Endometriose Feedback

Liebes Lage Team,

seit vielen Jahren höre ich begeistert die Lage der Nation. Besonders schätze ich die gute und neutrale Berichterstattung und die Diskussionen, die auch im Nachgang noch aus den Themen entstehen. Mit Interesse habe ich den Bericht zur Endometriose verfolgt und möchte mich grundsätzlich den Hörern aus dem Chat anschießen und mich dafür bedanken, einem sehr wichtigen Thema der Frauengesundheit hier Raum zu geben. Die Kommentare, die ich bislang gelesen habe, fand ich ebenfalls sehr spannend, sie haben viele interessante Aspekte beleuchtet. Mit der Berichterstattung selbst bin ich hier jedoch nicht ganz einverstanden und möchte einmal ein bisschen Input von der anderen Seite geben.

Ich selbst bin Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und arbeite als Oberärztin in einer großen Klinik. Ich habe für fast eineinhalb Jahre in einer großen Frauenarztpraxis als angestellte Ärztin gearbeitet und kann daher die Situation von beiden Seiten (Klinik und Niederlassung) beurteilen. Die Endometriose ist in unserem Fachgebiet das „Chamäleon“ unter den gynäkologischen Erkrankungen. Wie es im Bericht bereits angeklungen ist, ist die Diagnosestellung nicht immer einfach und die letztendliche SICHERUNG wird zur Zeit rein histologisch gestellt; dies erfordert dann die Gewinnung einer histologischen Probe, in der Regel im Rahmen einer Operation. Der Speicheltest ist ein Deutschland zwar als Selbstzahlerleistung möglich, die Bedeutung und Interprätierbarkeit ist aber wissenschaftlich noch nicht ausreichend geklärt, daher gibt es hier noch keine abschließende Empfehlung und auch keine Kostenübernahme. Wie Frau Prof. Mechsner ja bereits berichtet hat, ist man mit der operativen Therapie eher zurückhaltender geworden (Stichwort: viele niedergelassene Kollegen versuchen erst einmal die konservative Behandlung, bevor sie in die Klinik schicken), weil häufig ein Ultraschall und die gründlich erhobene Anamnese die Diagnose so wahrscheinlich machen, dass die Operation unter Umständen nicht notwendig ist; an Bedeutung gewinnt dann die konservative Therapie, die optimalerweise multimodal erfolgen sollte, also aus verschiedenen Ansätzen heraus (hormonelle Therapie, Schmerztherapie, supportive Therapie wie Entspannungsübungen, etc.).

Anders als im Forum angenommen, gibt es eine ganz aktuelle S2K-Leitlinie (erschienen 2025) zur Diagnostik und Therapie der Endometriose https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/015-045. Hier wird die Diagnostik und Therapie genau beleuchtet. Grundsätzlich sind wir Ärzte angehalten, nach Leitlinien zu arbeiten bzw. gut zu begründen, wenn wir hiervon abweichen. In der Leitlinie wird die ausführliche Anamnese, also Befragung der Patientin, der Ultraschall, ggf. das MRT und in Fällen, in denen das Bild unklar ist, eine diagnostische Operation empfohlen. Wie man der Leitlinie entnehmen kann, kommt der Behandlung der Betroffenen sowohl ohne als auch mit Operation die hormonelle Therapie eine besondere Bedeutung zu. Es geht hier um Präparate, die entweder als Monotherapie (also nur ein Hormon, nämlich ein Gestagen) verschrieben werden oder eine kombinierte Tablette (Gestagen + Östrogen, meist Ethinylestradiol), die herkömmlicherweise als „Pille“ bezeichnet werden. Der Sinn der hormonellen Behandlung ist unter anderem die Unterbrechung des weiblichen Zyklus, denn die Endometrioseherde machen ähnliche Transformationen unter dem monatlichen Hormonschwankungen durch wie die normale Schleimhaut in der Gebärmutter. Es gibt Präparate, die explizit zur Behandlung der Endometriose zugelassen wurden und als Beieffekt auch verhüten und andere, die eigentlich als Verhütungsmittel zugelassen wurden, die aber als Beieffekt auch einen günstigen Einfluss auf die Endometriose haben. Darüberhinaus gibt es weitere Präparate, zum Beispiel den GnRH-Antagonist Relugolix der seit 2023 eine Zulassungserweiterung für die Endometriose erfahren hat. Welches Präparat man einsetzt hängt von verschiedenen Faktoren ab, nicht zuletzt auch dem Wunsch der Patientin. (Fortsetzung s.u.)

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Fortsetzung…

Und hier komme ich auf einen wichtigen Punkt, der ja bereits auch in einem Beitrag im Chat angeklungen ist und den ich aus meiner Praxiserfahrung heraus auch bestätigen kann; viele Frauen haben heute Vorbehalte gegen Hormonpräparate, obgleich diese, richtig eingesetzt in vielen Fällen einen großen Nutzen haben, und deren Einsatz die Risiken bei weitem überwiegt. Dies gilt übrigens gleichermaßen für junge Frauen, die sicher verhüten wollen („möchte hormonfrei verhüten“), als auch für Endometriosepatientinnen („möchte keine Hormontablette“) als auch für Frauen in den Wechseljahren („möchte keine Hormonersatztherapie“). Social Media spielen hier für viele Frauen eine große informative Rolle. Ich habe das auch in der Schwangerschaftsvorsorge bereits erlebt, es gibt nicht wenige, die sich auf diversen Plattformen im Netz informieren (TicToc, Instagram etc.) und manchmal einer ärztlichen Empfehlung nicht mehr unvoreingenommen begegnen können oder diese gar ablehnen, weil auf Social Media davon abgeraten wird (einem Medikament oder einer Untersuchung).

Ein Punkt, der mir persönlich bei eurer Berichterstattung nicht gefällt: Ich habe hier sehr viel Kritik an der ärztlichen Behandlung und Beratung sowie an den diagnostischen Skills der (niedergelassenen) Frauenärzte herausgehört. Dass niedergelassene Frauenärzte „so wenig Ultraschall durchführen, weil es nicht bezahlt wird“, ist einfach nicht richtig und dass die ärztliche Vergütung zu schlechten Diagnosen führe, finde ich eine sehr verallgemeinernde und zumindest für mich irritierende Sichtweise (hier fand ich den Einwand mit den Privatpatienten sehr treffend). Zu unterstellen, dass alles vermieden wird, was viel Zeit kostet, ist ebenfalls eine sehr allgemeine und unsachlich wirkende Aussage. Die Zeit für unsere Patienten und Patientinnen ist tatsächlich knapp, viel zu knapp, aber ich unterstelle den allermeisten von uns, dass wir Ärzte geworden sind, um unseren sich uns anvertrauenden Patienten und Patinnen zu helfen und sie gut zu behandeln und nicht von vornherein bestimmte Untersuchungen oder Gespräche nicht durchzuführen, weil sie Zeit kosten.

Es mag wie in allen Bereich Kollegen geben, die bessere Diagnostiker sind als andere, wieder andere klären möglicherweise ausführlicher auf als andere. Und es mag möglicherweise auch Kollegen geben, die Symptome nicht ernst genug nehmen („Modediagnose“) oder abtun, was ich stark verurteile. Aber diese Kollegen sind hoffentlich die Ausnahme und die vielen niedergelassenen Kollegen und Kolleginnen unter einen Generalverdacht zu stellen finde ich hier nicht richtig und nicht hilfreich. Vielmehr sendet das meiner Meinung nach ein völlig falsches Signal an unsere Patientinnen und Patienten, denn das trägt in Zeiten der teilweise sehr ungefilterten Informationen, die im Netz kursieren, überhaupt nicht zu einem Vertrauen in die Medizin respektive einem vertrauensvollen Arzt-PatientInnen-Verhältnis bei. Das kann nicht Sinne des heutigen Podcasts sein und schon gar nicht im Sinne der Betroffenen.

Letztendlich bleibt zu sagen, dass unsere Gesundheit doch unser aller höchstes Gut ist und ich würde mir jeden Tag mehr Zeit für meine Arbeit und jeden Menschen wünschen, der meine Hilfe braucht; aber ich gebe täglich mein Bestes, meine Patientinnen gut zu behandeln und auch über ihr Beschwerden oder Diagnosen im Rahmen des Möglichen gut aufzuklären und ich gehe sehr stark davon aus, dass ich mit dieser Haltung nicht alleine stehe. Und ja: Die Endometriose IST eine sehr ernst zu nehmende, chronische Erkrankung und ich sehe täglich Betroffene und ihren Leidensdruck. Hier ist definitiv weiter Aufklärungsarbeit in der Öffentlichkeit zu leisten, insofern bedanke ich mich nochmal dafür, dass das Thema aufgenommen wurde. Aber vielleicht könnte das nächste Mal über die Thematik in gewohnt neutraler Weise berichtet werden. Übrigens kann ich die Anmerkung der angehenden Kollegin bestätigen: Seit vielen Jahren kommentiere ich die „Altfragen“ des schriftlichen Staatsexamens für Mediziner und Endometriose spielt hier trotzdem noch keine allzugroße Rolle. Das könnte das IMPP vielleicht nochmal überdenken.

Viele Grüße und danke für Eure Arbeit!

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Hallo, ich bin Tobias Hopfner, Osteopath aus München, seit 15 Jahren spezialisiert auf gynäkologische Osteopathie und in Kooperation mit mehreren Endometriose-Zentren.

Ein Punkt fehlt im aktuellen Beitrag: Endometriose ist wichtig – aber der eigentliche blinde Fleck sind „normale Regelschmerzen“. Diese Schmerzen sind nicht normal, sondern ein medizinisches Symptom mit enormen Folgen. Das hat übrigens die WHO definiert: ICD10 Dysmenrrhoe. 70-90% der Frauen leiden an einem der dort aufgelisteten Symptome.

Studien zeigen: Menstruationsbeschwerden verursachen im Schnitt 10 verlorene Arbeitstage pro Frau und Jahr. Hochgerechnet bedeutet das für Deutschland mehrere (konservativ geschätzt bis zu 20) Milliarden Euro wirtschaftlichen Schaden jährlich. Ihr besprecht ja auch gerne den Stand unserer Krankenkassen, Rentenkassen und eigentlich geht es ja um die Lebensqualität von Menschen mit Gebärmutter. Hier wäre ein riesiger Hebel, wenn wir Awareness schaffen.

Es braucht endlich einen breiteren Blick als nur die Pille: Es gibt effektive konservative, manuelle und integrative Behandlungswege. Deshalb starte ich eine Awareness-Initiative (Waermflaschentage.de), damit Frauen wissen: Schmerzen sind nicht normal – und sie sind potentiell behandelbar und sollten nicht nur mit der Pille und Schmerzmitteln unterdrückt werden.

Liebe Grüße aus München

Tobias


Ich möchte mich dem Feedback anschließen und das nochmal untermauern. Eine sehr geliebte Person in meinem Leben ist selbst nicht-binär und menstruiert bzw. gebärfähig. Die Stigmatisierung, fehlende Hilfe und das nicht gesehen werden ist hierbei noch viel höher, als für cis-Frauen sowieso schon. Ihr habt nicht explizit über diese Menschen gesprochen, aber sie in der Sprache zu berücksichtigen und sichtbar zu machen ist für die gesamte Thematik überaus wichtig. Wenn wir das Problem wieder nur einseitig betrachten, wird das dem systemischen Missstand nicht gerecht. Ich leide selbst unter Endo und bin dankbar, dass ihr das Thema auf den Tisch bringt!

Liebe Leonie, ich finde deinen Beitrag sehr gut, möchte aber etwas zur gabe von Hormonen ergänzen. Ich stimme dir zu, dass es grundsätzlich an Aufklärung fehlt und zwar an guter Aufklärung. Meine Erfahrung mit der Pille ist, dass sie auch bei Endo als Allheilmittel verschrieben wird und eine risikoabwägung nicht passier. Ich kann deiner Äußerung zu den “Nebenwirkungsfreieren” Spiralen nicht zustimmen. Viele Frauen haben durch diese Spiralen enorme schmerzen und Nebenwirkungen. In Amerika liefen gegen Hersteller bereits sammelklagen auf Grund massiver psychsicher Nebenwirkungen. Ich selbst habe Scherzen durch die Spirale erlebt, die von meiner Frauenärztin verharmlost wurden und enorme psychische Nebenwirkungen erfahren, die mich fast mein Leben gekostet hätten und bis heute mein Leben beeinflussen. Spiralen sind alles andere als easy, auch wenn uns das so verkauft wird. Und mit den Nebenwirkungen werden Menschen im Stich gelassen. Also ja, wir brauchen mehr Aufklärung. Für mich heißt es weiterhin: vor ratlosen Ärzt*innen zu stehen.

Hallo liebes Lage-Team,

ich möchte mich auch herzlich bei euch bedanken dieses Thema mal aufgegriffen zu haben. Meine Partnerin litt seit vielen Jahren an Endometrioses mit starken Schmerzen, das wissen wir heute rückblickend.

Sie hat vieles versucht und wir haben beide versucht uns im Internet zu informieren, aber nichts hat geholfen. Vor ein paar Jahren sah die Informationslage aber auch noch viel trauriger aus (viel weniger Informationen und konkrete Tipps).

Mit der Eigendiagnose „Endometriose“ suchte sie dann mehrere Praxen auf (Hausarzt/-Ärztin bis Frauenärztin), doch wie eure Kollegin und die Gastrednerin es in der Folge beschrieben haben kam nichts dabei rum. Es war die Rede von „typischen Regelschmerzen“, Reizungen des Margen-Darm-Traktes oder evtl. einfach psychosomatischen Erscheinungen. Wenn meine Partnerin das Thema Endometriose ansprach wurde das schnell abgewunken und barsch gesagt: „Wenn Sie meinen, dann nehmen Sie doch die Pille.“

In der Zeit fing meine Partnerin nach ihrem Studienabschluss gerade an zu arbeiten, lag aber mehrere Tage im Monat weinend und sich vor Schmerzen krümmend im Bett. Dann hat sie glücklicherweise einen Termin in einem lokalen Endometriose-Zentrum bekommen, das war eine ganz andere Welt obwohl Frauenärztin und Krankenhaus nur 2km entfernt voneinander waren (für mich unverständlich).

Dort war der Befund relativ schnell klar, Verdacht auf Endometriose, und ein Termin für eine Untersuchung (damals noch Bauchspiegelung) war schnell gemacht. Es wurden Endo-Herde gefunden und entfernt aber als dauerhafte Lösung kam eigentlich nur das dauerhafte einnehmen der Pille in Frage. Meine Freundin war davon nicht begeistert, aber nun hatte sie zumindest eine Diagnose bekommen und das Medikament nicht pauschal wie von ihrem Frauenarzt empfohlen bekommen.

Seit der Diagnose im Endometriosezentrum haben auch viele ihrer Freundinnen und Kolleginnen sich mehr zum Thema informiert und einige von Ihnen mittlerweile auch eine Diagnose bekommen. Das zeigt einmal wieder, wie wichtig es ist, über diese Krankheit aufzuklären, um das wahre Ausmaß erkennen zu können.

Und es ärgert mich ungemein, dass ich jetzt verstehe wie viel Leid und Schmerzen eigentlich völlig unnötig erlitten werden, nur weil unser Gesundheitssystem und die Forschung die falschen Ziele im Blick haben.

PS: es wird ja immer wieder anekdotisch darüber geredet das es mehr Forschung zur Bekämpfung und den Ursachen männlichen Haarausfalles (Male pattern boldness oder androgenetic alopecia) gebe als zu Endometriose. Noch schockierender ist aber das zwar schon seit langem an Endometriose geforscht wurde aber man(n) sich dabei dann z.B. auf sowas konzentriert hat: Retracted: Attractiveness of women with rectovaginal endometriosis: a case-control study - PubMed (die Studie wurde zum Glück schon vor einigen Jahren von den AutorInnen selber zurückgezogen, zeigt aber trotzdem exemplarisch wie schlimm es um die Gender Health gap steht.

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Da ich vor 1 Monat bei den Maltesern einen ganztägigen Auffrischungskurs in Erster Hilfe gemacht habe: es gibt weibliche Reanimationspuppen, die aber zusätzlich angeschafft werden müssten. Die Kursleiterin ging im Kurs auch speziell auf das Thema Herzdruckmassage bei Frauen ein und berichtete von den Vorbehalten und Ängsten einiger Männer im Hinblick auf mögliche strafrechtliche Konsequenzen bei Erste-Hilfe-Maßnahmen an einer bewusstlosen Frau (Abgrenzung zwischen Missbrauch und Erste-Hilfe). Rat der Kursleitern: im Zweifel einen Zeugen dazunehmen, das kostet aber Zeit).
Letztendlich wird eine Herzdruckmassage immer an einem Individuum vorgenommen - für die gängigen Unterschiede jeweils eigene Übungspuppen vorzuhalten wäre aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht möglich (weiblich, männlich, Säugling, Kind, Jugendlicher, schlank / adipöse, groß und athlethisch, klein und schmächtig, Osteoporose-Patienten).

Lieber Philip und lieber Ulf,

vielen Dank für diesen Block über ein Frauen-Gesundheitsthema.
Ich finde es sehr gut, wenn auch in einem Podcast wie dem euren dieses Thema aufgegriffen und einer breiten Hörer*innenschaft zugänglich gemacht wird.
Zum Thema Wechseljahre gibt es verschiedene Podcasts, die gar nicht umhin können, immer auch das gesamte Frauen-Gesundheitsthema aufzugreifen. An allen Ecken und Enden im Gesundheitswesen wird deutlich, dass Frauengesundheit schwer vernachlässigt wird in unserer Gesellschaft. Diese Vernachlässigung ist geradezu Teil der Benachteiligung und Ungleichbehandlung von Frauen.
Es gibt inzwischen viele gute Erkenntnisse die von einzelnen engagierten Ärzt*innen angewandt werden, aber diese Erkenntnisse sind längst nicht Teil einer breiten Gesundheitsversorgung. Ärztinnen, die diese neuen Erkenntnisse und Behandlungen ihren Patientinnen zugute kommen lassen wollen, haben es schwer mit den Abrechnungen dieser Versorgungsleistungen - wie ihr bzw. eure Kollegin auch herausgearbeitet habt.
Ich finde es richtig, wenn über solche Erkenntnisse - die Frauengesundheit, ihre Erforschung und die mangelde Umsetzung in der Versorgung der Bevölkerung - nicht nur von Podcasts verbreitet werden, die Frauen als Zielgruppe ansprechen.
Es ist natürlich ein gesamtgesellschaftliches Thema, in welchem Maß Frauen als gleich- oder ungleichberechtigt neben Männern betrachtet und behandelt werden. Es ist ein gesellschaftliches Thema, das sich täglich in der Politik wiederspiegelt. Ich fände es toll, wenn ihr euch die Mühe machen würdet, politische Schaltstellen, Brennpunkte und Hebel dieses großen Querschnittthemas mehr herauszuarbeiten. Das wäre wirklich toll und wäre schon einer der vielen wichtigen kleinen Schritte in Richtung Veränderung und Gleichberechtigung.

Vielleicht ist es sinnvoll, wenn ihr eure Kenntnis über Genderfragen vertieft.
Als Anregung kann ich den Podcast „MENO AN MICH. Frauen mitten im Leben“ empfehlen. Dort findet ihr zahlreiche weiterführende Informationen und Quellenangaben.
Auch in der archäologischen Forschung wird inzwischen die Meinung vertreten, dass Frauen früher bei weitem nicht jährlich ein Kind bekommen haben, sondern dass es in den Lebensgemeinschaften vermutlich eher wenige Kinder gab und die Aufgabe, ein Kind groß zu ziehen, sehr ernst genommen wurde. Gräberfunde deuten eindeutig darauf hin. Man muss davon ausgehen, dass es gute Kenntnisse über Empfängnisverhütung und Geburtenregelung gab. Man geht davon aus, dass Frauen in der frühen Zeit deutlich gleichberechtigter waren als in den monotheistischen Kulturen. Hinweis: Ein tolles Buch ist „Die Frau als Mensch“ von Ulli Lust. Ich habe ein Interview auf NDR Kultur mit ihr gehört, das war fast noch spannender als das Buch.
Einen Riesengendergap gibt es ja auch in der gesamten Berufswelt. Oder in den Rechtswissenschaften und der Rechtssprechung. Also in allen gesellschaftlichen Bereichen werdet ihr auf das Thema Ungleichberechtigung stoßen, wenn ihr den Blick dafür öffnet.
Ich bin mir sicher, dass ihr, wenn ihr auch auf die Suche in diesem Thema begeben werdet, auf zahlreiche hochinteressante mögliche Interviewpartnerinnen stoßen werdet!

Bei eurer Idee, eine Mitarbeiterin zu interviewen, die ihrerseits ihre Erkenntnisse aus einem Interview geholt hat, finde ich sehr um die Ecke gebastelt. Da geht auch mal Information verloren oder wird vielleicht nicht korrekt in den Zusammenhang gebracht. Ich finde es besser, wenn zu einem Thema gleich eine Expertin interviewt wird. Das finde ich spannender.

Aber wie gesagt, dass ihr Genderthemen aufgreift und politisch betrachtet, freut mich sehr und finde ich sehr gut!

Deshalb wünsche ich euch für weitere Recherchen viel Glück und gute Erkenntnis! Viel Erfolg, und ich freue mich, weiter von euch zu hören.

Hallo zusammen
ich möchte mich sehr herzlich bei euch bedanken, dass ihr das Thema Endometriose aufgegriffen habt.
Ich selbst leide auch darunter und habe, mehr aus Verzweiflung über die mangelhafte Info- und vor allem Behandlungslage gemeinsam mit meinem Mann unentgeltlich die deutsche Untertitel-Spur für den Film “Below the belt” erstellt, der die Endometriose-Thematik in den USA beleuchtet.

So kam es im Jahr 2024 zur Deutschland-Premiere des Films im Bochumer Kino “Endstation” , siehe: https://facebook.com/events/s/below-the-belt-film-info-abend/6630978657007894/

Ich möchte an dieser Stelle einfach nur darauf hinweisen, dass es den Film gibt und er einen guten Beitrag zur Aufklärung leistet, meiner Meinung nach. Vielleicht sind ja noch andere daran interessiert, ihn zu sehen?

Liebe Grüße an die Leidens-Community, alle Endo-Warrior und an die Redaktion.
Danke für euren Beitrag zur Aufklärung. <3

Rebecca

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Vielen Dank für das Thematisieren von Endometriose und Gender Health Gap!

Ich finde das Thema ( nicht nur aus persönlichen Gründen) sehr wichtig und danke euch, dass ihr eure Platform dafür nutzt, es in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

Viele Grüße von Wiebke

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So ein wichtiges Thema! Vielen Dank, dass ihr eure Reichweite nutzt, um zum Thema Endometriose, Medical Bias und Gender Health Gap aufzuklären. Im Zusammenhang mit der Endometriose, sollte auch die Adenomyose erwähnt werden, die oft als “Schwesternkrankheit” bezeichnet wird. Der Pathomechanismus ist hier nach aktuellem Forschungsstand ein anderer, die Erforschung leider noch unter-finanzierter als die der Endometriose.

Ich bin Ärztin und ehrenamtliches Mitglied im gemeinnützigen Verein Feministische Medizin e.V.. Gemeinsam mit der Initiative Mis(s) understood bodies haben wir in diesem Jahr eine deutschlandweite Plakatkampagne zum Thema Medical Gaslighting / Medical Bias ins Leben gerufen. Mithilfe von Betroffenen, die ihre Geschichten mit uns geteilt haben, sind acht Plakatmotive und eine Webseite entstanden, über die wir u.a. zur Erkrankung Endometriose und Adenomyose, aber auch weitere Erkrankungen, die aufgrund von Medical Gaslighting lange nicht diagnostiziert wurden und schwerwiegende Folgen hatten, informieren und auf die Thematik aufmerksam machen; und Infos und Material zur Sensibilisierung und zum Umgang mit Medical Gaslighting für Patient*innen und Personen, die in Gesundheitsberufen arbeiten zur Verfügung stellen.

Es ist mir und uns als Verein, die Kampagne und damit das Thema und die Geschichten der Betroffenen sichtbar zu machen - dabei sind wir auf Unterstützung angewiesen!

Es würde mich unglaublich freuen, wenn die Kampagne, die die Problematik wirklich sehr greifbar macht, Erwähnung findet, wenn ihr die letzte Folge im Podcast oder über social media nochmal aufgreift! Da wir ein recht kleiner gemeinnütziger Verein sind, hängt weitere Sichtbarkeit auch an finanzieller Unterstützung, jeder Beitrag zum Crowdfunding fließt in weitere Aufklärung.

Vielen Dank an euch als Lage-Team für den Beitrag und die spannenden Interviews!

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Ich bin selbst Ärztin und Betroffene - danke für die Aufmerksamkeit, die ihr auf das Thema lenkt!

Ich möchte jedoch zu ein paar Punkten noch Ergänzungen machen:

  • Diagnostik: Bei mir wurde der Eindruck erweckt, als könnten Gynäkolog*innen mit handelsüblichen Ultraschallgeräten ganz einfach eine Endometriose diagnostizieren, wenn sie sich bloß Zeit nehmen würden. Dies ist nicht korrekt: Die meisten Herde und Verwachsungen stellen sich im Ultraschall NICHT dar. Klar sichtbar sind allenfalls größere Zysten. Für eine eindeutige Diagnose ist weiterhin eine diagnostische (!) Laparoskopie die Methode der Wahl, eine Entfernung der Herde erfolgt ggf. und erst nach Rücksprache mit der Betroffenen in einem zweiten Schritt (da dieser Eingriff deutlich größer und invasiver ausfallen kann). Nicht erwähnt wird zudem die Möglichkeit eines Bluttests, der gute Hinweise geben kann - aber leider nichts über das Ausmaß des Befalls im Bauchraum und ggf. über die Durchgängigkeit der Eileiter aussagt.
  • Therapie: In Ihrem Beitrag entsteht der Eindruck, eine hormonelle Therapie sei nur der letzte Ausweg, wenn Schmerzmittel, Physiotherapie etc. nicht mehr oder nicht ausreichend wirken. Dieser Ansicht möchte ich widersprechen: Entscheidend zur Vermeidung der chronisch-rezidiviernden oder auch dauerhaften Schmerzen sowie einer späteren Unfruchtbarkeit ist das “Abstellen” der monatlichen Blutungen. Nur so lassen sich die Entstehung neuer Herde und zunehmender Verwachsungen im Bauchraum verhindern. Hier ist es wichtig, Betroffenen nicht nur sagen: Nimm halt DIE Pille! Entscheidend ist eine gute Aufklärung über die Vorteile und die Möglichkeiten einer hormonellen Therapie: Wir haben inzwischen eine Vielzahl unterschiedlicher Präparate mit insbesondere unterschiedlichem Gestagenanteil (und nicht nur DIE Pille wie in den 1960er Jahren!). Wichtig ist, dass insbesondere die Gestagene bei jeder Frau unterschiedlich wirken (insbesondere auf die wichtigen Themen Psyche und Gewicht) und die Frauen hier die Hoffnung auf ein gut verträgliches Präparat nicht zu früh aufgeben sollten. Zu beachten ist zudem, dass es nicht nur orale Kombinationspräparate (Östrogen + Gestagen), sondern auch Vaginalringe und Pflaster (Östrogen + Gestagen) sowie viele östrogenfreie Präparate (Minipille, Implanon, Hormonspirale, 3-Monats-Spritze) gibt. Wichtig bei allen Präparaten ist es, keine Einnahmepause mit Blutungen zu machen, sondern einen kontinuierlichen Hormonspiegel zu erreichen (möglich bei allen Präparaten außer bei Mehrphasenpillen). Bei allen unerwünschten Wirkungen, die Hormonpräparate haben können, sind diese gegen die ebenfalls nicht unerheblichen Nebenwirkungen dauerhafter, hochdosierter Schmerzmittel wie Ibuprofen & co abzuwägen (z.B. gastroduodenale Ulzera, Nierenschädigungen, erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, medikamenteninduzierte Kopfschmerzen).
  • finanzielle Aspekte der Therapie: Ebenfalls nicht erwähnt wird der Kostenfaktor: Mit einer einzigen Ausnahme müssen Frauen oberhalb der Altersgrenzen für die “Pille” (hier als Sammelbegriff für alle hormonellen Kontrazeptiva) vollständig selbst zahlen - und auch dann, wenn sie nachgewiesen steril sind und die Präparate ausschließlich zur Therapie der Endometriose einsetzen (und nicht zum “Spaß” wie bei der Verhütung???). Dies ist ein nicht unerheblicher Kostenfaktor! Meiner Ansicht nach besteht hier dringendst Änderungsbedarf!
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Danke für die treffende Kritik, der ich mich aus ebenfalls ärztlicher Sicht nur anschließen kann.

Schon dafür das alles aus fachlich gynäkologischer Sicht zu besprechen braucht es eine Expertin und einen Podcast. Für die Sicht auf die allgemeine Forschungslage sind völlig andere Experten gefragt. Das Thema Versorgungsforschung wäre dann wieder eine andere Fachrichtung und um das Thema der Unterversorgung mit Hinweis auf die Finanzierung zu adressieren wäre wieder ein Spezialfeld, beispielsweise für Medizin Ökonomie notwendig. Es ist komplex, und wenn man es richtig gutmachen will, muss man einfach tiefer recherchieren.

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Warum ist bei diesem Thema der Frauenanteil wichtig? Es betrifft zwar rein körperlich nur Menschen mit Uterus, aber es ist doch genauso wichtig, Menschen ohne Uterus darüber zu informieren, damit diese das Problem in Zukunft ernst nehmen und eben nicht abtun als “die hat ihre Tage, das ist halt so“. Außerdem betrifft der volkswirtschaftliche Gesamtschaden von 20 Milliarden Euro jährlich ja auch alle. Denn wenn Menschen wegen Endometriose weniger arbeiten und deshalb weniger verdienen, zahlen sie auch weniger Steuern. Obendrein belasten sie das Gesundheitssystem. Hier Geld zu investieren, sollte sich doch direkt lohnen. Je mehr Menschen das wissen, desto eher ändert sich da etwas. Und da Männer noch immer meist die Entscheidungsträger sind, müssen gerade sie informiert werden!

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Nur ein Nebenaspekt, aber ein wichtiger:

Bei der Ursache für Endometriose hieß es, früher hätten Frauen ja viel mehr Kinder bekommen und deshalb viel seltener menstruiert. Ob das richtig ist, hängt davon ab, von welcher Zeit wir sprechen. Denn bevor die Menschen sesshaft wurden, zogen sie in Gruppen umher. Frauen jagten und kämpfen genauso mit. Es ist inzwischen bekannt, dass viele Gräber aus dieser Zeit, in denen Waffen als Grabbeigaben gefunden wurden, früher automatisch Männern zugeschrieben worden sind, “weil ja die Männer Jäger und Krieger waren”. Inzwischen kann man aber per DNA-Tests an den Knochenresten nachweisen, dass es genauso oft Frauen waren, die so bestattet wurden. Diese waren auch nicht deutlich kleiner als die Männer, was die Annahme unterstützt hat, dass in diesen Gräbern Männer gewesen sein müssen.

Frauen haben damals ihre Kinder viel länger gestillt und waren deshalb längere Zeit nicht fruchtbar, sodass sie auch weniger menstruiert haben.

Erst als die Menschen sesshaft wurden, Ackerbau und Viehzucht betrieben haben, änderte sich einiges, worunter wir heute noch leiden. Durch die Viehzucht stand Milch von Kühen, Ziegen oder Schafen zur Verfügung. Zusätzlich gab es Getreidebrei. So konnten die Frauen ihre Kinder auch von anderen Personen füttern lassen, um selber für andere Aufgaben frei zu sein. Aber genau das fiel ihnen auf die Füße. Sie haben ihre Kinder nicht so lange gestillt, waren schneller wieder fruchtbar und bekamen viel mehr Kinder. Durch diese vielen Schwangerschaften konnten sie weniger z.B. beim Bau von Häusern mitarbeiten, sodass die Männer die Häuser als ihre eigenen angesehen haben. Und weil Frauen auch weniger im Stall und auf dem Feld arbeiten konnten, wurde auch ihr Anteil am Essen geringer. Sie waren systematisch unterernährt und blieben kleiner. Dazu waren ihre Körper von den ständigen Schwangerschaften extrem geschwächt. Aber auch das war kein natürlicher Zustand.

Man kann auch noch viel weiter zurück gehen. Denn mit dem aufrechten Gang kamen die ersten Probleme für Frauen. Denn zum Gehen war ein schmaleres Becken von Vorteil. Gleichzeitig hatte sich das Gehirn vergrößert, wodurch der Kopf auch größer war. Ein Dilemma. Also hat sich ein großer Teil der Entwicklung des Menschen auf die Zeit nach der Geburt verschoben. Pferde oder Kühe z.B. können fast direkt nach der Geburt aufstehen und laufen. Menschen erst nach etwa 9 Monaten. Dadurch war es wichtig, dass eine Mutter sich ausreichend um ihren Nachwuchs kümmern kann. Deshalb war auch es auch damals nicht normal, viele Kinder zu bekommen. Man müsste also noch weiter zurück gehen. Allerdings bezeichnet man unsere Vorfahren, die nicht aufrecht gegangen sind, nicht als Menschen. :upside_down_face:

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Ja! Das möchte ich nochmal unterstreichen. Wenn ihr doch merkt, dass die Sexualisierung der weiblichen Brust (Stichwort “pornös”) ein Problem in Rettung und Kursen ist, könnt ihr da doch nicht stehen bleiben. Subtext der Darstellung in der Folge war “so richtig größere Brüste sollten Rettungspuppen ja lieber auch nicht haben”. Sollten sie aber gerade doch, mit entsprechend geschulten Lehrpersonen, die sachlich aufklären und sexistischen Witzen ruhig entgegentreten.

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