Was für ein toller, pragmatischer Take. Genau das denke ich nämlich auch. Die Richting stimmt und es würde einigen gut tun, die Brechstange mal weg zu lassen und eher auf den steten Tropfen auf dem Stein zu setzen.
Nur leider sind wir im Backlash.
Hoffen wir mal, dass die positiven Entwicklungen nicht so leicht umzukehren sind.
Ich denke so leicht können wir es uns in einer Demokratie nicht machen.
Eine gewisse Wahlbeteiligung bzw Partizipation an demokratischen Prozessen ist schon ein gesellschaftliches Interesse.
Und die Idee, dass sich die Betroffenen von Benachteiligungsstrukturen womöglich gar nicht für das Thema Diskriminierung oder dessen Überwindung interessieren, erscheint mir eigentlich als (im negativen Sinne) gutes Beispiel für das Ausgangsproblem.
Sich nicht mit Diskriminierung auseinandersetzen zu müssen ist ein Privileg derer, die nicht davon betroffen sind.
Und auch wenn die Betroffenen nicht ignoriert sonder schon vorher zum Schweigen gebracht werden, ist das kein Zustand, auf dem wir uns ausruhen können. Und das ist leider oft der Fall, weil in vielen demokratischen Institutionen die gleichen Diskriminierungsformen reproduziert werden.
Stimmt, aber der ist auch entstanden weil man (ich inklusive) zuvor zuviel auf einmal wollte. Statt sich über eine Errungenschaft zu freuen und kurz inne zu halten, hat man sofort zwei weitere neue Themen aufs Tableau gehoben. Ich bin überzeugt, das hat Konservative und auch einige Menschen der Mitte überfordert und in die Arme von Reaktionären und Radikale getrieben, die sie mit offenen Armen und dumpfen Parolen aufnahmen.
Glücklicherweise wird auch das, wie schon etliche Male zuvor, nur eine Phase sein und das Pendel in einigen Jahren wieder Richtung progressiv ausschlagen.
Edit: Ja der Post ist irgendwie offtopic hier und daher will ich die Diskussion nicht mit weiteren Posts derailen.
Ich würde trotzdem gern den Impuls geben darüber nachzudenken, ob mehr Diversität und damit mehr Reibung in der Debatte durch pluralere Forderungen geeignet sind einen Backlash, der auch wegen dieser Pluralität entstanden ist, einzufangen. Oder, ob es nicht wichtiger ist die großen demokratischen Lager Hand in Hand pragmatische Kompromisse für die drängenden Fragen suchen zu lassen, auch wenn damit manche Gruppen nicht direkt einen Mehrwert haben.
Oder das Pendel schlägt so weit nach Rechts aus, dass es von der Uhr abfällt, wie wir es auch schonmal erlebt haben. Das ist eben das Problem, das man auch in den USA aktuell beobachten kann: Ein weit nach links schwenkendes Pendel lässt die Demokratie intakt und den “rechten Backlash” zu. Ein weit nach rechts schwenkendes Pendel tut genau das nicht, das unterdrückt den Backlash im Zweifel mit der Nationalgarde…
Danke für deine ausführliche Antwort und deine Gedanken!
Genau sowas habe ich gehofft mit meinem Themenvorschlag anzustoßen. Finde ich toll, dass du dir das vornimmst und freue mich auf deine Beiträge und Perspektive ![]()
Den Gedanken finde ich sehr spannend. Ich habe durchaus den Eindruck, dass das viel mit der weiblichen Sozialisation zu tun haben könnte. Ich galt bspw. immer als zu „laut“, weil ich es schon immer geliebt habe, über Politik und Gerechtigkeitsthemen zu diskutieren. Das passt vielen nicht so gut ins Bild. Frauen sollen lieber eher zurückhaltend sein und für Harmonie im Raum sorgen und nicht anfangen auf bestehende Ungerechtigkeiten hinzuweisen (schon garnicht, wenn sie dabei wütend sind).
Die gesellschaftliche Erwartung ist leider zum Teil noch so, scheint sich aber in den letzten Jahrzehnten zum Glück drastisch geändert zu haben. Frauen sind sowohl in der Politik als auch im Journalismus deutlich mehr und lauter und ich hoffe, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.
Ich glaube aber nicht, dass politische Äußerungen von Frauen gleichbedeutend mit Hinweisen auf Ungerechtigkeit sind. Dieser Subtext schwingt in solchen Debatten öfter mal mit und bietet vielleicht einen Teil der Erklärung, warum manche Menschen auf diese Debatte so allergisch reagieren. Ganz allgemein: Marginalisierte Gruppen haben mMn ein Recht darauf im Diskurs gehört und berücksichtigt zu werden und das erstmal völlig unabhängig davon, ob sie die „richtigen“ Meinungen haben.
Das ist die Erzählung der AfD, die ich nicht teile. Das hat mMn vielmehr mit der ungerechten Vermögensverteilung, schlechter Sozialpolitik, multiplen globalen Krisen etc. zu tun. Aber es gibt hier zahlreiche Threads zur AfD und deshalb würde ich gerne beim Thema hier bleiben: nämlich wie das Lage-Forum diverser werden kann.
So entspannt und locker kann man das halt nur sehen, wenn man sehr privilegiert ist. Der aktuelle gesellschaftliche Backlash hat reale Konsequenzen auf die Leben von Menschen, die in ihrem Leben ohnehin nicht so viel Glück hatten wie wir.
Habe ich in meinem ersten Beitrag ja auch explizit hier geschrieben. Siehe
Daher fände ich es schon unfair, mir diesen Subtext zu unterstellen. Einige wollen das Problem, nämlich die fehlenden Perspektiven in den Diskussionen, wohl einfach nicht sehen und sich auch nicht mit den eigenen Privilegien befassen.
Die deutsch-bildungsbürgerliche Blase ist hier schon stark ausgeprägt, auch wenn ich selbst (Migrationshintergrund, Arbeiterkind) dem Muster etwas widerspreche. Das schlägt sich natürlich auch in der Art wieder, wie über manche Themen gesprochen wird (Migration, innere Sicherheit etc). Dabei meine ich noch nicht einmal expliziten Rassismus - das wird hier durch die Moderation ziemlich gut unterbunden. Man merkt aber in manchen Diskussionen einfach, dass viele keine direkten Erfahrungen mit Rassismus haben, und auch keine direkten Verbindungen zum „Globalen Süden“. Gleiches kann man wahrscheinlich auch über Armutserfahrung oder Sexismus sagen, aber das können andere sicherlich besser beurteilen als ich.
Das ist ja erstmal auch normal, niemand macht alle Erfahrungen selbst. Die Krux ist also eher, wie wir trotzdem einen offenen Diskurs darüber ermöglichen. Dieses Problem ist nur leider auf keiner gesellschaftlichen Ebene gelöst: Es zeigt sich bei politischer Partizipation, medialer und politischer Representation etc.
Dazu kommt dann die politische Ausrichtung des Forums infolge der Ausrichtung des Podcasts, die den Pool möglicher InteressentInnen natürlich auch weiter einschränkt.
Ich glaube daher, je nachdem welche Gruppe gemeint ist, sind die Möglichkeiten für uns hier im Forum relativ begrenzt. Den größten Hebel sehe ich im Publikum des Podcasts, da das Forum über diesen verbreitet wird.
Tatsächlich nicht. Du hast geschrieben, dass man auch als nicht-marginalisierte Person empathisch und solidarisch sein kann. Ich habe geschrieben, dass man auch als marginalisierte Person blöde Meinungen/Positionen haben kann und dass dies aber eben unabhängig vom Recht auf Beteiligung im Diskurs sein sollte. Der Punkt ist also nicht, dass die Meinung von marginalisierter Gruppe x besonders gut ist und deshalb angehört werden sollte, sondern, dass sie gehört werden sollte, weil sie bis jetzt gesellschaftlich ausgeblendet oder benachteiligt wurde.
Ich sehe daher keinen Widerspruch zwischen unseren Positionen. Deinem Ursprungspost beziehungsweise dem Anliegen dieses Threads stimme ich absolut zu!
Mein Kommentar sollte kein persönlicher Angriff auf dich sein, sondern bezog sich auf die allgemeine Diskussion. Es tut mir leid, falls der Eindruck entstand.
Falls du damit mich meinst, fände ich das schade. Es wäre genauso eine Unterstellung, wie du im Satz davor noch kritisiert hast. Davon abgesehen hast du aber natürlich insofern Recht, dass mein Argument von solchen Menschen missbraucht werden kann. Ich glaube aber nicht, dass dies das Argument von vornherein entwertet.
Das ist dein Eindruck! Wegen dem “Rechtsruck". Ich glaube da aber gar nicht dran. Wenn wir von einem Prozess sprechen, also der Progression die wir uns alle wünschen, dann verschiebt sich der Fortschrittszeiger immer weiter, langsam aber stetig. Wenn uch dich richtig verstehe, sagst du der Zeiger ist stehen geblieben oder bewegt sich gar zurück. Glaube ich keinesfalls! Viel eher glaube ich das da eine immer lauter werdende aber medial sehr präsente Minderheit ist, der der Zeiger zu langsam ist und die mit der Brechstange versuchen den Zeiger zu beschleunigen. Und der “Backlash” richtet sich gegen die Brechstange und eben nicht gegen den Zeiger selbst oder die Richtung, in die er läuft. Das wäre meine metaphorische Einschätzung.
Der Backlash ist absolut gegen „den Zeiger selbst“ gerichtet. Sobald man über den deutschen Tellerrand hinausschaut (USA/Trump, Ungarn/Orban, Argentinien/Milei in der Vergangenheit Polen/PiS, Brasilien/Bolsonaro, in Zukunft evtl Frankreich/Le Pen etc.) sieht man, was die Ziele derjenigen sind, die den Backlash propagieren: Verbot von Abtreibung, Kriminalisierung von LGBTQ, klassisch patriarchale Rollenbilder für Manner und Frauen. Das ist der Backlash.
Hier in Deutschland wird der gleiche Rückschritt durch die AfD propagiert und implizit durch eine CDU legitimiert, die sich zwar immer von den extremen Ausreißern rhetorisch abgrenzt, den zugrundeliegenden Annahmen aber doch zustimmt.
Dochdoch.
Du siehst es international und auch im Inland.
Beispiele: Völkische “christliche” Ideologien auf dem Vormarsch. Trotz Mehrheit in der Bevölkerung werden Abtreibungen nicht entkriminalisiert, das Tor zu einer Entwicklung wie in den USA steht weit offen, Risiko, wenn bald die AfD mitregiert. Frauenanteil im Bundestag gesunken. Etc. Soweit die Frauen.
Genderverbote, Regenbogenflaggen abgenommen, rassistischer Bundeskanzler…
Wie gesagt: Ich hoffe, es ist zu weit, um es zurückzudrehen. Vielleicht sind es auch die Konflikte durch das Integrationsparadox oder “Feminismus-Paradox”. Wir werden sehen. Aber in den USA siehst du, wie schnell es gehen kann.
Entschuldige bitte, ich habe deine Aussage falsch verstanden gehabt.
Ja absolut. Bin ich voll bei dir.
Ja das sehe ich genauso und wollte ich auch mit meinen Beiträgen zum Ausdruck bringen.
Nein, das war nicht auf dich bezogen!
Wir sind in Deutschland doch eh noch relativ gemäßigt. Ich glaube, wenn in Frankreich erst einmal der Rassemblement National regiert, werden in Europa Dynamiken entstehen, die jenen in den USA durchaus ähnlich werden könnten.
Daher empfinde ich - und mir ist bewusst, dass diese Meinung hier im Forum eine randständige sein dürfte - den Gedanken, ein AfD-Verbot könnte diese Problematik ätiologisch befrieden geradezu als naiv. Polen, Italien, die Schweiz, die Niederlande, Österreich, nun Frankreich und selbst das über jahrzehnte gesellschaftspolitisch außergewöhnlich stabile Spanien. Sie alle kippen tendenziell nach rechts, und das synchron - das ist doch kein Zufall. Ich bin relativ sicher, dass “Rassismus/Xenophobie” oder andere monolithischen Erklärungsmodelle hierfür zu kurz greifen.
Stimme dir da zu und ich weiß auch, dass das Problem hier nicht vollständig gelöst werden wird. Ich fände es aber wichtig, wenn wir der Lösung zumindest im Forum näher kommen könnten. Denn vieles läuft hier ja schon besser als sonst wo z.B. Moderation, es diskutieren keine Rechtsextremist:innen oder Bots mit, längere Beiträge statt bloße Einzeiler für Click-Bait etc.
Eine konkrete Idee wäre, eine Lage-Folge über die Thematik „Allyship“, „Intersektionalität“ vielleicht in Kombination mit der Thematik „Rassismus“. Als Interview-Partner:innen könnte ich mir (neben den bereits vorgeschlagenen Tupoka Ogette und Gilda Sahebi) z.B. auch Said Etris Hashemi, Suraj Mailitafi, Alice Hasters oder Serin Khatib gut vorstellen. (Edit: verbunden mit dem Aufruf, dass man sich im Lage-Forum besonders über Neuanmeldungen und Beiträge von Menschen mit Diskriminierungserfahrung freut, die bislang unterrepräsentiert sind).
Denn ich habe den Eindruck, dass „Diversität“ teilweise leider auch hier immer noch als etwas verstanden wird, was „nice to have“, aber irgendwie halt auch „optional“ ist (das kann man aber mMn nur so sehen, wenn man viele Privilegien genießt und diese noch nicht reflektiert hat und das ist Teil des Problems). Da fehlt es aber noch an ganz viel Wissen. Die Thematik wird auch hauptsächlich von denjenigen vorangetrieben, die selbst von zumindest einer Form gruppenbezogener Diskriminierung betroffen sind. Dabei wäre es unglaublich wichtig und wirkungsvoll, dass gerade auch weiße, hetero, cis Männer sich vehement dafür einsetzen, denn ihre Stimmen haben in unserer Gesellschaft noch immer das größte Gewicht.
Es gibt dort eine rechte Bewegung, die das Pendel zurück drücken möchte aber es sieht nicht so aus, als würde sie das schaffen. Spanien ist führend, wenn es um Frauenrechte geht. Und das wird von der Politik auch nicht in Frage gestellt.
Spanien zeigt nur, wo das Problem liegt.
halte ich, wenn es um marginalisierte Gruppen geht für eine gefährliche Einstellung. Wenn man den Eindruck erweckt, da sei ja nun schon ganz gut etwas passiert, kann man schnell zu dem Schluss kommen, dass das dann auch wieder reicht.
Das tun sie. Aber sie bekommen nicht die gleiche mediale Aufmerksamkeit wenn sie bspw. demonstrieren, wie weiße.
Ich halte es wirklich für wichtig, die eigenen Seh- und Hörgewohnheiten zu hinterfragen und wenn man dabei feststellt, dass man nur Inhalte z.B. von weißen mittelalten Männern konsumiert, dann könnte man darüber nachdenken, bewusst nach Inhalten mehrfach marginalisierter Menschen zu suchen, um den eigenen Horizont zu erweitern und sensibler bzgl. (struktureller) Diskriminierung zu werden.
Ich möchte hier mal ein paar Slides von Hibba-Tun-Noor Kauser (Vorsitzende Jusos Offenbach) teilen, welche sicher auch eine hervorragende Interview-Partnerin wäre.
(Ihr Beitrag enthält noch mehr Slides)
(Edit: sie bezieht sich dabei auf die „Wir sind die Töchter“-Demo vor der CDU Parteizentrale von Dienstag, 21.10.25)
Dem kann ich nur zustimmen.
Mehr Perspektiven- und Meinungsvielfalt können die Debatten hier ja eigentlich nur bereichern.
Allerdings sollte vielleicht zuerst einmal geklärt werden, in welcher Bubble bzw. welchem Milieu wir hier aktuell überhaupt unterwegs sind.
Kann ich mir kaum vorstellen, wo sollten die herkommen?
Oder wurde hier irgendwann einmal eine Umfrage unter den Hörer:innen bzw. Forenmitgliedern gemacht?
Falls nein: Wie wär’s, wenn wir das einfach selbst machen?
Die Forensoftware bietet ja die Möglichkeit, Umfragen zu erstellen (auch mit komplett anonymen Antworten).
Damit könnte man zumindest hier im Forum bspw. folgendes grob erfassen:
- Geschlecht
- Altersgruppe
- Bildungsweg
- Berufsfeld
- Nationalität / Herkunft
- Stadt / Land
Dann hätten wir ein klareres Bild davon, wer hier diskutiert und trotzdem bleibt alles anonym.
Denn auch wenn interessant ist, wer schreibt, entscheidend bleibt ja am Ende, was geschrieben wird.
- ja
- nein




