Abgesehen davon liegt @Flixbus hier falsch, wenn er von „beliebigen Themen“ spricht.
Es ist mehr oder weniger Konsens durch alle politischen Spektren hindurch, dass die sehr einseitige deutsche Israel-Politik uns viel Ansehen bei einigen Staaten (vor allem im globalen Süden) gekostet hat. Dass es daher hier einen massiven Zusammenhang gibt, kann man nicht von der Hand weisen. Es ist daher kein „beliebiges Thema“. Deutschlands richtige und sehr eindeutige Positionierung im Ukraine-Krieg beißt sich einfach massiv damit, dass Deutschland sowohl beim US-Angriff auf Venezuela, als auch beim Iran-Krieg, als auch beim Gaza- und vor allem Libanon-Krieg eine indifferente Position vertritt und sich nicht ebenso deutlich zu einer Verurteilung durchringen kann, obwohl diese Fälle völkerrechtlich ebenso eindeutig sind. Und ebenso, wie wir Russland bei jedem Thema mit Bezug zum Ukraine-Krieg negativ bewerten, bewerten wir hier natürlich Israel bei jedem Thema mit Bezug zum Nahost-Konflikt, vor allem aber der Siedlungspolitik (die gerade im Gaza- und Libanonkrieg wieder eine massive Rolle spielt, da Israel hier massive, dauerhafte Landnahmen plant!), negativ. Daraus einen Vorwurf zu machen ist genau das, was der globale Süden an Deutschland kritisiert: Diese elendigen Beißhemmungen gegenüber befreundeten Staaten, die ganz klar etwas verwerfliches tun.
Ich denke auch, das Deutschland in den letzten Jahren und heute ein sehr indifferentes Bild abgibt.
Einerseits pochen wir sehr aufs Völkerrecht (Ukraine), tun uns (zumindest anfangs) schwer mit konkreter Unterstützung (Panzer, Flugzeuge, Taurus), andererseits die schon beschriebene Beisshemmung gegenüber Israel und USA.
Das wirkt opportunistisch, wenig konsequent.
Zudem die aktuell wirtschaftlich eher wenig überzeugende Performance, der Regierungsbruch der Ampel, und wohl auch das Erstarken einer rechten AfD.
Da guckt auch das Ausland genau hin.
Da erscheinen wir grad wenig als starker und verlässlich bzw. verbindlicher Partner für internationale Verantwortung.
Wie sich das so darstellt, war es wohl so, dass Deutschland davon ausging, dass sie alle 8 Jahre einen Sitz bekommen. Und als nach Österreich sich Portugal um den zweiten Sitz beworben hatte, wurde Deutschland klar, dass dieser Automatismus anscheinend so nicht mehr gilt und hat sich als drittes Land auf den zweiten Sitz beworben.
Im Ergebnis also vielleicht auch schlicht ein Zeichen in Richtung der Großen, dass auch kleinere Staaten das Recht haben, in der UN vertreten zu sein.
Aber vielleicht war auch alles ganz anders und ein riesiger Stinkefinger in Richtung Deutschland.
Die Abstimmung war wohl geheim. Wir wissen also nicht mal, wer uns da in den Rücken gefallen ist und unser ungeschriebenes Anrecht einfach so geklaut hat.
Den DLF Beitrag in Bezug der Gründe für wenige Stimmen zusammengefasst in wenigen Stichpunkten (Reihenfolge ohne Anspruch auf Gewichtung)
Deutschland wurde wohl vorab signalisiert, dass es genügend Stimmen zusammen hätte. Einige Länder hätten sich an ihre Aussage wohl nicht gehalten
Von den Gesprächspartnern benannte Gründe für die Entscheidung gegen Deutschland
Arrogante Selbstgewissheit alle 8 Jahre Anspruch auf einen Sitz zu haben → Verärgert kleine Staaten
Deutschlands halbherziges Werben und die Abwesenheit des Kanzlers bei der Generalversammlung (es war Haushaltswoche in Berlin)
Kürzung der Entwicklungshilfe → mglw. etwas Einfluss bei kleinen Staaten
Deutschlands Nachsichtigkeit gegenüber Israel, während es sonst immer so sehr aufs Völkerrecht pocht → starker Nachteil, da UN mehrheitlich israelkritisch
Deutschlands Nachsichtigkeit gegenüber USA, während es sonst immer so sehr aufs Völkerrecht pocht → starker Nachteil bei kleinen Staaten
Deutschlands passiv-ignorantes Verhalten bei der Palästinakonferenz
nur untergeordneter Einfluss: Russlands Kampagne gegen Deutschland - hätte nur ein Potenzial von ca. 10 Stimmen gehabt