschüsse, dass hängt nämlich maßgeblich mit seiner Tätigkeit zusammen. Ich wiederum kenne genügend Leute in der freien Wirtschaft, die üppige Gewinnbeteiligungen, Betriebsrenten und -bonusse bekommen oder Gehälter, die bei vergleichbaren Tätigkeit ggü. einem Beamten ein Vielfaches sind. Nicht jeder in der freien Wirtschaft lebt in prekären Verhältnissen und nicht jeder Beamte hat viele Zuschüsse und Vorzüge.
Das bekommt jetzt hier anekdotische Relevanz, das bringt jetzt hier gar nichts.
Fakt ist, dass wenn ich die Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung bekommen möchte dies vermutlich nur mit sehr viel Mehrkosten machbar ist und sehr wahrscheinlich nur für neue Beamte gehen kann.
Dann ist es doch ok wenn der Staat aus Steuern das Rentenniveau pusht wie bei Beamten die völlig überzogene Pension. Ich sehe nicht wieso das 2 unterschiedliche Betrachtungsweisen verdient.
Dass die Ausbildung für den öffentlichen Dienst und die Beamtenlaufbahn identisch mit der freien Wirtschaft ist, stimmt so nicht ganz. In vielen Zweigen des ÖD sind sogar noch zusätzliche Qualifikationen erforderlich, der so genannte Vorbereitungsdienst und das Staatsexamen. Beispiel: während ein Master Public Engineering (Bauingenieur) nach erfolgreichem Abschluss in ein Unternehmen gehen kann, ist für eine Verbeamtung oft ein Vorbereitungsdienst mit Staatsexamen zum Bauassessor notwendig. Hierüber wird die so genannte Laufbahnbefähigung erreicht. Viele Dienstherrn erkennen alternativ auch fünf Jahre Tätigkeit auf dem Posten als Angestellter und Beamter auf Probe dafür an. Ohne Staatsexamen wird man dann aber häufig nicht Führungskraft.
Warum das ganze? Weil zur fachlichen Kenntnis halt der Beamte noch Ahnung von Staatstheorie und Recht in seinem Arbeitsbereich haben sollte. Immerhin sind Beamte legitimiert, in Grundrechte der Bürger einzugreifen.
Und überlegen sollten viele Mal hier, die fordern, dass nur noch Polizisten, Feuerwehr und Bundeswehr verbeamtet sein sollte: was ist mit Lehrern? Darf ein Herr Höcke dann ohne disziplinarische Konsequenzen seine Idee von deutscher Geschichte erzählen? Darf man einem Finanzbeamten bei der Betriebsprüfung einen Verzehrgutschein vom eigenen Restaurant dazulegen? Können Unternehmen dann bald Mitarbeiter in Kartell- und Regulierungsbehörden abwerben, um den Eingriff in das eigene Geschäftsmodell zu verhindern?
Ich bin tatsächlich dafür das zumindest für die Jahre mit dem extremen Missverhältnis zu tun.
Ich bin aber auch der Meinung, dass die Rente neben dem umlagefinazierten Anteil auch eine weitere Komponente haben sollte.
Von mir aus können sogar Beamte in das System zukünftig einbezogen werden, dann aber eben die neu Verbeamteten und für die müsste es dann eine komplette Reform der Besoldung geben weil wenn quasi einfach nur weniger netto und weniger Pension bei sonst gleichbleibenden Verhältnissen, dann werden einige Stellen komplett unattraktiv.
Das stimmt so leider nicht. Es gibt einige Hürden bei der Verbeamtung, die viele Menschen nicht erfüllen können. Selbst wenn sie fachlich bestens geeignet wären. Beispielsweise wird es schwierig, wenn man mal in Psychotherapie war (und nicht selbst gezahlt hat). Oder wenn man Neurodivers ist, also mit ADHS oder Autismus geboren wurde. Das einfach mal Beispiele aus meinem Bekanntenkreis, wo die Verbeamtung nicht geklappt hat, obwohl die Auswahl überstanden wurde.
Ja, der Punkt Gesundheit ist tatsächlich auch sehr relevant, gerade im Bezug auf die Diskussion um die Krankenversicherung von Beamten.
Der Staat legt leider großen Wert auf die Gesundheit seiner Beamten. Nach einer Krebsdiagnose kann es z.B. ausgesprochen schwierig werden, verbeamtet zu werden, ähnlich wie nach den von dir genannten psychischen Leiden - oder auch schon bei massivem Übergewicht. Denn in vielen Bundesländern können Beamte weiterhin nicht in die GKV, sondern müssen in die PKV - und die nimmt z.B. Krebsgenesene wegen dem erhöhten Rückfallrisiko schlicht nicht auf - oder nur mit absurden Risikozuschlägen.
Diese ganzen Problematiken hängen letztlich zusammen und zeigen, warum dieses - wortwörtliche - Zwei-Klassen-System grundsätzlich abgeschafft gehört, sowohl im Hinblick auf die Pension als auch im Hinblick auf die Krankenversicherung. Dann wäre ein Satz wie der von @Pumpe auch korrekt. So, wie die Sache aktuell aussieht, muss man leider ein großes Fragezeichen an die Aussage machen, denn manchen bleibt eine Beamtenkarriere schlicht verwehrt.
Okay, das ist mir wirklich neu. Ich weiß nicht, wie das die unterschiedlichen Länder handhaben, ich selbst habe nur Erfahrungen auf der Bundesebene.
Ich bin übrigens in einem Bereich, der zusätzlich jedes Jahr umfangreiche medizinische Untersuchungen zur Verlängerung meiner Tätigkeit erfordert, weit über das normale arbeitsmedizinische Gewohnte hinaus. Aufgrund der Tatsache,dass mein ältester Sohn im Spektrum ist, kam bei den ganzen Untersuchungen diesbezüglich heraus, dass ich ebenfalls leicht im Spektrum bin. Dies scheint nun bei mir keine Probleme zu bereiten. Aber ich bin ja schon im System.
Grundsätzlich habe ich bewusst überspitzt mit meiner Aussage, weil jedesmal, wenn die Diskussionen über durchaus nötige Reformen beginnen, das übliche Beamtenbashing anfängt. Und meist mit sehr platten Aussagen wie Beamte sollen in die Rente einzahlen und natürlich sollen sie dafür auch Nettoeinbußen haben, denen geht es ja soo gut im Verhältnis zu setzte beliebigen prekären Job ein. Das kann nicht die Lösung sein!
Einerseits klagt der Bürger über Personalmangel bei Polizei, Feuerwehr, anderen Blaulichtorganisationen, in den Schulen, etc. etc. etc., andererseits werden aber pauschal Dinge gefordert, die der Attraktivität dieser Jobs einen Bärendienst erweisen.
Ich bin dafür dass Beamte endlich aus der Beihilfe kommen und in die GKV. Von mir aus auch in die Rente mit entsprechender Zusatzversorgung. ABER: das wird richtig Geld kosten und zwar unmittelbar, wenn die Bruttogehälter entsprechend angepasst werden müssen und die Rentner werden da auch nur sehr kurzfristig vielleicht eine Entlastung spüren, bis die Beamten dann selbst aus der Rentenkasse ziehen.
Wie gesagt wäre ich z.B. offen dafür das Beamtentum über kurz oder lang umzubauen und anderen Systemen gleichzustellen mit GKV und Zusatzversicherung sowie Rentensystem plus Betriebsrente.
Vielleicht wäre es auch möglich verschiedene Arten des Beamten zu definieren mit unterschiedlich weitreichenden Pflichten und Rechten.
Das beträfe dann aber ja die neuen Beamten. Denn den heutigen Beamten ihre Gehälter und Pensionen zu beschneiden halte ich für den besten Schritt hier auch massiv die Einstellung der Beamten zu ihrem Arbeitgeber und zu ihrer Arbeit zu beschädigen und das kostet auf die Dauer gesehen enorm viel.
Eine Reform des Rentensystems ist ja nichts, was man in einer Legislaturperiode umsetzt.
Man kann es anstoßen, in der Hoffnung das die Folgeregierung nicht wieder umschmeißt.
Zudem ist das Thema sehr komplex.
Den Vorschlag von Frau Bas, da eine Kommission einzusetzen, die sich erstmal Gedanken macht, finde ich als ersten Schritt sinnvoll.
Aber es braucht schon den politischen Willen für eine Reform von Rente und Pensionen, und dazu auch die Ehrlichkeit zu sagen, das dabei nicht alles weiterläuft bis bisher.
Hat mit Mut nichts zu tun sondern mit unserem schlecht zusammengesetzten Bundestag. Wieso sollte sich unser von Beamten und Juristen dominierter Bundestag für etwas einsetzen, was sie nicht weiter extrem besser stellt als normale Arbeitnehmer, sei es die unsäglichen Pensionen und die spalterische PKV. Dass der Vorschlag von Bas kommt ist logisch, da die zum Glück mal nicht aus dieser reinen Akademiker, Beamten und Juristenblase kommt. Aber leider sorgen unsere politischen Strukturen dafür, dass sie eben ein Einhorn bleibt.
"Frei sagte, er halte das von Bas vorgeschlagene Modell für ungeeignet. „Man kann über alles reden, aber es ist kein tragbares Finanzierungsmodell.“ Er begründete dies damit, dass klar sei, dass „jeder, der einzahlt in die Rente, der kriegt auch was raus“. „Und jemand, der mehr einbezahlt in die Rente, das ist das Äquivalenzprinzip, der kriegt mehr raus.“ Deswegen helfe es nicht, „einfach nur die Basis zu verbreitern“.
Und der Punkt regt mich tatsächlich auf, weil er in vielerlei Hinsicht FALSCH ist!
1.) die Beamten werden ja so oder aus Steuergelder bezahlt, egal ob sie privat versichert sind oder gesetzlich, nur das dann eben ihr „AN“-Anteil eben in die staatlichen Systeme fließen und nicht in die Privatwirtschaft.
2.) und hier wird wieder mal durchgehen lassen, das es einen wichtigen Unterschied zwischen relativ und absolut gibt!!! Klar entnehmen die Beamt:Innen absolut gesehen viel, aber eben nicht relativ!!! Sie bekommen ja nicht 175% raus sondern eben auch nur weniger als sie tatsächlich einzahlen.
Da wünsche ich mir dann Journalist:Innen, die DARAUF hinweisen und es nicht unkommentiert stehen lassen…
Ich verstehe deine Kritik nicht, insbesondere die Differenzierung nach relativ und absolut.
Ein Beamter bekäme nachher genauso viel raus, wie ein regulärer Arbeiternehmer, der vergleichbar eingezahlt hat. Der Arbeitnehmer wird zur Belastung für die Rentenkasse - und der Beamte genauso. Nachhaltig gewonnen ist mit dem Beamten in der Rentenkasse also nichts.
Genau das ist Herrn Freis Kritik - und übrigens auch meine, siehe oben.
Ich denke auch nicht, dass die Integration weiterer Gruppen in die Rentenversicherung die Finanzierungsfrage lösen wird, aber ganz grundsätzlich fände ich besser, wenn es ein System für alle gäbe, auch wenn der Übergang schwierig ist. Das Nebeneinander unterschiedlicher System schwächt die Solidarität und führt zu einer weniger ausgewogenen Risikostreuung.
Nebenbei wird schon in wenigen Tagen Regierungszeit sichtbar, was da für eine Regierung auf uns zukommt. Da zeigen sich noch schneller Bruchlinien, als ich befürchtet hatte.
…und wer wirklich konstruktiv und ergebnisoffen auf das Ergebnis einer solchen Kommission warten würde schickt vorher nicht solche Nachrichten in die Presse, wie es jetzt Frau Bas, Herr Frei usw. tun.
Jetzt ist der Brunnen doch wieder ein Stück weit vergiftet.
Frau Bas hat hier quasi Ihre Bewerbung für den Parteivorsitz klar gemacht. Sie stellt sich als Gegengewicht zum Seeheimer Klingbeil hin und das wäre nötig. Die Seeheimer sind neben Gestalten wie Stegner Gründe die SPD nicht zu wählen.
Das sollte auch nicht das Ziel sein, aber ein System für alle bietet trotzdem große Notwendigkeiten. Derzeit sind mindestens 70% des Bundestags nicht von dem Desaster Rente betroffen und zeigen daher null Ambitionen was zu ändern oder gar zu verbessern. Stattdessen ist die Rente und auch die GKV ein Topf Gold aus dem man sich bedient und die Rente und Kassenleistungen an sich sind auch stets Verhandlungsmasse. Ich höre nie, dass Pensionen gekürzt werden müssen um zu sparen oder Zuschüsse zur (unsolidarischen) PKV gestrichen werden. Solange es also eine Zweiklassensolidarität gibt mit einem viel zu hohen politischen Gewicht der privilegierte Klasse muss man weiter dafür kämpfen dass es ein Einheitssystem gibt.
Die Regierung steht noch keine Woche, Bärbel Bas feuert einen nicht abgestimmten Vorschlag ab, der auch nicht Teil des Koalitionsvertrags ist. Damit stößt sie mindestens den Koalitionspartner vor den Kopf, wahrscheinlich aber auch (einige) Parteikollegen.
Das war doch genau der Stil, der die Ampel kaputt gemacht hat.
Ist das jetzt die Linie, die die SPD ab sofort wieder zu ihrem Modus Operandi erklären möchte und eine offensichtliche Vertreterin dieses Stils zur Chefin machen?
Ich befürchte, dass das dann wirklich der schnellste und einfachste Weg zu einer AfD mit 40% sind. Die Bürger haben nichts so sehr gehasst wie den Eindruck von Chaoten und Streithammeln regiert zu werden, die sich auf nichts einigen können.
Können wir bitte mal aufhören jeden Konflikt als Push für die AfD zu betiteln. Demokratie ist Konflikt und Kompromiss. Die AfD will Rassismus, Hass und Diktatur. Und Menschen die die AfD wählen sind erst einmal selbst Faschisten. Und nur weil die mit Rede und Gegenrede überfordert sind sollen wir das nicht mehr tun dürfen? Mit diesem Argument haben die Faschisten doch eh schon gewonnen. Ich bin froh wenn endlich mal wieder jemand in der SPD soziale Themen hochtreibt und nicht eine rote Union spielt. Wenn man natürlich selbst nicht von diesen miesen Problemen betroffen ist kann man die natürlich auch leicht von sich weisen.