Woraus liest du das in meinem Beitrag? Ich sage, dass hier aufgrund mangelnden Interesses diese Gruppen kaum mitdiskutieren werden. Du kannst mir aber gerne Beiträge zeigen, in denen die von dir vermissten Menschen abgehalten werden, ihre Sicht im Forum zu teilen.
Selbst meine Frau hält mich für verrückt, dass ich meine Zeit mit diesem Forum aus ihrer Sicht vergeude, weil es noch nie etwas geändert hat, wenn sich Leute im Internet gegenseitig ihre Standpunkte erklären. Hat sie vermutlich auch recht mit.
Danke für den Beitrag. Ich bin tatsächlich überrascht. Würde mich jemand fragen welche Arten von Demos und Bewegungen (insgesamt, unabhängig von marginalisiert oder nicht) häufig stattfinden und medial präsent sind, dann würde mir einfallen:
LGBTQ/CSD/Pride
Gaza
Rechte
Islam
Vielleicht hat jemand einen Vorsprung und kann mit mir teilen wo ich Stimmen der migrantischen Community hören/lesen kann, die die da sind aber nicht gehört werden?
Danke. Diesen Pragmatismus habe ich mir allerdings hart erarbeitet und der Prozess war lang und frustrierend. Ich glaube, das kommt mit der Lebenserfahrung (wow…ich bin wirklich alt). Menschen verändern sich nur, wenn sie davon überzeugt sind, dass es einen Mehrwert bringt und dass die Veränderung nicht allzu schmerzhaft ist. Ich kann noch so gute Argumente haben, wenn ich meinen Gegenüber anschreie, wird er / sie mir nicht zuhören…würde ich auch nicht.
Richtig klar geworden ist mir das erst mit der “Fridays for Future” Bewegung und vor allem “Die letzte Generation”. Inhaltlich stehe ich total dahinter, aber durch die radikalen Aktionen verlieren sie mich auch direkt wieder. Ich finde einfach, dass es nicht in Ordnung ist, fremdes oder öffentliches Eigentum zu zerstören, oder durch einen Einbruch in ein Flughafengelände Menschenleben zu gefähren. Der eine oder die andere hier mag das anders sehen, und auch das ist in Ordnung. Klar, man bekommt eine Menge Aufmerksamkeit, aber die lässt sich dann nicht ummünzen in einen konstruktiven Prozess. Im Gegenteil, sie wird sofort instrumentalisiert, die Aktiven demonisiert und NIEMAND redet mehr über die Inhalte.
Und so ähnlich ist es mit den Themen Diversität, Vielfalt, Emanzipation, Integration. Ich würde einfach hoffen, dass die stille Mehrheit dafür ist und dass sich das alles letztendlich durchsetzt. Ich beobachte aber auch mit großer Sorge den hier schon öfter genannten “Backlash” (@Margarete war glaube ich die erste) und ich denke, das muss man wirklich ernst nehmen. Es gibt Bewegungen (v.a. zu sehenderzeit in den USA), die die Zeit zurückdrehen wollen. Und man muss sich klar machen, dass die USA keine gesellschaftliche Singularität sind. Kevin Kühnert hat vor kurzem im Podcast von Anne Will gesagt, dass es aus seiner Sicht keinen Grund gibt, dass das bei uns nicht auch passieren kann. Und ich sehe das ähnlich.
Auch ein Donald Trump ist ja nicht über Nacht zu dem geworden, der er heute ist. Das waren viele kleine Schritte über Jahre hinweg. Jeder Schritt war ein kleiner Skandal, aber die Aufregung ebbte auch schnell wieder ab. Dann kam der nächste kleine und etwas schlimmere Skandal…und diese Woche reißt er einfach scheinbar ohne Genehmigung den Ostflügel des Weißen Hauses ab und was passiert? Nichts…(das stimmt natürlich so nicht, aber ihr wisst worauf ich hinaus will). Und dieses Prozedere vollzieht sich bei uns jetzt grade auch, also sind wir alle gefordert, das nicht einfach hinzunehmen.
Zurück zum eigentlichen Thema: aus meiner Sicht ist das aller-allerwichtigste, dass wir im Gespräch bleiben, auf Missstände hinweisen, uns selbst hinterfragen und uns gegenseitig ermutigen. Ich kann die ganz großen Dinge nicht ändern, aber ich kann die kleinen Dinge in meinem direkten Umfeld beeinflussen (da hat die Lage ja jetzt eine richtig tolle neue Kategorie, wie ich finde) und in der Summe ist das dann auch eine große Sache.
Die können gar nicht alle mediale Aufmerksamkeit bekommen. Und daraus folgt dann: je marginaler die Gruppe, desto geringer die Medienresonanz.
Da kann man falsch finden, wie sich die Klimaproteste entwickelt haben (tue ich auch), aber es trotzdem ein bisschen nachvollziehbar finden.
Zum einen unterscheiden sich die Protestformen von FFF und der letzen Generation doch relativ deutlich. Zum anderen müsstest du erstmal zeigen, wo die Zerstörung fremden Eigentums Teil der Strategie der genannten Gruppen war. Weder das Festkleben auf Straßen noch das Demonstrieren an Freitagen ist so eine Zerstörung. Gerade FFF würde ich nicht wirklich als radikal bezeichnen und diese Darstellung/Strategie ist ja auch Absicht.
Und dass durch das Beschmieren geparkter Privatjets Menschenleben gefährdet worden seien, ist auch eine steile These. Die sind ja nicht gerade auf die Landebahn vom Frankfurter Flughafen gelaufen, sondern haben ein geparktes Privatjet auf Sylt angesprüht (und wurden dafür auch juristisch belangt).
Woher kommt dieser Glaube? Egal welche Umfrage du zu so einem Thema nimmst (Gendern, Akzeptanz LGBTQ, „Feminism has gone too far“, etc.) , du hast eigentlich nie die Mehrheit auf der progressiven/emanzipatorischen Seite. Diese „stille Mehrheit“ gibt es nicht.
Aus dieser Erkenntnis kommt glaube ich auch der fundamentale Unterschied in der Bewertung von Aktionen wie den oben genannten: Wenn man der Meinung ist, es gäbe schon eine „stille Mehrheit“ auf der eigenen Seite, muss man natürlich auch nicht mehr so stark dafür kämpfen, dann hat man ja schon fast gewonnen. Diese Mehrheit sehe ich aber nicht.
Und ich sagte, dass ich, die eben selbst Teil einer solchen Gruppe ist und die durchaus Interesse hat (!) hier DESHALB weniger Lust hat mitzudiskutieren, weil hier Äußerungen wie diese von dir (die btw. auf viel Zustimmung treffen)
fallen. Du tust so, als ob du sicher wüsstest, dass (mehrfach) marginalisierte Menschen hier nur deshalb nicht mitdiskutieren, weil sie sich nicht dafür interessieren. Vielleicht ist das aber nicht der (einzige) Grund? Du sprichst mir hier einfach ab, dass ich (und vielleicht eben auch andere marginalisierte Menschen) sich von so einer Grundhaltung der Diskussionspartner abgeschreckt fühlen (können). Und diese Grundhaltung lese ich nicht nur in diesem Beitrag von dir raus. Dein Beitrag steht nur exemplarisch für die Grundhaltung einiger Menschen im Forum, die vorallem wenn es um Themen geht, die Diskriminierungssensibilität erfordern, sehr deutlich herauszulesen ist.
Naja, die Buergerrechtler 1989 in der DDR wuerden dem vermutlich nicht zustimmen. Das Pendel kann schon auf beiden Seiten seinen Halt verlieren. In der BRD hatten wir dahingegen bisher wohl einfach Glueck.
Es geht natürlich nicht nur um das „ob“, sondern auch das „wie“ der Berichterstattung. Will hier jetzt kein neues Nebenthema aufmachen. Wir können uns auch per Privatnachricht weiter drüber unterhalten, weil es natürlich komplex ist, aber mal bewusst vereinfacht runtergebrochen: Wurde mehrheitlich über die Demos in den letzten zwei Jahre in dem Grundton berichtet, dass da Deutsche (viele mit Migrationsgeschichte) auf die Straßen gehen, die berechtigte Kritik an Israel und der deutschen Außenpolitik üben, ihren nachvollziehbaren Schmerz und ihre Wut darüber zum Ausdruck bringen, weil Zehntausende unschuldige Menschen getötet werden und dabei unverhältnismäßige Polizeigewalt erfahren oder wurde eher in dem Sinne berichtet, dass dort gewaltbereite, aggressive, nicht weiße Antisemiten demonstrieren? Ab wann hat sich die gesellschaftliche Stimmung verändert? Seit viele weiße die israelische Regierung kritisieren und nicht mehr nur überwiegend (mehrfach) marginalisierte Menschen. Wer hat am Anfang Jobs wegen derselben Kritik, für die weiße jetzt Applaus bekommen, verloren? (Mehrfach) marginalisierte Menschen.
Wir sollten auch immer im Hinterkopf behalten, dass die Voraussetzungen bspw. zu demonstrieren insbesondere für Männer of Color andere sind, als für bspw. weiße Frauen wie mich. Der Protest junger weißer Frauen wird vielleicht teilweise belächelt und nicht so ernst genommen, wie bspw. wenn weiße, überwiegend männliche Bauern demonstrieren. Aber wir werden nicht von den Medien als gefährlich geframed und ich muss keine Angst vor Polizeigewalt haben, wenn ich demonstriere. Das sieht beim Protest von jungen Männern of Color schon anders aus. Sie werden ja ganz gerne pauschal als aggressiv, gefährlich, potentielle Sexual- und oder Gewaltstraftäter geframed und sind besonders von racial Profiling und Polizeigewalt betroffen.
Was Tipps für migrantische Stimmen angeht, habe ich ja schon einige vorgeschlagen
Ich hoffe, du meinst, dass sie für ihre Argumente Gegenwind bekommen haben und nicht dafür, dass sie Frauen sind. Letzteres habe ich so nicht wahrgenommen.
und es halt auch kein Problem darstellt, dass die Perspektiven in der Diskussion wenig divers sind.
Dass gerade bei Themen, von denen eine marginalisierte Gruppe speziell betroffen ist, die Perspektive der Betroffenen teilweise angezweifelt, nicht ernst genommen wird und stattdessen der Fokus auf der Perspektive eines Nichtbetroffenen gelenkt wird. Exemplarisch für diese Grundhaltung und die Dynamik des Ablenkens weg von der Perspektive der Betroffenen hin zur Perspektive der Nicht-Betroffenen war für mich hier die Diskussion im Thread „Studie: überkommene Gender-Rollenmuster weiterhin dominant“. Ich weiß leider nicht, wie man den Thread verlinkt.
(Edit: Auch bei den Diskussionen über Merz‘ Stadtbildäußerung stand die Perspektive der Gruppe, auf welche er ganz zentral abgezielt hat und die daher am unmittelbarsten betroffen ist, nämlich junge Männer of Color, nicht im Fokus unserer Diskussion hier).
Bei persönlicher Betroffenheit vermischt sich das und wenn dann die Frage in den Raum gestellt wird, ob Frauen dazu neigen, zu schnell in männliches Verhalten sexuelle Belästigung hineinzuinterpretieren, ist das objektiv legitim, subjektiv ist das aber ein Thema von dem sich weibliche Diskutanten getriggert fühlen, da es für die meisten eine bekannte persönlicher Erfahrung ist.
Schuldig im Sinne der Anklage. Für mich ist Diversität in der Tat “nice to have” in dem Sinne, dass ich ihr nicht hinterherlaufen möchte. Mit anderen Worten: ich möchte einer marginalisierten Gruppe nichts aus der Nase ziehen müssen (das Müssen ist hier entscheidend).
Ich habe mir den betreffenden Thread angesehen. Eine der Ausgangsfragen, die du weiter unten im Thread noch einmal wiederholst, ist die Frage,
wie die Regierenden mehr Gleichstellung fördern können.
Am Ende eines Eröffnungspostings, in dem dargelegt wird, dass sich Menschenpaare, die freiwillig zusammen sind, hinter verschlossenen Türen nicht einigen können, sich anfallende Arbeiten gerecht aufzuteilen. D.h. es wird andiskutiert, dass Regierenden sollen sich in die Gleichstellung im privaten Raum einmischen. Auch auf die Gefahr mich damit unbeliebt zu machen: die Regierenden sollen da bitte gar nichts machen, außer (und das forderst du ja auch) die Arbeitsrechtliche und Steuerrechtliche absolute Gleichstellung zwischen Mann und Frau. Was die Gesellschaft (also wir) daraus dann machen soll unser Problem sein und es sollte nicht alles zur politischen Bundesaufgabe deklariert werden. Und zum Abschluss zu meiner ganz persönlichen, anekdotischen Perspektive: Arbeitsteilung zu Hause, Care Arbeit und Mental Load sind bei mir und meiner Frau ebenfalls ein “hitziges” Thema das gut die Studienlage reflektiert. Was meine Frau dann wohl aber von vielen anderen unterscheidet: sie fordert meine Mitarbeit knallhart ein und sagt auch jedem der es hören will (z.B. der Oma die zu Besuch ist wenn es um die Frage geht, ob meine Frau denn meine Hemden gebügelt kriegt) was Phase ist bei uns. Gerade was Mental Load angeht so sind wir noch längst nicht bei 50:50, aber wir sind auf dem Weg dorthin und machen stetig Fortschritte (also ich :-)). Da bin ich nicht stolz drauf, sie sollte es auch gar nicht erst einfordern müssen (erst recht nicht knallhart) und es tut mir auch Leid. Das Hotel Mama mit klarer Rollenverteilung nach den ersten zwanzig Lebensjahren abzulegen, ist mir nicht leicht gefallen und es ist bis heute ein zäher Prozess. Lange Rede, kurzer Sinn: wir machen das unter uns aus und brauchen und wollen keinen staatlichen oder sonstigen dritten Akteur, der uns da hineinpfuscht und entweder uns etwas aufzwingen will, was wir schon für uns selbst erkannt haben oder es anderen aufzwingen will, die es für sich meinetwegen nicht als Problem erkannt haben (die gibts ja auch). Der Wind dreht sich. Unsere Tochter wird am Ende ihrer Jugend mit völlig anderen Rollenbildern aufgewachsen sein und (hoffentlich) wieder ein Individuum mehr sein, dass diesen Wandel organisch voran bringt.
Bei dem Punkt kann ich mitgehen, aber ich glaube, das Problem liegt eher in der Form des „Kampfs“. Bleiben wir mal kurz beim Beispiel Letzte Generation:
Ist das Thema Klimaschutz durch diese Aktionen gestärkt worden?
Ich würde sagen: defintiv nein.
Kartoffelbrei auf Gemälde schmieren oder Straßenblockaden in der Rush Hour sorgen zwar für Aufmerksamkeit, aber bestimmt nicht für Verständnis oder Zustimmung.
Und das lässt sich auch auf andere progressive Themen übertragen.
Es ist nicht egal, wie man für eine Sache eintritt, auch wenn man moralisch im Recht ist.
Das kann natürlich jeder handhaben, wie er möchte,
aber man sollte sich dann auch nicht über das Echo wundern.
Dass gerade bei Themen, von denen eine marginalisierte Gruppe speziell betroffen ist, die Perspektive der Betroffenen teilweise angezweifelt, nicht ernst genommen wird und stattdessen der Fokus auf der Perspektive eines Nichtbetroffenen gelenkt wird.
Das Problem ist doch, dass es immer Einzelaussagen sind. Nur weil ein Betroffener seine eigene Weltsicht teilt, heißt das ja nicht, dass er damit die gesamte Gruppe repräsentiert. Ich finde, eine Meinung eines Betroffenen sollte so behandelt werden wie jede andere Meinung sonst.
Aber genau so passiert Veränderung. Mehr Frauen/Menschen mit internationaler Geschichte/Behinderte im Parlament, in Vorständen und eben auch im Forum. Sie reden mit, entscheiden (außer im Forum) mit, werden gesehen.