Lieber Philip Banse,
Lieber Ulf Buermeyer,
als Hörer Ihres Podcasts „Lage der Nation“ schätze ich Ihre faktenbasierten Analysen zur aktuellen Politik. Angesichts der zunehmenden Unregierbarkeit durch Koalitionsprobleme und sinkendes Vertrauen in Parteien möchte ich eine intensivere Befassung mit der Thematik des deutschen Parlamentarismus anregen.
Wir reden gerade viel über politische Ränder, Politikverdrossenheit und Vertrauensverlust von uns Wählern. Das Erkennen und Benennen dieses Problems ist präsent, konkrete Lösungsvorschläge in meiner Wahrnehmung weniger.
„Was tun gegen die AfD“ lautet gerade die hilflos anmutende Frage. „Einfach gute Politik machen“ war bei Ihnen mal eine Antwort, soweit ich mich erinnere.
Ist dies aber mit unserem jetzigen parlamentarischen System noch möglich?
Ferdinand von Schirach z.B. thematisiert eindringlich die Grenzen unseres Systems bei langfristigen Zukunftsfragen.
( „Kanzlergesetze“, siebenjährige Wahlperiode, Landtagswahlen bundeseinheitlich am selben Tag durchführen)
Ein inspirierendes Modell bietet die Schweiz mit ihrer Konkordanzdemokratie: Große Mehrheiten aller politischen Lager bilden gemeinsam die Exekutive, was zu stabileren und breiter legitimierten Entscheidungen führt – ergänzt durch direktdemokratische Elemente.
Wäre so ein Modell ein Denkanstoß, um Polarisierung und Politikverdrossenheit in Deutschland zu begegnen?
Welche andere Modelle gibt es?
„Wenn etwas nicht funktioniert, versuche etwas anderes“ ist ein schöner Satz.
Dieser Themenbereich taucht immer mal in der Lage auf. Gerne nehme ich einen Hinweis auf eine Folge an, die ich zu diesem Thema vielleicht verpasst habe.
Ansonsten fände ich es wertvoll, explizit über die Zukunft der Demokratie im 21. Jahrhundert zu sprechen – nicht nur mit Blick auf Missstände, sondern auf neugestaltende Lösungen.
Vielleicht ist dieser kleine Steinwurf geeignet, größere Wellen zu erzeugen, denn bekanntlich beginnt ja auch die schwerste, vermeintlich nicht zu meisternde Wanderung mit dem ersten kleinen Schritt.
Mit freundlichen Grüßen,
Uwe
61 Jahre alt
Opernsänger am Nationaltheater Mannheim