Die Besitzstandsverteidigungsgesellschaft oder: der Gerechtigkeitsdiskurs wird kaum mehr geführt

Haben „wir“ aber oft nicht. Wie willst du ohne, oder mit sehr viel weniger Geld daran etwas ändern? Die Eltern werden das nicht ändern, denn wenn sie es für die eigenen Kinder nicht auf die Reihe kriegen, was sollte sie dann bewegen? Wenn der Staat da nicht hilft, wie soll das dann passieren? Wohltätigkeit? Kann man sich in den USA anschauen, wie sowas läuft. Dann wohnen reihenweise Familien in irgendwelchen Autos oder gleich auf der Straße. Die Gelder für Jugendamt, Jugendhilfe, Sozialarbeit sind eh schon zu niedrig für den Bedarf.

Was sagst du, wenn du gefragt wirst, wem du mehr vertraust mit DEINEM Geld umzugehen? Haushaltest Du lieber selbst mit Deinem Geld oder gibst Du es lieber ab und vertraust auf die Institutionen?

Kommt drauf an. Wenn ich mir ein Fahhrad oder einen Rechner kaufe oder in Urlaub fliege, ist die Antwort natürlich eine andere, als wenn es darum geht, ein Existenzminimum für jeden zu sichern, die Kanalisation zu bauen und instand zu halten oder Büchereien zu betreiben.

Das Gefühl kann dir die passende Medienauswahl sicher vermitteln. Wahrer wird es davon nicht. Wenn ich ein Haus für mich erbe und 2 Eigentumswohnungen zum vermieten und du eher so unterhalb von 10.000€, kannst du so hart arbeiten, wie du willst, du wirst diese Distanz nicht nennenswert reduzieren, selbst wenn ich es mir mangels Mietkosten und dank Mieteinnahmen oder besser noch mit leistungslosem Grundeinkommen dank Geldanlage von Verkaufserlösen eher gut gehen lasse. Soziale Mobilität ist in Deutschland und in der gesamten westlichen Welt rückläufig. Das hat auch was damit zu tun, dass Vermögen immer weiter oligarchisiert werden.

Kinder sind ziemlich teuer. Wenn der Staat die Ausgaben so kürzt, wie es für eine spürbare Änderung der Abgabenlast nötig wäre, nehmen die Kosten, die privat zu tragen wären eher noch zu (Eltern- und Kindergeld sind übrigens Sozialleistungen, oder?). Es fällt mir schwer zu sehen, wie diese Rechnung aufgehen sollte.

Wie kam es dazu?

Ein Auto ist ziemlich teuer. Eine neue Heizung ist ziemlich teuer. Ein Urlaub ist ziemlich teuer. Kinder jedoch sind eine Investition in die Zukunft. Sie sind der Mehrwert unseres Daseins. Von den wenigstens von uns wird viel bleiben, wenn wir nicht mehr sind. Unsere Kinder aber und das, was wir ihnen mitgegeben haben, wird weitergetragen werden. Kinder sind häufig eine absolute Überforderung für die Elterm. Man versucht als Eltern alles richtig zu machen und hat trotzdem stets das Gefühl, es reicht nicht. Trotzdem sind Kinder das Elixier unserer Zukunft auf eine bessere Welt.

Sie sind also viel mehr als bloß teuer!

Ich habe keine Ahnung, was uns das Kindergeld, Elterngeld oder Kinderzuschlag kostet. Aber ich würde darauf verzichten, auch wenn ich dafür.vllt 50,- weniger habe und der Mehrwert dafür aber bessere Zukunftsperspektiven sind.

Ich persönlich habe festgestellt, dass es mich nicht zufriedener macht, nach oben zu schauen und mich darüber zu ärgern, was andere haben. Mich macht es zufrieden, wenn ich das Gefühl habe, auch Dinge/ Ziele erreichen zu können oder es meinen Kindern mal deutlich besser gehen kann. Das werde ich aber nicht mit „Stütze“ / Sozialtransfers vom Staat schaffen.

Woher weißt du das? Ist das vllt deine persönliche Meinung? Deswegen muss der Staat seine schützende und regilierende Hand pauschal über sämtliche Familien halten. Diese Aussage erinnert mich ein bisschen an unseren großen Fritz. Der ist der Meinung, dass wir alle zu schnell.krank machen, deswegen will er uns das jetzt so schwer wie möglich machen. Das ist aber auch nur seine persönliche Meinung, die nicht belegt ist.

Mit „Wir“ meine ich uns als Gesellschaft.

1 „Gefällt mir“

Es könnte sich lohnen mal genau zu kalkulieren, wie hoch die Kosten sind. Dann wird auch klar, dass es nicht um 50€/Monat geht, sondern eher um das 5-10fache pro Monat und dass der Mehrwert, der dann (woher genau?) kommen soll das, was damit an Perspektiven - viel eher wohl Grundlagen - geschaffen werden könnte, das nicht ausgleichen wird.

Das kann ja deine subjektive Sicht auf die Dinge sein. Ändert aber nichts daran, dass die Verteilung von Vermögen in der Gesellschaft den Korridor dessen wesentlich mitbestimmt, was du erreichen kannst und wie viel besser es deinen Kindern mal gehen könnte. Um im Bild zu bleiben: Wenn jeder seines Glückes Schmied sein soll, kann das nicht funktionieren, wenn die einen eine komplette metallverarbeitende Fabrik bekommen und deswegen für die anderen kaum genug übrig bleibt, um wenigstens schon mal einen Schmiedehammer zu bekommen. Gern noch verbunden mit dem Hinweis "Wenn deine Familie jetzt 3 Generationen lang hart arbeitet, habt ihr vielleicht eine Chance auf einen Amboß und dann noch 3 Generationen, dann habt ihr vielleicht auch Schmiedematerial… Solange alles klappt, keiner schwer krank wird etc.

Sozialtransfers sind regelmäßig nicht dazu da, dass Leute direkt ihre Ziele erreichen, sondern stellen sicher, dass Menschen nicht endgültig Chancen verlieren. Von daher ist es etwas unsauber, Sozialtransfers daran zu messen, ob sie jemandem, der nicht auf sie angewiesen ist, helfen, ein Ziel zu erreichen.

Ja, einerseits ist das meine Erfahrung. Ich sehe zwar 150 Kinder pro Woche und habe deswegen mit vielen Eltern zu tun, aber natürlich bliebe das nur meine anekdotische Erfahrung.

Allerdings wird diese anekdotische Erfahrung auch von einer ganzen Reihe (bildungs-)soziologischer Forschung seit langer Zeit gestützt. Die Voraussetzungen innerhalb von Familien werden immer heterogener, was bedeutet, dass wir immer weniger als gegeben voraussetzen können. Der Staat muss seine Hand wegen meiner nicht über Familien halten, aber zumindest dafür sorgen, dass Kinder aus dysfunktionalen Familien trotzdem möglichst chancengleich aufwachsen. Das wird ohne Sozialleistungen nicht funktionieren. Empfehlenswert zum Thema ist hierfür das Buch „Kinder - Minderheit ohne Schutz“ von Aladin El-Mafaalani, Sebastian Kurtenbacher und Klaus Peter Strohmeier und hieraus besonders die Kapitel 3 „Superdiverse Kindheiten“, 5 „Was brauchen Kinder“ und 6 „Kitas und Schulen als multifunktionale Institutionen“. (Es gäbe auch andere empfehlenswerte Literatur und Studien zum Thema, aber ich persönlich halte das Buch für den aktuell besten Überblick zum Thema).

Falls man sich nicht gleich das Buch schnappen will, gäbe es auch noch ein Interview in der LdN

oder noch ausführlicher hier bei jung&naiv

3 „Gefällt mir“

Als kinderloser Single bin ich natürlich froh, dass Du das so siehst. Aber Du brauchst nicht glauben, dass Deine Kinder später für Dich das sind, weil Du sie groß gezogen hast. Warum sollten sie? Sie sind Dir zu nichts verpflichtet, im Gegenteil werden sie selbst daran arbeiten müssen, ihren finanziellen Standard zu sichern. Kinder in die Welt zu setzen ist ein sozialer Akt an der Gesellschaft und Egoismus an dieser Stelle wird nur bedeuten, dass die mit Kindern noch größere Lasten werden tragen müssen.
Arbeitgeber nehmen auf Schwangere und Eltern nur Rücksicht, weil sie müssen. Weg damit. Gut für die Wirtschaft und macht uns flexibler. Mutterschutz und Elterngeld? Sozialleistung, weg damit. Kindergeld, Schulzuschuss für Geringverdiener alles weg damit.

Glaubst Du, dass da mehr reinfließen würde, wenn der Staat woanders Geld einspart? Die Politikerkinder sind auf Privatschulen. Die tangiert das Problem nicht.

1 „Gefällt mir“

Für die Eltern der nicht-Politikerkinder sind Bildungsthemen zudem wenig relevant für Wahlentscheidungen (wirklich damit befassen und die Themen durchdringen, können/wollen noch viel weniger, sodass viele Menschen gute Bildungspolitik auch dann nicht erkennen würden, wenn sie angeboten würde. Allein schon, weil die Wirksamkeit eher mehr als eine Legislaturperiode bräuchte). Sonst dürften Parteien, die Fehlschläge wie „Kopfnoten“ vorschlagen, keine Chance bei Wahlen haben.

Auf mittlere Sicht wären aber auch ohne Wählerwillen Politiker:innen interessiert an einem wenigstens ökonomisch funktionierenden Bildungssystem. Denn sonst ist auch die ökonomische Basis, auf der sie selbst stehen, gefährdet. Von daher ist es zu kurz gesprungen, nur mit dem kurzfristigen Eigeninteresse zu argumentieren, denke ich.

Mehr Geld in Bildung zu stecken wurde übrigens grade von der FDP versucht und im Ansatz steckte in deren Förderprogramm auf Bundesebene eine Reihe vielversprechender Ideen. Man konnte allerdings auch beobachten, wo Probleme liegen: Anstatt das Geld wirklich nach Bedarf zu verteilen, sicherten sich Bundesländer Gelder für Schulen, an denen der Bedarf nicht so gegeben war, einfach um auch ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu bekommen. Außerdem wurde zwar dieses Mal Evalutation mitgedacht (gut!), aber zu wenig dafür getan, dass Schulen, die vom Förderprogramm profitieren sollten, diese Evaluation auch gut und ohne viel Mehrarbeit mittragen können. So ganz einfach ist es also nicht, allerdings bleibt der Befund, dass wir pro Kopf im Vergleich nicht besonders viel für Bildung ausgeben und dann auch noch da besonders viel, wo es am wenigsten nötig wäre und den geringsten „Return on Investment“ verspricht (Gymnasien) natürlich trotzdem vielsagend.

1 „Gefällt mir“

Kinder sind vor allem eine Investition für die Gesellschaft. Für die einzelnen Eltern sind sie lediglich kostspielige Liebhaberprojekte/Hobbies.

Um so unverständlicher, dass du gerade Eltern weniger entlasten willst unter dem Vorwand, dass sie entlastet werden (weil sie 150€ weniger Steuern zahlen, dafür aber 250€ Kindergeld verlieren).

Selbstwirksamkeit ist sehr wichtig, toll, dass du für eine bessere Zukunft deiner Familie bereit bist zu arbeiten. Aber das widerspricht nicht einer fairen Lastenverteilung und einer moderaten Umverteilung von oben nach unten (statt wie bisher von mitte nach unten und von unten nach oben).

2 „Gefällt mir“

Als Mensch mit viel Vermögen und Aussicht auf eine noch größere Erbschaft sage ich: Super! Genau diese Einstellung wünscht sich meine Community von noch viel mehr fleissigen Bürger:innen. Denn dann stellt niemand in Frage, warum wir immer reicher werden ohne Großartig was dafür zu tun und es kaum noch eine Chance auf sozialen Aufstieg gibt. Ist ja schließlich alles „Selbstbestimmtheit und Eigenverantwortung“!

Du spiegelst hier die klassische selbstzerstörerische Weltsicht der „bürgerlichen Mitte“. Man grenzt sich ab von den „Transferempfängern“ und sieht den Staat als Klotz am Bein des eigenen Wohlstands. Das führt dann zu einer Identifikation mit den tatsächlich reichen Menschen und gemeinsames Arbeiten gegen Besteuerung usw.. Siehe auch die Selbsteinordnung des Multimillionärs Friedrich Merz als „obere Mittelschicht“.

Als „Verräter“ meiner finanziellen Klasse sage ich dir: Du bist auf dem Holzweg und arbeitest gegen deine eigenen Interessen und die deiner Kinder. Du kannst dir „Eigenverantwortung“ gar nicht leisten. Niemand mit weniger als einem achtstelligen Vermögen (also auch ich nicht) kann das wirklich.

„Eigenverantwortung“ bedeutet, dass du und deine Familie sehen müsst, wo ihr bleibt, wenn einer von euch eine Behinderung erleidet (statistisch nicht unwahrscheinlich). Wenn eines deiner Kinder drogenabhängig wird (das hat nichts mit deiner Fähigkeit als Eltern zu tun, sowas passiert manchen Familien einfach), dann ruf besser nicht nach Beratungs- und Hilfsangeboten. Wenn dein Chef deine Nase nicht mehr mag und dich vor die Tür setzt, dann verabschiede dich von deinem Eigenheim, denn das zieht dann die Bank ein.

So lange du kein „Fuck You“-Vermögen irgendwo liegen hast, ist die logische Konsequenz von „Eigenverantwortung“, dass beim ersten Stolperstein deiner Existenz diese „Fuck You“ gegen dich gerichtet wird.

Chancengleichheit gibt es nicht zum Nulltarif. Das kostet richtig Kohle. Und Überraschung: wenn du Chancengleichheit für dich und deine Kinder forderst, dann bekommst du die nur, wenn es Chancengleichheit für alle gibt. Und dann sind wir wieder bei der solidarischen Gesellschaft, zu der alle ihren Beitrag leisten müssen, auch du.

Es gibt genau zwei Wege hierhin:

  1. g > r, also „Growth“ > „Rents“. Frei nach Piketty: Wenn das Wirtschaftswachstum größer als die Rendite auf Vermögen ist, dann kann eine breite Bevölkerungsmehrheit profitieren. Das haben wir in Deutschland aber schon seit Jahrzehnten nicht mehr (dafür müsste das Wirtschaftswachstum bei deutlich > 5% liegen) und es kommt auch absehbar nicht wieder. Tatsächlich haben wir r > g und zwar deutlich.
  2. Systematische Umverteilung von Vermögen durch den Staat. Also ein künstliches g > r durch Steuern, Abgaben und Staatsausgaben.

Um Punkt 2 zu illustrieren: ich bin seit Abschluss meines Studiums vor etwa 15 Jahren berufstätig. Mein Einkommen aus Arbeit war seitdem in keinem Jahr größer als der Wertzuwachs meines Vermögens im gleichen Jahr, für den ich praktisch nichts arbeiten musste.

Dieser Wertzuwachs muss irgendwoher kommen. Wenn ich dafür nicht arbeite, muss es jemand anderes tun. Dieser jemand bist du. Ein (erheblicher) Teil deiner Anstrengung lässt das Vermögen anderer Leute wachsen. Daran kannst du nichts ändern und es ist in unserem Wirtschaftssystem auch so gewollt.

Solange dieser Vermögenszuwachs nicht wieder umverteilt wird, konzentriert er sich immer weiter. Fürher oder später werden auch „mittelmäßig reiche Menschen“ wie ich dann die Zeche zahlen müssen, denn der Staat wird kein Geld mehr haben, um die Infrastruktur zu finanzieren, auf die auch ich angewiesen bin. Aber du bist schon früher (schon jetzt) dran.

7 „Gefällt mir“

Wie ich geschrieben habe: Wir brauchen Menschen, die sich um Menschen kümmern, keine Behördenmitarbeiter, die über Anträge entscheiden. Das wäre ein wirklicher Gewinn für unsere Gesellschaft. Aber eine verordnete Solidarität, weil wir in einem Sozialstaat leben ist so hilfreich wie eine Verordnung gegen Rassismus, womit man aber den latenten Rassismus in der Verwaltung null eingedämmt bekommt.

Also , was ich sagen will, ist dass wir eine Miteinander und Füreinander aus Überzeugung brauchen und keinen Sozialstaat, der über Antragsstellungen, Genehmigungen und Kontrolle funktioniert. Dafür brauchen wir aber aus meiner Sicht Menschen, die sich für andere einsetzen aus Überzeugung und weil sie die Spielräume.( persönlichen und finaziellen Freiheiten) dafür haben und nicht einen umfassenden Sozialstaat.

2 „Gefällt mir“

Ich behaupte mal das der Mensch zwar ein soziales Wesen ist, aber nicht von Natur aus „gut“ und altruistisch.

Was die Personalauswahl in Behörden wieder schwierig macht.
Wie prüft man das im Bewerbungsverfahren?

2 „Gefällt mir“

Und welche Menschen sind das? In einer Gesellschaft, in der mein Ziel ist, meinen sozialen Status zu verbessern, das sich von staatlichen Fangnetzen verabschiedet hat, ist die Rechnung einfach:
Jede Stunde, die ich mich ehrenamtlich engagiere, kann ich kein Geld verdienen. Das muss ich aber, um meine Altersvorsorge zu regeln, die Firma von meinem Wert zu überzeugen, in der Firma zu netzwerken und mit Geld meinen Status zu verbessern. So ein Ehrenamt macht sich gut in meinem Liebeslauf, kann aber den Vorteil, den ein Investment in meine Karriere ausmacht, nie ausgleichen.

4 „Gefällt mir“

Das ist der böse Raubtierkapitalismus , von dem du sprichst.

Ich glaube nicht, dass unsere Gesellschaft in ein Rudel Wölfe zerfallen würde, wenn es nicht mehr alle Sozialleistungen UND Subventionen geben würde. Wölfe sind übrigens sehr soziale Wesen , die sich freiwillig umeinander kümmern;)

Ich bin aus dem Alter raus, wo es mir um Lebensläufe geht. Mir geht es um Überzeugung und Wille. Ich würde helfen, weil ich es will. Ich habe geholfen, weil ich es wollte. Das ist ein Unterschied. Dazu muss es mir aber gut gehen, damit ich anderen helfen kann. Wenn ich aber das Gefühl habe, dass ü ermäßig viel von dem, was ich erwirtschafte abgezweigt und für Zwecke ausgegeben wird, mit denen ich mich nicht identifiziere, leidet darunter meine Empathie.

3 „Gefällt mir“

Also zum einen geht es mir doch darum, dass wir als schneller schaffen als in der 3. Generation aufzusteigen, zum anderen sage ich doch auch, dass bei Kindern/ Jugendlichen und sogar Studenten nicht gespart werden darf. Chancengleichheit heißt doch, dass wir alle die Chance haben Vermögen aufzubauen und zum anderen aber auch alle das Risiko tragen, Geld zu verlieren.

Aber wofür brauchen wir da einen Staat, der einen Ausgleich schafft. Dieser Staat muss Chancengerechtigleit schaffen aber kein Vermögen horizontal und vertikal verteilen.

Wir brauchen keine überbordende Bürokratie , die stets in ihrem eigenen Saft erstickt und nicht den Menschen dient sondern sich nur um sich selbst dreht.

Wir brauchen einen starken Staat, der seinen Bürgern die beste Infrastruktur bereitstellt. Infrastruktur ist hier wirklich breit gefächert (WLAN, Straßen, ÖPNV, Öffentliche Sportstätten, Bibliotheken usw)

2 „Gefällt mir“

Es ist erschreckend, dass sich diese Sichtweise offenbar in unserer Gesellschaft wirklich festsetzt. Meine Frau hat mir von zwei alten ( kinderlosen) Damen ( wohlgemerkt Freunde) erzählt , die neulich in unserer Küche saßen und ähnliche Dinge von sich gaben… ich finde das wirklich erschütternd!

Also wenn nun ich aber keine Kindegeld mehr bekomme, dafür aber auch keine Kitagebühren und kein Essensgeld mehr bezahle, sowie die OGTS und sämtliche Lehrmittel kostenfrei sind. Wie sieht die Rechnung dann aus?

Wir brauchen also weniger Behörden und mehr Menschen, die sich freiwillig um andere kümmern;)

In meinem Ausgangspost schreibe ich, dass ich bis vor einiger Zeit auch immer der Meinung war, dass sich hier und da der Staat einsetzen muss. Mittlerweile sehe ich das ein bisschen anders. Aus meiner Sicht haben wir in den Behörden eher eine Mentalität, dass es darum geht, Anträge negativ zu bescheiden. Aus diesem Dilemma sollten wir irgendwie rauskommen.

Das ist nichts kinder- oder elternfeindliches. Das ist einfach Fakt. Ich bin selber Vater.

Es ist ja schön, dass du Kinder gerne so framen willst, dass Eltern die finanzielle Belastung einfach schlucken während die Gesellschaft die finanziellen Vorteile aus ihnen zieht.

Kindergeld ist eine Variante das Existenzminimum von Kindern aus der Steuerpflicht rauszuhalten. Streicht man das Kindergeld und belässt es beim verfassungsmäßig notwendigen Steuerfreibetrag für Kinder, führt das im Ergebnis nur dazu, dass man mehr Geld spart, je besser man verdient.

Aber ansonsten wäre ich nicht abgeneigt, das Kindergeld und den Kinderfreibetrag zu senken und dafür die direkte Bedarfe von Kindern antragsfrei kostenlos zu machen.

2 „Gefällt mir“

Fakt ist, dass die soziale Mobilität deutlich abgenommen hat:

„Der Einfluss des Einkommens der Eltern auf die Bildung und das spätere Einkommen der Kinder hat sich Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre innerhalb von einer Generation verdoppelt“, sagt ifo-Forscherin Julia Baarck.

Eine mögliche Ursache für geringere soziale Mobilität sei vor allem der steigende Einfluss des Elterneinkommens auf den Bildungserfolg der Kinder. Der Rückgang der Einkommensmobilität fällt zeitlich mit einem starken Anstieg der Einkommensungleichheit in den 1990er und 2000er Jahren zusammen. „Die Kombination einer steigenden Ungleichheit und sinkenden Mobilität stellt eine toxische Mischung für die Chancengerechtigkeit in Deutschland dar“, sagt Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen.

Im internationalen Vergleich ist die Einkommensmobilität in Deutschland inzwischen ähnlich gering wie in den USA. Bisher dokumentierten Studien für Deutschland eine höhere Einkommensmobilität.

Dies nur zum Thema Chancengerechtigkeit.

Aber es gibt ja verschiedene weitere Gerechtigkeitsdimension, die mit Ressourcenverteilung zu tun haben: Leistungsgerechtigkeit, Bedarfsgerechtigkeit, Generationengerechtigkeit u. dgl.

Rawls ziemlich clevere Theorie der Gerechtigkeit als Fairness (s.o.) simpelstmöglich heruntergebrochen besagt im Kern:

Alle sozialen Werte – Freiheit, Chancen, Einkommen, Vermögen und die sozialen Grundlagen der Selbstachtung – sind gleichmäßig zu verteilen, soweit nicht eine ungleiche Verteilung jedermann zum Vorteil gereicht.

Das ist schon sehr schlüssig entwickelt.

3 „Gefällt mir“

Wie steht Dein Modell denn zu Vermögen?

Eine Vermögenssteuer wäre da eher kontraproduktiv, oder?
Du kannst Deinen Kindern jedes Jahr 40.000€ steuerfrei schenken, Dein Ehepartner auch.
Wie willst Du da Chancengleichheit schaffen?
Das eine Kind hatte eine kostenlose Bildung bekommen, das andere auch, aber dafür mit 16 640.000€ zusätzlich + Zinsen und ein Notizbuch von Papi mit allen möglichen CEOs, mit denen Papi gut befreundet ist. Kostenlose Bildung reicht nicht, um Chancengleichheit herzustellen.

3 „Gefällt mir“

Mal dumm gefragt: Bezweifelt das jemand ernstlich?

1 „Gefällt mir“

Das ist doch der Kern des Problems.

Nur sind die Lösungsansätze verschieden. Ich glaube eben nicht (mehr) an Umverteilung als Lösung sondern an die menschliche Innovationskraft und wünsche mir dafür die besten Rahmenbedingungen.

1 „Gefällt mir“

Da gibt es ganz verblüffende Studien / Experimente die zeigen, dass Menschen die mit erheblich besseren Startchancen in ein Spiel gehen (Zum Beispiel Monopoly) und dadurch unausweichlich gewinnen, am Ende des Spiels überzeugt sind, der Sieg sei allein auf ihre überlegene Spielweise zurück zu führen.

Das selbe passiert bei Reichen, die reich durch Glück oder Zufall wurden. Die sehen de facto keine Ungerechtigkeit darin. Auch nicht in der historischen Betrachtung die klar zeigt, dass alles einmal Allmende war. Es gibt keinen (Land)-Besitz einzelner, der ohne gewaltsame Übernahme entstanden wäre. Die Gesetze, die das legitimierten, kamen viel später. Und die Überzeugung, „was lange her, ist heut’ legal“ hat sich gefestigt.

Deshalb glaube ich nicht, dass sich eine veritable Anzahl besonders vermögender aus freien Stücken zu mehr Gerechtigkeit bekennen oder auch nur einem Diskurs auf Augenhöhe stellen will. Schon weil sie, wie gesagt, nichts ungerechtes erkennen können.

Das müsste also von denen angestrebt werden, die nicht alles so gerecht finden. Und @Simsalabeam s Kondensat wäre doch vielleicht ein schönes, gemeinsam anzustrebendes Ziel:

Die Gerechtigkeit ist die erste Tugend sozialer Institutionen - so wie Wahrheit für Theorien.

2 „Gefällt mir“