Aber das ist natürlich ein grundsätzliches Problem, dass Gruppen mit wenig Vertretern auch wenige Stimmen erzeugen. Wenn eine Gruppe nur diesen einen Vertreter hat, ist es ein leichtes ihn in Zweifel zu ziehen und die Gruppe damit zu egalisieren. Das soll allerdings kein Freibrief sein, dem Vertreter alles abzunehmen. Letztendlich eine Gratwanderung.
Nein heißt es nicht. Aber solange Menschen aufgrund gruppenbezogener Merkmale strukturell diskriminiert werden, in sämtlichen Bereichen unterrepräsentiert sind, ihre Stimme weniger Gehör findet, sie weniger Chancen haben, sind Menschen mit Privilegien wie wir in der Pflicht darauf hinzuarbeiten, dass sich das ändert. Klar kann auch jemand mit Migrationsgeschichte rassistisch sein, eine Frau frauenfeindliche Positionen vertreten etc. Wir sehen aber, dass bspw. die stärkere Beteiligung von Frauen zu feministischeren Ergebnissen führt. Natürlich erhöht die Beteiligung von Menschen, die in verschiedenen Lebensrealitäten leben die Wahrscheinlichkeit, dass gerechtere Entscheidungen getroffen werden und das Bild ein vollständigeres ist, als wenn nur Menschen diskutieren und entscheiden, die im Wesentlichen die gleiche Lebensrealität teilen.
Das kann auch meiner Meinung nach nur förderlich sein.
Aber es bleibt die offene Frage generell und auch hier im Thread, wie man diese passendere Repräsentation erreicht.
Ist das eine Frage der Zeit und der gesellschaftlichen Entwicklung?
Oder plädiert man hier für staatliches Handeln (hier gäbe es dann natürlich die Variante Quoten oder eher Förderung)?
Aber wenn man beim Thema Repräsentation staatlichen Handlungsbedarf sieht, wie soll das wirklich konkret aussehen? Also bspw. für den Anteil von Frauen in Parteien?
Generell, nicht nur in der Führungsriege.
Einsicht ist ja bekanntlich der erste Schritt zur Besserung
Für alle (mehrfach) marginalisierten Menschen ist es eben kein „nice to have“, sondern essentiell, um gleichberechtigter Teil dieser Gesellschaft und auch unserer Demokratie sein zu können.
Es ist z.B. kein Zufall, dass der Impuls bzgl. Mental Load von deiner Frau kam und du da nicht selbst drauf gekommen bist. Das ist nämlich das Ding mit Privilegien - man bemerkt sie als privilegierte Person oft nicht und da steckt oft auch keine böse Absicht dahinter. Die Person, die jedoch benachteiligt ist, spürt das sehr deutlich, dass sie benachteiligt wird. Und damit sich was verändert, muss sie erstmal gehört werden (das scheint ja mit deiner Frau geklappt zu haben - wunderbar). Und das lässt sich auch generell übertragen: deshalb ist es so wichtig, dass wir die Stimmen derjenigen hören, die benachteiligt werden, dass wir Menschen sind, die zuhören und uns reflektieren, statt Hinweise auf unsere Privilegien direkt abzuwehren und dass wir bereit sind, Veränderung selbst zu leben und uns weiterzuentwickeln.
Wenn man (sehr) privilegiert ist, dann kann sich die berechtigte Forderung von (mehrfach) marginalisierten Menschen nach Gleichstellung anfühlen, als wollten sie einem was wegnehmen. Wir sollten aber verstehen, dass es in unserem eigenen Interesse ist, dass jeder Mensch frei von Diskriminierung leben kann. Denn solange Menschen aufgrund gruppenbezogener Merkmale benachteiligt werden, gehören wir oder Menschen die wir lieben, vielleicht irgendwann auch dazu.
Was den Rollenbilder-Thread angeht: Ich habe dort nicht vertreten, dass der Staat in private Beziehungsgestaltung eingreifen soll, sondern die Rahmenbedingungen so umgestalten soll, dass es für Paare nicht mehr die finanziell lohnenswertere und daher „logisch“ erscheinende Entscheidung ist, klassische Rollenmodelle zu leben.
du hast ja eine riesige bandbreite für deine klischees. ab wann fängt das denn an bei dir, mit den alten, weißen männern? 30? 40?
Wie alt ist denn Philipp Amthor?
Ich finde dieses Thema wertig und die bisherige Diskussion erfreulich zivilisiert. In die bestehenden Diskussionsstränge mische ich mich nicht mehr ein, möchte aber am Beispiel des Eingangsbeitrags darauf hinweisen, dass die Diskussion zwar auf Grund von allgemeinen Prinzipien motiviert wurde, dieser Allgemeinheit allerdings bisher nicht gerecht wird.
Davon ist dieses Forum vermutlich sehr weit entfernt. Die (überwiegend weiße) Bevölkerungsmehrheit, die die Merzsche Union oder AfD gewählt hat, ist hier vermutlich kaum vertreten. Die (überwiegend – wenn auch nicht überproportional – weiße) Bevölkerungsmehrheit der sozio-ökonomischen Unterschicht- und unteren Mittelschicht ist hier vermutlich kaum vertreten. Usw. Falls eine relativ repräsentative, pluralistische Abbildung der realen Bevölkerungsstruktur angestrebt werden soll, dann wäre es vermutlich am effizientesten, das Lage-Forum für (weiße) AFD-Wähler und die (weiße) Unterschicht attraktiv zu machen.
Ähnliches gilt, wenn über „(mehrfach) marginalisierte Personen“ gesprochen wird. Die größte mehrfach marginalisierte Bevölkerungsschicht ist vermutlich jene (überwiegend – wenn auch nicht überproportional – weiße), die sowohl bildungsfern als auch sozio-ökonomische Unterschicht ist.
Ich möchte damit nicht anregen, die verschiedenen marginalisierten Schichten gegeneinander auszuspielen. Sondern im Gegenteil dazu anregen, die selbstgesteckten allgemeinen Grundsätze für alle Mitbürger anzuwenden.
Wer mitdiskutieren möchte, kann das doch einfach machen. Die Hürde für Beteiligung in diesem Forum ist extrem niedrig.
Von mir werden regelmäßig Beiträge nicht freigegeben oder editiert, weil die Moderation damit nicht einverstanden ist. Ich könnte nun natürlich einfach gänzlich aufhören mich zu beteiligen und mich ausgegrenzt fühlen, oder eben damit leben.
Ich habe das Gefühl, dass du meinst, ich würde irgendwem über den Mund fahren wollen oder Ausgrenzung zum Ziel haben. Absolut nicht. Ich halte sehr viel von freier Rede und der Möglichkeit, dass jeder sich äußern kann. Gleichzeitig muss aber jeder und jede (auch ich) mit Gegenwind und Widerspruch rechnen.
So ist das halt, wenn man öffentlich diskutieren möchte.
Dazu hatte ich vorhin auch etwas geschrieben, es aber nicht abgesendet weil ich zu viele Themen in einen Topf geworfen habe.
Letztlich ist es ja so, dass es bei einer limitierten Anzahl an Nutzern nie möglich sein wird alle potentiell betroffenen Gruppen abzubilden.
Denn selbst wenn es hier z.B. einen Anteil an Migranten gäbe der dem Anteil in der Gesellschaft entspräche oder sogar überträfe, so könnte auch nicht jeder Migrant etwas zu jedem Aspekt beitragen. Der Pfarrer aus dem Senegal hat eine andere Lebensrealität als der Professor aus Kanda, als der Ingenieur aus dem Iran, als der Gastronom aus Griechenland, etc.
Je spezifischer das Thema wird, desto schwerer wird es sein direkt Betroffene in seinen Reihen zu haben.
Solche findet man dann in erster Linie wahrscheinlich am besten durch gezielte Aufrufe über Social Media.
Dennoch bringt natürlich ein möglichst diverses Benutzerprofil viele Vorteile durch vielfältige Perspektiven und Erfahrungen.
Moving the goalpost.
Ich habe auf einen Kommentar reagiert, der aussagte, dass die Aktionen Menschenleben gefährdet und fremdes Eigentum zerstört hätten. Darauf habe ich mich bezogen.
Man sollte Menschen, die nur teilweise oder überhaupt nicht entscheiden können, zu einer Gruppe zu gehören, oder nicht, bestimmt durch Herkunft, Geschlecht oder (in Deutschland viel zu oft viel zu eng damit verknüpft) sozio-ökonomischen Status anders betrachten, als Menschen, die aus freier eigener Entscheidung Demokratiefeinde sind.
Ich bin mir nicht sicher, dass gewünscht ist, dass 25% der Forums-Mitglieder AfD Wähler sind. Das wäre dann nämlich auch ein Abbild der Bevölkerungsstruktur.
Es gibt Eigenschaften die sind quasi geerbt, für die kann man nichts, da sollten wir uns als Gesellschaft bemühen, deswegen nicht auszugrenzen. AfD-wählen ist eine Entscheidung. Solche Niedertracht darf selbstverständlich sozial sanktioniert werden.
Bin ich der einzige, den es irritiert (extrem milde ausgedrückt), dass auf die Frage im Ausgangspost, wie man es erreicht, dass sich im Forum explizit mehr marginalisierte Menschen bzw. Menschen mit Diskriminierungserfahrung einbringen jetzt hier geantwortet wird, ob man dann auch 25% AfD-Wähler hier haben möchte?
Ist richtig, diese beiden Gruppen in einem Atemzug zu nennen wird vor allem FFF nicht gerecht! Nehme ich zurück.
Habe ich nie behauptet. Falls das im Subtext so zu lesen war, war das keine Absicht.
Stimmt, aber in DUS immerhin auf das Rollfeld und auch das ist gefährlich.
Ganz ehrlich? Ich HOFFE, dass es nicht so ist - ich will einfach diese “Deutsche Depression” nicht haben. Mag sein, dass die Empirie nicht auf meiner Seite ist und insofern “touchée” bezüglich deines Punktes, dass man dann ja auch aufhören könnte, zu kämpfen.
Hast du vielleicht mal konkrete Links aus der letzten Zeit zu den genannten Umfragen? Gerade bei Umfragen bin skeptisch geworden, spätestens nach dem aktuellen ZDF Politbarometer zur “Stadtbild-Frage” (Ich weiß, das gehört hier jetzt nicht hin. Ich will nur meine Skepsis erklären).
Das ist, wie die meisten männerdominierten Räume on- wie offline, glaube ich Tatsache.
Das liegt vermutlich auch daran, dass wir Männer von klein auf gelernt haben anderen Ansichten gegenüber weniger empathisch zu sein und Kritik leichter wegzustecken.
Ich stimme dir zu (bin selbst weiblich, Arbeiterkind, mit formell hohem Bildungsabschluss).
Viele Dinge, die ich an der Lage schätze, führen sicherlich zu einer gewissen Selbstselektion. Wer sich in seiner Freizeit gerne einen Podcast mit differenzierten Analysen nebst juristischer Kontextualisierung anhört, und bei einer sexy Statistik Verzücken verspürt, ist im Schulsystem vermutlich einigermaßen zurechtgekommen. Wer sich dann noch in einem Forum dazu austauscht, hat - würde ich unterstellen - in der Tendenz unterdurchschnittlich viel Care-Arbeit, eine gute Portion Selbstbewusstsein und ein gewisses Vertrauen in die Wichtigkeit der eigenen Meinung. Diese implizite Selektion finde ich erstmal hinnehmbar. Für breitere Öffentlichkeiten gibt es andere Platformen.
Es gibt aber eben auch Faktoren, die explizit Abschrecken. Die Stellenausschreibung mit explizitem Wunsch nach Studienstipendiaten z.B. Oder eine Diskussionskultur im Forum, in dem sich eine knappe Hand voll (männlicher) Diskutanten bei Themen z.B. der Geschlechtergerechtigkeit aufeinander einschießen, daraus teilweise Aussagen hervorgehen bei denen ich mir die Augen reibe, und Beiträgen von Betroffenen im schlimmsten Fall ihre Betroffenenperspektive noch vorwerfen.
Daran ließe sich hoffentlich - sicherlich nicht sofort, aber über Zeit hinweg - durchaus etwas ändern.
Dir jedenfalls schonmal Dank für’s Ansprechen.
Das ist ein ähnlich fataler Fehlschluss wie die liberale Position “jeder ist seines Glückes Schmied” mit der jegliche Einkommensunterschiede gerechtfertigt werden oder der law-and-order Position “Verbrechen bekämpfen durch harte Strafen”. Die “Entscheidung” AfD zu wählen oder ein Verbrechen zu begehen ist zu großen Teilen (manche sagen sogar zu 100%) das Produkt meiner angeborenen körperlichen und geistigen Eigenschaften sowie Umwelteinflüssen.
Finde ich gar nicht so abwegig. Auch unter AfD Wählern sind sicher marginalisierte und diskriminierte (z.B. arme) Menschen (die dann oft wieder selbst andere Gruppen diskriminieren).
Wenn ich tatsächlich die Bevölkerungsstruktur halbwegs repräsentativ abbilden möchte, muss ich zwangsläufig auch Gruppen die Gelegenheit geben, sich zu beteiligen, mit denen ich eigentlich nichts zu tun haben möchte. Natürlich kann ich (und muss das auch) bestimmte Formen der Diskussion (aber eben nicht bestimmte Personen) unterbinden (z.B. Beleidigungen, Fake News, Hasskommentare). Letzteres ist übrigens ziemlich genau die Strategie wie Mailand ihre YouTube Kommentare moderiert. Dazu haben sie sogar mal ein ziemlich gutes Video gemacht.
Bei der Idee, dass ich mehr marginalisierte Gruppen beteiligen möchte, aber dann wiederum nur solche, die bestimmte subjektive Kriterien erfüllen, kann glaube ich jeder schnell den Haken erkennen.
Es ist also nicht immer so, dass die absolute Mehrheit diskriminierende Positionen vertritt, auch wenn das in manchen Bereichen schon vorkommt. Aber selbst wenn es „nur“ 30-<50% der Bevölkerung sind, ist es für die Betroffenenen ein schwacher Trost, zu wissen, dass es theoretisch eine im wahrsten Sinne des Wortes stille Mehrheit gäbe. Außerdem ist insbesondere im Bereich LGBTQ eine negative Entwicklung zu sehen, es geht also gerade in die falsche Richtung. Beim Thema Rassismus wird es vermutlich ähnlich sein (siehe Stadtbild-Debatte).
