Deutsche Bahn Regio

Da ich des öfteren beruflich mit dem Regionalverkehr R2 auf der Pendelstrecke zwischen Osnabrück und Düsseldorf unterwegs bin, ist mir aufgefallen, dass mit Arbeitsstart der neuen Bahnchefin die Züge häufig nicht mehr bis zu ihren Endhaltestellen fahren. Stattdessen enden sie so an einem früheren Haltepunkt, dass sie “pünktlich” den Rückweg antreten können. Gut für die Statistik. Schlecht für RB-Reisende wie mich, die sich regelmäßig z.B. in Lengerich ausgesetzt fühlen, wo sie warten müssen, bis der nächste Zug mit weniger Verspätung kommt und sie die letzten Kilometer nach Osnabrück fährt.

Gibt es dazu weitere Erfahrungen innerhalb der Lage-Community? Ich habe den Eindruck, dass sehr viele Mitreisende, die wie ich aus Kostengründen auf das D-Ticket angewiesen sind, ein Gefühl der Vergeblichkeit und Hilflosigkeit entwickeln; vor allem, wenn ich im aktuellen ZEIT-Interview mit Frau Palla lese, dass im Regionalverkehr 90% der Züge pünktlich seien.

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Das war meines Wissens schon vorher so.

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Die sogenannte Pofalla-Wende.

Um die Pünktlichkeit von Zügen im Bahnfernverkehr zu gewährleisten, schlug Pofalla 2018 vor, dass Züge planmäßige Halte überspringen oder bei starker Verspätung auch vor dem Zielbahnhof umkehren sollten, damit der Zug in umgekehrter Richtung wieder pünktlich sei.

Aus Ronald Pofalla – Wikipedia

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Ich bin ein knappes Jahr ebenfalls mit der RE2 nach Düsseldorf gependelt. Das war noch vor der neuen Bahn-Chefin. Die Bahn fuhr regelmäßig nur bis Duisburg und von da aus zurück. Fand ich auch immer sehr ärgerlich. Besonders dann, wenn ich in Düsseldorf am Gleis stand und keine Chance mehr hatte rechtzeitig nach Duisburg zu kommen.

Edit: Was mir in der Zeit aber auffiel: Oft hatte die Bahn erhebliche (!) Verspätung, ohne dass dies am Bahnsteig oder in der Bahn-App angezeigt wurde. Da hatte ich einen ähnlichen Verdacht wie du, dass hier Statistiken schöngehalten werden.

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Boah das macht so unglaublich wütend. Das kann doch einfach alles nicht wahr sein! Wie kann man das mit seinem Gewissen vereinbaren, für über 10.000€ im Monat als Vertreter des Deutschen Volkes im hohen Haus des Deutschen Bundestages vorsätzlich so einen, Entschuldigung, Schwachsinn zu veranstalten?! (Sorry, Pofalla war vor meiner Zeit.)

Sämtliche Probleme sind hervorragend untersucht und die Verantwortlichen schaffen es einfach nicht, Geld in die Hand zu nehmen und das Problem zu lösen. Stattdessen wird man mittlerweile offen angelogen und mit Scheindebatten abgelenkt.

Über das Bahn Problem gibt es ganze Bücher, schon seit Jahren, und dennoch wird sich mehr angestrengt, Statistiken zu beschönigen, statt ein sachliches Problem zu lösen.

Mit der Logik dürfte kein einziger Politiker sein Studium oder Ausbildung geschafft haben.

Man ey, sorry für den rant.

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Geld ist meines Wissens bei der Bahn kein Problem mehr. Viel mehr macht der Bahn der Modernisierungsstau zu schaffen.

Du kannst nicht einfach wild Baustellen eröffnen. Es muss auch Bautrupps geben, die dort arbeiten können, Umleitungen müssen eingerichtet und eingetaktet werden. Das ist alles andere als trivial.

Verspätungen werden noch einige Jahre Standard sein. Und unter Umständen ist es da auch sinnvoller, Halte ausfallen zu lassen, um den Fahrplan wieder in den Griff zu bekommen. Denn jede Verspätung hat Auswirkungen auf andere Züge, die dann nicht mehr planmäßig fahren können (Streckenabschnitt durch verspäteten Zug belegt) und damit Verspätungen aufbauen.

Ärgerlich, aber leider nicht zu verhindern.

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Ja, ich bin jahrelang privat nur ÖPNV (Regionalverkehr) und beruflich sehr viel DB Fernverkehr gefahren. Auf ein Auto habe ich leicht verzichten können. Meine Mobilitätserfordernisse haben sich seitdem kaum verändert, aber die Zuverlässigkeit wurde konstant schlechter, weshalb ich vor wenigen Jahren aufgegeben und mir doch ein Auto zugelegt habe. Innerstädtisch nutze ich weiterhin ausschließlich Füße, Fahrrad, Deutschlandticket, aber Strecken außerhalb versuche ich schon gar nicht mehr mit der Bahn.

Der Modernisierungsrückstücke ist viel zu groß. Monatelange Sperrungen, Taktausdünnungen und immer Ausfälle und Verspätungen verschrecken auch hartgesottene Pendler.

Ein Problem bei der Behebung des Zustands sind aber nicht nur mangelnde Bautrupps und komplexe Arbeiten, sondern auch viel zu lange Genehmigungsverfahren und Einspruchmöglichkeiten. In Deutschland hat man sich leider auf verhindern und zermürben spezialisiert, anstatt zum Gemeinwohl in Fortschritt zu investieren.

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Das klingt hier schon so, als wäre nicht für alles Geld da.

Ich durfte einige Jahre RB zu einer Endhaltestelle fahren. Immer wieder durfte ich ca. 20 km vorher aussteigen, weil die Bahn dort umkehrte. Diese Bahnen tauchen dann in keiner Statistik mehr auf., und ich strandete an einem Bahnhof und durfte auf den nächsten Zug warten, oft 30-50 Minuten lang. Sprich Reisende, die an Endhaltepunkte reisen wollen, haben ein noch höheres Risiko auf Verspätung als alle anderen.

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Dienen solche Maßnahmen - neben dem „Schönen“ der Verspätungsstatistik – nicht auch dazu, dass weniger Menschen von Verspätungen betroffen sind? Auch wenn es für diejenigen, die an den ausgefallenen Haltestellen aussteigen sollten, besonders ärgerlich ist!

Reduktion kaskadierender Verspätungen: Das Schienennetz ist zu 25% mit hochbelasteten Streckenabschnitten ausgelastet - selbst kleine Störungen führen zu großen Beeinträchtigungen, die sich kaskadierend verstärken. Ein stark verspäteter Zug blockiert Gleise und gefährdet die Pünktlichkeit nachfolgender Züge.

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War vorher schon so. Pofalla Wende. Geht nicht um ein Schönen der Statistik, sondern um für den Rückweg wieder „in den Takt“ zu kommen.

Doch, die Motivation ist auch die Statistik. Das belegen interne Dokumente der Bahn.

Aber die Frage ist: Leider durch solche Maßnahmen nicht weniger Menschen unter der Unpüntlichkeit?

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Das würde ich aus dem Artikel nicht rauslesen.
Zitat: Die interne Formulierung eines Mitarbeiters sei „falsch“. […] Wenn ein Zug im Fall starker Verspätungen ausfällt, sei das „betrieblich sinnvoll“, wenn dadurch Auswirkungen auf andere Züge begrenzt und bei hochverspäteten Fahrten die arbeitsrechtlichen Vorgaben für das Zugpersonal eingehalten werden.

Bei uns im Konzern gab es auch interne Mails, in denen Mitarbeiter ihre Ansicht zu Dingen mit starken Worten ausdrückten. Auch wenn sie nicht wirklich den Überblick hatten. Dadurch wurden diese Aussagen nicht „richtig“ oder „wahr“.

Die Begründung der Bahn, dass es absolut Sinn macht, ggf. die Fahrt zu verkürzen/beenden/ ausfallen zu lassen macht Sinn.

Dass dadurch dann die Statistik verfälscht wird, das stimmt. Aber das ist nicht die Motivation. Und versuche mal, einen Algorithmus zu finden, der den Ausfall adäquat in einer Verspätungsstatistik abbilden könnte.

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Fair point. Es fehlen wohl bis 2029 2 Mrd €. Bundesregierung fehlt weiter Geld für den Bahnausbau

Gleichzeitig werden aber 100 Mrd € im gleichen Zeitraum investiert. Das ist doch echt eine starke Quote. Deutschland legt bei Investitionen ins Schienennetz zu

Auch muss man zugute halten, dass es bei den fehlenden 2 Mrd € nur um Ausbauprojekte geht. Wie wichtig die für die Verbesserung der Verbindungsqualität sind weiß ich nicht. Ich glaube aber wir alle sind happy genug wenn die Deutsche Bahn die bestehenden Routen saniert bekommt. Da ist mehr als genug Rückstand aufzuholen.

Und selbst da haben Brancheninsider genug Zweifel, ob genügend Personal, Bauteams und Co verfügbar sind.

Branchenkenner sind indes skeptisch, ob die Deutsche Bahn das ehrgeizige Bau- und Umleitungskonzept hinbekommt wie vorgesehen. Schon jetzt gebe es zu wenig Planer, zu wenig Disponenten, zu wenig Baufirmen und Ingenieure für solch große Bahnbaustellen in Deutschland.

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Und wenn der nächste Zug wieder Verspätung hat, kehrt der auch vorher um und der Kunde kommt eben zwei Stunden später nach Hause?
Finde das auch relativ schockierend. Dann muss die Bahn eben Taxen oder Busse einsetzen, wenn sie den Kunden nicht anders ans Ziel bringen kann.

Unter bestimmten Bedingungen und bei Kosten bis zu 120 Euro können Fahrgäste statt einem ausgefallenen Zug auch ein Taxi auf Kosten der Bahn nehmen: Ihre Rechte als Fahrgast im Eisenbahnverkehr

Allerdings muss es dafür ein Taxi geben. Erfahrungsgemäß sind die schnell alle besetzt, wenn ein Zug die gesammelte Reisegruppe ausspuckt :wink: .

Außerdem zahlt die Bahn gestaffelte Entschädigung bei 60 bzw. 120 Minuten Verspätung. Inzwischen kann man das auch recht komfortabel mit einem Klick in der App beantragen. Sollte man in jedem Fall machen, weil das der Bahn einen stärkeren ökonomischen Anreiz gibt, Verspätungen und Zugausfälle zu minimieren.

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Das kommt aber auch auf den Ort an wo der Zug umkehrt.

Würde z.B. der Zug mit dem ich regelmäßig fahre eine Haltestelle früher umkehren, dann käme ich zur Endhaltestelle nicht nur mit dem nachfolgenden RE meiner Route, sondern auch mit der RB, einem weiteren RE mit anderer Route sowie alle 15 Minuten einer S-Bahn.

Gerade zu den weniger stark frequentierten Zeiten überwiegt da in meinen Augen der Effekt wieder in den Takt zu kommen. Zur Rush Hour würde man dagegen Kapazität die benötigt wird verlieren.

In die andere Richtung wäre es aber schlimmer. Da wäre man in einem kleinen Ort gestrandet, müsste entweder auf den nächsten Zug warten (was bei deutlicher Verspätung evtl. Gar nicht so lange ist) oder einen Bus nehmen der aber auch nur stündlich fährt.

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Das ist recht trivial einfach die Statistik von der anderen Seite aus denke und als „Pünktlichkeitsstatistik“ berechnen:

Anteil pünktlicher Stopps = pünktliche Stopps geteilt durch geplant Stopps.

Wenn man dann unbedingt eine „Verspätungsstatistik“ haben will: 1 minus Anteil pünktlicher Stopps.

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Stimmt, das wäre machbar.
Ich habe für mich die Verspätung nach Zeit gewichtet, ob mehr oder weniger würde bei mir einen Unterschied machen. Und war bei Zug fällt aus = unendliche Verspätung = wie soll ich das bewerten, dann hängengeblieben.

Es würde mich interessieren, wie die Statistik heute berechnet wird. Ob zB jeder Stopp einzeln gewertet wird, ob es eine „Gesamtwertung je Zugfahrt“ gibt, die erst im 2. Schritt in eine Gesamtquote eingeht oder was auch immer …Ich weiss es nicht.

Ich habe im Laufe der Zeit mit einigen gebeutelten Mitreisenden über das Thema gesprochen. Mit den meisten war ich mir einig, dass dieses Thema, die letzten Haltestellen ausfallen zu lassen, schwierig zu beurteilen ist, weil uns vermutlich auch einfach viele Informationen dazu fehlen. Gleichzeitig fühlt man sich aber auch derart hilflos, wenn man irgendwo im Nirgendwo an einem kleinen Haltepunkt ausgesetzt wird, dass das Potenzial für Verschwörungstheorien einfach riesig ist. Wenn es für die letzten zwei, drei Haltestellen einen Ersatzbus gäbe, um guten Willen zu zeigen, sich um die Regionalbahnreisenden zu kümmern, wäre meiner Meinung nach viel geholfen. Das wäre dann ein positives Signal, dass die Menschen ernst genommen werden.

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Die Strecke Weimar-Gösnitz wurde jetzt nicht elektrifiziert - das betrifft die Anbindung an osteuropäische Städte, aber auch die Frage ob Jena und Weimar irgendwann mal sinnvoll an den Fernverkehr angebunden werden können (aktuell fährt da ein IC und der muss diesen Abschnitt von einer Diesellok gezogen werden)
Also zu sagen “Ist doch nur Ausbau/Neubau, wird schon nicht so wichtig sein” - das trifft glaube ich nicht