Erbschaftsteuer-Reform: Seeheimer Kreis und Jusos machen Druck

Omas Häuschen hast du ins Spiel gebracht.

Ansonsten wäre es wohl sinnvoll, alles was mit @Smudo64 in Zusammenhang steht, auszulagern. War vermutlich keine Absicht, da man als persönlich Betroffener manchmal übers Ziel hinausschießt, aber so kann man eine Diskussion die Objektivität erfordert, natürlich nicht führen.

Ich kann dir auf Anhieb 10 Unions-Politiker nennen, die offen mit einer blau-blauen Regierung liebäugeln, mit etwas Recherche ließe sich das sicher verdoppeln. Kriegst du das auch bei rot-rot hin?

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Da bin ich völlig bei dir.
Dieser Plan ergibt schlicht keinen Sinn.
Ideologisch vielleicht sauber, praktisch aber völlig realitätsfremd.
Mit sowas würden wir tatsächlich Milliardäre abschaffen, aber nur in Deutschland.


Ich halte eine moderate, jährliche Abgabe für deutlich sinnvoller und auch leichter zu rechtfertigen als eine Erbschaftssteuer mit Biss. Durch die Gegenüberstellung von jährlichen Renditen und einem maximalen Satz von 1% Vermögenssteuer, lässt sich deutlich einfacher argumentieren.

Und auch wenn ich die unterste Grenze mit ca. 2 Mio. Nettovermögen abzgl. Eigenheim definiert hatte, die dann 0,3% jährlich (bzw. 6.000 €) zahlen müssten:

Auch diese Bürger sind ja nicht die eigentliche Zielgruppe.
Es geht um jene, deren Vermögen längst zum Selbstläufer geworden ist.
Menschen, die gar nicht so viel ausgeben können, wie sie jährlich an Rendite einstreichen.

Was mich allerdings jedes Mal zuverlässig in die Kernschmelze treibt, sind die immer gleichen Reflexe:
„Kapital ist ein scheues Reh, was wir nicht verschrecken dürfen“
„Bei einer Vermögenssteuer flieht sofort das ganze Kapital.“

Dann frage ich mich ehrlich:
Ist die Schweiz ein Art magisches Steuer-Narnia oder fehlt uns in Deutschland möglichweise einfach der politische Gestaltungswille?

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Richtig. Dicht gefolgt von der Frage: Wenn sie eh keine Steuern zahlen, warum wünschen wir ihnen nicht eine gute Reise? Sie profitieren von Infrastruktur und einer liberalen Demokratie, an deren Finanzierung sie sich nicht beteiligen möchten? Ja gut, dann halt nicht. Ohne eine faire Besteuerung hat die Allgemeinheit keine Vorteile durch ihr Dasein (falls hier wer mit Trickle-Down kommt: längst widerlegt).

Milliardäre haben aber durchaus Vorteile durch unsere Allgemeinheit.

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Vielleicht sinnerfassend im Kontext lesen anstatt hier irgendwas reinzuwerfen.

…Aktionäre sind die Eigentümer einer Firma. Wenn die Firma Gewinne macht, stehen den Eigentümern die Gewinne zu. Auf die Gewinne fällt Körperschaftssteuer an. Wenn die Gewinne nach Körperschaftssteuer an die Aktionäre ausgeschüttet werden, fällt dann noch Kapitalertragssteuer an.

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Na weil wir ihr Kapital und ihre Investitionen für die Wirtschaft brauchen. Deutschland ist als Investitionsstandort bereits unbeliebt genug.

@ped @der_Matti Das Rechenbeispiel hatte ich nicht aufgemacht um zu belegen das es nicht geht, ich wollte lediglich ehrlich erstens verstehen wie es praktisch funktioniert (danke für die Erklärungen) und mich zweitens in die Schuhe des Besteuerten hineindenken hinsichtlich Kapitalflucht und Steuerhinterziehung. 27 Millionen sind von rund 130-140 aus Sicht des Besteuerten eine ganze Stange. Die Panama-Papers sind uns denke ich allen bekannt.

@Tywin_Lannister hatte das Schweizer Modell angebracht. aich frage mich nur ob es funktionieren würde die Schweizer Vermögensbesteuerung zu kopieren und auf unser bestehendes Modell zu tackern, oder ob man dann nicht das gesamte Steuermodell ganzheitlich neu denken müsste, es also eher 1:1 zu kopieren. Um eben die unerwünschten Effekte wie Kapitalflucht und Hinterziehung zu verhindern.

Das Modell der Linken, wonach Milliardär sein per se “verboten” ist, ich denke darüber muss man nicht diskutieren. Ich meine allerdings das auch Philipp Türmer von den Jusos sich dafür ausspricht, ähnliche Standpunkte hat er bei Lanz schon angeführt und vertreten. Ich denke wir sind uns alle einig das wir den Laden mit so einem Steuermodell gleich dicht machen könnten.

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Es gibt Wegzugbesteuerung und es hat sich längst erwiesen, dass kein großer Teil von Firmen und Vermögenden flüchtet, wenn es eine Erbschaftssteuer gibt.

Dass man angibt, es dürfte keine Milliardäre geben, hat vor allem einen erklärenden Effekt.

Es müsste jedem, wirklich jedem klar sein, wie gefährlich solche Vermögensansammlungen sind. Siehe USA in ausgeprägter Form.

Zur Erinnerung: eine Milliarde = 1000 Millionen. Eintausend! Das geht über unsere (edit) Vorstellungskraft.

Übrigens merken Milliardäre es noch nicht einmal, wenn es eine angemessene Steuer gibt, erst recht nicht bei der Erbschaftssteuer.

… (edit) Ich verstehe nicht, wie man solche irren Vermögensansammlungen verteidigen kann, ohne zu verstehen, was für eine Gefahr sie sind.

Übrigens sind genau diese Hochvermögenden auch zu einem absolut hohem Anteil am CO2-Ausstoß beteiligt.

Wenn man nur den Kategorien „ Schwarz“ und „weiß“ denkt, ist es schwer zu guten Lösungen zu kommen. Ich glaube, es wird mehr Geld in den Wohnungsbau fließen, wenn die erwarteten Renditen wettbewerbsfähig mit alternativen Investments sind. Wenn sie das nicht sind, und das ist der Fall, fließt weniger Geld in diesen Markt. Wir haben heute einen globalen Finanzmarkt. Wo es früher nur wenige Möglichkeiten gab sein Geld sinnvoll anzulegen, gibt es heute viel mehr. Das erhöht natürlich den Druck auf Anlagen bzgl. Rendite und Risiko.

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Man darf aber nie vergessen, dass staatliches Bauen oder Eingriffe, die Kosten für Mieter reduzieren, nicht umsonst ist, sondern Steuern kosten, die wiederum die Bürger bezahlen. Es gibt keinen „free Lunch“. Es zahlen nur andere Leute.

Das ist halt ein dehnbarer Begriff. Was für eine Erbschaftssteuer? 1%? 2%? Nein, dann flüchtet wohl keiner. Wenn ein Family Office aber auf 5 Milliarden sitzt und 4 davon sollen beim Erbe an den Fiskus gehen, dann wirst du dich wundern wie schnell dem Vermögen plötzlich Flügel wachsen.

Was heißt hier verteidigen - ich versuche lediglich dem Gedanken Rechnung zu tragen das ein “Miliardärsverbot”, wenn umgesetzt, so nobel und sozial gerecht(fertigt) die Idee dahinter auch sein mag, unsere Volkswirtschaft zerstören würde, weil horrende Kapitale abwandern würden. Das könnte höchstens dann funktionieren wenn die führenden 40 Industriestaaten das simultan umsetzen würden und selbst dann wäre es noch fraglich. Wem nützt das dann noch?

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Die Überspitzung der Forderung soll sie delegitimisieren.

Die Forderung einer angemessenen Erbschaftssteuer ist aber legitim und hat auch nichts mit “sozial” zu tun. Sie ist keine freundliche Wohltat, sondern ein Anspruch. Unsere Gesellschaft baut auf dem Solidaritätsprinzip auf und außerdem profitieren Reiche von der Infrastruktur + ihrem eigenen Schutz. Gesellschaften, in denen es keinen Ausgleich gibt, führen dazu, dass sich Reiche hinter hohen Mauern verschanzen müssen.

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Die AfD ist das Resultat der verfehlten Politik der demokratischen Parteien. Eine SPD, die seit Jahren die Interessen der eigenen Wählerschaft ignoriert, muss sich nicht wundern, dass sie viele Wähler verliert. Diese Politik gefährdet die Demokratie, weil sie Leute zu den Populisten nach rechts und links treibt und damit auch noch in Putins Arme. Echte Demokraten unterstützen alles, was Europa wirtschaftlich stark macht.

Die letzten Jahrzehnte des Neoliberalismus und entfesselten Kapitalismus haben uns dahin geführt, wo wir jetzt stehen. Das hat die AfD gestärkt.

Die SPD hat sich in dieser Zeit nun wirklich nicht als soziale Partei bewährt.

Die “Überspitzung” kam nicht von mir, sondern der Linken und Philipp Türmer. Worauf du dann sinngemäß entgegnet hast, wie gefährlich und außerirdisch Milliardenvermögen an sich sind. Ja, was denn nun? Zur Kommentierung einer bestimmten Höhe hast du dich noch immer nicht hinreißen lassen. Ist es denn jetzt eine Überspitzung, oder nicht? Wo stehst du denn da?

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Es gab hier im Forum schon oft Diskussion über Vermögens- und Erbschaftssteuern auch mit konkreten Zahlenvorschlägen.

Mir geht es nicht um die konkrete Zahl, sondern darum, dass die unhaltbare aktuelle Situation verbessert wird. Dass sie wenigstens mal erkannt wird.

Ja, nur sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass eine scharfgestellte Erbschafts- und Vermögenssteuer das Problem unserer dysfunktional gewordenen Sozialsysteme (Kosten: ca. 1,3 Billionen/Jahr - ⅓ des BIPs) lösen könnte. Selbst in optimistischen Szenarien würden Erbschafts- und Vermögenssteuer zusammen um die 25-40 Milliarden pro Jahr an Zusatzeinnahmen [1] [2] ausmachen - also nur ca. ¼ der jährlichen Bundeszuschüsse alleine für die gesetzliche Rentenkasse.

Ich arbeite im Gesundheitssystem und erlebe seit Beginn der Corona-Pandemie eine Beschleunigung des bereits vorher bestehenden Negativtrendes; obwohl unser Gesundheitssystem zu den Top 4 der teuersten der Welt gehört, sind Kennzahlen, Versorgungsqualität und auch die Arbeitsqualität für die Beschäftigten verbesserungswürdig bis unzureichend (v.a. im Verhältnis zu den Kosten).

Ich bin - wie wohl die meisten hier - dafür, starke Schultern (v.a. in Hinblick auf sehr hohe Vermögen) deutlich stärker zu belasten. Ohne sehr weitreichende Reformen wird die Belastung aber nur den Niedergang verzögern, nicht die strukturellen Probleme an sich lösen. Nach Berechnungen des ifo-Instituts bedürfte es 2050 ~40% des Bundeshaushaltes nur als Zuschuss für das Rentensystems, um das aktuelle System ohne Reformen fortzuführen [1] [2], darüber hat ja auch die Lage bereits berichtet. Tax the rich alleine reicht hier nicht.

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Ja klar. Es ist nur ein Teil der Probleme. Das sehe ich auch so.

Auch die Baustellen der Nation haben ja schon einen großen Teil der Reformstaus dargestellt. Ich würde mich auch über Reformen freuen. Rente, Bildung, Gesundheit, Bahn/ÖPNV etc.

Nur geht Reform auch nicht, wenn man ständig nur über fehlendes Geld redet. Man könnte einfach mal die Einnahmenseote erhöhen durch Rückforderung CumEx, Steuerhinterziehung und Vermögens- und Erbschaftssteuer.

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Ich denke, das erwartet auch keiner hier. Im Gegensatz zum Wähler, der mehrheitlich meinte, man könnte das mit einer strengeren Verfolgung von Bürgergeldempfängern erreichen.
Ich denke, man ist sich weitgehend einig, dass eine scharfgestellte Erbschaftssteuer Deutschland gerechter macht und zu viel Kapitalverklumpung schlecht ist und schlecht für den Wirtschaftsstandort, weil die, die Dank goldenem Löffel die beste Ausbildung genossen haben, am wenigsten Anreiz haben, diese auch wirtschaftsfördernd einzusetzen.

Wie scharf genau würdest du sie denn stellen um “Kapitalverklumpung” zu verhindern? Konkret?

Wie geschrieben: sie ist schlecht. Und da muss man ran, wird das aber nicht mit einem Baustein lösen, also tue nicht so, als könnte man das.
Wir haben Vermögenssteuer, Kapitalertragssteuer Finanztransaktionssteuer und was einem sonst noch so einfällt (Luxussteuer, CO2-Steuer…)
Das muss entsprechend ins Gleichgewicht gebracht werden zusammen mit den anderen Steuern (Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer, Umsatzsteuer…)
Dann kann man die Geldberge und -ströme entsprechend lenken.