Jetzt mal etwas anekdotisch-spekulativ:
Es hat glaube auch viel mit dem Zeigeist/ den jeweiligen Rahmenbedingungen und den damit verbunden Erwartungen zu tun.
Die Nachkriegsgeneration hatte viel Leid und Entbehrung erlebt und wusste, Veränderung (=Wiederaufbau) klappt nur wenn alle tatkräftig anpacken. Die Erwartungen an den Staat waren da eher nicht so hoch hinsichtlich Unterstützung.
In meiner Kindheit war der Kalte Krieg der Status Quo, da hat die Existenz von Militär und damit verbundene Kosten die Mehrheit eher nicht hinterfragt. Weil die Kehrseite der Medaille gut vorhersehbar war. Und es galt noch etwas das Credo der Elterngeneration „wenn du was willst, kümmere dich selbst drum“.
Ab den 90ern war die Erwartung eher ewiger Frieden, wachsender Wohlstand durch globalen Handel, wenig Beschränkungen, Freiheit und dadurch auch die finanziellen Möglichkeiten, den Sozialstaat auszubauen, um den Schwächeren zu helfen.
Was in den Köpfen dazu führte, war die Erwartung, wenn etwas nicht gut läuft, kümmert sich der Staat schon drum. Mutti Merkel hat das ähnlich propagiert.
Nun sind wir in einer Phase, wo die finanziellen Spielräume enger werden und wir uns unseren Sozialstaat zumindest in bisherigem Umfang nicht mehr dauerhaft leisten können, dazu ist Krieg wieder eine konkrete Bedrohung, der Klimawandel nimmt immer spürbar Formen an.
Eigentlich wäre jetzt gefordert, das alle wie in früheren Krisenzeiten wieder gemeinsam an einem Strang ziehen. Aber dieser gedankliche Wechsel tut weh und ist zäh.
Mal ein banales Beispiel: wir wohnen in einer 6-Parteien Mietanlage. 5 der Mietparteien sind über 50 bis teils über 70, dazu ein junges Pärchen Mitte 20.
Das vorgeschriebene Schneeräumen machen die Ü50er, trotz teils gesundheitlicher Probleme.
Der junge Mann hält sich da raus. Nicht aus Unwillen, wenn man ihn fragt oder direkt um Hilfe bittet, ist er bereitwillig. Aber er sieht da keine Notwendigkeit von sich aus tätig zu werden. Es liegt außerhalb seiner Wohnung, für alles draußen ist die Stadt ja zuständig.
Also beileibe keine Böswilligkeit, sondern einfach eine andere Wahrnehmung und Erwartung.
(Soll jetzt kein Generationenbashing sein, nur eine Feststellung. Keine Generation war besser, jede nur anders).
Also ich denke es hat viel auch mit den Rahmenbedingungen und der damit erfolgten Sozialisierung zu tun, das sich demokratische Prozesse anders gestalten als früher.